Die Erstuntersuchung ist der erste Schritt, um die Qualität Ihres Trinkwassers zu prüfen. Sie gibt einen Überblick darüber, ob alle gesetzlichen Grenzwerte eingehalten werden und ob Ihr Wasser bedenkenlos genutzt werden kann. Zeigt die Erstuntersuchung jedoch Auffälligkeiten, wie erhöhte Werte von Schwermetallen oder anderen Belastungen, wird eine Nachkontrolle notwendig. Diese dient dazu, die Ergebnisse der Erstuntersuchung zu überprüfen und die Ursache der Belastung genauer einzugrenzen. Mit einer sogenannten gestaffelten Nachkontrollprobe können wir feststellen, ob die Belastung aus bestimmten Bereichen Ihrer Wasserinstallation stammt – etwa aus Leitungen, Armaturen oder anderen Teilen des Systems. Die Nachkontrolle ist ein wichtiger Schritt, um sicherzustellen, dass Ihr Trinkwasser wieder den vorgeschriebenen Standards entspricht. Gleichzeitig hilft sie dabei, gezielte Maßnahmen zur Reduzierung der Belastung einzuleiten. So können Sie sicher sein, dass mögliche Probleme in Ihrem Wassersystem effektiv gelöst werden.
Nach einem auffälligen Befund ist es wichtig, den Zustand Ihres Trinkwassers genauer zu überprüfen und den Erfolg möglicher Gegenmaßnahmen zu kontrollieren. Die Nachkontrolle sollte in der Regel etwa vier Wochen nach der Erstuntersuchung durchgeführt werden. Dabei wird eine sogenannte gestaffelte Probenahme vorgenommen, um die Belastung präzise zu lokalisieren und mögliche Ursachen zu identifizieren. Der Ablauf der gestaffelten Nachkontrolle sieht wie folgt aus:
- Entnahme des ersten Wassers (ohne Vorlauf):
Zunächst wird das erste Wasser entnommen, das direkt nach der Stagnation aus dem Wasserhahn kommt. Diese Probe ermöglicht eine Aussage darüber, ob der Wasserhahn selbst die belastete Stelle darstellt oder Teil der Belastung ist. Insbesondere Parameter wie Nickel, Kupfer, Chrom, Blei und Zink können durch den Wasserhahn ins Trinkwasser gelangen und sollten daher überprüft werden. - Entnahme nach 1 Liter:
Anschließend wird eine Probe entnommen, nachdem 1 Liter Wasser abgelaufen ist. Diese Probe gibt Aufschluss über die Wasserqualität aus einem tieferen Bereich der Leitung, der sich hinter dem Wasserhahn befindet. - Entnahme nach 3 Litern:
Eine weitere Probe erfolgt nach dem Ablaufen von 3 Litern Wasser. Diese dient dazu, die Belastung aus weiter entfernten Leitungsabschnitten zu analysieren, die näher an den Hauptleitungen liegen könnten. - Entnahme nach 5 Litern oder bei konstant kaltem Wasser:
Bei dieser Probe wird das Leitungswasser untersucht, das sich in etwa 5–10 Metern innerhalb der Wasserleitung befunden hat. In Gebäuden mit einer Entnahmestelle im Erdgeschoss handelt es sich hierbei oft um das Wasser aus der Leitung im Keller vor dem Hauptzulauf ins Haus. Diese Probe gibt wichtige Hinweise auf die Belastung in diesem Bereich der Installation. - Untersuchung des Frischwassers (optional):
In der Regel bestehen Hausinstallationen aus Leitungen mit einem Durchmesser von 1/2, 3/4 oder 1 Zoll (2,54 cm). Je nach Position der Entnahmestelle und Leitungsdurchmesser kann es sein, dass auch mit der vierten Probe noch Wasser aus der Hausinstallation analysiert wird. Um die Abweichung zum Frischwasser – also dem Wasser vor dem Eintritt in die Hausleitungen – festzustellen, ist es sinnvoll, auch dieses zu untersuchen. Sie erkennen, dass Sie Frischwasser entnommen haben, wenn das Wasser nicht mehr kälter wird und eine konstante Temperatur erreicht hat. Sollte das Wasser nach der vierten Probe noch kälter werden, handelt es sich erst mit dem Einstellen einer Temperaturkonstanz um Frischwasser.
Wichtig: Für jede der entnommenen Proben wird ein separates Probengefäß benötigt. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Ergebnisse jeder einzelnen Probe eindeutig zugeordnet werden können. Eine Mischprobe würde die Zuordnung erschweren oder sogar unmöglich machen, da nicht mehr nachvollziehbar wäre, aus welchem Abschnitt der Wasserinstallation die Belastung stammt.
Die folgenden Grafiken veranschaulichen, wie mithilfe der Stagnationsbeprobung eine Bleibelastung im Trinkwasser lokalisiert werden kann. Dabei wird das Wasser in mehreren Stufen entnommen – vom ersten Wasser nach der Stagnation bis hin zu konstant kaltem Wasser aus der Hauptleitung.
Stagnationsbeprobung bei einer Bleileitung
Situation:
Das Wasser fließt durch eine längere Bleileitung. Dadurch lösen sich Bleipartikel und reichern sich im Wasser an, besonders während es in der Leitung steht (Stagnation). Damit die Probenahme aussagekräftig ist, sollte das Wasser vor der Entnahme möglichst lange in den Leitungen stehen. Die empfohlene Stagnationszeit – also die Zeit, in der das Wasser nicht abgelassen wird – beträgt 4 bis 8 Stunden. Es ist dabei wichtig, dass während dieser Zeit kein Wasser aus anderen Entnahmestellen wie Handwaschbecken, Dusche oder WC abgelassen wird, da die Zuleitungen miteinander gekoppelt sind und dies die Ergebnisse verfälschen könnte.
Probenahme:
- Direkt ohne Vorlauf: Das erste Wasser, das aus dem Hahn kommt, hat einen geringen Bleigehalt (0,021 mg/l).
- Nach 1 Liter: Der Bleigehalt steigt deutlich an (0,354 mg/l).
- Nach 3 Litern: Der Bleigehalt ist am höchsten (0,377 mg/l), was darauf hindeutet, dass sich das Wasser in der langen Bleileitung mit Blei angereichert hat.
- Nach 5 Litern: Der Bleigehalt sinkt wieder leicht (0,273 mg/l), aber er ist immer noch erhöht.
- Konstant kaltes Wasser: Wenn das Wasser aus dem Hauptwassernetz kommt und nicht mehr aus der Bleileitung, ist der Bleigehalt sehr niedrig (0,001 mg/l).
Interpretation:
Die hohen Bleigehalte bei den ersten Litern und das Absinken erst, wenn „frisches“ Wasser aus dem Netz kommt, deuten auf eine längere Bleileitung hin, die für die Belastung verantwortlich ist.
Stagnationsbeprobung bei einem Teilstück aus Blei
Situation:
Hier ist nur ein kurzes Teilstück der Leitung aus Blei. Damit die Probenahme aussagekräftig ist, sollte das Wasser vor der Entnahme möglichst lange in den Leitungen stehen. Die empfohlene Stagnationszeit – also die Zeit, in der das Wasser nicht abgelassen wird – beträgt 4 bis 8 Stunden. Es ist wichtig, dass während dieser Zeit kein Wasser aus anderen Entnahmestellen wie Handwaschbecken, Dusche oder WC abgelassen wird, da die Zuleitungen miteinander gekoppelt sind und dies die Ergebnisse verfälschen könnte.
Probenahme:
Direkt ohne Vorlauf: Das erste Wasser hat einen geringen Bleigehalt (0,013 mg/l).
Nach 1 Liter: Der Bleigehalt steigt leicht an (0,094 mg/l).
Nach 3 Litern: Der Bleigehalt erreicht seinen höchsten Wert (0,348 mg/l).
Nach 5 Litern: Der Bleigehalt sinkt wieder ab (0,102 mg/l).
Konstant kaltes Wasser: Der Bleigehalt ist sehr niedrig (0,001 mg/l).
Interpretation:
Der höchste Bleigehalt wird zwar auch hier bei den ersten Litern gemessen, aber der Anstieg und Abfall sind schneller im Vergleich zur längeren Bleileitung. Das deutet darauf hin, dass nur ein kurzes Teilstück der Leitung aus Blei ist.
Die Stagnationsbeprobung hilft, die Quelle der Belastung zu identifizieren. Durch die Analyse in verschiedenen Wasserproben, die nacheinander entnommen werden, kann man feststellen, ob eine längere Leitung oder nur ein kurzes Teilstück für die Belastung verantwortlich ist. Je nachdem, wie sich in diesem Fall der Bleigehalt verändert, kann man Rückschlüsse auf die Länge und Position der Bleileitung ziehen. So können gezielte Maßnahmen zur Sanierung der Wasserinstallation ergriffen werden.
Wenn die gestaffelte Probenahme weiterhin erhöhte Werte zeigt oder nun klar ist, in welchem Bereich der Wasserinstallation die Belastung liegt, sollten gezielte Maßnahmen ergriffen werden. Zunächst ist es wichtig, die betroffenen Leitungsabschnitte, Armaturen oder Bauteile genauer zu überprüfen. Je nach Ursache können folgende Schritte notwendig sein:
Austausch von Armaturen, Leitungsrohren oder Bauteilen: Wenn die Belastung auf bestimmte Komponenten wie Wasserhähne, Rohrleitungen oder andere Bauteile zurückzuführen ist, sollten diese durch unbedenkliche Materialien ersetzt werden.
Installation von Filtern: In einigen Fällen können spezielle Filter helfen, die Belastung durch Metalle wie Blei oder Kupfer zu reduzieren.
Die genauen Maßnahmen hängen von der Art der Belastung und deren Ursache ab. Eine professionelle Beratung durch einen Fachbetrieb wird empfohlen, um langfristig eine sichere Trinkwasserqualität zu gewährleisten.