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Wie gelangen Clostridien ins Trinkwasser?

Clostridien umfassen eine spezifische Gattung von Bakterien und sind ein natürlicher Bestandteil der menschlichen und tierischen Darmflora. Die Konzentrationen liegen jedoch deutlich unter denen von  E.Coli. Clostridien und E.Coli dienen schon sehr lange als Indikatorkeime zur Beurteilung der mikrobiologischen Trinkwasserqualität

In der Umwelt können Clostridien extrem resistente Sporen bilden und sich in Wasser, Boden und Luft vermehren. Deshalb sind Clostridien weitverbreitet und werden als sogenannter „Umweltkeim“ bezeichnet. Mit einem Nachweis von Clostridien ist jedoch nur in Oberflächenwasser oder in oberflächennahem Wasservorkommen zu rechnen. 1,2

Was sind Clostridien perfringens und welche gesundheitliche Bedeutung haben sie?

Clostridium perfringens sind Bakterien der Gattung Clostridium, die außerhalb des Darms aufgrund extrem widerstandsfähiger Sporen sehr lange überleben können. Die Clostridium-perfringens-Gruppe, die sulfitreduzierende Anaerobier (Anaerobier: Stoffwechsel ohne Sauerstoff) umfasst, hat eine humanpathogene („krankmachende”) Bedeutung. Diese Mikroorganismen können sich in Wunden ansiedeln und unter sauerstoffarmen Bedingungen, wie in schlecht durchblutetem Gewebe, Gasbrand (schwerwiegende Infektion der Weichteile) verursachen. Der Konsum von Wasser, das stark mit Keimen oder Sporen der Clostridien-Gruppe belastet ist, kann weiterhin zu Entzündungen des Magen-Darm-Trakts führen. 

Besonders gefährlich ist Trinkwasser, das mit Clostridien belastet ist und zur Zubereitung von Lebensmitteln verwendet wird. Die resistenten Sporen überstehen selbst kurzzeitiges Kochen. In Speisen und Getränken, auch Säuglingsnahrung, können die Sporen vegetative (lebensfähige) Formen entwickeln und Lebensmittelvergiftungen verursachen. Kontaminierte Lebensmittel führen dann mitunter 8 bis 12 Stunden nach dem Verzehr zu krampfartigen Bauchschmerzen und Durchfällen

Eine mögliche Belastung des Trinkwassers ist nur zu erwarten, wenn das Rohwasser aus Oberflächenwasser stammt, von Oberflächenwasser beeinflusst wird oder im Zusammenhang mit Havarien kontaminiert ist.1,3

💡 Gut zu wissen …

Clostridium ist ein bedeutender Erreger Antibiotika-assoziierter Durchfälle und wird im Krankenhaus oft als "Krankenhauskeim" verbreitet. Zwischen 10 und 30 % der hospitalisierten Patienten sind Träger dieses Bakteriums, häufig jedoch ohne Symptome. Ein Ausbruch der Krankheit führt zu mildem bis schwerem Durchfall. Clostridien werden auf vielfältige Weise übertragen. Auch kontaminiertes Wasser kann eine Infektionsquelle darstellen.

Was ist zu tun bei einer Clostridien-Grenzwertüberschreitung im Hausbrunnen oder Leitungswasser?

Wird der Grenzwert von 0/100 ml für C. perfringens überschritten, so beachten Sie bitte Folgendes:

 Melden Sie den Befund unverzüglich an das zuständige Gesundheitsamt

  Ein Nachweis von Clostridium perfringens ist ein Hinweis auf Fäkalkeime im Wasser. Das Bakterium gilt als Krankheitserreger!

  Resistente Sporen von Clostridium perfringens sind selbst in der Lage, ein kurzes Abkochen zu überleben. Beachten Sie dies und vermeiden Sie vorerst die Nutzung des Wassers zum Trinken, zur Essenszubereitung, Eiswürfelherstellung, medizinischen Wundversorgung, Zähneputzen etc.

  Suchen Sie umgehend nach der Ursache der Verkeimung, um einen möglichen Eintrag von weiteren Krankheitserregern zu verhindern.

  Berücksichtigen Sie bei der Ursachensuche die hohe Widerstandsfähigkeit der Keime in der Umwelt und eine möglicherweise länger zurückliegende Verunreinigung.

  Leiten Sie in Rücksprache mit dem Gesundheitsamt Maßnahmen ein (z. B. thermische und chemische Desinfektion, Spülungen der Leitungen etc.).

Welche Bedingungen beeinflussen die Vermehrung von Clostridium perfringens im Trinkwasser?

Clostridium perfringens, ein anaerober Sporenbildner, benötigt anaerobe (sauerstofffreie/sauerstoffarme) Bedingungen für seine Entwicklung und Vermehrung. 

Unter ungünstigen Lebensbedingungen bilden die Keime widerstandsfähige Sporen, die oft Hitze, Austrocknung, andere Umwelteinflüsse und eine Chlorung des Trinkwassers überstehen. 

Anhand der Sporen können so auch weit zurückliegende Verunreinigungen nachgewiesen werden. 

In geeigneten flüssigen Substraten keimen die Sporen aus und es entstehen vegetative, lebensfähige Formen, die sich vermehren.1

Wie werden Clostridien perfringens im Labor bestimmt?

Die Bestimmung von C. perfringens erfolgt mittels Membranfiltrationsverfahren gemäß DIN EN ISO 14189. Nach der Filtration der Wasserprobe wird der Membranfilter auf Tryptose-Sulfit-Cycloserin-Agarplatten gelegt und anaerob bebrütet

Typische Kolonien (sichtbare Ansammlungen) von C. perfringens sind schwarz, grau oder braun und werden nach einer genau definierten Zeit ausgezählt

Für einen Bestätigungstest wird die Probe auf Columbia-Blutagar ausgestrichen und dann auf das Vorhandensein des Keims auf saurer Phosphatase überprüft. Clostridium perfringens sind in der Lage, Phosphorsäureester zu spalten. Geschieht dies, gilt C. perfringens als bestätigt. 4

Wie kann ich eine Wasserprobe im Labor beauftragen?

Haftungsausschluss/Empfehlung

Die in diesem Ratgeber getätigten Aussagen und Empfehlungen wurden von uns gründlich recherchiert. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität können wir jedoch nicht garantieren.

Verweise

1Vgl.: R. Nießner (Hrsg.): Höll Wasser – Nutzung im Kreislauf: Hygiene, Analyse und Bewertung, 2020. (Abgerufen am 12.03.2025). 

2Vgl.: Gesundheitsamt Pfaffenhofen, Merkblatt GA Bakterielle Belastung Trinkwasser 18.7.12 (landkreis-pfaffenhofen.de), 2012. (Abgerufen am 12.03.2025). 

3Vgl.: gwf Wasser – Abwasser, Sulfitreduzierende sporenbildende Anaerobier, 2022. gwf-wa_02_2022.pdf (gwf-wasser.de). (Abgerufen am 12.03.2025). 

4Vgl.: Landesamt für Umwelt Bayern, Mikrobiologisch-hygienische Analysenmethoden - LfU Bayern, 2024. (Abgerufen am 12.03.2025).