Wasser abdrehen vor dem Urlaub: Alles, was Sie wissen müssen
Ein geplatzter Wasserschlauch der Waschmaschine oder auftretende Leckagen an Leitungen können erhebliche Schäden verursachen – vor allem, wenn der Wasseraustritt länger nicht entdeckt wird. Deshalb sollten Sie unter anderem vor dem Start in den Urlaub das Wasser in Haus oder Wohnung abstellen. Wie gehen Sie hier am besten vor? Sollte das Wasser am Haupthahn oder nur an einzelnen Geräten wie Waschmaschine und Spülmaschine abgedreht werden? Was passiert mit der Heizung, wenn das Wasser abgestellt ist? Welche Schritte sind nach der Rückkehr beim Anstellen des Wassers zu beachten? Die Antworten und viele weitere Infos und Tipps liefert Ihnen unser nachfolgender Praxis-Ratgeber! (Stand Januar 2026)
Inhalt
Warum sollte man vor dem Urlaub das Wasser abstellen?
Wasserschäden zählen zu den häufigsten und kostspieligsten Schadensfällen in deutschen Haushalten. Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft entstehen jährlich Schäden in Milliardenhöhe durch austretendes Leitungswasser.1 Besonders hoch ist der Schaden oft, wenn der Wasseraustritt über Tage (z. B. während des Urlaubs) unbemerkt bleibt. So kann als Folge eines Wasserschadens zum Beispiel starke Schimmelbildung auftreten. Wie Sie diese verhindern, erfahren Sie in unserem Ratgeber „Schimmel nach Wasserschaden? So verhindern Sie ihn!”.
Für ein Abstellen des Wassers während des Urlaubs oder bei sonstiger längerer Abwesenheit sprechen unter anderem folgende Gründe und Schadensszenarien:
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Rohrbrüche: Wasserohre und Wasserleitungen können durch Materialermüdung oder Druckschwankungen platzen oder zumindest undicht werden und so einen starken Wasseraustritt verursachen.
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Defekte Haushaltsgeräte: Waschmaschinen, Geschirrspüler oder Warmwasserbereiter können auch relativ plötzlich undicht werden.
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Geplatzte Zulaufschläuche: Zulaufschläuche an zum Beispiel Waschmaschinen und Geschirrspülern können durch Materialermüdung oder sonstige Schäden teilweise ohne „Vorwarnung” platzen.
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Frostschäden: Bei Abwesenheit im Winter besteht besonders im Außenbereich das Risiko von eingefrorenen und geplatzten Leitungen sowie beschädigten Armaturen (z. B. Gartenwasseranschluss). Bei einem Ausfall der Heizung können bei strengem Frost auch Wasserschäden im Innenbereich auftreten.
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Wasserkosten: Neben den eigentlichen Kosten für die Beseitigung des Wasserschadens (werden oft von der Versicherung erstattet) können bei einem starken Wasseraustritt ebenso erhebliche Kosten für das Trinkwasser selbst entstehen.
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Folgeschäden an der Elektrik: Wasseraustritte können zu gefährlichen und kostspieligen Folgeschäden an der Elektrik führen. Entstehen dadurch Kurzschlüsse, besteht sogar Brandgefahr.
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Versicherungsschutz: Vor allem ältere Verträge für Hausrat- oder Wohngebäudeversicherungen enthalten teilweise Klauseln, die zu einem Absperren des Wassers bei längerer Abwesenheit (oft mehr als 72 Stunden) verpflichten. Kommt der Versicherungsnehmer dieser Pflicht nicht nach, kann der Versicherungsschutz erlöschen.2
Wie und wo dreht man Wasser am besten ab?
Das Wasser in Häusern und Wohnungen kann grundsätzlich zentral am Hauptwasserhahn oder dezentral an einzelnen Geräten bzw. Einzelanschlüssen abgedreht werden:
Hauptwasserhahn finden und abdrehen
Der Hauptwasserhahn (teilweise auch als Absperrhebel ausgelegt) ist der zentrale Absperrpunkt für die Wasserversorgung:
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In Einfamilienhäusern befindet sich der Hauptwasserhahn meist im Keller oder Hausanschlussraum hinter dem Wasserzähler.
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In Mehrfamilienhäusern und Wohnungen gibt es oft ein Absperrventil direkt in der Wohneinheit. Dieses kann sich zum Beispiel unter der Spüle, im Badezimmer oder in einem Versorgungsschacht hinter einer Revisionsöffnung befinden.
Wird der Hauptwasserhahn abgedreht, erfolgt eine Unterbrechung der gesamten Wasserzufuhr des Hauses bzw. der Wohneinheit. Einige Wohneinheiten verfügen über zwei separate Absperrhähne für Kalt- und Warmwasser. Ist dies der Fall, müssen Sie beide Hähne schließen, um auch das Warmwasser abzustellen.
Tipp: Nach dem Schließen des Hauptwasserhahns sollten Sie einen Wasserhahn möglichst am tiefsten Punkt von Haus oder Wohnung (z. B. Keller, Erdgeschoss) kurz öffnen und dann wieder schließen. So kann der Restdruck aus den Rohrleitungen entweichen. Dies reduziert das Risiko von Wasserschäden weiter.
Absperren von Einzelanschlüssen
Mitunter kann es sinnvoll sein, das Wasser nur an einzelnen Anschlüssen oder nur für einzelne Geräte abzustellen:
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Spülmaschine: Selbst bei Geräten mit integriertem Aquastop („Schlauchplatzschutz” mit automatischer Absperrung der Wasserzufuhr) kann es mitunter zu einem Wasseraustritt kommen. Den Absperrhahn für die Spülmaschine finden Sie in der Regel am Anschluss des Zulaufschlauchs (oft unter Spüle in der Küche).
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Waschmaschine: Zulaufschläuche für Waschmaschinen können aufgrund des hohen vorliegenden Wasserdrucks unvermittelt platzen – auch wenn diese äußerlich noch vollkommen intakt aussehen. Der Absperrhahn für Waschmaschinen befindet sich in der Regel gut sichtbar in unmittelbarer Nähe der Maschine (oft an der Wand). Es ist empfehlenswert, die Waschmaschine aufgrund des erhöhten Risikos eines Wasseraustritts auch während kürzerer Abwesenheit (z. B. Arbeit, Wochenendausflug) nicht unbeaufsichtigt laufen zu lassen. Dieses könnte von Versicherung als grob fahrlässig ausgelegt werden – insbesondere, wenn die Maschine über keinen Aquastop verfügt. Kleine Wasserschäden werden bei Waschmaschinen mitunter auch durch einen verstopften Ablauf verursacht.
Tipp: Um das Risiko eines Wasserschadens zu mindern, kann es empfehlenswert sein, Zulaufschläuche von Spül- und Waschmaschinen regelmäßig präventiv auszutauschen. Ein Austausch wird mitunter schon nach 3 Jahren empfohlen.
In welche Richtung dreht man das Wasser ab?
Die grundlegende Regel beim Wasser abdrehen lautet: Rechts herum (im Uhrzeigersinn) zudrehen, links herum (gehen den Uhrzeigersinn) aufdrehen. Diese Drehrichtungen gelten für nahezu alle Wasserhähne und Absperrventile in Deutschland.
Tipp: Werden Absperrhähne oder Absperrventile lange nicht bewegt, können sich diese festsetzen und funktionieren im „Ernstfall” womöglich nicht mehr. Drehen Sie die Hähne daher zweimal im Jahr auf und zu, um diese gangbar zu halten. Teilweise schließen länger nicht bewegte Absperrhähne auch nicht mehr richtig, obwohl der Hahn komplett geschlossen ist. Testen Sie daher an einem Wasserhahn, ob das Wasser wirklich abgestellt ist.
Was passiert mit der Heizung, wenn man das Wasser abstellt?
Das Abdrehen des Hauptwasserhahns betrifft ausschließlich das Trinkwasser bzw. Brauchwasser und hat keine direkten Auswirkungen auf den Wasserkreislauf geschlossener Heizungssysteme.
Einstellungen der Heizung während des Urlaubs – Empfehlungen
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Stellen Sie die Heizung vor allem im Winter nicht komplett ab, um Frostschäden zu vermeiden.
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Empfehlenswert ist, auch während längerer Abwesenheit eine Mindesttemperatur von 16 °C in allen Räumen zu halten, damit es nicht zu Schimmelbildung kommt.3 Welche Risiken von Schimmel ausgehen und wie Sie Schimmelbildung vermeiden, erfahren Sie in unserem Ratgeber „Schimmel: Gefahren, Nutzen und Tipps zur Vermeidung”.
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Bei modernen Heizungsanlagen lässt sich oft ein spezieller Urlaubs- oder Abwesenheitsmodus aktivieren.
Wie lange darf das Wasser abgestellt werden?
Es gibt keine gesetzliche Obergrenze, wie lange Sie als Eigentümer oder Mieter Ihr Wasser abstellen dürfen. Bei längerer Abwesenheit sollten Sie jedoch unter anderem die folgenden Punkte beachten:
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Nach mehr als 72 Stunden Stagnation können sich verstärkt Keime wie Legionellen im Wasser bilden. Bereits nach 4 Stunden Stagnation sollte Leitungswasser ohne kurzes Ablaufen nicht mehr als Trinkwasser und für die Zubereitung von Speisen genutzt werden.4
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In Stagnationswasser kann auch die Konzentration von Schadstoffen wie Schwermetallen (z. B. Blei, Kupfer, Nickel) erhöht sein.5
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Lösung: Nach der Rückkehr sollten Sie Trink- und Duschwasser vor der Nutzung eine Weile ablaufen lassen. Dabei darauf achten, dass Duschwasser während des Ablaufens nicht fein zerstäubt (verstärkte Infektionsgefahr mit Legionellen). Deshalb empfiehlt es sich, die Brause direkt über den Ablauf zu halten.
Tipp: Auch am Urlaubsort sollten Sie das Wasser zunächst ablaufen lassen, bevor Sie dieses als Trinkwasser, für die Speisezubereitung oder Duschwasser nutzen. Dies gilt besonders, wenn Hotelzimmer oder Ferienwohnung länger nicht genutzt wurden.
Wer zahlt bei Wasserschäden während des Urlaubs?
Die Frage nach der Kostenerstattung bei Wasserschäden kann mitunter komplex sein:2
Zuständige Versicherungen Wasserschaden
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Wohngebäudeversicherung: Eine Wohngebäudeversicherung deck Schäden am Gebäude selbst (z. B. Wände, Fußböden, fest verbaute Elemente) ab. Diese Versicherung zahlt typischerweise bei Leitungswasserschäden – vorausgesetzt, es liegt keine grobe Fahrlässigkeit liegt vor.
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Hausratversicherung: Die Hausratversicherung reguliert Schäden an beweglichen Gegenständen des Hausrats wie Möbeln, Elektronik und anderen persönlichen Besitztümern.
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Privathaftpflichtversicherung: Eine Privathaftpflichtversicherung zahlt in der Regel für Schäden, die Dritte durch einen Wasserschaden erleiden (z. B. durchfeuchtete Wohnung unter eigener Wohnung). Achten Sie hier jedoch auf die individuelle Vertragsgestaltung (z. B. Mietsachschäden versichert?).
Grobe Fahrlässigkeit als Risiko
Versicherungen können ihre Leistungen kürzen oder ganz verweigern, wenn grobe Fahrlässigkeit nachgewiesen wird.2 Als „grob fahrlässig” kann im Zusammenhang mit Wasserschäden unter anderem gelten (teilweise abhängig vom Vertrag):
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Nichtabstellen alter, schadhafter Leitungen (wenn Schäden bekannt sind)
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Ignorieren bekannter Defekte an Haushaltsgeräten
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Unterlassen grundlegender Sicherungsmaßnahmen bei längerer Abwesenheit (z. B. Abstellen von Wasser, Wasseranschlüsse im Außenbereich im Winter nicht abgesperrt).
Checkliste Urlaub: Wasserleitungen und Haushaltsgeräte
Vor und nach einem Urlaub oder sonstiger längerer Abwesenheit sollte Sie in Bezug auf Wasser und Haushaltsgeräte unter anderem die folgenden Punkte beachten:
Unmittelbar vor der Abreise
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Hauptwasserhahn in der Wohnung zudrehen (eventuell Absperrhähne für Warm- und Kaltwasser separat vorhanden).
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Kontrolle der Absperrfunktion durch kurzes Öffnen eines Wasserhahns.
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Waschmaschine: Zulaufhahn schließen und Waschmaschinendeckel offenlassen (verhindert Schimmelbildung).
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Geschirrspüler: Wasserzufuhr abstellen, Tür offenlassen (verhindert Schimmelbildung).
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Urlaubs- bzw. Abwesenheitsmodus an Heizung aktivieren (falls vorhanden).
Nach der Rückkehr
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Hauptwasserhahn wieder aufdrehen.
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Wasser an allen Entnahmestellen kurz ablaufen lassen (ca. 2 bis 3 Minuten).
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Auf Verfärbungen oder ungewöhnlichen Geruch des Wassers achten (könnte Zeichen für Verkeimungen und Schadstoffe sein)
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Haushaltsgeräte wieder in Betrieb nehmen.
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Auf Undichtigkeiten an Wasserhähnen, Zuläufen etc. achten.
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Urlaubsmodus bei Heizung deaktivieren (falls dieser vor Urlaub aktiviert wurde).
Gesundheitsvorsorge: Wasser nach Rückkehr auf Legionellen und Schwermetalle testen
Trotz aller Vorsichts- und Präventivmaßnahmen kann Leitungswasser nach längerer Abwesenheit gelegentlich verstärkt mit Keimen und Schadstoffen belastet sein. Als Gründe dafür kommen unter anderem Stagnationswasser und ein Abfall der Wassertemperatur im Warmwasserkreislauf (Vermehrung von Legionellen) in Frage. Deshalb sind nach der Rückkehr mitunter Wassertests sinnvoll, um Gesundheitsrisiken zu minimieren. Empfehlenswert sind hier unter anderem die folgenden Wassertests:
Legionellentest für Leitungswasser: Hier testen wir Ihr Leitungswasser auf die gefährlichen Legionellen-Bakterien. Zu den Risiken von Legionellen im Trinkwasser können Sie sich in unserem Ratgeber „Legionellen im Trinkwasser? – So erkennen Sie die Gefahr!” informieren.
Wassertest Rohrleitung: Dieser Test analysiert das Leitungswasser auf die folgenden Schwermetalle und Metalle: Blei, Chrom, Eisen, Kupfer, Nickel, Zink, Aluminium. Unser Ratgeber „Eine unsichtbare Gefahr: Schwermetalle im Trinkwasser” klärt über die Risiken von Schwermetallen im Trinkwasser auf.
Die Probenentnahme für unsere Wassertests können Sie mit Hilfe der beiliegenden, leicht verständlichen Anleitung einfach selbst vornehmen. Anschließend senden Sie die Probe per Post an unser spezialisiertes Partnerlabor. Ein voradressierter Versandkarton liegt dem Test-Set bei. Nach kurzer Zeit steht das Testergebnis für Sie über Ihren persönlichen Bereich des Online-Portals MyChecknatura zum Abruf bereit.
✔️ Toxische Schwermetalle
✔️ inkl. Blei und Nickel
Wasser abstellen während des Urlaubs – FAQs
Muss man bei längerer Abwesenheit das Wasser abstellen?
Rechtlich besteht dazu keine Pflicht, aber Versicherungen können bei unterlassener Vorsorge grobe Fahrlässigkeit unterstellen und Leistungen kürzen oder ganz verweigern.
Wie lange sollte man nach dem Urlaub das Wasser laufen lassen?
Nach längerer Abwesenheit empfiehlt es sich, an allen Entnahmestellen das Wasser für ca. 2 bis 3 Minuten ablaufen zu lassen. Bei Warmwasserleitungen sollte das Wasser so lange fließen, bis es durchgehend heiß aus dem Hahn kommt. Kaltes Wasser sollte kalt und nicht lauwarm aus dem Hahn fließen.
Kann die Wasserleitung durch das Abstellen einfrieren?
Nein, das Abstellen des Wassers verhindert Frostschäden sogar indirekt, da bei einem geplatzten Rohr kein Wasser nachfließt. Wichtig ist jedoch, dass die Heizung im Winter mindestens auf „Frostschutz” läuft, damit das Restwasser in den Leitungen nicht gefrieren kann.
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5Vgl.: Umweltbundesamt: Elementgehalte im häuslichen Trinkwasser aus Haushalten mit Kindern in Deutschland. 2008.