Die meisten Milbenarten sind mit bloßen Augen kaum erkennbar, da sie nur wenige Millimeter groß sind – ein Grund, warum ein Befall oft nicht gleich wahrgenommen wird. Bei einem stärkeren Befall sind sie als weiße, gelbliche oder rote kleine Punkte zu erkennen. Milben zählen zu den Spinnentieren und ihr größter uns bekannter Vertreter ist die Zecke. 2
Die Milben, die unseren Pferden übel mitspielen können, zählen zu den Ektoparasiten und ernähren sich von Hautschuppen, Haaren, Lymphe und Blut. Einige von Ihnen können Krankheiten übertragen. Andere sorgen durch den Juckreiz, den sie auslösen, für Infektionen und gelten daher als schädlich.3
Die kleinen Arachniden lieben feucht-warmes Klima und Dunkelheit. Daher kommt es besonders häufig zu einem krankhaften Befall im Herbst und Winter. Sie sind äußerst anpassungsfähig und können sogar Monate ohne Wirt überleben.4
Gesunde Pferde mit einem guten Immunsystem haben häufig keine Probleme mit Milben. Anders sieht es mit alten Pferden, gestressten Pferden (durch Stallwechsel, Unruhe in der Herde oder sogar Fellwechsel), Pferden mit Stoffwechselerkrankungen wie EMS oder ECS oder Pferden mit einer Mangelernährung aus. Auch Pferde mit Sommerekzem oder Mauke sind durch ihre bestehenden Hauterkrankungen gefährdeter für einen Milbenbefall als gesunde Tiere. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes ein „gefundenes Fressen“ für die kleinen Parasiten.5
Die Übertragungswege sind äußerst vielfältig. Bei Aufenthalt in kontaminierter Umgebung wie auf Wiesen und Ausläufen befallen die Milben das Pferd, indem sie an ihm hochkrabbeln (Zecken, Grasmilben).
Kontaminierte Gegenstände wie Putzzeug, Decken und mangelnde Stallhygiene sind ebenfalls ein Übertragungsweg (Räudemilben). Auch befinden sich Milben in verunreinigtem Getreide und Raufutter. Sie gelten sogar als Indikator von verdorbenem Futter, da eine nachgewiesene Synergie von Milben und Schimmelpilzen besteht. Über den Milbenkot werden Schimmelpilzsporen verteilt. 6
Die häufigste Art der Übertragung ist tatsächlich der direkte Kontakt zu befallenen Pferden. Auch der Mensch kann als Überträger gelten. Daher sollte, wenn ein Pferd Milben hat, im Idealfall die gesamte Herde dagegen behandelt werden. Nur so werden alle Milben, Eier, Larven und Nymphen abgetötet und die Pferde haben nicht mit wiederkehrendem Befall zu kämpfen. 7
Es ist wichtig, Milben beim Pferd schnellstmöglich zu erkennen und zu behandeln, damit sie sich nicht über den Körper ausbreiten können und es nicht zu Sekundärinfektionen kommen kann. Natürlich variieren die Symptome je nach Milbenart, aber einige sind typisch für jede Art:8
- Juckreiz: Die Reizung ist teilweise so schlimm, dass sich die Pferde durch den Juckreiz scheuern – an allem und manchmal so schlimm, dass Krusten und entzündete Wunden entstehen.
- Unruhe: Durch das ständige Bedürfnis, sich zu kratzen, kommen die meisten Pferde nicht zur Ruhe.
- Hautirritationen: Schuppige Haut und Rötungen treten auf, wenn Milben sich an der Haut zu schaffen machen.
- Haarausfall: Besonders dort, wo viele Milben sind, kommt es zum Haarverlust.
- Sekundärinfektionen: Durch das Scheuern können kleine Verletzungen entstehen, in die Bakterien eindringen.
Für die eigentliche „Diagnose Milbenbefall“ ist es empfehlenswert, einen Tierarzt zu kontaktieren. Durch Hautgeschabsel, Abstriche und Haarproben kann er unter dem Mikroskop erkennen, um welche Art es sich handelt. Danach richtet sich die gezielte Behandlung. 9
Es treten 6 Arten von Milben besonders häufig bei Pferden auf. Im Folgenden schauen wir uns diese Arten an, welche Auswirkungen sie haben und wie sich diese Milben behandeln lassen.
Räudemilben
Unter diesen Oberbegriff fallen gleich drei Arten: 10
- Chorioptes-Milben
- Sarcoptes-Milben
- Psoroptes-Milben
Die Chorioptes-Milben, auch bekannt als Nagemilben, ernähren sich von Hautschuppen und Hautsekreten. Matschige Ausläufe im Herbst und Winter begünstigen einen Befall, besonders bei Pferden mit viel Fesselbehang wie Kaltblütern und Tinkern. Daher spricht man hier auch von Fuß-Räude.
Bei dem Befall mit dieser Milbenart bilden sich Krusten und nässende Hautausschläge. Die Pferde versuchen sich immer wieder am Bein und in der Fesselbeuge zu kratzen und zu benagen. Nicht selten kommt es hier zu Sekundärinfektionen, die sich zu Phlegmonen („Einschuss“) entwickeln. 11
Sarcoptes-Milben sind für die Kopfräude bekannt, können sich von dort aber über den gesamten Körper ausbreiten. Sie werden auch Grabmilben genannt, da sie sich in die obere Hautschicht graben, um dort ihre Eier abzulegen. Dort bilden sich Knötchen und Bläschen, die für starken Juckreiz sorgen. Bei starkem Befall können Pferde stark abmagern.
Die Sarcoptes-Milbe kann sogar auf den Menschen übergehen und eine „Pseudo-Krätze“ auslösen.12
Die Psoroptes-Milbe ist der Auslöser der Körper- und Ohrräude. Sie ernähren sich von Blut und Gewebsflüssigkeiten und sitzen gern an Schweif- und Mähnenansatz, Ohren sowie Schlauch und Euter. Typische Anzeichen sind Kopfschütteln, ausgetrocknete und schuppende Haut sowie Borkenbildung der Haut.13
Die Räudemilben Behandlung ist unabdingbar, denn neben der hohen Ansteckungsgefahr für Mensch und Tier ist die gesundheitliche Gefahr (Stress, Infektionen, Abmagerung bis zur Lebensgefahr etc.) nicht zu verachten. Der Tierarzt wird spezielle Antiparasitika verabreichen, die Haut muss regelmäßig gewaschen und gepflegt werden. Zudem sind beruhigende Salben für die Haut eine Erleichterung gegen den Juckreiz.14
Haarbalgmilben
Demodex equi lebt in den Haarfollikeln von Pferden und kommt so gut wie auf jedem Pferd vor. Bei einem schwachen Immunsystem können sie eine Demodikose auslösen, die neben Juckreiz für Haarausfall sorgt.
Bei den Haarbalgmilben gelten Sekundärinfektionen als größtes Risiko. Mit speziellen Shampoos mit antiparasitären Wirkstoffen (bspw. Ivermectin) und beruhigenden Salben (Kamille etc.) können die Milben bekämpft werden.15
Grasmilben
Besonders im Herbst suchen die Larven dieser Milbenart in den Gräsern und Sträuchern auf Weiden nach ihrem pferdigen Wirt. Sie ernähren sich von Blut und Hautschuppen an Kopf, Hals und Beinen. Sind sie satt, fallen sie wieder ab. Ihr Speichel sorgt allerdings häufig für allergische Reaktionen. Der extreme Juckreiz sorgt durch das Abkratzen für nässende Wunden und Sekundärinfektionen, die auf jeden Fall behandelt werden sollten.
Die Milben machen übrigens auch nicht vor Menschen und anderen Tieren halt. Allerdings wirkt nichts gegen sie, außer entsprechende Flächen zu mähen oder zu meiden.16
Zecken
Die größte Milbenart sucht nicht nur Pferde als Wirte, sondern jedes Lebewesen, bei dem sie Blut saugen kann. Zeckenbefall kann nur durch Vermeidung von feuchten und schattigen Wiesen verhindert werden. Das tägliche Absuchen Ihres Pferdes bei Temperaturen über 8°C ist also unabdingbar, wenn Sie vermeiden wollen, dass Ihr Pferd Borreliose oder andere durch die Zecke übertragbare Krankheiten bekommt. Das frühzeitige Entfernen der blutsaugenden Milbenart ist nämlich der beste Schutz.17
Je früher ein Milbenbefall behandelt wird, desto besser. Nur so können Juckreiz, offene Wunden und andere gesundheitliche Probleme beim Pferd vermieden werden. Dabei ist es immer sinnvoll, einen Tierarzt zurate zu ziehen. Er kann ermitteln, um welche Milbenart es sich handelt und mit welchen Mitteln sie am effektivsten zu behandeln ist. Neben Antiparasitika, ggf. Antibiotika, Entzündungshemmern und Schmerzmitteln, je nachdem, was der Milbenfall angerichtet hat, dürfen Sie auch Hausmittel bzw. natürliche Mittel verwenden, um die Haut des Pferdes zu beruhigen und den Juckreiz und damit den Stress zu nehmen (Symptombehandlung).18
So sind folgende Mittel, immer in hoher Qualität ohne Zusatzstoffe, besonders hilfreich:19
- Kokosöl (entzündungshemmend und beruhigend)
- Zinksalbe (entzündungshemmend, leicht desinfizierend, fördert die Wundheilung)
- Apfelessig (verdünnt!; desinfiziert, lindert Juckreiz, macht das Hautmilieu uninteressant)
- Kamillen- oder Ringelblumentee (beruhigt die Haut, fördert die Wundheilung).
Ein Milbenbefall bei einem Pferd in der Herde erfordert die Behandlung aller Pferde. Denn selbst, wenn Pferde symptomlos sind, weil das Immunsystem die Parasiten in Schach hält, geht von ihnen eine Gefahr aus. Die auffälligen Pferde können sich immer wieder neu bei den anderen anstecken.20
Außerdem ist es notwendig, die Umgebung gründlich zu reinigen, um Milbeneier und -larven zu entfernen. Die gesamte Ausrüstung des Pferdes sollte gewaschen und desinfiziert werden, genauso wie die Box. Neben Mitteln vom Tierarzt hat sich Kieselgur bewährt. Es trocknet die Parasiten aus.
Achtung: Kieselgur darf nicht eingeatmet werden, da es schädlich für die Atemwege ist.21
Tatsächlich haben Milben es leichter, bei Pferden Schaden anzurichten, wenn das Immunsystem durch die unzureichende Aufnahme von Mineralstoffen und Vitaminen geschwächt ist. Besonders wichtig sind dabei die Nährstoffe für die Haut wie Zink, Vitamin A und B-Vitamine. Nicht nur eine Mangelernährung kann die Unterversorgung auslösen, sondern auch Stoffwechselerkrankungen.22
Es ist allerdings nicht sinnvoll, diese einfach nach Belieben durch Zusatzfutter zu ergänzen. Besonders Zink und Kupfer können sich gegenseitig beeinflussen und neben einer Unterversorgung mit Melanin und Kollagen zu Osteochondrosen (eine Form der Arthrose) führen.¹⁰ Neben einem Bluttest beim Tierarzt kann eine Haarmineralanalyse Aufschluss darüber geben, wo ein Ungleichgewicht herrscht und was sinnvoll ist, Ihrem Pferd bei einem Befall mit Milben mit entsprechendem Mangel hinzuzufüttern. Vorteil einer Haarmineralanalyse: Ein Blutbild zeigt nur den aktuellen Mineralstoffstatus am Tag der Probenentnahme. Die Haarmineralanalyse bildet dagegen die Versorgung über mehrere Wochen oder Monate ab, denn die Probe kommt von dem Ort, an dem die Nährstoffe in richtiger Menge vorhanden sein sollten. Sie eignet sich daher besonders zur Erkennung eines Mangels.
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Milben lassen sich durch Stallhygiene, tägliche Pflege, ausgewogene Fütterung und qualitativ gutes Futter sowie durch die Unterstützung des Immunsystems Ihres Pferdes vermeiden.
Das tägliche Putzen hilft Ihnen, rechtzeitig zu erkennen, ob sich Milben irgendwo festgesetzt haben. Sattel- und Putzzeug sowie Decken sollten Sie regelmäßig waschen und desinfizieren, um Milben und andere Krankheitserreger abzutöten.
Regelmäßig frisches Einstreu und das Reinigen von Boden, Wänden, Futterkrippen und Tränken entfernt die Parasiten und ihre Eier.
Und zu guter Letzt hilft Ihrem Pferd eine ausgewogene Fütterung mit qualitativ hochwertigem Futter, das für das Pferd alle wichtigen Nährstoffe enthält, um das Immunsystem und die Hautbarriere zu stärken, damit Milben keinen Schaden anrichten können.
Extra-Tipp: Halten Sie Hühner in einem anderen Stallgebäude als Pferde. Hühner sind bekannt dafür, dass Milben bei ihnen wohnen.23
Quellen:
1Vgl.: hipposport.de: Milben beim Pferd - Kleine Plagegeister, großer Schaden, 21.06.2024, abgerufen am 28.01.2026.
2Vgl.: a.o.O.
3Vgl.: agrotheke.de: Milben beim Pferd - Wie Sie diese Schädlinge schnell wieder los sind, 04.09.2025, abgerufen am 28.01.2026.
4Vgl.: hipposport.de: Milben beim Pferd - Kleine Plagegeister, großer Schaden, 21.06.2024, abgerufen am 28.01.2026.
5Vgl.: ewalia.com: Milben beim Pferd, abgerufen am 28.01.2026.
6Vgl.: Vervuert, I. und Coenen, M., Pferdefütterung, Thieme Verlag, 6. Auflage, 2020, S. 279 f.
7Vgl.: ewalia.com: Milben beim Pferd, abgerufen am 28.01.2026.
8Vgl.: agrotheke.de: Milben beim Pferd - Wie Sie diese Schädlinge schnell wieder los sind, 04.09.2025, abgerufen am 28.01.2026.
9Vgl.: a.o.O.
10Vgl.: hipposport.de: Milben beim Pferd - Kleine Plagegeister, großer Schaden, 21.06.2024, abgerufen am 28.01.2026.
11Vgl.: a.o.O.
12Vgl.: ewalia.com: Milben beim Pferd, abgerufen am 28.01.2026.
13Vgl.: a.o.O.
14Vgl.: hipposport.de: Milben beim Pferd - Kleine Plagegeister, großer Schaden, 21.06.2024, abgerufen am 28.01.2026.
15Vgl.: ewalia.com: Milben beim Pferd, abgerufen am 28.01.2026.
16Vgl.: hipposport.de: Milben beim Pferd - Kleine Plagegeister, großer Schaden, 21.06.2024, abgerufen am 28.01.2026.
17Vgl.: a.o.O.
18Vgl.: agrotheke.de: Milben beim Pferd - Wie Sie diese Schädlinge schnell wieder los sind, 04.09.2025, abgerufen am 28.01.2026.
19Vgl.: ewalia.com: Milben beim Pferd, abgerufen am 28.01.2026.
20Vgl.: hipposport.de: Milben beim Pferd - Kleine Plagegeister, großer Schaden, 21.06.2024, abgerufen am 28.01.2026.
21Vgl.: ewalia.com: Milben beim Pferd, abgerufen am 28.01.2026.
22Vgl.: hipposport.de: Milben beim Pferd - Kleine Plagegeister, großer Schaden, 21.06.2024, abgerufen am 28.01.2026.
23Vgl.: Gohl, Christiane: Was der Stallmeister noch wusste, Kosmos Verlag, 2022, S. 142.