Wenn Pferde unkontrolliert den Kopf in alle Richtungen schütteln oder sich die Nase am Bein reiben, ohne dass der Mensch die Möglichkeit hat, dies zu unterbrechen, spricht der Fachmann von Headshaking. In schlimmen Fällen kann hier Gefahr für Pferd und Reiter entstehen, da das Pferd nicht mehr ansprechbar ist.2
Zuerst wurde das Headshaking beim Pferd 1809 entdeckt, knapp 100 Jahre später gab es erste Therapieansätze und erst vor knapp 50 Jahren wurde bekannt, dass das Phänomen Headshaking auch auf neurologische Ursachen zurückzuführen sein kann. Zudem wurde bis vor Kurzem noch davon ausgegangen, dass nur ältere Pferde betroffen sind. Eine Studie von K. Warner aus dem Jahr 2018 besagt allerdings, dass das Durchschnittsalter von Pferden mit Headshaking bei 12 Jahren liegt.3
Für Sie ist es wichtig, dass Sie das Headshaking als ernst zu nehmende Situation bei Ihrem Pferd erkennen und die Symptome nicht als Untugend abstempeln. Denn in den meisten Fällen ist Headshaking mit Schmerzen, Juckreiz und Stress verbunden.
Das unkontrollierte Kopfschütteln ist tatsächlich nur eines der Symptome, die dem Headshaking zugeordnet werden können. Je nach Ursache können Sie an Folgendem Headshaking erkennen: 4,5
- Ruckartige Kopfbewegungen
- Scheuern der Nase an den Vorderbeinen
- Niesen, schnauben und prusten
- Tränenfluss und gerötete Augen
- Appetitlosigkeit
- Verändertes Verhalten
- Lichtempfindlichkeit
- Wetterempfindlichkeit
- Spielen mit der Zunge
- Mangelnde Konzentration
- Gleichgewichtsprobleme
Nicht immer zeigen sich alle Symptome. Allerdings ist besonders auffällig, dass sie sich während der Bewegung verstärken. Je nach Ausprägung und Ursache kann Headshaking beim Pferd zu Unrittigkeit führen.
Mittlerweile wird die Erkrankung in verschiedene Stufen eingeteilt und es wird von Headshaking Grad 1 bis 5 gesprochen: 6
Grad 1: Seltene Anzeichen, normale Reitbarkeit.
Grad 2: Häufige Symptome, eingeschränkte Reitbarkeit und wenig Kontrollierbarkeit der Kopfbewegungen.
Grad 3: Starke und deutliche Anzeichen, Reitbarkeit noch vorhanden, Kopfschütteln nicht kontrollierbar.
Grad 4: Pferd und Kopfschütteln sind unkontrollierbar, Reiten gilt als gefährlich.
Grad 5: Ausbildung ungewöhnlicher Verhaltensmuster, nicht mehr reitbar, Lebensqualität stark beeinflusst.
Es ist für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Pferde notwendig, die Ursachen, die zu Headshaking führen, herauszufinden und zu behandeln. Allerdings kann das eine echte Herausforderung werden.
Es gibt mittlerweile mehr als 60 bekannte Ursachen, die Headshaking auslösen. Dementsprechend kann es ein langwieriger und kostspieliger Prozess sein, herauszufinden, was der genaue Auslöser ist. Häufig entscheidet eine Ausschlussdiagnostik über die Ursache und damit auch über die Behandlung. Dennoch lassen sich die Ursachen in 3 Gruppen einteilen: 7
- Stereotypes Headshaking
- Symptomatisches Headshaking
- Idiopathisches Headshaking.
Im Folgenden schauen wir uns diese 3 Auslöser genau an.
1. Stereotypisches Kopfschütteln
Diese Ursache ist eher selten und es kann, wenn sie behoben wird, auch häufig wieder zu einem Unterlassen des Schüttelns kommen. Der Auslöser ist häufig Stress.
In unserem Ratgeber „Pferd beruhigen: Stress und Nervosität erkennen und Ruhe schaffen“ erfahren Sie ausführlich, was Pferde unter Stress setzen kann.8
2. Symptomatische Auslöser
In ca. 10 Prozent der Headshaking-Fälle liegen Erkrankungen oder die Einflüsse äußerer Faktoren vor. Dazu gehören u. a.:
- Tumor oder Entzündung der Nasengänge
- Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis)
- Augen- oder Tränenkanalerkrankungen
- Zahnerkrankungen
- Ohrerkrankungen (häufig Milben – dazu erfahren Sie in unserem Ratgeber „Milben beim Pferd: Wenn das Fell juckt“)
- Allergien (Pollen, Staub, Stiche – laut der Tierärztlichen Hochschule Hannover sind 60 Prozent der betroffenen Pferde saisonale Headshaker)
- Hormonelle Schwankungen bei Stuten
- Unpassendes Equipment (Sattel, Trensengebiss etc.)
- Nebenwirkungen von Medikamenten
Das sind nur die am häufigsten genannten Auslöser. Es gibt noch eine Reihe weiterer Erkrankungen, die insbesondere durch Schmerzweiterleitung in den Nerven beim Pferd Headshaking verursachen.9,10
3. Unklare Ursachen durch Nervenreizung
Unter dem Begriff „idiopathischer Auslöser“ steckt, dass kein klarer Grund genannt werden kann. Meist ist die Behandlung nicht unmöglich, aber etwas schwieriger. Leider werden 90 Prozent der Ursachen von Headshaking dem idiopathischen Bereich zugeordnet.11
Besonders häufig wird das Nervensystem verantwortlich gemacht. Dazu gehören Pferde, die auf Lichtreize durch einfallendes Sonnenlicht oder den Wechsel zwischen Licht und Schatten reagieren. Sie suchen gern den Schatten auf. Andere Pferde reagieren auf Wetter- und Umweltreize mit dem Schütteln des Kopfes.
Dabei fällt immer häufiger eine Bezeichnung: Trigeminal-mediated Headshaking. Hierbei handelt es sich um eine Überreizung des großen Gesichtsnervs, die sehr schmerzhaft ist. In der Humanmedizin ist das trigeminal-vermittelte Headshaking als Trigeminus-Neuralgie bekannt. Die Behandlung ist bedauerlicherweise recht kompliziert.12
Da das Shaking nicht immer auftritt, kann es für den Tierarzt hilfreich sein, das Pferd immer, wenn es den Kopf schüttelt, zu filmen und die äußeren Umstände sowie die Häufigkeit aufzuschreiben.
Der Fachmann wird sich das Pferd zudem vorführen, longieren und ggf. auch reiten lassen und einen Blick auf das Equipment werfen. Danach werden Kopf (innen und außen) sowie der Rest des Körpers genau untersucht. Führt dies nicht zu einem eindeutigen Ergebnis, können Blutuntersuchungen und bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Röntgen notwendig sein.
Besteht der Verdacht einer Reizung des großen Gesichtsnervs, können eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeit oder eine Betäubung des Nervs Aufschluss geben. 13
Wie das Pferd mit Headshaking behandelt wird, richtet sich nach der Ursache und kann daher sehr individuell sein. Liegt eine Erkrankung vor, wird diese mit entsprechenden Medikamenten behandelt und das Kopfschütteln verschwindet.14
Liegt Stress vor, ist es wichtig, den Auslöser zu finden und diesen abzustellen. Meist verschwindet das Shaking damit auch, wenn das Pferd zur Ruhe gekommen ist. Bei Allergien können Antihistaminika helfen.15
Mehr zur Behandlung von Allergien erfahren Sie in unserem Ratgeber: „Allergie: Pferd reagiert empfindlich auf seine Umwelt“.
Beim idiopathischen Headshaken wird es dann komplexer. Hier gilt es vor allem, Symptome zu lindern und Schmerzen zu minimieren. Bei Headshakern, die auf Licht, Pollen oder andere Umwelteinflüsse reagieren, haben sich Nasennetze, Masken mit UV-Schutz oder Fransen, die am Halfter befestigt werden, bewährt.16
Bei der Überreizung des Trigeminus gibt es keine Medikamente speziell für Pferde. Mit drei Medikamenten aus der Humanmedizin haben sich aber Erfolge bei der Schmerzbehandlung eingestellt: Cyproheptadin, Carbamazepin und Gabapentin. Allerdings kann es bei allen drei Mitteln zu Nebenwirkungen kommen.
Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist die PENS (perkutane elektrische Nervenstimulation). Dabei wird der Trigeminusnerv durch elektrische Spannung desensibilisiert. Das Pferd ist dabei sediert und die Stimulation wird mehrfach wiederholt, bis sich Erfolge einstellen. Bis jetzt haben die Pferde keine Nebenwirkungen davon.
Ist die Trigeminusneuralgie besonders schlimm und die Lebensqualität so stark eingeschränkt, dass das Tier kurz vor dem Einschläfern steht, hat sich eine operative Schädigung des Nervs durch eine kleine Metallspirale bewährt. Diese findet allerdings nur als letzter Ausweg statt.17
Da Fachleute bisher nicht ausschließen können, dass die idiopathischen Headshaker genetisch vorbelastet sind, ist eine Vorbeugung nahezu unmöglich. Was immer gilt: eine artgerechte Haltung mit genügend Bewegung, qualitativ hochwertigem Raufutter, sauberem Wasser, leistungsgerechtem Training, stressfreiem Sozialleben und einem reizarmen Stallklima. Wenn Sie wissen wollen, warum das Stallklima für Pferde so wichtig ist, lesen Sie unbedingt unseren Ratgeber „Das optimale Stallklima für Ihr Pferd“.18
Vergessen Sie vorrangig nicht, dass die Qualität des Futters einen besonderen Stellenwert für die Gesundheit Ihres Pferdes hat. Dabei ist nicht nur darauf zu achten, dass es schimmelfrei ist, sondern auch, dass es genügend Vitamine und Spurenelemente hat. Besonders B-Vitamine und Magnesium sind für die Nerven wichtig. Manchmal ist die Verwendung eines Mineralfutters notwendig.19
Es ist allerdings nicht sinnvoll, einfach nach Belieben Zusatzfutter zu verwenden. Zum einen kann ein Bluttest beim Tierarzt Aufschluss darüber geben, was an Nährstoffen fehlt. Ein Blutbild zeigt allerdings nur den aktuellen Mineralstoffstatus am Tag der Probenentnahme.
Der Test „Haarmineralanalyse: Haaranalyse für Ihr Pferd“ bildet dagegen die Versorgung über mehrere Wochen oder Monate ab. Denn die Probe kommt von dem Ort, an dem die Nährstoffe in richtiger Menge vorhanden sein sollten. Sie eignet sich daher besonders zur Erkennung eines Mangels und hilft Ihnen zu erkennen, welche Ergänzungen beim Futter notwendig sind.
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Headshaking bei Pferden kann die unterschiedlichsten Ursachen haben. Um herauszufinden, ob Erkrankungen, Stereotype oder eine Überreizung der Nerven vorliegen, ist es wichtig, dass Sie Ihr Pferd beobachten. Dabei sind Zeit, Häufigkeit, weitere Symptome, Verstärkung der Symptome und Intensität des Schüttelns besonders wichtig, um eine Behandlung durch einen Tierarzt beginnen zu können.
Nicht immer kann eine genaue Ursache gefunden werden. Hier gilt es vor allem, die Symptome zu lindern und sicherzustellen, dass das Pferd schmerzfrei ist. Es kann manchmal dauern, bis Sie und Ihr Tierarzt die richtige Behandlung für Ihr Pferd gefunden haben, aber es lohnt sich, für das Wohlbefinden und die Lebensqualität Ihres Tieres alles zu versuchen.
Quellen:
1 Vgl.: Cavallo: Die 100 wichtigsten Pferdekrankheiten, Müller Rüschlikon Verlag, 1. Auflage 2023, S. 132 ff.
2 Vgl.: Dr.med.vet. Dülffer-Schneitzer: Pferde Gesundheitsbuch, FN Verlag, 5. Auflage 2024, S. 368 ff.
3 Vgl.: a.o.O.
4 Vgl.: Lexa-Pferdefutter.de: Headshaking, 31.10.2023, abgerufen am 19.02.2026.
5 Vgl.: Dr.med.vet. Dülffer-Schneitzer: Pferde Gesundheitsbuch, FN Verlag, 5. Auflage 2024, S. 368 ff.
6 Vgl.: hipposport.de: Headshaking beim Pferd-Ein Blick hinter das rätselhafte Verhalten, 21.10.2023, abgerufen am 19.02.2026.
7 Vgl.: a.o.O.
8 Vgl.: a.o.O.
9 Vgl.: Dr.med.vet. Dülffer-Schneitzer: Pferde Gesundheitsbuch, FN Verlag, 5. Auflage 2024, S. 368 ff.
10 Vgl.: Lexa-Pferdefutter.de: Headshaking, 31.10.2023, abgerufen am 19.02.2026.
11 Vgl.: Cavallo: Die 100 wichtigsten Pferdekrankheiten, Müller Rüschlikon Verlag, 1. Auflage 2023, S. 132 ff.
12 Vgl.: Pferdeklinik Tappendorf: Mein Pferd ist Headshaker!, abgerufen am 19.02.2026.
13 Vgl.: hipposport.de: Headshaking beim Pferd-Ein Blick hinter das rätselhafte Verhalten, 21.10.2023, abgerufen am 19.02.2026.
14 Vgl.: a.o.O.
15 Vgl.: Lexa-Pferdefutter.de: Headshaking, 31.10.2023, abgerufen am 19.02.2026.
16 Vgl.: Pferdeklinik Tappendorf: Mein Pferd ist Headshaker!, abgerufen am 19.02.2026.
17 Vgl.: Cavallo: Die 100 wichtigsten Pferdekrankheiten, Müller Rüschlikon Verlag, 1. Auflage 2023, S. 132 ff.
18 Vgl.: Dr.med.vet. Dülffer-Schneitzer: Pferde Gesundheitsbuch, FN Verlag, 5. Auflage 2024, S. 368 ff.
19 Vgl.: a.o.O.