Dachpappe und Asbest – das sollten Sie wissen
Als Hausbesitzer, Heimwerker oder Handwerker sind Sie vielleicht bei Sanierungs- oder Abrissarbeiten auf alte Dachpappe gestoßen und fragen sich, ob darin gesundheitsgefährdende Asbestfasern enthalten sind. Dieser Ratgeber informiert über das Thema „Dachpappe und Asbest” und erklärt, warum und wann Asbest in Dachpappe ein Gesundheitsrisiko darstellen kann. Weiterhin erfahren Sie unter anderem, wie Sie asbesthaltige Dachpappe erkennen und diese sicher entsorgen können. (Stand Oktober 2025).
Inhalt
Was ist Asbest?
Asbest bezeichnet eine Gruppe natürlicher Mineralfasern, die aufgrund ihrer Hitzebeständigkeit, Festigkeit und sehr guter elektrischer Isolationseigenschaften lange Zeit im Bauwesen und der industriellen Produktion Verwendung fanden. Asbestfasern sind extrem dünn (teilweise nur 2 Mikrometer). Zu den bekannten Asbestarten zählen Chrysotil („Weißasbest“), Amosit, Krokydolith, Tremolit, Aktinolith und Anthophyllit.1
Warum wurde Asbest Dachpappe beigemischt?
Asbest fand in der Vergangenheit breite Anwendung in verschiedenen Dachmaterialien, vor allem in Form von Asbest-Teerpappe oder bitumenhaltigen Produkten. Schwerpunktmäßig in den 1960er und 1970er Jahren wurde Dachpappe mit Asbest unter anderem für komplette Dachabdichtungen oder unter Dachziegeln (Pappdocken) genutzt, da Asbest die Stabilität und Hitzebeständigkeit der Dachpappe erhöht sowie sehr witterungsbeständig ist. Vor allem auf Dächern älterer Gebäude wie Wohnhäusern, Garagen, Schuppen, Lagerhallen etc. aus der Nachkriegszeit kann Dachpappe Asbest enthalten. Asbesthaltige Dachpappe wurde besonders häufig auf Flachdächern verlegt. Neben der Asbestbeimischung in die Dachpappe ist Asbest gelegentlich auch in Form von asbesthaltigem Splitt auf der Pappe vorhanden. Der Splitt ist jedoch „nur” mit Asbestfasern verunreinigt.2 Splitt dient auf Dachpappe unter anderem als UV-Schutz und zu einer allgemeinen Steigerung der Haltbarkeit.
Warum ist Asbest so gefährlich? Welche Erkrankungen drohen durch Asbestfasern?
Von Asbest sowie asbesthaltigen Materialien geht eine Gesundheitsgefahr aus, sobald feine Asbestfasern freigesetzt werden und in die Atemwege gelangen. Asbestfasern können tief in die Lunge und angrenzendes Gewebe eindringen, da viele der Fasern lungen- und gewebegängig sind. Zudem können sich Asbestfasern in noch kleinere Fasern aufspalten. Dadurch wirken diese wie Widerhaken, die sich in Geweben festsetzen und nicht über natürliche Reinigungsmechanismen abgesondert werden können. Darüber hinaus zeichnen sich Asbestfasern durch eine hohe chemische und biologische Beständigkeit im Körper aus.3
Asbestbedingte Krebserkrankungen
Die nadelförmige Struktur der Asbestfasern kann in der Lunge und den angrenzenden Gewebeschichten chronische Reizungen und Entzündungsprozesse verursachen. Diese erhöhen unter anderem das Erkrankungsrisiko für die folgenden Krebserkrankungen:3
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Rippenfellkrebs
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Pleuramesotheliom (Brustfellkrebs)
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Bauchfellkrebs
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Lungenkrebs
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Kehlkopfkrebs
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Eierstockkrebs
Asbestose
Besonders eine über Jahre hinweg anhaltende intensive berufliche Belastung durch Asbest kann zur sogenannten Asbestose führen. Dabei handelt es sich um eine Vernarbung des Lungengewebes. Typische Symptome einer Asbestose sind unter anderem Kurzatmigkeit und eine insgesamt verringerte körperliche Leistungsfähigkeit.4
Sehr lange Latenzzeit
Krebserkrankungen, die durch Asbest ausgelöst werden, zeigen sich häufig erst nach einer langen Latenzzeit von etwa 10 bis 60 Jahren.5 Dadurch gestaltet sich der Nachweis eines ursächlichen Zusammenhangs (z. B. Nachweis Berufskrankheit) zwischen Asbestexposition und Erkrankung oft sehr schwierig.
Weitere Informationen zu den gesundheitlichen Risiken von Asbest erhalten Sie in unserem Ratgeber: „Wie gefährlich ist Asbest? Symptome, Risiken und Behandlung“.
Einfluss auf das Gesundheitsrisiko: fest oder schwach gebundener Asbest
Asbestfasern können in Materialien und Produkten grundsätzlich fest oder schwach gebunden sein. Relativ fest ist Asbest unter anderem in intakter Dachpappe und Eternit (Faserzement) gebunden. Spritzasbest enthält dagegen große Mengen schwach gebundenen Asbest. Aus fest gebundenem Asbest werden in der Regel nur wenig gesundheitsgefährdende Asbestfasern freigesetzt. Dies ändert sich allerdings, wenn zum Beispiel Dachpappe mechanisch bearbeitet wird (z. B. schneiden, reißen) oder die Asbestbindung durch Verwitterung oder natürliche Alterungsprozesse gelockert wird. Unsachgemäße Reinigungsarbeiten (z. B. Hochdruckreiniger) können ebenfalls zu einer starken Faserfreisetzung führen. Aus schwach gebundenen Asbestprodukten werden dagegen zum Beispiel schon durch Luftzug oft hohe Faserkonzentrationen freigesetzt.6
Ist Asbest-Dachpappe gefährlich?
Die in den obigen Absätzen beschriebenen Eigenschaften von Asbestfasern sowie die Möglichkeiten zur Faserfreisetzung rechtfertigen eine Einstufung von asbesthaltiger Dachpappe als „gefährlich”. Die Gesundheitsgefahren hängen aber stark davon ab, in welchen Konzentrationen Fasern aus der Dachpappe freigesetzt und eingeatmet werden. Wegen der teilweise unvermeidbaren mechanischen Bearbeitung stellen Sanierungs- und Abrissarbeiten ein besonders hohes Gesundheitsrisiko dar. Dies gilt besonders, wenn keine ausreichende Schutzausrüstung und Schutzkleidung verwendet wird.
Detaillierte Informationen zu der erforderlichen Schutzkleidung und Schutzausrüstung beim Umgang mit Asbest erhalten Sie hier: „Asbest: Schutzkleidung und Atemschutz – was wird benötigt?”.
Wichtig zu wissen: Dachpappe kann neben Asbest auch andere gesundheitsgefährdende Schadstoffe wie PAKs (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) enthalten. PAKs kommen in teerhaltigen Bindemitteln von Pappe vor, die bis etwa 1962 hergestellt wurde.7 Weitere Informationen zu PAKs erhalten Sie in unserem Ratgeber „PAK in der Luft: So gefährlich ist das Dauergift”.
Wie Asbest auf dem Dach erkennen?
Rein optisch können Sie asbesthaltige Dachpappe nicht sicher von asbestfreien Produkten unterscheiden. Zudem wurden gerade auf älteren Dächern bei Sanierungs- und Ausbesserungsarbeiten oft mehrere Schichten verschiedener Dachpappen übereinander verlegt. So ist zum Beispiel alte, asbesthaltige Dachpappe mitunter unter neuer, asbestfreier Pappe verborgen. Sicherheit kann hier deshalb nur ein Asbesttest aller Dachpappeschichten geben. Folgende Kennzeichnungen und Prägestempel sprechen allerdings für asbestfreie Produkte:8
- NT (neue Technologie)
- AF (asbestfrei)
- DIN EN 588
Weiterhin kann auch über die Eingabemaske des Fraunhofer Informationszentrums für Raum und Bau recherchiert werden, ob das entsprechende Produkt Asbest enthält. Die Datenbank enthält allerdings nur Informationen zu Produkten, die ab 1968 hergestellt wurden.8
Wie Sie Asbest auf dem Dach in anderen Materialien wie Wellplatten (Eternit, Faserzement), Ziegeln und Dämmstoffen erkennen können, erfahren Sie hier:
👉 Asbest im Dach – So erkennen Sie ihn!
👉 Asbest in Eternit-Zementplatten
Allgemeine Informationen zur Erkennung von Asbest erhalten Sie in unserem Ratgeber: „Was ist Asbest? Wir zeigen Ihnen, wie Sie Asbest erkennen!“.
Klebstoffe und Mörtel – auch unter der Dachpappe lauert Asbest
Asbest kann auch in Klebstoffen und Mörtel unter der Dachpappe vorkommen. Wird die Dachpappe entfernt, besteht das Risiko einer verstärkten Freisetzung von Asbestfasern aus diesen Stoffen.7
Bis wann wurde Asbestpappe verlegt? Wann erfolgte ein Verbot?
Ein generelles Verbot für die Herstellung und Verwendung von Asbest trat in Deutschland am 31.10.1993 in Kraft. In der gesamten EU ist Asbest erst seit 2005 verboten. Folglich dürfte asbesthaltige Dachpappe nur auf Dächern vorhanden sein, die vor ca. 1994 errichtet wurden.7 Allerdings wurden teilweise auch nach dem Verbot noch Altbestände von Asbest-Dachpappe verlegt (z. B. von Heimwerkern) – obwohl dies einen klaren Gesetzesverstoß darstellt.
Muss Dachpappe vor der Entfernung auf Asbest getestet werden?
Besteht der Verdacht (z. B. Verlegung vor 1994), dass Dachpappe Asbest enthalten könnte, muss ein Asbesttest erfolgen. Die Nachweisgrenze der Asbestbestimmung muss dabei unterhalb von 0,1 Gewichts-% liegen.7
Darf man Asbest-Dachpappe selbst entfernen?
Asbesthaltige Dachpappe sollte und darf wegen der Gesundheitsrisiken nicht selbst entfernt werden. Die Entfernung muss von einem Fachbetrieb durchgeführt werden, welcher nach den TechnischenRegeln für Gefahrstoffe 519 (TRGS 519) arbeitet.9 Wie bereits erwähnt, kann auch unter der Dachpappe Asbest in Klebstoffen und Mörtel vorhanden sein. Dies stellt besonders bei Sanierungsarbeiten eine zusätzliche Gesundheitsgefahr dar. Zudem ist für die ordnungsgemäße Abtragung von zum Beispiel asbesthaltigen Klebstoffen teilweise spezielle technische Ausrüstung erforderlich. Über diese verfügen Heimwerker normalerweise nicht.
Auf Wunsch vermitteln wir Ihnen gern Experten zur Asbestsanierung.
Wie Asbestpappe sicher entsorgen?
Asbesthaltige Dachpappe gilt im Gegensatz zu asbestfreien Produkten als Sondermüll. Teerhaltige Pappen werden ebenfalls als Sondermüll eingestuft. Generell darf Dachpappe nicht im Hausmüll entsorgt werden. Asbesthaltige Dachpappe kann nur auf DK II-Deponien abgelagert werden.7 Einige Wertstoffhöfe nehmen Dachpappe zur Entsorgung an. Dazu müssen die Bahnen in der Regel eingerollt sein und mit Folie sicher umschlossen sein. Spezialisierte Entsorgungsunternehmen stellen auch Container für die Entsorgung von Dachpappe bereit. In jedem Fall müssen Wertstoffhöfe, Deponien und Entsorgungsunternehmen über gefährliche Stoffe in der Dachpappe wie Asbest oder Teer informiert werden.
Schon gewusst?
Die bindende Grundsubstanz von Dachpappe besteht bei neuer Pappe in der Regel aus Bitumen, welches aus Erdöl hergestellt wird. Bei älterer Dachpappe kam dagegen auch Teer zum Einsatz. Teer ist eine Mischung organischer Verbindungen, die im Fall von Teer-Dachpappe meist aus Steinkohle gewonnen wurde. Aufgrund der hohen Gesundheitsgefahren wurde die Produktion teerhaltiger Dachpappe schon nach 1962 größtenteils eingestellt. Ein Verbot erfolgte allerdings erst 1990.10
Ist in Dachpappe Asbest vorhanden? Sicher gehen mit Asbesttest!
Wie bereits erwähnt, kann Asbest in Dachpappe rein optisch nicht sicher identifiziert werden. Häufig sind auch Prägestempel und Herstellungsdatum auf der Dachpappe nicht sichtbar oder alte Rechnungen und Produktbeschreibungen sind nicht mehr vorhanden. Mit unserem Asbest Test 0,1%: Fliesenkleber/Kitt können Sie Asbest in Dachpappe allerdings sicher identifizieren. Der Test ist übrigens ebenso für einige Klebstoffe (z. B. Bitumenkleber) und viele Kitte geeignet. Für Asbest in anderen Baustoffen bieten wir die folgenden Tests an:
Die Probenentnahme für die Asbesttests können Sie mit Hilfe der beiliegenden Anleitung und unter Beachtung der Sicherheitsanweisungen selbst vornehmen. Anschließend senden Sie die Materialprobe per Post an unser spezialisiertes Labor, welches anschließend die Probenanalyse vornimmt. Nach kurzer Zeit ist das Analyseergebnis in verständlich aufbereiteter Form über das Online-Portal MyChecknatura abrufbar.
Bitte beachten: Bei unseren Asbesttests handelt es sich um Selbsttests, die zum Beispiel bei Rechtsstreitigkeiten nicht uneingeschränkt als „Beweismittel“ verwendbar sind. Grund hierfür ist nicht zuletzt die fehlende Probenahme durch eine unabhängige Fachperson. Unsere Analytik richtet sich nach wissenschaftlichen Standards, auf die Sie sich verlassen können. So empfehlen wir selbst bei drohenden Rechtsstreitigkeiten, zuerst eine unserer Laboranalysen durchzuführen, um Klarheit über das Vorhandensein von Asbest zu erlangen. Hiernach helfen wir Ihnen gerne mit einer geschulten Probenehmerin oder einem Probenehmer weiter. Kontaktieren Sie uns.
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Dachpappe und Asbest: FAQs
Kann Dachpappe Asbest enthalten?
Ja, vor dem Asbestverbot im Oktober 1993 hergestellte Dachpappe kann Asbest enthalten.
Wie gefährlich ist asbesthaltige Dachpappe?
Asbest ist in intakter Dachpappe normalerweise fest gebunden und stellt dann in der Regel nur ein geringes Risiko dar. Gesundheitlich bedenkliche Freisetzungen von Asbestfasern drohen aber unter anderem bei verwitterter Dachpappe sowie der Entfernung und unsachgemäßen Reinigung der Pappe.
Kann man Asbest in Dachpappe optisch erkennen?
Nein, rein optisch kann asbesthaltige Dachpappe nicht von asbestfreien Produkten unterschieden werden. Sicherheit kann hier nur ein Asbesttest bieten.
Muss asbesthaltige Dachpappe entfernt werden?
Nein, asbesthaltige Dachpappe muss nicht grundsätzlich entfernt werden, wenn diese unbeschädigt und nicht zu stark verwittert ist. Sollten durch die Pappe allerdings Faserfreisetzungen durch zum Beispiel Beschädigungen oder sehr starke Verwitterung drohen, muss diese fachmännisch entfernt werden.
Darf asbesthaltige Dachpappe von Heimwerkern entfernt werden?
Nein, wegen der hohen Gesundheitsrisiken bei der Entfernung (Freisetzung von Fasern) darf Asbest-Pappe nur von Unternehmen bzw. Personen mit entsprechender Sachkunde entfernt werden.
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1Vgl.: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung: Identifizierung von Asbestfasern in Stäuben, Pulvern und Pudern mineralischer Rohstoffe. 2000.
2Vgl.: Sonderabfallgesellschaft Brandenburg, Berlin mbH: Merkblatt zur Entsorgung teerhaltiger Dachpappenabfälle. 2020.
3Vgl.: Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum: Asbest: Krebsrisiko noch auf lange Zeit? 2023.
4Vgl.: MSD Manual: Asbestose. 2023.
5Vgl.: Bayerisches Landesamt für Umwelt: Asbest. 2018.
6Vgl.: Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft: Schwach gebundene Asbestprodukte. 2021.
7Vgl.: Bayerisches Landesamt für Umwelt: Asbesthaltige Dachbahnen/-pappen. 2025.
8Vgl.: Verbraucherzentrale: Asbest: gefährlich und immer noch aktuell. 2025.
9Vgl.: Umweltbundesamt: Asbest. 2024.
10Vgl.: Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen: Bitumengemische und teerhaltige Produkte. 2019.