Schluff gehört zur mineralischen Feinerde und umfasst Partikel mit einem Durchmesser zwischen 0,002 und 0,063 mm.1 Diese Korngrößenklasse bestimmt das Verhalten des Bodens maßgeblich: Schluffpartikel sind so klein, dass sie eine große Gesamtoberfläche besitzen, aber im Gegensatz zu Tonmineralen kaum plastisch werden. Deshalb fühlt sich Schluff trocken mehlig und nass glatt-rutschig, aber nicht „schmierig“ an.
Sobald der Schluffanteil im Feinboden dominiert, wird die Bodenart als Schluff bezeichnet . Ein reiner Schluffboden besteht überwiegend aus dieser Fraktion. Das bedeutet: Er kann Wasser gut speichern, verliert jedoch schnell seine Struktur, wenn er zu feucht bearbeitet wird. Aufgrund dieser Eigenschaften reagieren schluffige Böden stark auf Bewirtschaftung, Bodenfeuchte und organische Substanz.2
Schluff besteht im Wesentlichen aus fein zerkleinerten Gesteinspartikeln, oft Quarz, Feldspäten und Glimmern. Manchmal tauchen Begriffe wie „Schluffe“, „Schlurf“ oder „am Schluff“ auf – das sind eher umgangssprachliche oder regionale Bezeichnungen für schluffiges, feines Bodenmaterial oder schlammige Bereiche.
Schluff tritt selten völlig rein (100 % Schluff) auf; vielmehr ergeben sich zahlreiche Varianten:
👉 lehmiger Schluff (ausgeglichen, sehr fruchtbar)
👉 toniger Schluff (bindiger, staunässeanfälliger)
Diese Mischformen resultieren aus den unterschiedlichen Anteilen der drei Hauptfraktionen Sand–Schluff–Ton. In vielen Profilen findet man auch Sand-Schluff-Ton-Mischungen, die bodenphysikalisch zwischen diesen Ausprägungen stehen.
Diese Eigenschaften führen dazu, dass Schluffböden in Trockenphasen Wasser gut bereitstellen, gleichzeitig aber empfindlich auf Bearbeitung, Befahrung und Niederschläge reagieren. Die Gefügeinstabilität ist einer der Gründe, warum viele Schluffböden zu Erosion und Krustenbildung neigen.3
Schluff besitzt eine Wasserdurchlässigkeit, welche im mittleren Bereich liegt: Sie ist geringer als bei Sand, aber höher als bei reinen Tonböden. In der Geotechnik wird das oft über den kf-Wert von Schluff ausgedrückt (Durchlässigkeitsbeiwert). Typische Werte zeigen, dass Wasser zwar durchsickert, aber deutlich langsamer als in groben Sanden. Die Dichte von Schluff liegt – je nach Lagerungsdichte und Humusgehalt – ebenfalls im mittleren Bereich; locker gelagerter Schluffboden ist leichter und besser durchwurzelbar als stark verdichteter, „schwerer“ Schluff.
In der Fachsprache wird Schluff häufig als bindiger Boden eingeordnet, vor allem wenn zusätzlich Tonanteile vorhanden sind (Schluff bindiger Boden, bindiger Boden Schluff). Das erklärt, warum diese Böden im nassen Zustand klebrig und schlecht befahrbar sind, im trockenen Zustand aber hart und rissig werden können.
Das Bodenartendreieck ist eines der wichtigsten Werkzeuge in der Bodenkunde. Es dient dazu, Böden anhand ihrer prozentualen Korngrößenverteilung exakt in eine Bodenart einzuordnen. Die drei Achsen stehen für:
- Sand
- Schluff
- Ton
Schluff nimmt im Dreieck die obere Zone ein. Schon geringe Änderungen in den Anteilen verschieben den Boden in ein anderes Feld. Jedes Feld weist dabei spezifische physikalische Eigenschaften auf.
Ein Boden kann klassifiziert werden z. B als: 👉 reiner Schluff (überwiegend Schluffanteil)
👉 schluffiger Sand (leichter, luftiger)
👉 schluffiger Ton (bindiger, schwerer)
👉 lehmiger Schluff (ausgeglichen, sehr fruchtbar)
In der Praxis spricht man auch von Schluffboden, wenn es sich um einen Boden mit hohem Schluffanteil handelt, unabhängig davon, ob etwas Sand oder Ton beigemischt ist. Entscheidend ist die genaue Position des Bodenpunktes im Bodenartendreieck.
Ein Boden mit etwas mehr Tonanteil zeigt höhere Plastizität und Staunässe-Neigung, während ein höherer Sandanteil die Durchlässigkeit und Bearbeitbarkeit verbessert. Umgekehrt kann ein Sand-Schluff-Ton-Gemisch mit moderaten Anteilen aller Fraktionen sehr stabile und fruchtbare Krümelstrukturen ausbilden.
Das Bodenartendreieck ermöglicht eine gesicherte Bodenansprache, die wiederum entscheidend für Düngung, Bewässerung, Pflanzenwahl und Maßnahmen zur Bodenverbesserung ist.
Geeignete Pflanzen
Schluffige Böden gehören in vielen Regionen zu den fruchtbarsten Mineralböden, sofern sie genügend Humus enthalten. Sie speichern Wasser gleichmäßig und bieten Wurzeln gute Wachstumsbedingungen, solange das Gefüge nicht verdichtet ist. Besonders gut gedeihen:✔️ Hortensie, Phlox, Taglilie, Astern (hoher Wasserbedarf, tiefe Feuchteverfügbarkeit)
✔️ Kohlgewächse, Möhren, Zwiebeln, Salate (gleichmäßiger Wasser- und Nährstoffbedarf)
✔️ Apfel, Birne, Johannisbeeren (profitieren von guter Speicherfähigkeit)
✔️ Rasen- und Wiesenarten, weil sie von einer gleichmäßigen Durchfeuchtung profitieren
Der ausgeglichene Wasserhaushalt und die nährstoffreiche Feinerde machen Schluffboden zu einem guten Gartenboden, wenn die Struktur stimmt. Für viele Hobbygärtner stellt er einen ausgewogenen Mittelweg zwischen sandig-trockenen und tonig-schweren Böden dar.
Weniger geeignete Pflanzen
Weniger geeignet ist Schluff für Arten, die sehr trockene, lockere und durchlüftete Böden bevorzugen. Hierzu zählen:❌ Lavendel, Rosmarin, Salbei (hohe Luft- und Drainageansprüche)
❌ Tiefwurzler, die lockere Profile benötigen (z. B. Reben, Pfirsich)
❌ Staunässe-empfindliche Beeren wie Himbeeren
Diese Pflanzen leiden in schluffigen Böden oft unter Sauerstoffmangel und Wurzelstress, insbesondere nach Niederschlägen. Bei stark tonigem Schluff oder verdichteten Profilen tritt dieses Problem besonders deutlich auf.
Vorteile der Bodenart
✔️ hohes Wasser- und Nährstoffspeichervermögen ermöglicht gleichmäßige Versorgung✔️ gute Durchwurzelbarkeit, wenn der Boden trocken und locker ist
✔️ hohe natürliche Fruchtbarkeit bei humusreichem Schluff-Lehm
✔️ mäßige Erwärmung im Frühjahr, was die Keimung begünstigt
Diese Vorteile erklären, warum viele Acker- und Gartenstandorte mit hohem Schluffanteil zu den produktivsten Böden zählen.
Nachteile der Bodenart
❌ starke Verdichtungsneigung, besonders bei feuchten Bedingungen
❌ hohe Erosionsanfälligkeit, vor allem auf unbewachsenen Flächen
❌ Verschlämmung der Oberfläche, was Keimlinge behindern kann
❌ Staunässegefahr bei hohem Tonanteil oder schlechter Struktur
In der Geotechnik wird Schluffbaugrund oft kritisch gesehen: Als Schluff Baugrund gilt er als empfindlich gegenüber Setzungen, Frost und wechselnder Wasserführung. Häufig werden Kies-Schluff-Gemische eingesetzt, um die Tragfähigkeit zu verbessern. Auch hier spielen Dichte, Wasserdurchlässigkeit und die Frage, ob es sich um einen eher losen oder dichten, „bindigen“ Schluff handelt, eine große Rolle.
💡 Humus aufbauen
Humus stabilisiert die Krümelstruktur, verbessert Wasser- und Lufthaushalt und steigert das Nährstoffpuffervermögen.
→ Empfohlen: regelmäßige Gaben von Kompost, Mulch sowie Gründüngungen wie Phacelia oder Lupinen.
💡 Boden nicht nass bearbeiten
Nasser Schluff verschmiert leicht; die entstehenden Verdichtungen können über Jahre bestehen bleiben und die Schluffboden-Eigenschaften deutlich verschlechtern.
💡 Erosion vermeiden
Auch kleine Oberflächenunebenheiten und quer zum Hang verlaufende Beete helfen, Abfluss und Bodenabtrag zu reduzieren.
→ Empfohlen: Mulchen, Bodendecker, Zwischenfrüchte und Hangbegrünungen schützen vor Verkrustung.
💡 Sand einarbeiten (bei reinem Schluff)
Sandanteile (mind. 20–30 %) erhöhen die Grobporen, erleichtern die Belüftung und verbessern die Regeninfiltration. Aus einem sehr feinen, „klebrigen“ Schluffboden kann so ein besser strukturierter sandiger Schluff oder Schluff-Lehm werden.
💡 Kalkung prüfen
Kalk stabilisiert tonhaltige Schluffaggregate und verbessert die Bodenstruktur in leicht sauren Böden. Hier sollte immer eine Bodenanalyse die Grundlage sein.
Die Bodenanalyse Maxi liefert verlässliche Werte zu pH, Humus und der pflanzenverfügbaren Versorgung. Diese Daten helfen dabei, den Kalkbedarf exakt einzuschätzen und eine standortgerechte Verbesserung des Schluffbodens vorzunehmen.
💡 Flach statt tief lockern
Schonende Lockerung fördert Durchwurzelung, ohne das natürliche Profil zu zerstören.
Zu intensive Tiefenlockerung kann empfindliche Horizonte öffnen und die Erosionsanfälligkeit erhöhen.
Schluff entsteht überwiegend durch Sortierungs- und Transportprozesse feinen mineralischen Materials:
Lössablagerungen
Während der Eiszeiten wurde feinster Gesteinsmehlstaub verweht und bildet heute besonders nährstoffreiche Löss-Schluffböden, die weltweit zu den fruchtbarsten gehören.
Fluviale Sedimente
Flüsse transportieren feine Partikel und lagern sie je nach Strömungsgeschwindigkeit als Schluff ab – typisch für Auen und Niederungen.
Glaziale Mechanik
Gletscher mahlen Gestein zu feinkörnigem Material; beim Abschmelzen werden Schluffpartikel großflächig verteilt.
Hangsedimente
Erdrutsche, Hangabspülungen und Solifluktion transportieren feines Material talwärts, wo es sich als schluffiges Sediment sammelt.
Diese Prozesse erklären die geographische Vielfalt und unterschiedliche Mächtigkeit von Schluffschichten. Mancher reine Schluffboden ist mehrere Meter mächtig, andere Standorte besitzen nur schluffige Zwischenlagen innerhalb eines ansonsten sandigen oder tonigen Profils.5
Fingerprobe
Im Gelände bestimmen Bodenkundlerinnen und Bodenkundler die Bodenart mit der Fingerprobe. Dazu wird die schwach befeuchtete Bodensubstanz zwischen Daumen und Zeigefinger gerieben und geknetet. Schluff fühlt sich seidig, weich und mehlig an, staubt im trockenen Zustand und lässt sich – im Gegensatz zu Ton – nicht plastisch formen. Wer von „Schluff“ spricht, meint meist genau dieses typische Gefühl des feinen Bodenmaterials zwischen den Fingern.
Ballen- und Knetprobe
Schluffballen sind formbar, behalten aber keine plastische, glänzende Oberfläche. Beim Kneten wirkt der Boden eher „pudrig-schmierig“ als zäh wie Ton.
Glasprobe (Sedimentation)
Beim Absetzen in Wasser bildet Schluff die mittlere Schicht zwischen Sand (unten) und Ton (oben). So wird das typische Verhalten einer Sand-Schluff-Ton-Mischung sichtbar. Dies wird als Glas Probe bezeichnet.
Bodenartendreieck (Sand, Lehm, Schluff, Ton)
Mit der prozentualen Korngrößenverteilung kann der Boden exakt im Dreieck positioniert werden. Dadurch wird sicher erkennbar, ob es sich z. B. um lehmigen Schluff, schluffigen Ton oder sandigen Schluff handelt.
Schluffboden ist eine feinkörnige, fruchtbare und vielseitige Bodenart, die jedoch ein sensibles Gefüge besitzt. Seine hohe Wasser- und Nährstoffspeicherung macht ihn wertvoll, aber seine Verdichtungs- und Verschlämmungsneigung verlangt sorgfältiges Bodenmanagement. Das Bodenartendreieck ermöglicht eine präzise Einordnung und ist ein zentrales Werkzeug, um passende Kulturmaßnahmen abzuleiten.
Mit Humusaufbau, Mulch, Sandbeimischungen und schonender Bewirtschaftung wird Schluffboden verbessert, sowie langfristig stabil, nährstoffreich und pflanzenfreundlich erhalten – sowohl im Garten als auch in der Landwirtschaft, in Baufragen und überall dort, wo die Bodenart Schluff eine Rolle spielt.
1 Vgl.: Don, Axel; Prietz, Roland: Unsere Böden entdecken – Die verborgene Vielfalt unter Feldern und Wiesen. Springer, Berlin 2019. (Abgerufen am 21.10.2025).
2 Vgl.: Lange, Frank-Michael; Mohr, Hellmuth; Lehmann, Andreas; Haaff, Jürgen; Stahr, Karl: Bodenmanagement in der Praxis – Vorsorgender und nachsorgender Bodenschutz. Springer, Wiesbaden 2017. (Abgerufen am 21.10.2025).
3 Vgl.: Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU): Physik in Böden. 2023. (Abgerufen am 21.10.2025).
4 Vgl.: Amelung, Wulf; Blume, Hans-Peter; Fleige, Heiner; Horn, Rainer; Kandeler, Ellen; Kögel-Knabner, Ingrid; Kretzschmar, Ruben; Stahr, Karl; Wilke, Berndt-Michael: Scheffer/Schachtschabel – Lehrbuch der Bodenkunde. 17. Auflage. Springer, Wiesbaden 2018. (Abgerufen am 21.10.2025).
5 Vgl.: Schubert, Sven: Pflanzenernährung. 4. Auflage. UTB, Stuttgart 2024. (Abgerufen am 21.10.2025).