
Pferdeweide: Boden richtig pflegen
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Da Pferde Lauftiere sind und ihrer Natur folgend bis zu 20 km am Tag zurücklegen könnten, ist der regelmäßige Weidegang ein wichtiger Teil der artgerechten Haltung eines Pferdes. Dabei gehören ein Unterstand und die richtige Versorgung mit Wasser dazu, wie ein gesunder Weideboden mit genügend Weidepflanzen zum Fressen. Übrigens: Auch das Fressen, also das Grasen vom Boden, entspricht der Natur des Pferdes und hilft der Gesunderhaltung.¹
Damit ein Pferd möglichst viele Nährstoffe und eine vielfältige Ernährung durch verschiedene Kräuter, Klee und Gräser bekommt, ist die Pflege der Weide unerlässlich. Besonders der Boden spielt dabei eine wichtige Rolle.
Wir werfen im Folgenden einen Blick darauf, welche Nährstoffe und Beschaffenheit der Pferdeweide-Boden haben sollte und wie dieser besonders gut gepflegt werden kann.
Inhalt

Kleiner Exkurs: So ist die Pferdeweide optimal
Damit das Pferd sich ausreichend in allen drei Gangarten bewegen und ausreichend grasen kann, benötigt es einen gewissen Raum. So sind 0,15 bis 0,5 ha pro Pferd optimal. Im Idealfall haben Pferdehalter diesen Platz mehrfach, damit die Weidefläche gewechselt werden kann und Ruhezeiten hat, um nachzuwachsen und eine Schonung des Bodens eingehalten werden kann. Durch die Bebauung und Nutzung für die Landwirtschaft sind solche großen Flächen oft schwierig zu bekommen.2
Auch ist ein gewisser Artenreichtum an Gräsern, Klee und Kräutern wichtig. Zum einen bekommen die Tiere genügend Nährstoffe aus den unterschiedlichen Pflanzen. Zum anderen können sich unerwünschte Gewächse wie Giftpflanzen oder andere wenig genießbare Pflanzen schlechter ausbreiten.
Damit die Weide für Pferde lange und ideal genutzt werden kann, ist es wichtig, den Boden vor übermäßiger Trittbelastung und Verbiss zu schützen. Die „Reparatur“ des Weidebodens ist daher essenziell. Das Nachsäen der optimalen Gräserpflanzen, die nicht zu viel Energie in Form von Eiweiß haben (Achtung! Andernfalls Gefahr von Koliken und Hufrehe!) unterstützt einen gesunden Weideboden, genauso wie das Düngen, Säubern und Kontrollieren der Bodenqualität.3

Pferdeweide: Pflege im Frühjahr
Die Pflege der Pferdewiese beginnt im Frühjahr, wenn es nicht mehr allzu nass ist. Neben der Neusaat (März/April) bieten sich Abschleppen und Walzen der Weiden an. Das Abschleppen beseitigt Maulwurfshaufen – Stolperfallen für Pferde – und kann Lücken auf der Weide schließen, was Unkraut fernhält. Das Walzen drückt die durch den Frost aufgequollene Grasnarbe wieder an, was der Wasserleitung in den Boden hilft. Als Grasnarbe wird der Bereich des Bodens bezeichnet, in dem der Bewuchs von Gräsern, Kräutern und Klee zusammenhängt (die Wurzeln bilden eine Art Zusammenhalt). Zudem ist das Frühjahr nun auch der richtige Zeitpunkt zum Düngen.4

Weiden ganzjährig pflegen
BIlD FEHLT
Die Basis für eine optimale Weide ist der Boden, der möglichst gut belüftet, voller wichtiger Nährstoffe für viele Wiesenpflanzen steckt und eine geschlossene Grasnarbe aufweist. Damit die Bodenqualität diesen Ansprüchen gerecht werden kann, bedarf es einer Weidepflege über das ganze Jahr hinweg.
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Grasnarbe schützen: Graspflanzen haben keine besonders tiefen Wurzeln und durch übermäßiges Abgrasen und Trittbelastung werden sie schnell zerstört. Eine geschlossene Grasnarbe verhindert allerdings das Wachsen von Giftpflanzen. Daher ist das Nachsäen, Düngen und Abschleppen von Weiden wichtig, damit den Pferden die richtigen Graspflanzen zum Grasen zur Verfügung stehen.
Zudem ist die Verdichtung des Bodens zu vermeiden. Ist er zu nass, sorgen die Pferdehufe für eine Verdichtung und Zerstörung der Grasnarbe. Das bedeutet, dass weniger Sauerstoff und Regenwasser aufgenommen werden kann. Dies verhindert das Wachstum der Weidepflanzen. Das Striegeln und Mulchen der Wiese sorgt für Belüftung und hilft dabei, dass die Weide sich erholt.
Übrigens: Das langsame Walzen verdichtet den trockenen Weideboden nicht, sondern hilft der Einebnung und Beseitigen von Winterschäden.
Ebenso ist eine Wechselbeweidung mit Rindern hilfreich, da sie die Pflanzen auf der Weide anders abgrasen und den Boden schonen. -
Nicht zu kurz abgrasen lassen: Pferde können das Gras bis auf Millimeter herunterfressen. Das bringt nicht nur die Wurzeln der Gräserpflanzen in Gefahr, sondern hemmt auch das Wachstum und kann den Fruktangehalt (Energie) erhöhen. Ist dieser erhöht, ist die Gefahr von Kolik und Hufrehe erhöht. Hier ist ein Wechsel der Weidefläche empfehlenswert, damit sich das Pflanzenwachstum erholen kann.
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Saubere Weide: Das regelmäßige Abäppeln, spätestens nach drei Tagen, hilft nicht nur, eine Überbelastung von Parasiten zu vermeiden, sondern auch eine Übersäuerung des Bodens.
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Neusaat bzw. Nachsaat: Sind kleine Lücken auf den Weiden entstanden, kann übergesät werden, damit sich keine Giftpflanzen und Unkraut auf den Pferdewiesen ausbreiten. Eine Neusaat ist dann nötig, wenn 40 Prozent der Wiesengräser verschwunden sind. Dies sollte im Frühjahr oder Sommer erfolgen.
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Mähen: Nach einem Weidewechsel bietet sich ein Reinigungsschnitt an, der allerdings nicht kürzer als 5 cm sein darf. Dies verhindert das Wachstum und die Ausbreitung von Ampfer, Brennnessel und Disteln. Zudem kann es bei der Bekämpfung von Jakobskreuzkraut helfen, wenn es vor der Samenbildung gemäht wird. 5

Was benötigen Pflanzen zum Wachsen?
Damit möglichst viele unterschiedliche Gräser, Kräuter und Kleearten, die für ein Pferd nützlich und für ihre Ernährung wertvoll sind, wachsen, benötigt der Boden Nährstoffe. Zu diesen gehören:
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Stickstoff: Baustein für Enzyme und Vitamine der Pflanzen
Neben den wichtigen Bausteinen für die Wiesenpflanze hat er einen Einfluss auf den Energiegehalt (Fruktan). Je mehr Stickstoff, desto mehr Fruktan. Das ist für ein Pferd allerdings nicht gut, da die hohe Aufnahme von Eiweiß gesundheitsschädlich sein kann (Kolik, Hufrehe). Daher sollte nur so viel Stickstoff vorhanden sein, wie es notwendig für die Wiesenpflanzen ist.
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Phosphor: Bildung der Nukleinsäuren (DNA, Proteine) und Stoffwechselprozesse
Ergänzend wirkt sich Phosphor positiv auf starke Wurzeln aus und damit auch auf eine gute Wiesennarbe. Unkräuter mögen kein Phosphor und werden damit zurückgedrängt. Übrigens: Phosphor wirkt sich positiv auf die Knochen Ihres Pferdes aus. -
Kalium: Fotosynthese
Der wichtigste Stoffwechselprozess jeder Pflanze benötigt Kalium.
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Calcium: Zellwände und Gerüststrukturen
Wie die menschlichen Gerüste, also Knochen, benötigen auch Pflanzen Calcium.
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Magnesium: Chlorophyllbildung
Häufig ist in Böden zu wenig Magnesium, warum die Zugabe durch Dünger sinnvoll sein kann. Magnesium ist übrigens für viele Pferde im Sommer wichtig. Durch das Schwitzen verlieren sie Mineralien und besonders Magnesium ist wichtig für die Muskeln.
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Natrium: Wachstumsförderung
Neben dem Effekt, dass Wiesen mit Natrium angereichert gut wachsen, sind diese für die Tiere besonders nahrhaft. Und wie Magnesium hilft es im Sommer, dem Verlust der Mineralien durch Schwitzen entgegenzuwirken.
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Weitere Spurenelemente wie Mangan, Kupfer etc.
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Kalk: pH-Wert-Regulation
Der pH-Wert sollte im besten Fall neutral sein (pH 6 oder 7). Dann können Wurzeln gut atmen und überstehen Dürrephasen leichter.6, 7

Vor dem Düngen: Boden analysieren
In der Regel ist eine Bodenanalyse unabdingbar, bevor gedüngt wird. So weiß man doch erst, was hinzugegeben werden muss, wenn man weiß, wie sich die Bodenbeschaffenheit zusammensetzt. Ein Blick in die Düngeverordnung (Gesetzestext) zeigt zudem, dass Pferdeweiden erst nach einer Analyse überhaupt gedüngt werden dürfen. Eine Überdüngung, sprich eine erhöhte Zufuhr von Nährstoffen, kann sich schlecht auf den Artenreichtum der Gräserpflanzen und die pferdegerechte Futterqualität auswirken.8
Bei einer Analyse wird zum einen geprüft, wie der Boden beschaffen ist (etwa Nährstoffe, Schadstoffe sowie pH-Wert und Bodenart). Auf sandigem Boden beispielsweise wachsen von Natur aus andere Gräserpflanzen als auf Lehmboden, da die enthaltenen Nährstoffe anders zusammengesetzt sind. Dementsprechend werden unterschiedliche Dünger verwendet.9
Aber nicht nur die Art des Bodens ist ausschlaggebend. Je nach Nutzung und Bewuchs befinden sich die Nährstoffe in unterschiedlichen Mengen darin. Daher ist es sinnvoll zu wissen, wie viel enthalten ist, damit der richtige Dünger ausgewählt werden kann. Auch der pH-Wert trägt eine entscheidende Rolle bei Pferdewiesen.10
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Die Analysen geben neben den Zusammensetzungen der Böden, Nährstoffgehalte und dem pH-Wert auch eine Empfehlung zur Düngung.

Weide für Pferde optimal düngen
BIlD FEHLT
Klar ist, die optimale Pferdeweide, ganz gleich, ob von ihr Heu gemacht wird oder sie der reinen Beweidung dient, benötigt neben der richtigen Pferdeweide Pflege, Nach- oder Neusaat und ausreichend Wasser, die richtige Menge Dünger, damit die richtigen Weidepflanzen wachsen können.
Nach der Analyse des Pferdeweidenbodens bekommen Pferdehalter eine Empfehlung, wie eine erfolgreiche Düngung aussehen kann. Es ist sinnvoll, diese zu befolgen. Dennoch gibt es ein paar Regeln, die nicht außer Acht gelassen werden dürfen:
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Die Düngeverordnung beachten:
Bei der DÜV handelt es sich um ein Gesetz, das es zu befolgen gilt. So darf Dünger nicht ausgebracht werden, wenn die Wiesen überschwemmt, gefroren oder mit Schnee bedeckt sind. -
Stickstoffdünger in Maßen, nicht in Massen:
Bei Beweidung empfiehlt es sich, Stickstoffdünger bis maximal 60 kg/ha auszubringen. Stickstoff kann nicht im Weideboden vorrätig gespeichert werden, sondern wird sofort von den Pflanzen aufgenommen. Klee kann unter anderem Stickstoff aus der Luft aufnehmen und reduziert so den Bedarf an Stickstoffdünger. -
Kompostierter Pferdemist, Gülle oder Kunstdünger?
Es empfiehlt sich, Gülle und kompostierten Pferdemist erst nach 2 Jahren zur Düngung zu nutzen. Erst dann ist die Nährstoffumsetzung ideal und die Parasitenbelastung verringert.
Kunstdünger gibt es speziell für Pferdewiesen, der Nährstoffe über einen längeren Zeitraum freisetzt, ohne den Tieren zu schaden.
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Nicht zu früh auf die Pferdewiese
Nach der Düngung die Tiere erst 7 bis 14 Tage später fressen lassen, damit der Dünger gut in den Weideboden einsickern kann.
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pH-Wert berücksichtigen
Ist der Boden zu sauer, machen sich Moos und weniger nahrhafte Futter- oder sogar Giftpflanzen breit. Hier kann im Dünger enthaltener Kalk hilfreich sein.11, 12, 13, 14

Fazit: Auf die richtige Behandlung und Düngung kommt es an
Damit Pferde auf ihrer Weide nahrhafte Gräser, Klee und Kräuter finden, ist die richtige Pflege des Weidebodens unabdingbar. Dabei geht es nicht allein darum, dass die Pferdeäpfel angesammelt werden und genug, wenn auch nicht zu viel, Feuchtigkeit im Boden ist. Auch ein ausgewogener Nährstoffgehalt spielt eine wichtige Rolle, damit die richtigen Weidepflanzen wachsen und die geliebten Tiere gesundes Futter während ihrer Weidezeit finden. Eine Analyse des Wiesenbodens ist dabei nicht nur vorgeschrieben, sondern auch hilfreich, den richtigen pH-Wert und Dünger zu finden, um dies zu gewährleisten. Damit trägt der ideale Weideboden zu einer gesunden Ernährung des Pferdes bei.

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Quellen:
1 Vgl.: Richtlinien für Reiten und Fahren, Band 4, FN Verlag, 2021, S. 192 ff.
2 Vgl.: ebd.
3 Vgl.: pavo.de, Pferdeweide bewirtschaften (abgerufen: 14.01.2025).
4 Vgl.: Landwirtschaftskammer NRW, Pflege von Pferdeweiden, 2012 (abgerufen: 21.03.2025).
5 Vgl.: pavo.de, Pferdeweide bewirtschaften (abgerufen: 21.03.2025).
6 Vgl.: FN-Praxishandbuch für Pferdehalter, FN Verlag, 2018, S.127 ff.
7 Vgl.: Szymanski, Nadine, Boden-Check für die Koppel, Cavallo, 10.06.2021 (abgerufen: 21.03.2025).
8 Vgl.: Landwirtschaftskammer NRW, Pflege von Pferdeweiden, 2012 (abgerufen: 21.03.2025).
9 Vgl.: Szymanski, Nadine, Boden-Check für die Koppel, Cavallo, 10.06.2021 (abgerufen: 21.03.2025).
10 Vgl.: ebd.
11 Vgl.: pavo.de, Pferdeweide bewirtschaften (abgerufen: 14.01.2025).
12 Vgl.: Landwirtschaftskammer NRW, Pflege von Pferdeweiden, 2012 (abgerufen: 21.03.2025).
13 Vgl.: Szymanski, Nadine, Boden-Check für die Koppel, Cavallo, 10.06.2021 (abgerufen: 21.03.2025).
14 Vgl.: Hoffman, Gerlinde: Pferdehaltung, Ställe und Reitanlagen. FN Verlag, 2019, S.270 ff.