Hufgeschwür und Hufabszess lassen sich grob unterscheiden. Beim Geschwür zerfällt Horn und faulig riechende, schwarz-graue Flüssigkeit tritt aus dem Huf aus, wohingegen sich beim Abszess Eiter im Hufgewebe sammelt. In beiden Fällen liegen der Zerfall von Horn und eine Reizung oder besser gesagt eine Entzündung der Huflederhaut vor. Dabei wird von einer septischen oder einer aseptischen Huflederhautentzündung gesprochen. 2
Bei aseptischen Hufgeschwüren dringen keine Bakterien von außerhalb ins Gewebe. Hier entsteht das Geschwür durch unnatürlichen Druck auf die Huflederhaut. Das kann passieren durch stumpfe Traumata, wie: 3
- Tritte gegen die Boxenwand (ähnlich wie Blutergüsse innerhalb des Hufes)
- Prellungen durch harte Gegenstände (z. B. Steine)
- Quetschungen und Zerrungen anderer Hufstrukturen
- zu enger Beschlag, der den Huf von unten drückt und Durchblutungsstörungen auslöst (wie ein unpassender Schuh)
- nicht sachgemäße Hufbearbeitung und Huffehlstellung (Trachten oder Eckstreben, die Druck auf die Huflederhaut auslösen).
- Umstellung von Hufeisen auf barhuf
Durch den Druck entsteht ein körpereigener Entzündungsprozess.
Hufgeschwüre beim Pferd, die als septisch bezeichnet werden, werden durch Bakterien ausgelöst, die in die Hufkapsel eindringen können. Der Huf besteht aus der Kapsel, die sich in Strahl, Hufwand und Sohle unterteilt, und der Lederhaut, die die Verbindungsschicht zu der inneren Hufstruktur bildet (Knochen, Sehnen etc.). 4
Die Bakterien können meist durch geschädigtes Hufhorn eindringen. Nicht selten ist Strahlfäule ein Auslöser für ein Hufgeschwür. Damit es nicht so weit kommt, können Sie in unserem Ratgeber „Strahlfäule: Pferd unbedingt davor schützen“ nachlesen, wie Sie einen solchen Prozess verhindern können.
Eine Schädigung kann außerdem entstehen durch:5
- Weiche Hufe aufgrund von schlechter Pflege, Stallhygiene und nassem Wetter
- Trockene, spröde Hufe, durch Trockenheit
- Kleine Steine, die eindringen (Steingalle)
- Nageltritt
- Vernagelung beim Beschlag
- Ballen- oder Kronentritt
- Nährstoffmangel durch falsche Fütterung
In seltenen Fällen können Stoffwechselerkrankungen oder eine vorausgegangene Hufrehe beim Pferd ein Hufgeschwür auslösen. Was Sie bei Hufrehe unbedingt beachten sollten, damit das nicht passiert, erfahren Sie in unserem Ratgeber „Hufrehe: Pferd in absoluter Notlage“.
Die Bakterien zersetzen das Horn im Inneren des Hufes. Die Mischung aus Erreger, weißen Blutkörperchen und zerstörtem Gewebe sorgt für die Bildung von Eiter, der auf die gut durchblutete Lederhaut drückt, da er nicht abfließen kann. Der Druck sorgt genau wie bei dem aseptischen Hufgeschwür dafür, dass der Prozess weiter fortschreitet.6
Im schlimmsten Fall breitet sich die Entzündung so weit aus, dass sich Hufkapsel und Huflederhaut voneinander trennen. Hier kommt es wie bei der Hufrehe zum sogenannten „Ausschuhen“. Weitere schlechte Verläufe sind Zersetzungsprozesse am Hufbein oder eine Blutvergiftung (Sepsis), da die Erreger in die Blutbahn geraten sind. 7
In den meisten Fällen bahnt sich das Hufgeschwür durch den Huf einen Weg nach außen, meistens am Kronenrand oder am Ballen. Dabei hinterlässt es nicht selten hohle Hufwände oder sorgt für einen Einschuss (Phlegmone) an dem entsprechenden Bein.8
Damit es gar nicht so weit kommt, ist es wichtig, beim Pferd ein Hufgeschwür schnell zu erkennen und eine Behandlung zu beginnen.
Tatsächlich sind eine Huflederhautentzündung, ein Hufgeschwür oder auch ein Hufabszess – wie Sie nun wissen, gehören diese Begrifflichkeiten zusammen – recht leicht zu erkennen. Das Pferd hat sehr starke Schmerzen, sobald es den Huf belastet. Damit zeigt sich eine hochgradige Lahmheit, die sich von einem auf den anderen Moment zeigt. Hinzu kommt, dass der Huf häufig warm ist und Sie in der Fesselbeuge die Pulsation der Hufarterie fühlen können. Viele Pferde liegen vermehrt und verweigern sogar das Futter. 9
Zeigt Ihr Pferd solche Symptome, ist es unumgänglich, Ihren Tierarzt und ggf. auch Ihren Hufschmied um Hilfe zu bitten. Bis der Fachmann kommt, können Sie Ihrem Pferd den Huf mit sauberem Wasser kühlen und für eine saubere Box sorgen. Und sicher ist sicher: Prüfen Sie gern, wann die letzte Tetanusimpfung gemacht wurde. Vielleicht ist eine Auffrischung notwendig, um Schlimmeres zu verhindern. 10
Die meisten Pferde zeigen bereits schon beim Hufgeschwür erste Symptome, bevor es zu einem Abszess wird. Hier dürfen Sie sofort reagieren und um Hilfe von Ihrem Tierarzt bitten. Dieser wird trotz der oben genannten Symptome (Lahmheit und Pulsation) andere Gründe ausschließen wollen. Am besten hilft ihm das Abdrücken des Hufes mit einer Huzange. Die Pferde reagieren sehr deutlich darauf, indem sie den Huf wegziehen und sogar austreten, schnappen etc.. Oft ist auch recht schnell klar, wo sich das Hufgeschwür befindet. Schont das Pferd seinen Huf auf der Zehenspitze, befindet sich das Geschwür im hinteren Bereich des Hufes. Sieht es so aus, als wenn der Huf gar nicht oder nur hinten in Richtung der Ballen belastet wird, sitzt das Geschwür Richtung Zehenspitze. Manchmal ist es wichtig, wenn das Pferd beschlagen ist, dass der Hufschmied hinzukommt und das Hufeisen entfernt, um das Geschwür lokalisieren zu können. 11
Wenn ein Fremdkörper der Grund für das Geschwür ist, wird dieser entfernt. Manchmal kommt damit schon die eiterähnliche Flüssigkeitsansammlung raus. Manchmal reicht dies noch nicht aus oder der Auslöser ist ein anderer. Dann wird ein Angussverband – auch Schwitzverband genannt – angelegt. Dabei werden Watte und eine Bandage (alternativ eine Windel) mit Panzerband fixiert (alternativ eine Plastiktüte um den Huf fixieren, Achtung: nicht zu fest!). Die Watte wird täglich, auf Anweisung des Tierarztes, mit Wasser oder Rivanol (gängige Desinfektionslösung) angegossen. Das weicht den Huf auf und lässt das Geschwür reifen und austreten. Manchmal wird auch Sauerkraut in dem Verband als altes Heilmittel verwendet. 12
In diesem Video wird Ihnen das Anlegen eines Hufverbands praktisch erklärt.13
Ist das Hufgeschwür ausgetreten, hilft es ein paar Tage, einen trockenen Hufverband anzulegen, um den Huf noch etwas zu schonen und zu vermeiden, dass neue Keime in den Huf dringen.14
Der Tierarzt wird je nachdem, ob es sich schon um einen Abszess oder ein Geschwür handelt, die Gabe von Schmerzmitteln und Antibiotika anweisen. Die Heilung kann mehrere Tage bis Monate, je nach Ausprägung, dauern.15
Manchmal sind Hufgeschwüre sehr hartnäckig oder liegen äußerst tief im Hufgewebe. Hier hilft nur der Griff zum Hufmesser. Tierarzt und Hufschmied arbeiten hier meistens zusammen. Das Geschwür wird lokalisiert und es wird ein trichterförmiges Loch in den Huf geschnitten, bis die eitrige Flüssigkeit austritt. Das Pferd bekommt sofort Schmerzerleichterung durch den nachlassenden Druck.16
Infiziertes Horn, leicht an der grau-schwarzen Verfärbung erkennbar, wird so weit entfernt, dass sich kein neues Geschwür bildet. Das Loch wird aufwändig desinfiziert. Je nachdem, ob die Huflederhaut frei liegt, wird ein Druckverband, damit sie nicht absackt, angelegt. Ist das Geschwür etwas weiter darüber gewesen, reicht meist ein trockener Hufverband. In das Loch wird dann nur ein Tupfer mit Jodlösung gelegt. Der Verband wird täglich gewechselt.17
Manchmal ist auch ein geschlossener Beschlag mit Lederplatte und desinfizierender Wolle notwendig, je nachdem, wie viel Horn entfernt wurde.18
Leider lassen sich Hufgeschwüre niemals gänzlich vermeiden. Aber Sie können das Risiko minimieren. Das Wichtigste ist die tägliche Hufpflege (gründliches Auskratzen und Abbürsten) und die regelmäßige fachgerechte Bearbeitung und Beschlag der Hufe durch einen Hufschmied oder fachkundigen Hufbearbeiter.19
Zudem ist es essentiell, dass Pferde immer wieder trocken und sauber stehen. Matschige Ausläufe und ammoniakgetränkte Boxen sind Gift für die Hufe. Eine gute Stallhygiene ist immer gesundheitsfördernd für Ihr Pferd. Was eine gute Stallhygiene ausmacht, erfahren Sie in unserem Ratgeber „Stallhygiene Pferd: Das gibt es zu beachten“.
Das Futter spielt ebenfalls eine Rolle. Neben einer hohen Qualität sind eine ausreichende Menge Nährstoffe wichtig. Für die Hufe sind Zink, Kupfer und Biotin, Vitamin A und B-Vitamine besonders wichtig. Manchmal haben Pferde hier einen Mangel oder benötigen nach einem Hufgeschwür für den Heilungsprozess etwas mehr davon.20
Mineralfutter mit entsprechenden Vitaminen und Mineralien zu füttern. Sinnvoll ist dies allerdings nur, wenn Sie genau wissen, woran Bedarf herrscht. Hier kann zum einen ein Bluttest beim Tierarzt Aufschluss darüber geben, was an Nährstoffen fehlt. Ein Blutbild zeigt allerdings nur den aktuellen Mineralstoffstatus am Tag der Probenentnahme. Der Test „Haarmineralanalyse: Haaranalyse für Ihr Pferd“ bildet dagegen die Versorgung über mehrere Wochen oder Monate ab. Denn die Probe kommt von dem Ort, an dem die Nährstoffe in richtiger Menge vorhanden sein sollten. Sie eignet sich daher besonders zur Erkennung eines Mangels und hilft Ihnen zu erkennen, welche Ergänzungen beim Futter wirklich notwendig sind, um vorbeugend oder nach einem Hufgeschwür ideal zu unterstützen.21
Auch wenn die meisten Pferde in ihrem Leben einmal unter einem Hufgeschwür leiden, können Sie mit dem richtigen Blick für die Symptome schnell dafür sorgen, dass die Schmerzen nicht zu lange anhalten. Je schneller das Hufgeschwür behandelt wird, desto niedriger stehen die Chancen, dass daraus ein Hufabszess wird oder noch schlimmer eine Sepsis oder die Schädigung eines Knochens entsteht.
Gute Pflege der Hufe, saubere Boxen und trockene Ausläufe sowie Futter mit der richtigen Menge an Nährstoffen helfen bei der Prävention. Gesunde Hufe verhindern Erkrankungen und sorgen für zufriedene Pferde.
Quellen:
1 Vgl.: Dr. med. vet Kellewald.: Der Hufabszess beim Pferd, abgerufen am 27.03.2026.
2 Vgl.: Richtlinien für Reiten und Fahren, Band 4, FN Verlag, 2021, S. 222.
3 Vgl.: Dr.med.vet. Dülffer-Schneitzer: Pferde Gesundheitsbuch, FN Verlag, 5. Auflage 2024, S. 481 ff.
4 Vgl.: a.o.O.
5 Vgl.: Dr. med. vet Kellewald.: Der Hufabszess beim Pferd, abgerufen am 27.03.2026.
6 Vgl.: hipposport.de: Hufgeschwür beim Pferd – Was ihr wissen müsst, abgerufen am 27.03.2026.
7 Vgl.: Dr.med.vet. Dülffer-Schneitzer: Pferde Gesundheitsbuch, FN Verlag, 5. Auflage 2024, S. 481 ff.
8 Vgl.: Cavallo: Die 100 wichtigsten Pferdekrankheiten, Müller Rüsschlikon Verlag, 1. Auflage 2023, S. 155 ff.
9 Vgl.: Richtlinien für Reiten und Fahren, Band 4, FN Verlag, 2021, S. 222.
10 Vgl.: Cavallo: Die 100 wichtigsten Pferdekrankheiten, Müller Rüsschlikon Verlag, 1. Auflage 2023, S. 155 ff.
11 Vgl.: Dr.med.vet. Dülffer-Schneitzer: Pferde Gesundheitsbuch, FN Verlag, 5. Auflage 2024, S. 481 ff.
12 Vgl.: Heyenrath, Tina: Hufgeschwür beim Pferd, abgerufen am 27.03.2026.
13 Dr. Theresa Sommerfeld, Hufverband anlegen beim Pferd, abgerufen am 27.03.2026.
14 Vgl.: Dr.med.vet. Dülffer-Schneitzer: Pferde Gesundheitsbuch, FN Verlag, 5. Auflage 2024, S. 481 ff.
15 Vgl.: a.o.O.
16 Vgl.: Cavallo: Die 100 wichtigsten Pferdekrankheiten, Müller Rüsschlikon Verlag, 1. Auflage 2023, S. 155 ff.
17 Vgl.: Heyenrath, Tina: Hufgeschwür beim Pferd, abgerufen am 27.03.2026.
18 Vgl.: a.o.O.
19 Vgl.: Dr. med. vet Kellewald.: Der Hufabszess beim Pferd, abgerufen am 27.03.2026.
20 Vgl.: Dr.med.vet. Dülffer-Schneitzer: Pferde Gesundheitsbuch, FN Verlag, 5. Auflage 2024, S. 481 ff.
21 Vgl.: a.o.O.