Häufig hört man von fachkundigen Tierärzten Aussagen, dass besonders Equines Asthma eine Zivilisationskrankheit sei. Abwegig ist das nicht. Zwar kann eine genetische Komponente – zum Teil durch menschliche Zucht beeinflusst – beim schweren Asthma des Pferdes eine Rolle spielen, doch sind Staub und schlechte Luftqualität im Stall vor allem ein hausgemachtes Problem unserer heutigen Reitpferde.. Ein Wildpferd kann sicher auch einen Infekt haben, aber eine Allergie oder hohe Staubbelastung kennt seine Lunge nicht. 2
Die häufigste Ursache für Equines Asthma ist also, knapp gesagt, eine schlechte Haltung. Staub durch Einstreu und durch mangelnde Hygiene entstehende Ammoniakdämpfe der Ausscheidungen belasten die Lunge sehr. Weitere Ursachen sind: 3
- Infekt der Atemwege (besonders Influenza und Herpes)
- Milben
- Pollen
- Bakterielle Toxine
- Schimmel in Heu und Stroh.
Wie Sie schimmeliges Heu sicher erkennen, erfahren Sie in unserem Ratgeber „Schimmel im Heu erkennen & vermeiden, Gesundheitsrisiken für Mensch & Tier“.
Oft sind die Ursachen bei Pferden mit Equinem Asthma sicher eine Kombination aus mehreren Faktoren. So kann ein schlecht ausgeheilter Infekt der Lunge für eine höhere Empfindlichkeit der Lunge für Staub und Pollen sorgen. Aber auch genetische Aspekte können eine Rolle spielen, dass die Atemwege der Pferde sensibler auf Umweltreize reagieren und mit einer heftigen Immunantwort reagieren. 4
Pferde reagieren ähnlich wie wir, wennFremdkörper wie Staub, Pollen o. Ä. in die Atemwege kommen. Sind die Reizstoffe nur im oberen Bereich der Atemorgane, schnauben sie heftig, ähnlich unserem Niesen. Sitzen die kleinen Fremdkörper schon tiefer, wird gehustet. Um Staub und Co. besser beim Husten loszuwerden, produzieren die Bronchien Schleim. Tiefer in der Lunge sitzen die Flimmerhärchen, auch mit einer leichten Schleimschicht überzogen, die beim Abtransport der Partikel aus den Bronchien der Lunge helfen.
Kommen nun beispielsweise zu einem Infekt, starke Staubbelastung, Pollen etc. hinzu, reagiert der Körper mit einer erhöhten Schleimproduktion und einer Verengung der Muskeln um die Atemwege herum. Entzündungsherde in der Lunge entstehen, die Schleimhäute schwellen an und der Schleim wird immer zäher, kann schlechter abtransportiert werden und die Flimmerhärchen werden zerstört. Im nächsten Schritt verkrampft die Atemmuskulatur unkontrolliert und das Pferd bekommt immer wieder Atemnot. 5
Je später in diesen Prozess eingegriffen wird, desto schneller entsteht Asthma, vorrangig in der chronischen, hochgradigen Form. Bei der leichten Form kann ein zeitiges Eingreifen einen fast symptomfreien weiteren Verlauf beeinflussen. Hochgradig chronisches Asthma kann hingegen die Lebensqualität stark einschränken. Daher ist es so wichtig, die Erkrankung schnell zu erkennen. 6
Zeigt Ihr Pferd Symptome wie übermäßiges Husten und Nasenausfluss, ist es ratsam, einen Tierarzt zu kontaktieren. Aus einem kleinen unbehandelten Infekt kann Asthma bei einem Pferd entstehen. Aber auch ohne den Infekt kann sich durch Allergene und Staubbelastung insbesondere die chronische Form des Asthmas entwickeln. Aber nicht nur Husten und flüssiger bis schleimiger Nasenausfluss sind typisch. 7
Symptome von leichtem bis mittelgradigem Equinen Asthma (IAD): 8
- Husten bei Staub und häufig beim ersten Antraben
- Atmung wirkt angestrengt
- Nasenausfluss
- Schnelles Ermüden bei der Arbeit.
Nicht selten treten diese Anzeichen jahreszeitenabhängig auf. Die Pferde mit einer Pollen- oder auch Gräserallergie haben im Winter häufig eine völlig normale Atmung und es ist ihnen nichts vom Asthma anzumerken. Fliegen die ersten Pollen oder wird es trocken und staubig, zeigen sich deutlich die Symptome. 9
Symptome bei schwerem Equinen Asthma (COB - chronisch obstruktive Bronchitis): 10
- Symptome der IAD
- Verstärkte, stark sichtbare Atmung mit Einsatz der Bauchmuskulatur (Dampfrinne)
- Schwitzen ohne Anstrengung
- Erhöhte Atmung bis zu Atemnot
- Keine Leistungsbereitschaft möglich.
Dadurch, dass viele Pferde mit COB mit zusätzlich erzeugtem Druck der Zwischenrippenmuskulatur, des Zwerchfells und der Bauchmuskulatur ein- und ausatmen, kann es zu Komplikationen kommen. Typisch für den Einsatz dieser Muskulatur ist eine Rinne zwischen Rippenbogen und Bauch. Früher war ein Ausdruck dafür sehr typisch: „Dämpfigkeit Pferd“.
Dieser zusätzliche Druck sorgt für eine Lungenüberdehnung. Greift eine Behandlung an diesem Punkt ein, kann der Lungenschaden noch gestoppt werden. Passiert dies nicht, kommt es zu einem irreversiblen Lungenemphysem. Dabei platzen die Lungenbläschen (Bronchiolen, kleinste Einheit in der Lunge). Das Pferd hat schon in Ruhephasen immer wieder Atemprobleme. An Reiten ist hier nicht mehr zu denken. 11
Je früher Sie auf die „leichten“ Symptome reagieren, desto schneller können eine mögliche Chronifizierung und eine COB in den Griff bekommen werden.
Die Therapie für Pferde mit Asthma richtet sich individuell nach Art der Symptome, Diagnose der jeweiligen Ausprägung und Haltungsform des Pferdes. Einer der ersten Schritte ist nämlich in den meisten Fällen eine Optimierung der Haltung. Boxenhaltung in einem ungünstigen Stallklima ist für eine erfolgreiche Therapie ein absolutes No-Go. 14
Wenn Sie wissen möchten, was gutes Stallklima für ein Pferd ausmacht, finden Sie alle wichtigen Informationen in unserem Ratgeber „Das optimale Stallklima für Ihr Pferd“.
Viel frische Luft, wenig Staub und Ammoniakdämpfe, staubarme Einstreu sind für die Pferde eine echte Entlastung. Oftmals bietet sich Offenstallhaltung an. Zudem ist eine staubfreie Fütterung (Pellets, Heucobs, Heu bedampfen) essentiell. Dabei ist immer zu beachten, dass die Pferde ausreichend Vitamine und Mineralien bekommen. Für Asthmatiker sind besonders die Vitamine B und E, ungesättigte Fettsäuren, Zink, Selen und Kupfer von Bedeutung. Diese unterstützen die Lunge und die Atemwege ideal. 15
Sind Sie nicht sicher, ob Ihr Pferd genug von allem bekommt, bietet es sich an, dies überprüfen zu lassen. Denn ein „Zuviel“ beispielsweise von Zink und Selen kann sich auf andere Stoffwechselprozesse negativ auswirken. Hier kann zum einen ein Bluttest beim Tierarzt Aufschluss darüber geben, was an Nährstoffen fehlt oder im Überschuss vorhanden ist. Ein Blutbild zeigt allerdings nur den aktuellen Mineralstoffstatus am Tag der Probenentnahme. Der Test „Haarmineralanalyse: Haaranalyse für Ihr Pferd“ bildet dagegen die Versorgung über mehrere Wochen oder Monate ab. Denn die Probe kommt von dem Ort, an dem die Nährstoffe in richtiger Menge vorhanden sein sollten. Sie eignet sich daher besonders zur Erkennung eines Mangels oder Überschusses und hilft Ihnen zu erkennen, welche Ergänzungen beim Futter wirklich notwendig sind.
Diese Optimierung sollte möglichst dauerhaft beibehalten werden. Zudem setzen erste Verbesserungen erst nach mindestens 3 Monaten ein. 16
Reagieren Pferde auf Pollen oder andere Allergene, muss überlegt werden, wie den Allergenen aus dem Weg gegangen werden kann. Ein Stallwechsel oder eine Aufstallung in einem idealen Stall sind Möglichkeiten. 17
Wie Sie eine Allergie bei Ihrem Pferd selbst erkennen können, erklären wir Ihnen in unserem Ratgeber „Allergie: Pferd reagiert empfindlich auf seine Umwelt“.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist ausreichend Bewegung, je nachdem, was das Pferd noch leisten kann. Für Pferde mit starker COB ist freie Bewegung unerlässlich. Wenn es noch leichte Arbeit ohne den Reiter bewältigen kann (Bodenarbeit, Longieren etc.), ist das sogar noch besser. Pferde mit IAD sollen und dürfen geritten werden. Bewegung sorgt für tiefes Atmen, ein natürliches Weitstellen der Bronchien und einen besseren Abtransport des Schleims. 18
Neben dem, was Sie selbst tun können, wird der Tierarzt eine entsprechende Behandlung einleiten, um dem Pferd möglichst viel Lebensqualität zurückzugeben und seine Atmung zu verbessern. Dabei sind folgende Behandlungen möglich: 19
- Schleimlöser
- Bronchienerweiterer
- Antibiotika (bei zusätzlichen Infektionen)
- Antihistaminika
- Kortison (wird so selten wie möglich eingesetzt)
- Inhalation mit Kochsalzlösung oder bei schweren Symptomen Glukokortikoide.
Wichtiger Hinweis: Vermeiden Sie Inhalation mit ätherischen Ölen. Diese reizen zusätzlich und können die Flimmerhärchen schädigen. 20
In schweren Fällen von Equinem Asthma können Lungenspülungen helfen. Dabei wird der Pferdekörper mit 30 bis 40 Litern Kochsalzlösung „geflutet“. Entweder bekommt das Pferd diese über 3 bis 4 Stunden intravenös oder auf nüchternen Magen über eine Nasenschlundsonde über 1 Stunde. Dies wird in Pferdekliniken durchgeführt. 21
Ziel ist es, in der Behandlung so wenig Medikamente wie nötig zu geben, um den restlichen Organismus nicht zusätzlich zu belasten. Eine vollständige Heilung ist nicht möglich. Oberste Priorität hat die Lebensqualität des Pferdes, was eine Entlastung der Atmung beinhaltet. 22
Neben einer genetischen Neigung (Allergie) zu COB ist es für jedes Pferd wichtig, in einer möglichst keim-, schadgas- und staubarmen Umgebung zu leben. Ein gutes Stallklima, qualitativ gutes Rau-und Kraftfutter und viel freie Bewegung draußen sind unerlässliche Faktoren für eine gesunde Pferdelunge. Eine Veränderung ist empfehlenswert, wenn das für Ihr Pferd und seine Gesundheit nicht passend ist.
Je früher eine Behandlung stattfindet, desto besser lässt sich das Asthma kontrollieren und einer Verschlimmerung wird entgegengewirkt.
Quellen:
1 Vgl.: Boehringer Ingelheim: Jeder Husten zählt, abgerufen am 10.03.2026.
2 Vgl.: Wehrmann, Dominique: Equines Asthma: wenn die Luft dünn wird – nicht nur im Herbst, 27.09.2024, abgerufen am 10.03.2026.
3 Vgl.: Dr.med.vet. Dülffer-Schneitzer: Pferde Gesundheitsbuch, FN Verlag, 5. Auflage 2024, S. 260 ff.
4 Vgl.: a.o.O.
5 Vgl.: Wehrmann, Dominique: Equines Asthma: wenn die Luft dünn wird – nicht nur im Herbst, 27.09.2024, abgerufen am 10.03.2026.
6 Vgl.: Dr.med.vet. Dülffer-Schneitzer: Pferde Gesundheitsbuch, FN Verlag, 5. Auflage 2024, S. 260 ff.
7 Vgl.: Tierspital Zürich: Equines Asthma (RAO, COPD), abgerufen am 10.03.2026.
8 Vgl.: a.o.O.
9 Vgl.: Wehrmann, Dominique: Equines Asthma: wenn die Luft dünn wird – nicht nur im Herbst, 27.09.2024, abgerufen am 10.03.2026.
10 Vgl.: Tierspital Zürich: Equines Asthma (RAO, COPD), abgerufen am 10.03.2026.
11 Vgl.: Dr.med.vet. Dülffer-Schneitzer: Pferde Gesundheitsbuch, FN Verlag, 5. Auflage 2024, S. 260 ff.
12 Vgl.: a.o.O.
13 Vgl.: Cavallo: Die 100 wichtigsten Pferdekrankheiten, Müller Rüsschlikon Verlag, 1. Auflage 2023, S. 144 ff.
14 Vgl.: Dr.med.vet. Dülffer-Schneitzer: Pferde Gesundheitsbuch, FN Verlag, 5. Auflage 2024, S. 260 ff.
15 Vgl.: a.o.O.
16 Vgl.: Tierklinik Lüsche: Zivilisationskrankheit? Equines Asthma, abgerufen am 10.03.2026.
17 Vgl.: Wehrmann, Dominique: Equines Asthma: wenn die Luft dünn wird – nicht nur im Herbst, 27.09.2024, abgerufen am 10.03.2026.
18 Vgl.: a.o.O.
19 Vgl.: Dr.med.vet. Dülffer-Schneitzer: Pferde Gesundheitsbuch, FN Verlag, 5. Auflage 2024, S. 260 ff.
20 Vgl.: a.o.O.
21 Vgl.: a.o.O.
22 Vgl.: Wehrmann, Dominique: Equines Asthma: wenn die Luft dünn wird – nicht nur im Herbst, 27.09.2024, abgerufen am 10.03.2026.