Zink ist ein essentielles Spurenelement und wirkt in der Pflanze als Aktivator und Bestandteil von über 300 Enzymen. Es ist unentbehrlich für den Auxinstoffwechsel, die Bildung von Proteinen, die Stabilität von Biomembranen und die Abwehr reaktiver Sauerstoffverbindungen.¹
Die Aufnahme der Zinkionen (Zn²⁺) erfolgt über ZIP-Transporter (Aufnahme in die Wurzelzellen) und HMA-Transporter (Verteilung innerhalb der Pflanze).² Die Verfügbarkeit hängt stark vom pH-Wert, der Bodenfeuchte, der Humusversorgung und der Mineralzusammensetzung ab. In trockenen, kalkreichen oder sehr sandigen Böden sinkt die Löslichkeit von Zinkverbindungen, sodass der Zinkgehalt nicht mehr ausreichend in die Wurzelzone transportiert wird.
Da Zink in der Pflanze nur begrenzt mobil ist, treten Mangelerscheinungen zuerst an jungen Blättern und Triebspitzen auf.³
Gründe für Zinkmangel liegen sowohl in natürlichen Bodenbedingungen als auch in einer ungeeigneten Bewirtschaftung.
🔎 Hoher pH-Wert und Kalküberschuss
In kalkreichen Böden (pH > 7,0) fällt Zink als schwerlösliches Zinkhydroxid aus. Es wird für Pflanzen unzugänglich. Besonders Standorte mit Aufkalkung reagieren empfindlich.
🔎 Sandige oder humusarme Böden
Leichte Böden besitzen nur geringe Sorptionskapazitäten und enthalten daher meist weniger Nährstoffe. Zink wird schneller ausgewaschen, besonders in Regionen mit hohen Niederschlägen.
🔎 Trockenheit und unregelmäßige Bewässerung
Bei Wassermangel bricht der Transport gelöster Zinkionen ab. Die Wurzelspitzen werden nicht mehr ausreichend versorgt.
🔎 Nährstoffungleichgewichte und einseitige Düngung
Hohe Phosphat- oder Stickstoffgaben können die Zinkaufnahme hemmen. In Ertragskulturen steigt der Bedarf schnell an, wenn die Versorgung nicht angepasst wird.
🔎 Bodenverdichtung und Sauerstoffmangel
Verdichtete Böden reduzieren die mikrobielle Aktivität und die Nachlieferung organisch gebundenen Zinks. Das hemmt die natürliche Zinkmobilisierung.⁴
Weisen Pflanzen Zinkmangel auf, so zeigt er sich häufig zuerst an jungen Blättern und Trieben, da Zink in der Pflanze nur begrenzt mobil ist. Ein zentrales Merkmal ist das verlangsamte Wachstum: Die Blätter bleiben auffallend klein, schmal oder lanzettförmig, oft kombiniert mit kurzen Stängel- bzw. Sprossabschnitten, sodass ein kompakter, rosettenähnlicher Wuchs entsteht.
Sehr typisch sind interveinale Chlorosen, also helle bis gelbliche Verfärbungen zwischen den Blattadern, während die Adern selbst grün bleiben. Im weiteren Verlauf können sich nekrotische Flecken bilden, besonders an älteren Blättern, wenn der Mangel fortschreitet.
Die Blatt- und Triebentwicklung ist insgesamt beeinträchtigt: Knospen öffnen sich verspätet oder entwickeln sich gar nicht, Blütenansätze bleiben schwach oder fallen ab. Durch die beeinträchtigte Zellteilung und reduzierte Auxinproduktion sind die Wurzeln oft unterentwickelt, was die Wasser- und Nährstoffaufnahme zusätzlich einschränkt.
Symptome im Überblick:
🚩 deutlich kleinere, schmale oder lanzettförmige Blätter🚩 interveinale Chlorosen mit hellen Bereichen zwischen den Adern
🚩 verkürzte Stängel- bzw. Sprossabschnitte, rosettenartige Wuchsformen
🚩 verlangsamtes Längenwachstum und schwache Entwicklung der Triebe
🚩 schwaches Wurzelwachstum
🚩 nekrotische Flecken bei fortgeschrittenem Mangel
🚩 artspezifische Besonderheiten (z. B. Streifenchlorosen bei Mais)
Zink wirkt auf vielen Ebenen des pflanzlichen Stoffwechsels. Fehlt der Pflanze Zink, so beeinflusst dies Wachstum, Stressresistenz und Ertrag erheblich.⁵
❌ Gestörter Auxinstoffwechsel
Zink wird für die Bildung des Pflanzenhormons Auxin benötigt. Ist zu wenig vorhanden, entstehen kleinere Blätter, und Triebe wachsen unregelmäßig oder verkürzt.
❌ Schwache Zellteilungen
Zellteilung und Meristemaktivität verlangsamen sich. Dadurch bleiben junge Triebe kurz und Knospen können sich schlechter entwickeln oder vollständig absterben.
❌ Reduzierte Proteinsynthese
Viele Proteine – darunter sogenannte Zinkfingerproteine – können ohne Zink nicht korrekt arbeiten. Das bremst zahlreiche Stoffwechselwege.
❌ Erhöhter oxidativer Stress
Ohne ausreichendes Zink sammeln sich reaktive Sauerstoffverbindungen (ROS) an. Das führt zu Blattverfärbungen und im weiteren Verlauf zu Nekrosen.
❌ Schwache Wurzelentwicklung
Die Wurzeln wachsen weniger kräftig. Dadurch verschlechtert sich die Wasser- und Nährstoffaufnahme, und die Pflanze wird anfälliger für Trockenstress.
Fehlt dem Boden Zink, so führt dies nicht nur zu Mindererträgen, sondern schwächt die gesamte Pflanzengesundheit.
Zinkmangel lässt sich gut behandeln, wenn frühzeitig reagiert wird. Am effektivsten ist die Kombination aus Blattdüngung und bodenverbessernden Maßnahmen.
💡 Sofortmaßnahmen
✔️ Blattdüngung mit Zinkchelaten (Zn-EDTA)
✔️ Einsatz von Zinksulfat (ZnSO₄)
✔️ Anwendung in frühen Wachstumsphasen besonders wirksam
✔️ schnelle sichtbare Verbesserung bei Chlorosen
✔️ Achtung: Überdosierung vermeiden – Zink kann phytotoxisch wirken
💡 Nachhaltige Bodenverbesserung
✔️ pH-Wert kontrollieren: optimal 5,5 – 6,5
✔️ Humusaufbau durch Kompost, Mist oder andere organische Düngemittel
✔️ Förderung der Bodenbiologie für erhöhte Zinkmobilisierung
✔️ lockere, gut durchlüftete Bodenstruktur
✔️ regelmäßige Feuchtigkeitssicherung
💡 Prävention
Eine Bodenanalyse (z.B. Bodenanalyse Maxi) zeigt, ob ausreichend Zink verfügbar ist, und liefert die Grundlage für eine gezielte Düngung.
ausgewogene Produkte zur Düngung ohne Überschüsse an Phosphor
im Gartenbau: eine gezielte Menge an zinkhaltigen Spezialdünger einsetzen
Substrate nicht überkalken
konstante Bewässerung zur Sicherung des Ionentransports
Zink steht im Boden wie auch in der Pflanze in einem komplexen Beziehungsgeflecht zu anderen Makro- und Mikronährstoffen. Diese Wechselwirkungen beeinflussen, wie gut der Bodennährstoff Zink aufgenommen, transportiert und im Stoffwechsel genutzt wird. Ein Ungleichgewicht kann deshalb schnell zu Mangelerscheinungen führen, selbst wenn der Gesamtzinkgehalt im Boden ausreichend ist.
Phosphor (P)
Zwischen Phosphor und Zink besteht eine ausgeprägte Wechselwirkung. Hohe Phosphatgehalte im Boden hemmen die Zinkaufnahme, weil Phosphat die Bildung schwerlöslicher Zinkphosphate begünstigt. Besonders in Böden mit intensiver P-Düngung oder in viehstarken Regionen kommt es deshalb häufig zu latentem Zinkmangel. Auch im Wurzelraum beeinflusst ein hohes P-Angebot den Transport von Zinkionen und die Aktivität zinkabhängiger Enzyme negativ.
→ Folge: Pflanzen zeigen typische Zinkmangelsymptome, obwohl ausreichend Gesamtzink vorhanden ist.
Eisen (Fe) und Mangan (Mn)
Zink, Eisen und Mangan konkurrieren in der Wurzel um ähnliche Transportproteine. Sind Fe- oder Mn-Gehalte sehr hoch, kann Zink verdrängt werden. Besonders in sehr sauren Böden sind Fe und Mn hochverfügbar, was die Zinkaufnahme zusätzlich einschränkt.
→ Folge: Zinkmangel tritt oft gemeinsam mit mikrobiellen Störungen und Chlorosen auf.
Stickstoff (N)
Eine intensive Stickstoffdüngung fördert starkes vegetatives Wachstum – gleichzeitig steigt der Zinkbedarf der Pflanze. Wird der Mehrbedarf nicht gedeckt, entwickelt sich ein latenter Nährstoffmangel, der sich später in Wachstumsstörungen, schwachen Trieben und geringen Erträgen zeigt. Darüber hinaus beeinflusst die N-Form (Ammonium vs. Nitrat) die Zinkverfügbarkeit im Boden:
- Ammonium fördert eine leichte Bodenansäuerung → Zink wird besser verfügbar.
- Nitrat erhöht den pH-Wert im Wurzelbereich leicht → Zink wird gebunden.
→ Folge: Die Wahl der N-Form wirkt direkt auf die Zinkaufnahme ein.
Kalzium (Ca) und Magnesium (Mg)
Beide Kationen beeinflussen die Kationenselektivität der Wurzelmembran. Hohe Ca- oder Mg-Gehalte, besonders in kalkreichen Böden, können die Aufnahme von Zn²⁺ reduzieren. Zudem erhöhen sie den pH-Wert, was die Zinklöslichkeit weiter verringert.
→ Folge: In stark kalkhaltigen Böden tritt Zinkmangel besonders häufig auf.
Organische Substanz und Schwefel (S)
Huminstoffe bilden Chelate, die Zink stabilisieren und pflanzenverfügbar machen können. Schwefel wiederum unterstützt über die leichte Ansäuerung des Rhizosphärenmilieus die Lösung von Zinkmineralen.
→ Folge: Humusreiche Böden und S-Düngung steigern die Zinkmobilisierung.
1 Vgl.: Schubert, Sven: Pflanzenernährung. 4. Auflage. UTB, Stuttgart 2024. (Abgerufen am 20.11.2025).
2 Vgl.: Amelung, Wulf; Blume, Hans-Peter; Fleige, Heiner; Horn, Rainer; Kandeler, Ellen; Kögel-Knabner, Ingrid; Kretzschmar, Ruben; Stahr, Karl; Wilke, Berndt-Michael: Lehrbuch der Bodenkunde. 17. Auflage. Springer Spektrum, Heidelberg 2018. (Abgerufen am 20.11.2025).
3 Vgl.: Taiz, Lincoln; Zeiger, Eduardo; Møller, Ian Max; Murphy, Angus: Pflanzenphysiologie und Entwicklung. 7. Auflage. Springer Spektrum, Heidelberg 2017. (Abgerufen am 20.11.2025).
4 Vgl.: Alloway, Brian J.: Zinc in Soils and Crop Nutrition. 2. Auflage. International Zinc Association (IZA), Brüssel 2008. (Abgerufen am 20.11.2025).
5 Vgl.: Cakmak, Ismail: The Role of Zinc in Protecting Plant Cells from Reactive Oxygen Species. New Phytologist, 146(2), 185–205 (2000). (Abgerufen am 20.11.2025).