Welche Bedingungen beeinflussen die Verkeimung im Trinkwasser?
Temperatur
Nach Trinkwasserverordnung soll die Temperatur 25 °C nicht überschreiten. Wird dieser Wert unterschritten, so in der Regel nicht mit einer Vermehrung der Keime zu rechnen. Klimaveränderung, bauliche Verdichtung, Ausbau der Fernwärme oder Rückgang des Wasserverbrauchs führen jedoch häufiger zu erhöhten Wassertemperaturen. Diese können sich nachteilig auf die mikrobiologischen Parameter auswirken.2
Unter aeroben Bedingungen wurde kein oder nur ein geringes Wachstum von coliformen Bakterien festgestellt. Dagegen haben sie unter anaeroben Bedingungen einen Wachstumsvorteil. Dies bedeutet, dass die Keime insbesondere in Speicherbehältern und Filtermaterial überdauern und im begrenzten Umfang auch vermehren können.3
👉 Im Rahmen des Forschungsprojektes „MibiTemp“ erforscht der DVGW die Vermehrungsansprüche verschiedener Erregergruppen. Mittels moderner molekularbiologischer Verfahren soll der Temperatureffekt auf die Zusammensetzung der mikrobiellen Gemeinschaft überprüft werden, um ganzheitliche mikrobiologische Aussagen zu ermöglichen.4
Stagnation
Werden aus einem Behälter oder aus Leitungen längere Zeit kein Wasser entnommen, so spricht man von Stagnationswasser. Bei vorübergehender Nichtnutzung (z.B. über Nacht) reicht es aus, das Wasser kurz ablaufen zu lassen. Dauerhaft unzureichend oder gar nicht genutzte Trinkwasserabschnitte stellen eine latente Gefahr für die übrige Trinkwasser-Installation dar. Die Stagnationsleitungen sollten durch ein Absperrventil vorübergehend oder ganz abgetrennt werden. Typische Stellen sind Außenzapfhähne, selten genutzte Gäste-WCs oder Ferienwohnungen.
Materialien
Alle Materialien, die in Kontakt mit Trinkwasser kommen, müssen in ihrer Zusammensetzung und Herstellung unbedenklich sein, damit sie nicht die Qualität des Trinkwassers verschlechtern.
Sofern die Materialien keine Nährstoffe abgeben, findet keine Vermehrung der Keime statt.
Verwenden Sie nur zugelassene Materialien für Ihre Trinkwasser-Installation!
Material |
Eigenschaften |
Schmelztauchverzinkte Eisenwerkstoffe |
- • Widerstandsfähig
- • Verzinkung bietet keinen Schutz vor Roststellen
- • Vorgaben der DIN 50930-6 müssen eingehalten werden
- • Nur Kaltwasser, keine Warmwasserleitungen
- • Einbau nicht nach kupfernen Bauteilen
- • Korrodieren kupferhaltiges Wasser
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Nicht rostender Stahl (Edelstahl) |
- • Uneingeschränkter Einsatz in der Trinkwasser-Installation
- • Besonders geeignet für Krankenhäuser
- • Mischinstallationen mit anderen Rohren möglich
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Kupfer |
- • Nach DIN 50930-6 erlaubt bei pH-Wert ≥ 7,4
- • pH-Werte zwischen 7,0 und 7,4, wenn TOC-Gehalt ≤ 1,5 mg/l
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Kunststoffe |
- • Unempfindlich gegenüber Korrosion
- • Leicht verlegbar
- • Empfindlich gegenüber mechanischer Beanspruchung, UV-Bestrahlung und niedrigen Temperaturen
- • PVC-U nur für Kaltwasser bis 20 °C
- • PVC-C für Kalt- und Warmwasser
- • PE-HD für erdverlegte Leitungen
- • PE-X bis 10 bar und 95 °C
- • PB für hohe Flexibilität
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Mehrschichtige Metallverbundwerkstoffe |
- • Kombinieren die Vorteile von Metall und Kunststoff
- • Hohe Stabilität
- • Geringe Längenausdehnung
- • Korrosionsbeständig
- • Flexibel und leicht verlegbar 6,7
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