Ist Wasser aus Plastikflaschen ungesund? Fakten, Risiken und Alternativen
Ob beim Sport, bei der Arbeit oder als Alternative zu Leitungswasser – Getränke in Plastikflaschen gehören für viele Menschen zum Alltag. Von Wissenschaftlern oder in Untersuchungen von Verbrauchermagazinen wird allerdings auch immer wieder Kritik an PET-Flaschen geäußert. Neben Nachhaltigkeits- und Umweltaspekten richtet sich diese gegen mögliche gesundheitsgefährdende Schadstofffreisetzungen aus den Flaschen. Besteht hier wirklich ein Gesundheitsrisiko und welche Schadstoffe können die Flaschen abgeben? Sind zum Beispiel Glasflaschen eine „gesunde” Alternative zu Plastikflaschen? Die Antworten finden Sie in unserem Ratgeber. (Stand Januar 2026)
Inhalt
PET-Flaschen – aus welchem Material bestehen diese?
Kunststoffflaschen für Getränke werden ganz überwiegend aus PET gefertigt. Dabei handelt es sich um den Kunststoff Polyethylenterephthalat, kurz PET. Das Material ist leicht, bruchsicher und günstig in der Produktion. Im Gegensatz zu weicheren Kunststoffen wie PVC benötigt PET keine Weichmacher wie Phthalate, um flexibel und bruchsicher zu sein.
Welche Stoffe in Polyethylenterephthalat (PET) können gesundheitlich problematisch sein?
Grundsätzlich gilt PET als lebensmittelecht und weitgehend inert (reaktionsträge) gegenüber Lebensmitteln. Dennoch kann es in geringem Umfang zu chemischen Wechselwirkungen zwischen zum Beispiel PET-Flaschen und Getränken kommen. Dabei gehen auch Stoffe aus PET mitunter in geringem Umfang in Getränke über. Problematisch können dabei unter anderem die folgenden Chemikalien sein:
Antimontrioxid: Bei der Herstellung von PET wird häufig Antimontrioxid als Katalysator eingesetzt. Diese Chemikalie verbleibt in geringen Mengen im Kunststoff und kann mit der Zeit in den Inhalt von PET-Flaschen und anderen PET-Verpackungen übergehen. Nach einem EU-Grenzwert dürfen höchstens 0,04 mg Antimontrioxid aus einer PET-Flasche in einen Liter Wasser übergehen (spezifischer Migrationswert).1 Antimontrioxid gilt als möglicherweise krebserzeugend.2
Acetaldehyd: Die Chemikalie Acetaldehyd entsteht mitunter bei der Herstellung von PET und geht oft in geringen Mengen in Wasser über. Acetaldehyd kann Wasser einen leicht süßlichen oder plastikartigen Beigeschmack verleihen. Der spezifische Migrationswert für Acetaldehyd liegt bei 6 mg pro Liter.1 Für Acetaldehyd wird zumindest eine krebserzeugende Wirkung diskutiert.3
Einflussfaktoren für Übergang von Chemikalien aus Plastik
In welchen Konzentrationen Chemikalien wie Antimontrioxid oder Acetaldehyd aus Plastikflaschen in Getränke übergehen (Migration) hängt unter anderem von den folgenden Faktoren ab:
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Temperatur: Hohe Temperaturen beschleunigen insgesamt oft chemische Prozesse wie die Migration von Stoffen. So kann es zu einem Anstieg von Schadstoffen in Plastikflaschen kommen, wenn Sie diese zum Beispiel im Sommer im heißen Auto liegen lassen.
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Lagerdauer: Je länger Wasser in Kunststoffflaschen verbleibt, desto mehr Zeit haben Chemikalien, aus dem Kunststoff in die Flüssigkeit überzugehen. Wird Wasser in PET-Flaschen erst kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums getrunken, kann die Schadstoffkonzentration folglich erhöht sein. Auch die Geschmacksbeeinträchtigung durch Acetaldehyd ist dann oft deutlicher wahrnehmbar.
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Kohlensäure/Säure: Kohlensäurehaltiges Mineralwasser kann die Herauslösung bestimmter Stoffe aus PET begünstigen.4
Mikroplastik im Trinkwasser: Wie hoch ist die Belastung durch PET-Flaschen?
Wasser kann durch PET-Flaschen mit Mikroplastik verunreinigt werden. Mikroplastik besteht aus kleinen Kunststoffteilchen mit einer Größe zwischen 1 μm und 5 mm. Partikel mit einer Größe von weniger als 1 μm werden als Nanoplastik bezeichnet. Bei PET-Flaschen entsteht Mikroplastik primär durch mechanischen Abrieb beim Transport, beim Auf- und Zuschrauben des Deckels oder durch die Verformung der Flasche beim Trinken. Auch während der Abfüllung kann Mikroplastik in die Flaschen gelangen.
Untersuchungen haben gezeigt, dass die Konzentration von Mikroplastik in Wasserflaschen oft signifikant höher ist als in Leitungswasser. Betroffen war dabei Mineralwasser aus Mehrweg- und Einweg-PET-Flaschen. So wurden in einer amerikanischen Studie in einem Liter Kunststoffflaschen-Wasser bis zu 240.000 Mikroplastik-Partikel gefunden. Bei einer Untersuchung der Zeitschrift Öko Test enthielten 27 von 61 Mineralwässern in PET-Flaschen antimonhaltiges Mikroplastik. Das Antimon stammt dabei aus Herstellungsrückständen des bereits genannten Antimontrioxids.5 Sogar in Glasflaschen abgefülltes Wasser enthält oft deutlich mehr Mikroplastik als Leitungswasser. Insbesondere dann, wenn die Flaschen mit Kronkorken versehen sind.6 Die Mikroplastikpartikel könnten weiterhin durch Abfüll- oder Reinigungsprozesse (Mehrweg-Flaschen) in das Wasser gelangen.
In unserem Ratgeber „Mikroplastik im Leitungswasser: Belastung, Gesundheitsrisiken, Vermeidung” erhalten Sie ausführliche Informationen zu Mikroplastik und der Mikroplastikbelastung von Leitungswasser.
Fazit: Ist Wasser aus Plastikflaschen ungesund?
Ob PET-Flaschen schädlich für die Gesundheit sind, hat unter anderem die Stiftung Warentest bereits in mehreren Untersuchungen analysiert. Es wurde hier beispielsweise Acetaldehyd in Wasser aus PET-Flaschen nachgewiesen. Die Konzentration lag allerdings unterhalb eines gesundheitlich bedenklichen Wertes.7
Ob und welche Gesundheitsschäden Mikroplastik im menschlichen Körper verursachen kann, wird noch immer intensiv erforscht. In einzelnen Studien wurden jedoch schon direkte schädliche Wirkungen durch Mikroplastik wie Entzündungen nachgewiesen. Außerdem kann Mikroplastik die Blut-Hirn-Schranke überwinden.8 Es fehlen jedoch bislang konkrete Aussagen zu den für Gesundheitsschäden oder Erkrankungen nötigen Dosen der Kunststoffpartikel. Aufgrund der unklaren Studien- und Datenlage sollte die Aufnahme von Mikroplastik aus Gründen der Risikoreduzierung aber möglichst minimiert werden.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kommt in einer Stellungnahme aus dem Jahr 2025 insgesamt zu dem Schluss, dass sich bei PET-Flaschen insgesamt „...keine Anhaltspunkte für ein gesundheitliches Risiko” ergeben.9
Tipps: Schadstoffaufnahme aus Plastikflaschen minimieren
Mit den folgenden Tipps und Handlungsempfehlungen können Sie das Risiko einer möglichen Schadstoffaufnahme aus Plastikflaschen in der Regel deutlich senken:
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Leitungswasser nutzen: Für Leitungswasser gelten in Deutschland nach der Trinkwasserverordnung teilweise strengere und umfangreichere Grenzwerte für Schadstoffe als für Mineralwasser.10 Deshalb ist Leitungswasser meistens eine kostengünstige und weitgehend schadstofffreie Alternative zu Wasser aus dem Supermarkt. Zudem schont die Verwendung von Leitungswasser die Umwelt. So werden selbst für Mehrweg-PET-Flaschen für Herstellung, Transport und Reinigung im Vergleich zu Leitungswasser viele Ressourcen verbraucht. Ob Leitungs- oder Mineralwasser grundsätzlich gesünder ist, erfahren Sie in unserem Ratgeber „Leitungswasser oder Mineralwasser? Welches Wasser ist gesünder?”.
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Glas: Während Glasflaschen in Bezug auf Mikroplastik entgegen den Erwartungen zumindest keine Vorteile gegenüber PET-Flaschen bieten, sind die Belastungen in Glasflaschen mit Chemikalien in der Regel geringer.
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Sonne und Wärme meiden: Lassen Sie Plastikflaschen nicht im heißen Auto oder in der Sonne liegen. Dies kann die Freisetzung von Chemikalien fördern.
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Richtige Lagerung: PET-Flaschen sollten kühl und dunkel gelagert werden, um den Übergang von Chemikalien aus dem Kunststoff in das Wasser zu minimieren. Außerdem sollte auch das Mindesthaltbarkeitsdatum beachtet werden, da sich mit der Zeit mehr Chemikalien im Wasser ansammeln können.
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Edelstahl als Alternative für Trinkflaschen: Edelstahl ist als Material für Trinkflaschen gut geeignet, da es keine Schadstoffe abgibt und im Gegensatz zu Glas bruchfest ist. Allerdings sollten sich Flaschen und Verschluss gut reinigen lassen, da diese sonst schnell verkeimen können.
Wichtig zu wissen: Extra angefertigte Trinkflaschen aus Kunststoff sind zum Beispiel für Sport- und Freizeitaktivitäten sehr beliebt. Je nach verwendetem Kunststoff und der Qualität des Materials können aus den Flaschen jedoch Schadstoffe wie die hormonaktive Chemikalie Bisphenol A (BPA) freigesetzt werden. Mehr dazu in unserem Ratgeber „Gefahr Trinkflasche – Plastik, Aluminium oder Edelstahl?”.
Leitungswasser als sichere Alternative zu „Flaschenwasser”? Wassertests geben Sicherheit
Wie bereits erwähnt, gelten für Leitungswasser teilweise strengere Schadstoffgrenzwerte als für in Flaschen verkauftes Mineralwasser. Deshalb ist die Verwendung von Leitungswasser als Trinkwasser in der Regel eine günstige und sichere Alternative zu Wasser aus dem Super- oder Getränkemarkt. Allerdings garantieren die Wasserversorger die Einhaltung der strengen Grenzwerte für Schadstoffe und Keime im Trinkwasser nur bis zum Hausanschluss. Auf den letzten Metern des Wassers bis zur Entnahme kann das Leitungswasser mitunter noch mit Schadstoffen wie den Schwermetallen Blei und Kupfer (aus Rohrleitungen) sowie Keimen verunreinigt werden. Deshalb können unter anderem die folgenden Wassertests sinnvoll sein:
Wassertest Rohrleitung: Test des Wassers auf verschiedenste Schwermetalle und Metalle, die aus Rohrleitungen und anderen Installationskomponenten freigesetzt werden können.
Legionellen Test für Leitungswasser: Einzeltest für den Parameter Legionellen. Legionellen sind gesundheitsgefährdende Bakterien, die sich unter anderem in Stagnationswasser stark vermehren können. Eine besonders hohe Infektionsgefahr mit Legionellen besteht zum Beispiel beim Duschen und in Whirlpools. Weitere Informationen zu Legionellen bietet Ihnen unser Ratgeber „Legionellen im Trinkwasser? – So erkennen Sie die Gefahr!”.
Wassertest Komplett: Bakterien + Schwermetalle + Mineralstoffe: Dieser Test bietet ein sehr breites Analysespektrum mit Parametern wie Schwermetallen, coliformen Keimen, Nitrat, Nitrit und der Wasserhärte. Folglich erhalten Sie mit dem Test ein umfassendes Bild über die Qualität und Beschaffenheit Ihres Leitungswassers.
Die Probenentnahme für unsere Wassertests können Sie mit Hilfe der beiliegenden, leicht verständlichen Anleitung einfach selbst vornehmen. Anschließend senden Sie die Probe per Post in dem voradressierten Versandkarton an unser spezialisiertes Partnerlabor. Nach kurzer Zeit steht das Testergebnis für Sie über Ihren persönlichen Bereich des Online-Portals MyChecknatura zum Abruf bereit.
✔️ Toxische Schwermetalle
✔️ inkl. Blei und Nickel
FAQs: Gesundheitsrisiko durch Plastikflaschen?
Sind Plastikflaschen schädlich?
Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung gibt es keine Hinweise auf ein gesundheitliches Risiko bei normalem Gebrauch von PET-Flaschen.
Geben Einweg- oder Mehrweg-PET-Flaschen mehr Mikroplastik ab?
Die Studienergebnisse hierzu sind widersprüchlich. Eine klare Antwort zu der Frage ist daher nicht möglich.11
Enthält nur Wasser aus Plastikflaschen Mikroplastik?
Nein. Mikroplastik kann in Wasserflaschen aus Kunststoff und zum Beispiel Glas enthalten sein. Weitgehend frei von Mikroplastik ist in der Regel Leitungswasser.12
Geben PET-Flaschen Weichmacher ab?
Nein, bei der Herstellung von PET-Flaschen werden keine Weichmacher verwendet. Daher erfolgt auch keine Abgabe von Weichmachern an den Flascheninhalt.9
Gibt es Mineralwasser ohne Mikroplastik?
Mineralwasser ohne jegliche Belastung mit Mikroplastik zu finden, ist oft nicht möglich. Selbst wenn das Quellwasser des Mineralwassers frei von Mikroplastik ist, kommt es durch Produktionsprozesse, Flaschen und Verschlüsse in der Regel zumindest zu geringen Kontaminationen mit Mikroplastik.
Das könnte Sie ebenfalls interessieren:
1Vgl.: Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) e. V.: Verpackungsmaterial aus Polyethylenterephthalat (PET). 2016.
2Vgl.: Bundesamt für Gesundheit BAG (Schweiz): Antimon in Lebensmitteln und Fertiggerichten, die direkt in PET-Schalen zubereitet werden. 2007
3Vgl.: Bundesinstitut für Risikobewertung: Gesundheitliche Bewertung von Acetaldehyd in alkoholischen Getränken. 2010.
4Vgl.: ScienceDirect: Plastic bottles for chilled carbonated beverages as a source of microplastics and nanoplastics. 2023.
5Vgl.: Zeitschrift Öko Test: Studie: Flaschenwasser enthält noch mehr Plastikpartikel als bekannt. 2024.
6Vgl.: Spiegel.de: Mehr Mikroplastik in Glasflaschen als in Plastikflaschen nachgewiesen. 2025.
7Vgl.: Wirtschaftswoche: Stiftung Warentest, Mineralwasser enthält oft Schadstoffe. 2014.
8Vgl.: Medizinische Universität Wien: Winzige Plastikpartikel gelangen auch ins Gehirn. 2023.
9Vgl.: Bundesinstitut für Risikobewertung: PET-Flaschen: Keine Anhaltspunkte für ein gesundheitliches Risiko. 2025.
10Vgl.: JenaWasser, Zweckverband der Abwasserentsorgung und Wasserversorgung: Mineralwasser oder Leitungswasser? 2026.
11Vgl.: Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb): Wasser aus Plastikflaschen: Harmlos oder gefährlich? 2020.
12Vgl.: Gelsenwasser AG: Keine Gefahr durch Mikroplastik im Leitungswasser. 2021.