Legionellen und Schwangerschaft: Risiken & Schutz
Das Wichtigste in Kürze
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Legionellen stellen in der Regel nur bei starker Vermehrung in der Wasserinstallation ein Gesundheitsrisiko dar.
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Häufige Infektionsquellen sind Wassernebel (Aerosole) (z. B. Dusche, Whirlpools, Klimaanlage)
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Schwangere haben kein erhöhtes Legionellen-Infektionsrisiko.
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Eine Legionelleninfektion kann, wie andere Infektionskrankheiten auch, Schwangere und das ungeborene Kind belasten. Mitunter sind ebenso ernsthafte Komplikationen wie Lungenentzündungen mit starker Atemnot, hohes Fieber, Fehlgeburten und Missbildungen des Fötus möglich.
Legionellen sind Bakterien, die sich vor allem in lauwarmem Stagnationswasser vermehren können. Beim Einatmen von kontaminierten feinsten Wassertropfen (z. B. beim Duschen) rufen Legionellen mitunter eine schwere Lungenentzündung (Legionellose) hervor. Für Schwangere stellt sich unter anderem oft die Frage, ob während der Schwangerschaft ein besonderes Risiko von Legionellen für die Mutter und das ungeborene Kind ausgeht. Gibt es zudem allgemein gültige Schutzmaßnahmen vor Legionellen? Welche Symptome können auf eine Infektion mit Legionellen hindeuten? Unser Ratgeber liefert die Antworten und viele weitere Infos zur Thematik „Legionellen und Schwangerschaft”. (Stand Februar 2026)
Inhalt
Was sind Legionellen?
Legionellen sind stäbchenförmige Bakterien, die in geringen Konzentrationen natürlich in Gewässern, im Grundwasser und feuchten Böden vorkommen.1
Wo können sich Legionellen stark vermehren?
In zum Beispiel Rohrleitungen und Klimaanlagen können sich Legionellen bei Temperaturen zwischen 25 °C und 45 °C stark vermehren. Dies gilt besonders in Verbindung mit Stagnationswasser, welches unter anderem in Totleitungen oder bei längerer Nichtnutzung von Wasserleitungen auftritt. Ab etwa 60 °C werden Legionellen abgetötet.1, 2
Wie kommt es zu einer Infektion mit Legionellen?
Eine Infektion mit Legionellen erfolgt fast ausschließlich durch das Einatmen erregerhaltiger Wasseraerosole (feinste Tropfen, Nebel) wie sie zum Beispiel beim Duschen, in Whirlpools, beim Saunieren oder in der Abluft von Klimaanlagen auftreten. Das Trinken von kontaminiertem Wasser ist in der Regel ungefährlich. Eine Legionellenübertragung von Mensch zu Mensch findet ebenfalls nicht statt. Die natürlich im Wasser vorkommenden Konzentrationen von Legionellen sind für eine Infektion in der Regel nicht ausreichend und stellen somit normalerweise keine Gesundheitsgefahr dar.2
Welche Erkrankungen und Symptome können Legionellen auslösen?
Legionellen können zwei Krankheitsbilder auslösen, deren Symptome sich während und außerhalb einer Schwangerschaft in der Regel nicht signifikant unterscheiden:1, 3
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Pontiac-Fieber: Das Pontiac-Fieber verläuft meistens relativ mild mit „nur” grippeähnlichen Beschwerden wie: Kopf- und Gliederschmerzen, leichtem bis mäßigem Fieber, Husten, Schnupfen.
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Legionärskrankheit: Die Legionärskrankheit (Legionellose) äußert sich in einer schweren, mitunter sogar tödlich verlaufenden Lungenentzündung mit Symptomen und Begleitsymptomen wie: hohem Fieber, Schüttelfrost, Atemnot, Husten, Kopfschmerzen, Verwirrtheit (gelegentlich), Übelkeit, Erbrechen, Durchfall (gelegentlich)
Wichtig zu wissen: Bei einem starken Immunsystem verlaufen Infektionen mit Legionellen sehr oft auch vollkommen symptomlos. Ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe stellt hingegen ein geschwächtes Immunsystem dar.
Achtung!: Wenden Sie sich bei unklaren Krankheitssymptomen stets an einen Arzt. Bei akuten Symptomen sollten Sie den Notruf wählen!
Vertiefende Informationen zu Legionellen-Infektionswegen, den Symptomen einer Infektion und Behandlungsmöglichkeiten erhalten Sie in unserem Ratgeber „Legionellen – Infektion, Symptome und Behandlung”.
Stellen Legionellen während der Schwangerschaft ein besonderes Risiko für Mutter und ungeborenes Kind dar?
Obige Frage lässt sich nicht pauschal mit Ja oder Nein beantworten. Einerseits sind Schwangere nicht grundsätzlich häufiger von Legionelleninfektionen betroffen als andere Erwachsene. Andererseits gibt es unter anderem zwei wesentliche Gründe, weshalb eine Legionelleninfektion in der Schwangerschaft trotzdem mit erhöhter Aufmerksamkeit betrachtet werden sollte:
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Verändertes Immunsystem in der Schwangerschaft: Während der Schwangerschaft verändert sich das mütterliche Immunsystem teilweise. Während früher von einem allgemeinen „Herunterfahren” ausgegangen wurde, um die Abstoßung des Fötus zu verhindern, wird heute eher von einer gezielten Modulation gesprochen. Diese soll das Einnisten des Embryos und dessen Wachstum fördern. An diesem Prozess sind spezielle Immunzellen der Gebärmutterschleimhaut beteiligt. Während der Schwangerschaft „lernt” das mütterliche Immunsystem die zumindest teilweise genetisch fremden Zellen (Erbgut des Vaters) des Fötus zu tolerieren, sodass es nicht zu Abstoßungsreaktionen kommt. Dieser Mechanismus wird mitunter durch diverse Infektionskrankheiten gestört. In der Folge kann es unter anderem zu Schwangerschaftskomplikationen kommen. Spezifische Informationen zu Legionellen konnten wir zu dieser Thematik jedoch nicht recherchieren.4, 5
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Risiken der Behandlung: Eine Legionellose wird in der Regel mit Antibiotika behandelt. Der Einsatz bestimmter Antibiotika kann jedoch, je nach Wirkstoff und Schwangerschaftsstadium, ein Risiko für das ungeborene Kind darstellen, weshalb die Auswahl des Präparats in der Schwangerschaft besonders sorgfältig erfolgen muss.6 Bei einer schweren Lungenentzündung durch Legionellen kann außerdem die Sauerstoffsättigung des mütterlichen Blutes kritisch abfallen. Dies hat mitunter wiederum ernsthafte Auswirkungen auf die Sauerstoffversorgung des Fötus. Außerdem kann es bereits durch die Schwangerschaft selbst zu einer Beeinträchtigung der mütterlichen Atmung kommen. Eine Legionellose mit Beteiligung der Lungen stellt in diesem Fall oft eine besonders hohe Belastung dar.7
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Hohes Fieber: Hohes Fieber als Folge einer Legionellose oder anderer Erkrankungen kann während des ersten Schwangerschaftsdrittels unter anderem eine Fehlgeburt sowie Defekte an Wirbelsäule und Gehirn des ungeborenen Kindes auslösen. Im späteren Schwangerschaftsverlauf sind auch vorzeitige Wehen möglich.8
Legionelleninfektion während der Schwangerschaft – gibt es besonders häufige Infektionsquellen?
Potenzielle Legionellen-Infektionsquellen während der Schwangerschaft unterscheiden sich höchstwahrscheinlich nicht von den Infektionsquellen außerhalb einer Schwangerschaft. Jedenfalls konnten wir bei unserer Recherche keine speziellen „Schwangerschafts-Infektionsquellen” ermitteln. Damit eine Infektion überhaupt möglich ist, muss es erst einmal zu einer starken Vermehrung von Legionellen kommen. Wie bereits erwähnt, wird diese durch Faktoren wie eine Wassertemperatur zwischen 25 °C und 45 °C und Stagnationswasser gefördert. Unter der Voraussetzung von hohen Legionellenkonzentrationen im Wasser gehen unter anderem von den folgenden Orten bzw. technischen Anlagen erhöhte Infektionsrisiken aus:1, 2
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Dusche (erhöhtes Risiko auch bei länger nicht genutzten Duschen in Hotels und Ferienwohnungen)
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Whirlpool
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Klimaanlagen
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Lüftungsanlagen
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Luftbefeuchter
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Kühltürme (Eintrag von Aerosolen über die Außenluft)
Wie Sie Legionellen im Trinkwasser erkennen können, erfahren Sie in unserem Ratgeber: „Legionellen im Trinkwasser? – So erkennen Sie die Gefahr!”
Informationen und Tipps zum Abtöten und Vermeiden von Legionellen gibt es hier: „Legionellen abtöten und vermeiden – Der ultimative Ratgeber!”
Legionellen-Infektionsrisiko minimieren: Checkliste für Schwangere
Die folgenden Tipps und Handlungsempfehlungen können das Legionellen-Infektionsrisiko minimieren:
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Warmwasseranlage im Haushalt regelmäßig warten und auf korrekte Betriebstemperatur prüfen lassen.
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Nach längerer Abwesenheit Stagnationswasser ablaufen lassen (Kalt- und Warmwasser).
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Duschköpfe und Perlatoren mindestens alle drei Monate reinigen und desinfizieren.
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Aufenthalte in Whirlpools, Sprudelbädern oder Dampfsaunen während der Schwangerschaft meiden.
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Auf Reisen vor dem Duschen das Duschwasser erst ablaufen lassen (die Brause dabei, wenn möglich, über den Ausguss halten und Wassernebel beim Ablaufen lassen nicht einatmen).
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Badezimmer nach dem Duschen besonders gut lüften, um möglicherweise kontaminierten Wassernebel schnell zu reduzieren.
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Nicht rauchen. Rauchen erhöht, neben den allgemeinen Gefahren für Mutter und ungeborenes Kind, das Risiko einer schweren Legionellose deutlich.1
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Bei Symptomen wie Fieber, Husten und Atemnot umgehend ärztliche Hilfe aufsuchen und auch auf Legionellen als mögliche Ursache hinweisen.
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Regelmäßige Legionellentests des Leitungswassers können das Infektionsrisiko minimieren.
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Unter Umständen kann der Einbau eines Legionellenfilters in der Dusche sinnvoll sein (weitere Infos dazu hier: „Legionellenfilter: Was können diese leisten? Welche Kaufkriterien sind wichtig?”).
Risikominimierung während der Schwangerschaft: Leitungswasser regelmäßig auf Legionellen testen lassen
Um Risiken durch Legionellen während der Schwangerschaft zu minimieren bzw. rechtzeitig zu erkennen, bietet sich unser Legionellentest für Leitungswasser an.
Die Probenentnahme für den Test können Sie mit Hilfe der beiliegenden, leicht verständlichen Anleitung einfach selbst vornehmen. Anschließend senden Sie die Probe per Post an unser spezialisiertes Partnerlabor. Ein voradressierter Versandkarton liegt dem Test-Set bei. Nach kurzer Zeit steht das Testergebnis für Sie über Ihren persönlichen Bereich des Online-Portals MyChecknatura zum Abruf bereit.
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FAQs: Legionellen und Schwangerschaft
Sind Legionellen in der Schwangerschaft gefährlich?
Schwangere sind nicht grundsätzlich anfälliger für Legionelleninfektionen. Aber jede schwere Infektion, auch durch Legionellen, kann zu einer zusätzlichen Belastung während der Schwangerschaft werden und das ungeborene Kind gefährden.
Welche Legionellen-Symptome sollten Schwangere unbedingt ernst nehmen?
Besonders ernst nehmen sollten Sie unter anderem hohes Fieber, anhaltenden Husten mit Auswurf, Atemnot und ein schweres Krankheitsgefühl – vor allem, wenn diese Beschwerden wenige Tage nach dem Aufenthalt in Hotels, Wellnessbereichen oder nach dem Duschen in einer möglicherweise schlecht gewarteten Sanitäranlage auftreten. In diesem Fall sollte unverzüglich ärztliche Hilfe aufgesucht und auch aktiv auf den möglichen Kontakt mit Legionellen hingewiesen werden.
Darf ich in der Schwangerschaft noch normal duschen, wenn Legionellen im Gebäude nachgewiesen wurden?
Ein positiver Legionellenbefund in der Wasserversorgung eines Gebäudes bedeutet nicht automatisch, dass jeder Duschvorgang gefährlich ist. Entscheidend ist hier unter anderem die nachgewiesene Legionellenkonzentration. Wird vom Vermieter oder Gesundheitsamt ein Duschverbot ausgesprochen, müssen Sie dieses aber unbedingt beachten. Schwangere sollten vor allem bei nachgewiesenen erhöhten Legionellenkonzentrationen vorsorglich auf die Nutzung von Whirlpools und Dampfbädern verzichten, bis die Konzentration wieder ein unbedenkliches Niveau erreicht hat. Unser Ratgeber „Legionellen in der Mietwohnung – Was tun als Mieter” bietet zu dieser Thematik vertiefende Informationen.
Warnung/Haftungsausschluss
Die medizinischen Informationen in diesem Artikel wurden sorgfältig von den genannten Quellen zusammengetragen. Die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der genannten Informationen können wir indes nicht garantieren. Wenden Sie sich bei Beschwerden stets an einen Facharzt!
Das könnte Sie ebenfalls interessieren:
1Vgl.: Lungen-Informationsdienst, Helmholtz Zentrum München: Legionellen und Legionärskrankheit: Gefahr im Trinkwasser?. 2025.
2Vgl.: Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit: Legionellen. 2024.
3Vgl.: AOK: Infektion mit Legionellen: Symptome und Auslöser. 2023.
4Vgl.: Allergie-Informationsdienst, Helmholtz Zentrum München: Immunsystem und Schwangerschaft. 2018.
5Vgl.: AOK: Immunsystem stärken in der Schwangerschaft: Fakten statt Mythen. 2025.
6Vgl.: Pharmazeutische Zeitung: Schwangerschaft: Bestimmte Antibiotika meiden. 2017.
7Vgl.:AOK: Ist Asthma in der Schwangerschaft gefährlich für das Kind?. 2025.
8Vgl.: MSD Manual: Fieber in der Schwangerschaft. 2024.