Elektrische Leitfähigkeit im Wasser: Bedeutung, Messung & Praxis-Tipps
Die elektrische Leitfähigkeit ist ein entscheidender Parameter zur Beurteilung der Wasserqualität. Sie gibt Aufschluss über die Menge der im Wasser gelösten elektrischen Leiter wie Salze und kann so auch auf bestimmte Verunreinigungen hinweisen. In diesem Ratgeber erfahren Sie unter anderem, wie die elektrische Leitfähigkeit des Wassers definiert ist, wie diese gemessen wird und welche Bedeutung der Wasserparameter für die menschliche Gesundheit und Komponenten der Wasserinstallation hat. Außerdem nennen wir Ihnen Gründe, wann und warum die Messung der elektrischen Leitfähigkeit auch für Privatpersonen sinnvoll ist. (Stand Dezember 2025).
Inhalt
Was ist die elektrische Leitfähigkeit des Wassers?
Die elektrische Leitfähigkeit des Wassers beschreibt die Fähigkeit des Wassers, elektrischen Strom zu leiten. Reines, destilliertes Wasserleitet praktisch keinen Strom, da es nahezu frei von gelösten Stoffen ist. Erst durch gelöste Salze, Mineralien und andere Stoffe wird Wasser elektrisch leitfähig. Die Stoffe zerfallen im Wasser zumindest teilweise in elektrisch geladene Teilchen, die sogenannten Ionen. Es gibt positiv geladene Kationen (z. B. Calcium, Magnesium) und negativ geladene Anionen (z. B. Chlorid, Sulfat). Sobald eine elektrische Spannung angelegt wird, bewegen sich diese Ionen zur entgegengesetzt geladenen Elektrode. Dieser Ionenfluss ist der Grund, warum Wasser leitfähig wird. Je mehr Ionen im Wasser vorhanden sind, desto höher ist die elektrische Leitfähigkeit des Wassers.1
In welchen Einheiten wird die elektrische Leitfähigkeit gemessen?
Die gängige Einheit der elektrischen Leitfähigkeit (teilweise auch als Konduktivität oder EC-Wert bezeichnet) ist Siemens pro Meter (S/m). Da die Werte in der Wasseranalytik jedoch meist sehr klein sind, werden in der Praxis häufig die folgenden kleineren Einheiten verwendet:1
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Mikrosiemens pro Zentimeter (μS/cm): Dies ist die Standardeinheit für Trinkwasser und Süßwasser.
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Millisiemens pro Zentimeter (mS/cm): Diese Einheit wird häufig bei Salzwasser verwendet.
Wichtig zu wissen: Die Leitfähigkeit von Wasser ist stark temperaturabhängig. Mit steigender Temperatur nimmt die Beweglichkeit der Ionen zu, was den Messwert erhöht. Daher beziehen sich offizielle Angaben, wie die der Trinkwasserverordnung, in der Regel auf eine Referenztemperatur von 25 °C.1
Wie wird die elektrische Leitfähigkeit gemessen?
Die Messung der Leitfähigkeit im Wasser (EC-Wert von Wasser) erfolgt mit speziellen Leitfähigkeitsmessgeräten (Konduktometern), die mit Elektroden ausgestattet sind. Das Messprinzip basiert auf dem Ohmschen Gesetz und misst den elektrischen Widerstand zwischen zwei Elektroden:2
Messverfahren im Überblick
Konduktive Messung: Zwei oder vier Elektroden werden ins Wasser getaucht und eine Spannung wird angelegt. Das Messgerät ermittelt den elektrischen Widerstand und rechnet diesen in die Leitfähigkeit um.
Induktive Messung: Diese Methode wird bei stark verschmutzten und mit aggressiven Substanzen versetzten Proben angewendet. Die Messung erfolgt hier über Induktion – ohne direkten Kontakt der Elektroden zur Probe. Die Elektroden bzw. Messspulen sind dabei beispielsweise mit chemikalienbeständigen Kunststoffen ummantelt.
Wichtig zu wissen: Bei der Messung der Leitfähigkeit von Wasser müssen unter anderem folgende Faktoren beachtet werden:
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Die Wassertemperatur beeinflusst das Ergebnis erheblich (ca. 2 % Anstieg pro °C Temperaturerhöhung).3
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Luftblasen an den Elektroden verfälschen die Messung.
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Die Elektroden müssen regelmäßig kalibriert und gereinigt werden.
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Die Messelektroden sollten in der Regel vollständig in das Wasser eingetaucht sein (Bedienungsanleitung beachten).
Grenzwert der elektrischen Leitfähigkeit in der deutschen Trinkwasserverordnung
Die deutsche Trinkwasserverordnung enthält einen Grenzwert für die elektrische Leitfähigkeit von Trinkwasser. Dieser beträgt 2.790 µS/cm bei 25 °C.1 Der Wert dient als Indikatorparameter und signalisiert, ob ungewöhnliche Veränderungen in der Wasserzusammensetzung vorliegen bzw. erfolgt sind (Vergleich von regelmäßigen Messungen).
Wichtig zu wissen: Bei Überschreitungen des Grenzwertes drohen oft keine unmittelbaren Gesundheitsgefahren. Der Wert dient eher als technischer Richtwert, der auf eine erhöhte Konzentration gelöster Stoffe hinweist, welche weitere Untersuchungen erforderlich machen. Trinkwasser in Deutschland weist typischerweise Werte zwischen 300 und 800 µS/cm auf.4Mineralwasser kann hingegen aufgrund des teilweise hohen Mineralstoffgehalts deutlich höhere Leitwerte erreichen (teilweise über 2.000 µS/cm).
Warum wird die elektrische Leitfähigkeit bestimmt?
Die Bestimmung der elektrischen Leitfähigkeit des Wassers dient mehreren wichtigen Zwecken in der Wasseranalytik und -überwachung:
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Schnelltest für Veränderungen der Wasserbeschaffenheit: Die Messung der elektrischen Leitfähigkeit liefert innerhalb von Sekunden einen ersten Überblick über Veränderungen in der Wasserbeschaffenheit, wenn die Messung in regelmäßigen Zeitabständen durchgeführt wird.
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Hinweis auf Salzeinträge/erhöhte Mineralisierung: Erhöhte Werte der elektrischen Leitfähigkeit sind mitunter ein Hinweis auf Einträge von Salz und Mineralien in Grund- und Oberflächengewässer. Diese Einträge können menschlichen Ursprungs (z. B. Streusalz, industrielle Abwässer) oder natürlichen Ursprungs sein. Wird Grundwasser zum Beispiel aus stark mineralstoffhaltigen Grundwasserleitern gefördert, kann die Leitfähigkeit deutlich erhöht sein.1
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Detektion von Schadstoffeinträgen: Plötzliche Anstiege der Leitfähigkeit signalisieren mögliche Verunreinigungen durch Abwässer oder Industrieeinleitungen.
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Prozessüberwachung Wasseraufbereitung: Bei der Wasseraufbereitung in Wasserwerken wird in der Regel kontinuierlich die Leitfähigkeit kontrolliert, um die Effektivität und korrekte Funktion von Aufbereitungsschritten (z. B. Ionenaustauscher) zu überwachen.
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Korrosionsschutz: Die Leitfähigkeit gibt Hinweise auf die Korrosivität des Wassers gegenüber Rohrleitungsmaterialien.5
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Frühwarnsystem: Wasserversorger nutzen die Leitfähigkeitsmessung als Frühwarnsystem. Abweichungen vom normalen Leitwert des Wassers können auf Probleme im Versorgungsnetz oder in der Aufbereitung hinweisen und weitere detaillierte Analysen erforderlich machen.
Bedeutung der elektrischen Leitfähigkeit von Wasser für die menschliche Gesundheit
Die elektrische Leitfähigkeit von Wasser hat keine direkte gesundheitliche Bedeutung, dient aber als wichtiger Indikator für die allgemeine Wasserqualität. Ein „normaler” Leitwert des Wassers bedeutet, dass keine ungewöhnlich hohen Konzentrationen an gelösten Stoffen vorliegen. Abweichungen von der üblichen Leitfähigkeit von Trinkwasser können jedoch unter anderem die folgenden gesundheitlichen und geschmacklichen Auswirkungen haben:
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Erhöhte Salzgehalte (hohe Leitfähigkeit) können bei Personen mit Bluthochdruck oder Nierenerkrankungenproblematisch sein.6
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Sehr hohe Mineralstoffkonzentrationen können zu geschmacklichen Beeinträchtigungen führen.
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Ungewöhnliche Anstiege der Leitfähigkeit können auf Verunreinigungen mit schädlichen Substanzen (z. B. Chemikalien, Schwermetalle) hindeuten.1 Welche Risiken von Schwermetallen im Trinkwasser ausgehen, erfahren Sie in unserem Praxis-Ratgeber „Eine unsichtbare Gefahr: Schwermetalle im Trinkwasser”
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Zu niedrige Werte der Leitfähigkeit (z. B. destilliertes Wasser) deuten unter anderem auf einen sehr niedrigen Mineralstoffgehalt des Wassers hin. Der Konsum entsprechenden Wassers kann für die Gesundheit ein Risiko darstellen (Entzug von wichtigen Elektrolyten).7
Leitfähigkeit von Wasser – Einfluss auf Rohrleitungen und Armaturen
Die elektrische Leitfähigkeit im Wasser spielt eine bedeutende Rolle für die Korrosion (allmähliche „Zersetzung”) von Rohrleitungen, Armaturen und Haushaltsgeräten. Wasser mit hoherLeitfähigkeit ist elektrochemisch aktiver und kann verstärkt zu Korrosionsprozessen führen:8
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Metallische Leitungen: Besonders Kupfer- und Stahlrohre sind bei hohen Leitfähigkeitswerten anfälliger für Lochfraß und Korrosion.
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Warmwasserbereiter: Erhöhte Salzgehalte fördern Kalkablagerungen und beschleunigen den Verschleiß von Heizstäben.
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Haushaltsgeräte: Waschmaschinen, Geschirrspüler und Kaffeemaschinen können bei sehr hartem, leitfähigem Wasser schneller verkalken.
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Armaturen: Ablagerungen und Korrosionserscheinungen treten bei „ungünstigen” Wasserwerten häufiger auf.
Wichtig zu wissen: Der Zusammenhangzwischen der elektrischen Leitfähigkeit von Wasser und Korrosionsprozessen ist komplex und hängt auch von anderen Parametern wie pH-Wert, Sauerstoffgehalt und Temperatur ab. Dennoch ist die Leitfähigkeit ein wichtiger Faktor bei der Beurteilung der „Wasseraggressivität”.5
Viele Infos und Tipps zur Sanierung von korrodierten Wasserleitungen haben wir Ihnen in unserem Ratgeber „Wasserleitung sanieren: Risiken durch Schadstoffe, Methoden & Kosten” zusammengestellt.
Wann sollten Privatpersonen die Leitfähigkeit messen?
Für Privatpersonen ist eine Messung der elektrischen Leitfähigkeit von Trinkwasser bei zentraler Wasserversorgungin der Regel nicht nötig, da der Wasserversorger hier regelmäßige Messungen vornimmt. In bestimmten Situationen kann eine private Messung jedoch dennoch sinnvoll sein:
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Eigener Brunnen: Betreiber von eigenen Brunnen sollten die Wasserqualität des Brunnenwassers regelmäßig auf Parameter wie die elektrische Leitfähigkeit überprüfen, um Risiken für die Gesundheit und Wasserinstallationskomponenten rechtzeitig zu erkennen.
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Enthärtungs- und Umkehrosmoseanlagen: Bei der Verwendung von Enthärtungs- und Umkehrosmoseanlagen ist die regelmäßige Messung der elektrischen Leitfähigkeit eine wichtige Komponente zur Überprüfung der korrekten Funktion und Einstellung der Anlagen.
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Bauarbeiten: Wenn Arbeiten am Leitungsnetz oder im Hausanschlussbereich durchgeführt wurden, kann ein Test Aufschluss über mögliche Verunreinigungen (z. B. Lösung von Schwermetallen aus Rohren) geben.
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Geschmackliche Auffälligkeiten: Plötzliche Veränderungen im Geschmack des Wassers können mit veränderten Leitfähigkeitswerten zusammenhängen und erfordern dann weitere Wassertests bzw. Maßnahmen.
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Aquaristik: Aquarianer sollten die elektrische Leitfähigkeit regelmäßig kontrollieren, da viele Fisch- und Pflanzenarten spezifische Anforderungen an zum Beispiel gelöste Salze und Mineralien im Wasser haben.9
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Pflanzen und Bewässerung: Einige Zimmer- und Nutzpflanzen reagieren auf zu hohe Salzgehalte (erhöhte Leitfähigkeit) im Gießwasser empfindlich.9
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Technische Probleme: Häufige Verkalkungen oder Korrosionserscheinungen an Armaturen können auf ungünstige Wasserwerte (z. B. sehr hartes Wasser) hinweisen. Die Messung der Leitfähigkeit ist hier eine wichtige Komponente der Ursachenforschung.
Mit welchen technischen Methoden Sie Wasser enthärten können, erfahren Sie in unserem Ratgeber: „Wasser enthärten – sinnvoll oder überflüssig? Ein Ratgeber zu Wasserenthärtern und Wasserenthärtungsanlagen”
Elektrischen Leitwert einfach mit Wassertest bestimmen
Betreiber privater Brunnen sollten die elektrische Leitfähigkeit ihres Brunnenwassers regelmäßig messen lassen. Dazu eignet sich beispielsweise unser Brunnenwassertest Chemisch. Neben dem Leitwert werden hier ebenso weitere wichtige Wasserparameter wie Nitrat, Nitrit, Eisen, Calcium sowie die Wasserhärte bestimmt. Wie in diesem Ratgeber erwähnt, kann ein Wassertest auf die elektrische Leitfähigkeit jedoch auch bei zentraler Wasserversorgung aus verschiedenen Gründen sinnvoll sein. Dazu ist der oben genannte Test ebenfalls gut geeignet. Möchten Sie zusätzlich bakterielle Verunreinigungen in Ihrem Brunnenwasser ausschließen, empfehlen wir den Brunnenwassertest Komplett.
Die Probenentnahme für unsere Wassertests können Sie mit Hilfe der beiliegenden, leicht verständlichen Anleitung einfach selbst vornehmen. Anschließend senden Sie die Probe per Post an unser spezialisiertes Partnerlabor. Nach kurzer Zeit steht das Testergebnis für Sie über Ihren persönlichen Bereich des Online-Portals MyChecknatura zum Abruf bereit.
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Wichtige FAQs zur elektrischen Wasser-Leitfähigkeit
Warum ist die elektrische Leitfähigkeit im Trinkwasser wichtig?
Die elektrische Leitfähigkeit dient als schneller und kostengünstiger Indikator für die Reinheit des Wassers. Eine plötzliche Änderung der Leitfähigkeit kann auf Verunreinigungen oder eine Veränderung der Mineralstoff- und Salzkonzentration hindeuten, was sowohl für die menschliche Gesundheit als auch für die Haltbarkeit von Haushaltsgeräten und Installationskomponenten relevant ist.
Ist Wasser mit hoher Leitfähigkeit gesundheitsschädlich?
Nicht direkt. Die Leitfähigkeit misst nur die Summe der gelösten „Teilchen”. Hohe Leitfähigkeitswerte sind oft auf harmlose Mineralien wie Calcium zurückzuführen. Allerdings kann ein Anstieg der Leitfähigkeit auch auf gesundheitsschädliche Wasserverunreinigungen wie Schwermetalle hinweisen. Deshalb sollten stärkere Veränderungen der Leitfähigkeit und Werte über den Grenzwerten immerdurch weitere Wasseruntersuchungen abgeklärt werden.
Welcher Leitwert im Wasser ist normal für Trinkwasser?
In Deutschland liegt die elektrische Leitfähigkeit von Trinkwasser typischerweise etwa zwischen 300 und 800 µS/cm. Der gesetzliche Grenzwert nach Trinkwasserverordnung beträgt 2.790 µS/cm bei 25 Grad Celsius.
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