
Weidehygiene: Parasiten bei Pferden vermeiden
Von Geburt an haben Pferde Kontakt mit den verschiedensten Parasiten. Als Fohlen über die Mutter oder spätestens, wenn sie neben Mama das erste Gras zupfen. Den Großteil ihrer Nahrung nehmen Pferde vom Boden auf und bei artgerechter Haltung sind sie viel draußen, mit der Nase am Boden, fressend oder erkundend.
Eine geringe Belastung mit Parasiten kann daher schon als normal bezeichnet werden. Allerdings darf diese Belastung nicht zu hoch werden, da die Endoparasiten zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen können. 1
Neben der Entmistung der Pferdeboxen ist eine entsprechende Weidehygiene das beste Mittel, um den Befall von Parasiten bei Pferden zu verringern. Wie das Hygienemanagement von Weiden aussieht, welche Parasiten besonders häufig bei Pferden auftreten und was dagegen zu tun ist, haben wir in diesem Artikel für Sie zusammengestellt.
Inhalt

Weidehygiene: So geht’s
Neben dem Hygienemanagement im Pferdestall ist die Weidehygiene zur Gesunderhaltung der Pferde unerlässlich. Der wichtigste Beitrag zur Weidehygiene für Pferde ist das Abäppeln. Hierbei wird der Pferdekot mit Bollensammlern (in Form von „Mistfix“, Gabel etc.) und Schubkarren aufgesammelt. Im Idealfall wird täglich abgeäppelt, mindestens aber 2- bis 3-mal in der Woche. 2
Larven und Eier von Parasiten werden über den Kot der Pferde ausgeschieden und wandern dann in den Boden, bis sie erneut von Pferden aufgenommen werden. Viele Endoparasiten können über ein Jahr im Boden verweilen. Das Absammeln des Kots verhindert z. T., dass die Larven in den Boden wandern können und auch die Eier werden gleich weg gesammelt. Das Infektionsrisiko für Magen-Darm-Parasiten wird also erheblich gesenkt. 3
Der zweite wichtige Aspekt zur Weidehygiene ist das gemeinsame Entwurmungskonzept. Jedes Pferd auf der Weide sollte entweder selektiv (Entwurmen nach Bedarf, Wurmtest beim Tierarzt) oder alle 3 Monate prophylaktisch entwurmt werden. Damit wird die Belastung mit Endoparasiten für alle Pferde gleich gering. Zudem scheiden die Pferde weniger Parasiten und Würmer aus und stecken sich nicht immer wieder gegenseitig an. 4
Neuzugänge in der Herde sollten unbedingt auf Würmer untersucht und in das Entwurmungskonzept eingegliedert werden.

Weidehygiene bei Pferden: Diese Tipps unterstützen die Eindämmung von Parasiten
Neben dem Abäppeln und dem einheitlichen Entwurmungskonzept empfiehlt sich ein gutes Weidemanagement. Das bedeutet: 5
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Pferde die Weiden regelmäßig wechseln lassen (Rotation), um eine Überweidung zu vermeiden und die Parasitenbelastung zu verringern.
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Kalkstickstoff auf der Weide verteilen (Wichtig: Pferde erst ca. 14 Tage nach dem Kalken auf die Wiese lassen).
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Wechselbeweidung mit Rindern: Diese nehmen die Parasiten auf, die Pferden schaden. Den Rindern schaden die Parasiten nicht, da sie wirtsspezifisch nicht im Rind heranreifen und daher versterben.
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Im Idealfall hat die Weide ein Jahr keine Beweidung. Nach diesem Zeitraum sind alle vorhandenen Parasiten abgestorben.
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Keine Düngung der Weiden mit unbehandeltem Pferdemist. Ansonsten werden die Parasiten einfach auf der Weide verteilt.
Tränken und Futtertröge regelmäßig reinigen.
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Standorte von Heuhaufen und Tränkewagen regelmäßig wechseln.

Kleiner Exkurs: Parasiten bei Pferden
Es gibt einige Parasiten, insbesondere Endoparasiten (in Magen und Darm lebend), die Pferde gesundheitlich zu schaffen machen können. Wir stellen Ihnen die häufigsten Parasiten beim Pferd vor.
Magendasseln beim Pferd
Magendasseln sind ca. 18 mm große Fliegen, deren Larven im Magen von Pferden heranreifen und über den Kot wieder ausgeschieden werden. Die weibliche Fliege klebt mit ihrem Sekret leuchtend gelbe Eier an die Beine, Mähne, Hals oder Brust des Pferdes. Diese werden vom Pferd entweder über die Mundschleimhaut aufgenommen oder die Larven bohren sich beim Schlüpfen durch die Haut und gelangen über Blutgefäße in den Magen. Im Magen saugen sie sich an der Magenwand fest und reifen 8 bis 10 Monate heran, bis sie über den Kot ausgeschieden werden. In diesem Zeitraum können die Dassellarven Entzündungen, Magengeschwüre und Koliken auslösen.
Um die Infektionsgefahr zu verringern, müssen die Eier mit scharfen Klingen vom Fell oder der Mähne abgetrennt werden. Eine Befeuchtung über mehrere Tage mit heißem Wasser kann auch helfen. Zudem empfiehlt es sich, eine spezielle Wurmkur im Zeitraum vom Dezember bis März zu verabreichen, um die Larven im Magen abzutöten. 6
Spulwürmer beim Pferd
Ältere Pferde haben häufig schon eine gute Widerstandskraft gegen diese lästigen Parasiten. Fohlen und Jungpferde haben häufiger mit Spulwürmern zu tun. Der Spulwurm kann bis zum 35 cm lang und bleistiftdick werden. Die Eier der Spulwürmer werden über Futter oder Wasser aufgenommen. Besonders wohlfühlen sich die Würmer im Dünndarm und in der Lunge. Dort können sie Entzündungen und Blutungen auslösen. Eier und Würmer werden über den Kot ausgeschieden.
Wird ein Befall mit Spulwürmern bemerkt, ist es unerlässlich, dass das Pferd schnellstmöglich eine entsprechende Wurmkur bekommt. 7
Blutwürmer beim Pferd
Die häufigsten Parasiten bei Pferden sind tatsächlich Blutwürmer. Ihr Name rührt von ihrer Färbung, die wirklich von dem gesaugten Blut der Darmwand stammt. Blutwürmer werden 15 bis 45 mm lang und fühlen sich im Blind- und Dickdarm des Pferdes am wohlsten. Sie können Fieber, Koliken und Blutgefäßverstopfungen verursachen.
Über den Kot werden die Larven der Blutwürmer ausgeschieden. Sie krabbeln Grashalme hinauf und werden so erneut vom Pferd durch die Nahrung aufgenommen. Allerdings können sie nur 3 Monate draußen überleben. Daher ist Weiderotation ein gutes Mittel gegen Blutwürmer. 8
Wird der Befall mit Blutwürmern bemerkt, hilft auch hier nur eine entsprechende Wurmkur.
Bandwurm bei Pferden
Bandwürmer fallen selten bei Pferden im Kot auf. Manchmal lösen sich Teile vom Bandwurm, aber da müssen Pferdehalter sehr genau hinschauen. Dieser Parasit wird 4 bis 80 cm lang. Pferde magern durch ihn stark ab, bekommen Durchfall oder Koliken.
Wird ein Bandwurm beim Pferd nachgewiesen, meist auf Verdacht durch eine Kotuntersuchung, hilft dagegen nur eine entsprechende Wurmkur. 9
Zecken beim Pferd
Der stechende, achtbeinige Parasit ist mittlerweile das ganze Jahr aktiv. Ab 8 °C krabbeln Zecken die Gräser hoch, um einen passenden Wirt zu finden. Sie sitzen mehrere Tage am Pferd, bis sie mit Blut vollgesogen sind.
Das Einzige, was gegen Zecken hilfreich ist, ist das tägliche Absuchen des Pferdes und vollständige Entfernen der Zecke mit einer Zeckenzange. Je früher die Zecke entfernt wird, desto besser. Wird die Stichstelle rot, schwillt an und das Pferd zeigt Schmerzen, ist Rat vom Tierarzt angebracht.
Zecken übertragen gefährliche Krankheiten wie Borreliose und FSME. Borrelien sind Bakterien, die viele unspezifische Symptome wie Lahmheiten, Entzündungen und Muskelschwäche auslösen können. FSME wird durch Viren aus der Zecke ausgelöst. Dabei handelt es sich um eine Hirn- und Rückenmarksentzündung. 10
Jedes dritte Pferd hat in seinem Leben Kontakt zu Borrelien. Mache Infektionen bleiben unentdeckt. Gegen FSME und Borreliose gibt es seit 2015 Impfungen. Es empfiehlt sich, Pferde in Regionen mit hoher Zeckenbelastung gegen beides impfen zu lassen. 11

Fazit: Weidehygiene für Pferde
Parasiten gibt es in vielen Varianten und können bei Pferden ernsthafte gesundheitliche Probleme verursachen. Durch eine gute Weidehygiene mit regelmäßigem Abäppeln und einem Weidewechsel kann die Gefahr von Infektion mit Endoparasiten verringert werden. Gegen Zecken hilft nur tägliches Absuchen und Entfernen, um gefährlichen Erkrankungen vorzubeugen.
Zudem ist ein gemeinsames Entwurmungskonzept hilfreich, damit Pferde alle eine gleich hohe Wurmlast haben und sich immer wieder gegenseitig anstecken.

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Quellen
1 Vgl.: Richtlinien für Reiten und Fahren, Band 4, FN Verlag, 2021, S.196 f.
2 Vgl.: pferd-aktuell.de, Hygieneleitfaden Pferd, Deutsche Reiterlicher Vereinigung e. V., S.10 (abgerufen am 11.12.2024).
3 Vgl.: FN-Praxishandbuch für Pferdehalter, FN Verlag, 2018, S.131ff.
4 Vgl.: pferd-aktuell.de, Hygieneleitfaden Pferd, Deutsche Reiterlicher Vereinigung e. V., S.10 (abgerufen am 11.12.2024).
5 Vgl.: ESCCAP, Wichtige Hygienemaßnahmen gegen Wurmbefall beim Pferd, Juli 2023 (abgerufen am 11.12.2024).
6 Vgl.: a. a. O.
7 Vgl.: Richtlinien für Reiten und Fahren, Band 4, FN Verlag, 2021, S.275 ff.
8 Vgl.: a. a. O.
9 Vgl.: a. a. O.
10 Vgl.: Stehle, Christiane, Dr. med. vet.,Zecken – ungewollte Mitbewohner, Tierärztliche Praxis für Pferde, Region Hegau / Bodensee / Südschwarzwald (abgerufen am 11.12.2024).
11 Vgl.: FN-Praxishandbuch für Pferdehalter, FN Verlag, 2018, S. 61f.