Stress bei Pferden gibt es in unterschiedlichen Formen und er kann die ebenso unterschiedlichsten Auslöser haben wie beim Menschen auch. So gibt es zum einen den akuten Stress, der den natürlichen Fluchtinstinkt des Pferdes auslöst. Das können unbekannte Situationen und Reize sein – der Hund, der plötzlich bellend am Zaun hochspringt – die Ihr Pferd erschrecken. Hier werden genetisch bedingt sofort Adrenalin und Noradrenalin ausgeschüttet, die dem Körper einen Energieschub geben, und das Pferd flieht vor dem Schreck. Oder auch nicht, aber dazu später mehr.2
Eine andere Form von Stress ist der chronische Stress. Dieser entsteht, wenn Pferde dauerhaft akutem Stress ausgesetzt sind und sich keine Form der Gewöhnung daran einstellt. Der chronische Stress kann oft unbemerkt bleiben, da die Pferde nicht dauerhaft mit Fluchtgedanken davonlaufen. Schaut man allerdings genau hin, sind die Pferde in ständiger Achtsamkeit, ihre Muskeln sind gespannt. Manche wirken allerdings auch apathisch oder stur. Sie haben sich den jeweiligen Stressoren „ergeben“, was nicht bedeutet, dass sie innerlich ruhig sind.
Das Verheerende an chronischem Stress ist, dass er, wie bei uns Menschen auch, krank macht. Der Körper schüttet ständig das Stresshormon Cortisol aus. Dieses unterdrückt das Immunsystem des Pferdes und kann zu Hufrehe und anderen Erkrankungen führen. Auch Magengeschwüre treten zunehmend bei gestressten Pferden auf. Daher ist es für jeden Pferdehalter essenziell, Stress beim eigenen Pferd zu erkennen und Lösungen zu finden, damit das Pferd in ein entspanntes Leben zurückkommt.3
Immer häufiger wird aktuell über eine gesonderte Stressform bei Pferden diskutiert, welche noch in der Erforschung steckt: Hochsensibilität. Beim Menschen wird sie schon seit den 90ern erforscht. Hochsensible Pferde reagieren im Grunde auf vieles übermäßig stark. Wetter und soziale Bindungen sind nur einige Beispiele. Sie stehen gewissermaßen unter Dauerstrom, ohne den einen oder den einen wiederkehrenden Auslöser. Auch diese Pferde gilt es zu verstehen und zur Ruhe zu bringen.4
Um nervöse Pferde zu verstehen, ist es wichtig zu erkennen, was die stressigen Situationen auslöst. Von Natur aus reagieren Pferde auf neue Dinge sensibel. Aber nicht nur Unbekanntes löst Nervosität beim Pferd aus: 5,6
- Veränderte Gewohnheiten
Pferde mögen Routinen. Sie mögen es, wenn sie das Verhalten von Menschen und den Mitgliedern ihrer Herde einschätzen können. Ein neuer Boxennachbar, ein neues Herdenmitglied, ein Stall- oder Haltungswechsel können zu akutem Stress beim Pferd führen. - Schmerzen und unentdeckte Verletzungen
Wie Sie vielleicht selbst wissen, machen Schmerzen uns selbst auch gereizt und nervös, wenn wir nicht wissen, warum wir sie haben und woher sie kommen. Beim Pferd ist das nicht anders. Schmerz beim Pferd kann sich in ängstlichem, gestresstem oder sogar aggressivem Verhalten äußern.
Hier ist es besonders wichtig, herauszufinden, was den Schmerz auslöst. Eine versteckte Wunde, Muskelverspannungen, Arthrose, unpassendes Equipment – vieles ist möglich und sollte geprüft werden, auch mithilfe eines Tierarztes. - Ungünstige Haltungsbedingungen
Zu wenig Bewegung und Sozialkontakt, Langeweile und Angst sind gewaltige Stressauslöser für das Lauf- und Herdentier Pferd. Manchmal ist durch eine Verletzung Boxenruhe angebracht, aber auf Dauer ist eine artgerechte Haltung des Pferdes wichtig. - Besondere Umstände
Eine Fahrt mit dem Anhänger mit unheimlichen Geräuschen und eingeschränkter Sicht oder ein Tierarztbesuch mit Spritze oder auch diagnostischer Untersuchung gehören zu solchen Umständen, die ein Pferd nervös machen können. Solche Gegebenheiten lassen sich nicht immer umgehen.
Zudem spüren Pferde, wenn Sie selbst angespannt, gestresst oder verängstigt sind. Dies überträgt sich auf den Gemütszustand Ihres Pferdes. Wenn „sein“ Mensch aufgeregt ist, muss Gefahr im Verzug sein und das Pferd spiegelt Sie.
Auch die Rosse oder die Trächtigkeit zählen zu besonderen Umständen. Die Veränderungen der Hormone können ein ungewohntes Gefühl auslösen und einige Stuten reagieren gestresst. - Überlastende Trainingseinheit oder Turnier
Körperliche und geistige Auslastung sind wichtig für Pferde, damit sie fit und zufrieden sind. Trainingseinheiten, die das Pferd ständig an oder über seine Belastungsgrenze bringen, können für Schmerzen und Stress sorgen.
Auch Turniere mit vielen Menschen, fremden Pferden und Musik sorgen für Stress. - Wetter
Ob Stürme, Gewitter – Pferde spüren die Elektrizität in der Luft –, sehr kalte oder sehr hohe Temperaturen: All das kann auch für eine gewisse Form von Belastung und Stress sorgen. Einige Pferde reagieren sogar mit Koliken darauf. - Fehler bei der Fütterung
Zu wenig Heu, Schimmel im Heu, zu viel Eiweiß, zu wenig Nährstoffe – das sind nur einige Beispiele, was beim Pferdefutter schiefgehen kann. Verdauungsprobleme, die durch zu wenig oder schlechtes Futter ausgelöst werden, können neben Kotwasser oder Koliken auch zu einer mangelnden Nährstoffaufnahme führen. Besonders der Mangel an Magnesium und der Aminosäure L-Tryptophan sind dafür verantwortlich, dass Pferde gestresster sind. Magnesium baut Muskelspannungen ab und L-Tryptophan wird für das „Glückshormon“ Serotonin benötigt.
Stress beim Pferd ist nicht immer vermeidbar. Das Wichtige ist, zu erkennen:
- Ist das Pferd gestresst oder sensibel?
- Warum ist es gestresst?
- Bin ich gestresst?
- Wie kann man das Pferd beruhigen?
Gestresste Pferde reagieren nicht nur mit Kopfhochreißen und wegrennen. Es gibt noch eine Reihe weiterer Anzeichen, die manchmal nicht so leicht mit Stress verbunden werden. Die Verhaltensweisen zu kennen und die Pferde zu verstehen, ist der erste Schritt, seinem Pferd zu helfen: 7,8
- Verändertes Fressverhalten: wenig Appetit, Gewichtsverlust
- Ein Blick auf den Pferdekopf: aufgerissene Augen, unruhiges Ohrenspiel, weit geblähte oder zusammengezogene Nüstern, angespannter Kiefer
- Mit den Zähnen knirschen
- Angespannte Muskulatur, Zittern und häufiges Schweifschlagen
- Häufiges Wiehern
- Schwitzen ohne Anstrengung
- Tänzeln, Ruhelosigkeit
- Aggressive Verhaltensweisen (beißen, treten, steigen, buckeln etc.)
- Häufige Krankheit.
Zeigt das Pferd mehrere von den Symptomen regelmäßig, ist Ursachenforschung wichtig. Der Tierarzt kann unterstützen. Ebenso gilt es zu prüfen, was Sie selbst unternehmen können, um Ihr Pferd ruhig zu bekommen.
Damit aus einem gestressten Pferd ein ruhiges Pferd wird, sind nicht nur behutsames Training mit bestimmten Auslösern wichtig, sondern auch sich selbst, die Haltung und die Fütterung zu hinterfragen.
Das Training besteht vor allem darin, das Pferd behutsam an die Umstände zu gewöhnen, die Stress auslösen. Dabei sind Ruhe, Gelassenheit, Geduld und Lob an richtiger Stelle die wichtigsten Eigenschaften für Sie als Trainer Ihres Pferdes. Vertrauen und Sicherheit sind für Ihr Pferd unabdingbar, um seinen Fluchtreflex, seine Angst und damit den Stress abzulegen. Dabei ist es ganz gleich, welche Form von Stress bei Ihrem Pferd vorliegt. Wie könnte also ein solches Training aussehen, das Ihrem Pferd helfen kann, seine Nerven zu beruhigen? Wir haben im Folgenden ein paar Tipps.9
- Selbst Ruhe finden
Sind sie selbst ruhig, atmen tief ein und aus und strahlen eine gewisse Souveränität aus, überträgt sich das auf ihr Pferd. - Kleine Schritte zum Erfolg
Für Pferde ist Druck ebenfalls ein Stressfaktor. Versuchen Sie nicht gleich, das ganze Problem aus der Welt zu schaffen, sondern wiederholen Sie die Erfolge, die Sie mit kleinen Schritten erreicht haben, und machen Sie daraus einen routinierten Ablauf. Gehen Sie erst zum nächsten Schritt, wenn der vorherige stressfrei abläuft.
Beispiel: Der Pferdeanhänger ist für viele Pferde ein rotes Tuch, durch seine Enge. Hier wären die kleinen Schritte, dass das Pferd entspannt vor der Hängerklappe stehen kann, der nächste, dass ein Huf auf der Klappe steht, dann der zweite usw... Ihr Pferd gibt das Tempo vor.
3. Selbstvertrauen fördern
Übungen, bei denen das Pferd über unterschiedliche Untergründe geht (fest, wackelig, uneben), sein Gleichgewicht verlagert oder Hindernisse überwindet, geben ihm Vertrauen in seinen eigenen Körper und damit mehr Mut. Für ein Fluchttier ist es nicht gut, zu fallen. Hat es einen koordinierten Bewegungsablauf, traut es sich mehr zu, weil die Angst vor einem Fall geringer ist.
Zudem erlebt das Pferd mit ihnen das erfolgreiche Meistern der Übungen. Damit wächst auch das Vertrauen in Sie und neue Erlebnisse mit Ihnen.
Diese Übungen passen übrigens auch zu unserem Beispiel. Die wackelige Hängerklappe wird eher betreten, wenn das Pferd schon ähnliche Übungen ohne den Stressfaktor Anhänger erlebt hat. 10
Extra-Tipp: Massagen von Ohrgrund und Schweifrübe in sanften Kreisen finden viele Pferde entspannend. 11
Beruhigen durch achtsames Füttern
Neben den Übungen im Umgang mit stressigen Umständen bei jeglicher Form von Stress, ist es besonders wichtig, bei Pferden, die leicht zu Stress neigen oder unter chronischem Stress leiden, einen ernsten Blick aufs Futter zu werfen: 12
- Zu wenig Raufutter sorgt durch Übersäuerung des Stoffwechsels für Muskelverspannungen.
- Zu viel Getreide, sorgt für eine erhöhte Cortisolausschüttung, was die Nerven, die Verdauung und den Stoffwechsel stört.
- Zu viel Eiweiß und schlechtes Raufutter schädigen die Darmflora und die Umsetzung von Nährstoffen und Vitaminen (besonders B-Vitamine).
Fehlt Vitamin B12 durch mangelndes Kobalt aus der Fütterung, werden Nervenzellen nicht richtig gebildet. Fehlen Vitamin B6 und Zink, kann Tryptophan nicht in Serotonin umgewandelt werden.
Und mangelndes Magnesium sorgt für angespannte Muskeln und Nerven. Gerade diese wird in anstrengenden und angespannten Situationen schnell verbraucht. 13
Es ist allerdings nicht sinnvoll, diese einfach nach Belieben durch Zusatzfutter zu ergänzen. Neben einem Bluttest beim Tierarzt kann eine Haarmineralanalyse Aufschluss darüber geben, wo ein Ungleichgewicht herrscht und was sinnvoll ist, Ihrem Pferd bei andauerndem Stress mit entsprechendem Mangel hinzuzufüttern, um das Pferd ruhiger zu bekommen. Vorteil einer Haarmineralanalyse: Ein Blutbild zeigt nur den aktuellen Mineralstoffstatus am Tag der Probenentnahme. Die Haarmineralanalyse bildet dagegen die Versorgung über mehrere Wochen oder Monate ab, denn die Probe kommt von dem Ort, an dem die Nährstoffe in richtiger Menge vorhanden sein sollten. Sie eignet sich daher besonders zur Erkennung eines Mangels.
Nicht nur der Ausgleich fehlender Nährstoffe kann Ihr Pferd ruhig bekommen. Auch der Zusatz bestimmter natürlicher Stoffe, kann sich positiv auswirken:14
- Bachblüten Rescue Tropfen (homöopathische Tropfen aus Blütenessenzen nach Dr. Edward Bach, begleitend, ersetzen keinen Tierarzt)
- Baldrian (Achtung: Doping)
- Kamille
- Melisse
- Rosmarin
- Lavendel (auch als Öl einatmen lassen, Achtung: Öle können die Haut reizen)
✅ Mineralstoffhaushalt prüfen
✅Schnelles Ergebnis
✅Verlässlicher Überblick
Routinen und Berechenbarkeit sind das Wichtigste für Pferde. Das Einhalten dieser ist zwar gut, aber manchmal nicht machbar. Eine Veränderung sollte daher so behutsam wie möglich stattfinden. Das bedeutet aber nicht, dass Abwechslung nicht erlaubt ist. Gerade beim Reiten oder beim Arbeiten mit dem Pferd sind neue Reize wichtig, damit keine Langeweile und dadurch Stress entsteht.15
Selbst Ruhe und Souveränität auszustrahlen, gibt dem Pferd Stabilität. Auch in einer brenzligen Situation heißt es: Durchatmen, geduldig bleiben und Sicherheit vermitteln. Nehmen Sie den Charakter und die Bedürfnisse Ihres Pferdes an und versuchen Sie, mit ruhigem und bedachtem Handeln Stress zu reduzieren.16
Pferde benötigen (freie!) Bewegung, Artgenossen und qualitativ hochwertiges Futter, mit der richtigen Menge an Nährstoffen und in der richtigen Dosierung. Das macht unter anderem eine artgerechte Haltung aus, die wichtig für ein entspanntes Pferd ist.17
Es klingt simpel, aber der erste Faktor, um ein nervöses Pferd zu beruhigen, sind Sie selbst und die Ruhe, die Sie ihm vermitteln. Neue Gegebenheiten und Aufgaben können Sie mit Ihrem Verhalten und dem richtigen Training bewältigen.
Gehen Sie, wenn nötig, mit Ihrem Tierarzt auf Ursachenforschung, ob hinter der Nervosität Schmerzen oder ein Mangel bei der Ernährung steckt. Und achten Sie darauf, dass das Pferd sich in einer artgerechten Haltung befindet, die seinen Bedürfnissen gerecht wird. Dann wird Stress ein kleineres Problem für Ihr Pferd.
Quellen:
1 Vgl.: Dr. Sitzenstock, Patricia: Tipps gegen Stress bei Pferden, 14.08.2024, abgerufen am 12.02.2026.
2 Vgl.: a.o.O.
3 Vgl.: a.o.O.
4 Vgl.: pferdefluesteri.de: Nervöses Pferd ruhig bekommen-Verblüffende Wege zu mehr Gelassenheit, abgerufen am 12.02.2026.
5 Vgl.: a.o.O.
6 Vgl.: Dr. Sitzenstock, Patricia: Tipps gegen Stress bei Pferden, 14.08.2024, abgerufen am 12.02.2026.
7 Vgl.: a.o.O.
8 Vgl.: pferdefluesteri.de: Nervöses Pferd ruhig bekommen-Verblüffende Wege zu mehr Gelassenheit, abgerufen am 12.02.2026.
9 Vgl.: a.o.O.
10 Vgl.: Dr. Sitzenstock, Patricia: Tipps gegen Stress bei Pferden, 14.08.2024, abgerufen am 12.02.2026.
11 Vgl.: Dr.med.vet. Dülffer-Schneitzer: Pferde Gesundheitsbuch, FN Verlag, 5. Auflage 2024, S. 175.
12 Vgl.: Dr. Weyrauch, Susanne: Nerven aus Stahl, abgerufen am 12.02.2026.
13 Vgl.: a.o.O.
14 Vgl.: Dr.med.vet. Dülffer-Schneitzer: Pferde Gesundheitsbuch, FN Verlag, 5. Auflage 2024, S. 175.
15 Vgl.: pferdefluesteri.de: Nervöses Pferd ruhig bekommen-Verblüffende Wege zu mehr Gelassenheit, abgerufen am 12.02.2026.
16 Vgl.: Dr. Sitzenstock, Patricia: Tipps gegen Stress bei Pferden, 14.08.2024, abgerufen am 12.02.2026.
17 Vgl.: a.o.O.