Asbest-Messgerät: Wie Asbestbelastungen sicher bestimmen?
Das Wichtigste in Kürze
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Asbest-Messgeräte werden unter anderem zur Freimessung nach einer Asbestsanierung verwendet.
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Asbest-Messgeräte dienen in der Regel nur zur Sammlung der Probe aus der Raumluft. Anschließend muss diese in einem Labor analysiert werden.
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Die Rasterelektronenmikroskopie mit Röntgenmikroanalyse (REM/EDXA) wird normalerweise zur Analyse von Asbestproben verwendet.
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Rechtskonforme Asbest-Messungen dürfen nur von zertifizierten Gutachtern und Fachbetrieben durchgeführt werden.
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Eine Asbest-Freimessung kostet etwa 500 bis 1.500 Euro.
Asbest ist noch immer in vielen älteren Gebäuden enthalten und kann beim Einatmen schwere Krebserkrankungen und Asbestose verursachen. Wer die Raumluft in Innenräumen auf eine Asbestbelastung prüfen möchte oder eine Freimessung nach Sanierungsarbeiten durchführen lassen muss, sollte ein geeignetes Asbest-Messgerät wählen. Welche verschiedenen Messgeräte und Messmethoden stehen zur Verfügung und was sind deren Vor- und Nachteile? Wie hoch sind die Kosten für eine Asbestmessung? Diese und viele weitere Fragen beantworten wir Ihnen in unserem Praxis-Ratgeber. (Stand Februar 2026)
Inhalt
Trotz Verbot im Jahr 1993 – warum von Asbest noch immer eine Gefahr ausgeht
Obwohl die Verwendung von Asbest in Deutschland seit dem 31. Oktober 1993 verboten ist, finden sich asbesthaltige Produkte und Baustoffe noch in zahlreichen Gebäuden, die vor diesem Stichtag errichtet wurden. So enthalten Schätzungen zufolge rund 25 % der Bestandsgebäude mit Baujahr bis 1995 asbesthaltige Putze, Spachtelmassen oder Fliesenkleber. Werden diese Materialien beschädigt oder bearbeitet, können feinste, mit dem bloßen Auge nicht sichtbare, Asbestfasern in die Raumluft gelangen.1
Werden Asbestfasern eingeatmet, drohen schwere gesundheitliche Folgen. Laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) können Asbestfasern unter anderem Lungenkrebs, Kehlkopfkrebs sowie bösartige Tumore des Brust- oder Bauchfells auslösen. Eine weitere asbestbedingte Erkrankung ist Asbestose (Vernarbung des Lungengewebes), welche allerdings in der Regel nur bei einer langfristig erhöhten berufsbedingten Asbestbelastung auftritt. Die Latenzzeit zwischen Asbestexposition und Erkrankungsausbruch beträgt oft mehrere Jahrzehnte.2
Weitere Informationen zu den Gesundheitsrisiken von Asbest erhalten Sie in unserem Ratgeber „Wie gefährlich ist Asbest? Symptome, Risiken und Behandlung”.
Wann ist eine Asbest-Raumluftmessung sinnvoll?
Eine Asbest-Raumluftmessung kann unter anderem in den folgenden Fällen vorgeschrieben bzw. sinnvoll sein:3, 4,
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Überprüfung der Raumluft bei vorhandenen asbesthaltigen Materialien wie Fliesenkleber, Bodenbelägen oder Fensterbänken (hier zuerst Asbestnachweis mit Asbesttest sinnvoll)
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Überprüfung der Raumluft auf Asbestbelastungen bei Verdacht auf „versteckte” asbesthaltige Materialien
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Verdacht auf Einträge von Asbestfasern über die Außenluft (z. B. stark verwittertes Eternitdach) oder die Kleidung (z. B. Kontamination am Arbeitsplatz)
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Vor dem Kauf oder Verkauf einer Altbauimmobilie
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Nach der Entfernung von Nachtspeicherheizungen oder anderen asbesthaltigen Materialien (hier kann auch eine Freimessung vorgeschrieben sein – siehe unten)
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Nach möglicherweise unsachgemäß ausgeführten Renovierungs- oder sonstigen Handwerkerarbeiten mit dem Risiko einer Asbestfaserfreisetzung (eigentlich ist hier bei begründetem Asbestverdacht eine Asbesterkundung vor Beginn der Arbeiten durch das ausführende Unternehmen vorgeschrieben)
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Gesetzlich vorgeschriebene Asbest-Freimessung (Freigabemessung) nach Asbest-Sanierungsarbeiten vor der Aufhebung von Schutzmaßnahmen. Diese muss nach den Regeln der TRGS 519 (Technische Regeln für Gefahrstoffe) durch einen unabhängigen Gutachter („Asbest-Tester”) durchgeführt werden.
Wichtig zu wissen: Haben Sie den Verdacht, dass zum Beispiel Baumaterialien in Ihren Innenräumen Asbest enthalten können, ist die Entnahme einer Materialprobe (Schutzmaßnahmen beachten!) mit anschließendem Asbesttest durch ein Labor in der Regel eine gute Möglichkeit zu einer ersten Risikoeinschätzung.
Messverfahren und Gerätevarianten für die Asbest-Raumluftmessung
Bei allen normierten Verfahren zur Asbest-Raumluftmessung ist das Grundprinzip identisch: Eine kalibrierte Pumpe saugt über einen definierten Zeitraum Raumluft durch einen Membranfilter, auf dem sich abgeschiedene Fasern sammeln und anschließend im Labor ausgewertet werden. Der entscheidende Unterschied zwischen den verfügbaren Varianten liegt in der Analysemethode und damit in der Genauigkeit, Spezifität und rechtlichen Verwertbarkeit der Messung:5, 6, 7
Phasenkontrast-Lichtmikroskopie (PCM)
Bei diesem Verfahren wird der Probenahmefilter unter einem Phasenkontrast-Lichtmikroskop bei 400- bis 500-facher Vergrößerung ausgewertet. Die PCM kann jedoch nicht zwischen Asbestfasern und anderen Mineralfasern unterscheiden. Zudem werden Fasern mit einem Durchmesser unter etwa 0,2 µm bei der Methode oft nicht sicher erkannt. Für eine rechtssichere Freimessung nach Asbestsanierung ist die PCM daher allein nicht ausreichend.
Rasterelektronenmikroskopie mit Röntgenmikroanalyse (REM/EDXA)
Dieses Verfahren gilt als anerkannte und zuverlässige Methode zur Messung von Asbest in der Raumluft. Die im Filter abgeschiedenen und gesammelten Fasern werden in einem Rasterelektronenmikroskop (REM) mit energiedispersiver Röntgenmikroanalyse (EDXA) gezählt und verschiedenen Arten (Klassen) von Asbest zugeordnet. Das REM/EDXA-Verfahren ermöglicht so die eindeutige Unterscheidung verschiedener Asbestarten sowie anderer anorganischer Fasern. Es werden auch sehr feine Fasern erfasst. Das Verfahren ist von den Berufsgenossenschaften anerkannt und ist konform zur VDI-Richtlinie 3492 (VDI: Verein Deutscher Ingenieure) für Innenraum-Raumluftmessungen. Es wird daher in der Regel als Standard-Messverfahren bei Freimessungen angewendet.
Grenzwerte: Wie viele Asbestfasern sind tolerierbar?
Die Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) 519 legen klare Grenzwerte für Asbestfasern in der Raumluft fest:
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Nach Asbestsanierung/Zielwert für Innenräume: Nach Abschluss einer Asbestsanierung muss die Asbestfaserkonzentration in der Raumluft unter 500 F/m³ (Fasern pro m³ Raumluft) liegen; der nach Poisson-Verteilung berechnete obere Vertrauensbereich (95 %) darf 1.000 F/m³ nicht überschreiten (statistisch errechneter Wert). Für Innenräume gilt der Grenzwert von 500 F/m³ außerdem als ein allgemeiner „Zielwert”. Gleichzeitig stellt diese Faserkonzentration der Messgrenze der derzeit üblichen Verfahren dar.8
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Akzeptanzkonzentration Arbeitsplatz: Am Arbeitsplatz gilt eine Akzeptanzkonzentration von weniger als 10.000 F/m³ Luft für ein gesamtes Arbeitsleben als akzeptabel.9
Weitere Informationen zu Asbest-Grenzwerten und den gesundheitlichen Risiken bei verschiedenen Asbestkonzentrationen erhalten Sie in unserem Ratgeber „Panikmache oder nicht? Wann ist Asbest gefährlich?”.
Exkurs: Unterdruckhalte- und Unterdruckmessgerät
Im Zusammenhang mit Asbestsanierungen werden häufig auch die Begriffe Unterdruckmessgerät bzw. Unterdruckhaltegerät erwähnt. Diese Geräte erfüllen eine gänzlich andere Funktion als Asbest-Messgeräte:10
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Unterdruckhaltegerät: Das Gerät saugt bei laufenden Sanierungsarbeiten kontinuierlich Luft aus dem zum Beispiel mit Folien abgetrennten Sanierungsbereich (Schwarzbereich) und leitet diese nach einer speziellen Filterung ins Freie. Ziel ist es in dem Sanierungsbereich einen dauerhaften Unterdruck herzustellen, sodass keine Asbestfasern in angrenzende Bereiche entweichen können. Unterdruckhaltegeräte verfügen in der Regel über ein integriertes Unterdruckmessgerät.
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Unterdruckmessgerät: Für spezielle Überwachungsaufgaben werden Unterdruckmessgeräte auch als separate Messgeräte angeboten. Zur Erleichterung der Überwachung können einige der Geräte Daten per WLAN oder Mobilfunk übermitteln. Außerdem sind oft eine Alarmfunktion bei Unterschreitung des Unterdrucks sowie eine Aufzeichnungsfunktion zur Dokumentation des Druckverlaufs vorhanden.
Asbest-Messgerät: ausleihen, kaufen oder Fachbetrieb beauftragen?
Grundsätzlich stehen für den Einsatz eines Asbest-Messgerätes die folgenden Optionen zur Wahl:
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Kaufen: Der Kauf eines Asbest-Messgeräts ist in der Regel nur sinnvoll, wenn das Gerät auch regelmäßig genutzt wird. Dies ist unter anderem bei Asbest-Sanierungsbetrieben und Asbest-Gutachtern der Fall. Für den privaten Gebrauch ist es meist nicht wirtschaftlich, ein professionelles Asbest-Messgerät zu kaufen, da die Geräte ab ca. 4.000 Euro kosten. Die Messgeräte benötigen außerdem oft regelmäßige Kalibrierungen und spezielles Fachwissen zum Betrieb und der Probeentnahme.
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Ausleihen: Es gibt spezialisierte Verleiher für Sanierungstechnik, bei denen man Asbest-Messgeräte ausleihen kann. In der Regel ist der Einsatz der Geräte für ungeschulte Personen ohne Sachkunde aber gar nicht zulässig, da zum Beispiel bei der unsachgemäßen Probenentnahme Asbestfasern freigesetzt werden könnten. Weiterhin muss die Asbestprobe nach der „Sammlung” durch das Gerät noch zur Auswertung in ein zertifiziertes Labor geschickt werden. Dies kann für Privatleute ebenfalls problematisch sein.
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Fachbetrieb mit Messung beauftragen: Meistens ist es die beste Option, gleich einen zertifizierten Fachbetrieb oder Gutachter mit der Asbestmessung zu beauftragen. So wird die Messung unter den vorgeschriebenen Regularien durchgeführt und ist so für behördliche Zwecke (z. B. Asbest-Freimessung) verwendbar. Außerdem kümmern sich Fachbetrieb und Gutachter neben der Bereitstellung des Messgeräts auch um die Testauswertung im Labor und die Interpretation der Analyseergebnisse.
Kosten einer Asbest-Raumluftmessung
Die Kosten einer Asbest-Raumluftmessung sind unter anderem abhängig von: Raumgröße, Anzahl der Messstellen, Messdauer, Anfahrtsweg und Aufwand für den schriftlichen Bericht. Die folgenden Werte können daher nur als grobe Orientierung dienen:
| Leistung | ungefähre Kosten |
|---|---|
| Raumluftmessung (ein Raum) | ca. 300 – 700 € |
| Freimessung nach Sanierung (Wohnung, Einfamilienhaus) | ca. 500 – 1.500 € |
Die Kosten umfassen Messung, Laboranalyse und einen schriftlichen Bericht.
Asbesttest mit Materialprobe – sinnvolle Ergänzung zur Raumluftmessung
Um festzustellen, ob „verdächtige” Materialien überhaupt Asbest enthalten, bietet sich zunächst die Laboranalyse einer Materialprobe an. Je nach Testergebnis kann dann über weitere Maßnahmen wie zum Beispiel eine Asbest-Sanierung oder eine Asbest-Raumluftmessung entschieden werden.
Wir bieten die folgenden Asbest-Tests-Kits für unterschiedliche Materialien an:
Asbest Test Kit 1% Zement/Dämmmaterial
Asbest Test 0,1%: Fliesenkleber/Kitt
Asbest Test 0,001%: Farben/Lacke/Putz
Die Probenentnahme nehmen Sie mit Hilfe der beiliegenden Anleitung und unter Beachtung der Sicherheitsanweisungen einfach selbst vor. Anschließend senden Sie die Materialprobe per Post im voradressierten Versandkarton an unser spezialisiertes Partnerlabor. Nach kurzer Zeit ist das Testergebnis inklusive eines leicht verständlichen Analyseberichts online im Portal MyChecknatura für Sie abrufbar.
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✔️ Materialtest auf Asbest
✔️ Nach VDI 3866 (5) REM-Analyse
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FAQs: Häufige Fragen zur Asbest-Messung
Kann ich als Privatperson selbst Asbest messen?
Eine normkonforme und behördlich anerkannte Asbest-Raumluftmessung ist für Laien nicht durchführbar bzw. zulässig. Probenahme und Auswertung erfordern spezielle Ausrüstung wie ein Asbest-Messgerät, die Einhaltung der VDI 3492 sowie ein akkreditiertes Labor. Es sollten für die Messung deshalb stets eine zugelassene Fachfirma oder ein Gutachter beauftragt werden. Dies dient auch dem Schutz der eigenen Gesundheit vor Asbestfasern, die bei der Messung möglicherweise freigesetzt werden.
Wie lange dauert eine Asbest-Raumluftmessung und wann liegen Ergebnisse vor?
Die Probenahme vor Ort dauert in der Regel 6 bis 8 Stunden. Anschließend wird die Probe in ein spezialisiertes und akkreditiertes Labor geschickt und analysiert. Dieser Prozess nimmt etwa 4 bis 10 Werktage in Anspruch. Gegen Aufpreis sind auch Express-Auswertungen innerhalb von 24 bis 72 Stunden möglich.
Was kostet eine Freimessung nach einer Asbestsanierung?
Die Kosten für die Freimessung von Asbest liegen etwa zwischen 500 und 1.500 Euro. In den Kosten sind in der Regel die Messung inklusive Bereitstellung des Messgeräts, die Laboranalyse sowie ein schriftlicher Bericht enthalten.
Haftungsausschluss/Empfehlung
Die in diesem Ratgeber getätigten Aussagen und Empfehlungen wurden von uns gründlich recherchiert. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität können wir jedoch nicht garantieren. Lassen Sie sich vor der Veranlassung einer Asbestmessung mit einem Asbest-Messgerät fachkundig beraten.
Das könnte Sie ebenfalls interessieren:
1Vgl.: Zentralverband Deutsches Baugewerbe: Zu Änderungen der TRGS 519 Asbest – Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten (November 2019). 2020.
2Vgl.: Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum: Asbest: Krebsrisiko noch auf lange Zeit? 2023.
3Vgl.: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Technische Regeln für Gefahrstoffe (TRGS 519). 2025.
4Vgl.: Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft: Asbest beim Bauen im Bestand. 2025.
5Vgl.: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung: Verfahren zur Bestimmung der Konzentrationen von lungengängigen Fasern in Arbeitsbereichen – Licht-mikroskopisches Verfahren. 2014.
6Vgl.: Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie: Analysenverfahren zur getrennten Bestimmung der Konzentrationen von lungengängigen anorganischen Fasern in Arbeitsbereichen – Rasterelektronenmikroskopisches Verfahren. 2013.
7Vgl.: Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung: Asbest: Messverfahren und Bestimmungsmethoden. 2026.
8Vgl.: Bayerisches Landesamt für Umwelt: Asbest. 2018.
9Vgl.: Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft: Was sind hohe Asbestfaserkonzentrationen?. 2025.
10Vgl.: Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft: Besondere Regelungen für Abbruch- und Sanierungsarbeiten an schwach gebundenen Asbestprodukten. 2026.