
Wie lagert man Heu und Stroh am besten?
Raufutter, wie Heu, Heulage, Silage und Futterstroh – welches auch als Einstreu dient -, ist die wichtigste Nahrung für Pferde. Es wird gewissenhaft darauf geachtet, wie es angebaut und geerntet wird, damit es von hoher Qualität ist. Pferde sind durch ihren komplexen Magen-Darm-Trakt sehr anfällig, was verunreinigtes Futter angeht.
Qualitativ hochwertige Einstreu und Heu, Heulage und Silage können diese Qualität nur behalten, wenn sie optimal gelagert werden.1 Daher ist es für Pferdehalter von Nutzen, wenn sie wissen, welche Anforderungen an Heu- und Strohlager gestellt werden.
Erfahren Sie in diesem Ratgeber, welche baulichen Anforderungen an ein Raufutterlager gestellt werden, und wie das Heu und Stroh dort ideal gelagert werden können.
Inhalt

Heu- und Strohlager: Erd- oder deckenlastig?
Wie und wo ein Lager für Heu und Stroh angelegt wird, hängt von folgenden Faktoren ab 2:
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Verfügbare Nutzfläche
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Größe des Betriebs
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Geländeformation (bergig oder flach)
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Möglicher Arbeitsaufwand
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Bestmögliche Erhaltung der Qualität
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Schutz vor Diebstahl, Beschädigung und Brandstiftung.
Die Größe des Pferdebetriebs gibt vor, wie viel Heu und Stroh eingelagert werden sollten. Für Heu und Stroh bietet es sich an, ein Lager für 1 Jahr anzulegen (von Ernte zu Ernte). Pro Pferd von 600 kg Körpergewicht sind das bis zu 25 m³ im Jahr.3
Erdlastige Lagerung von Heu und Stroh bietet sich an, wenn genug Fläche vorhanden ist. Erdlastig bedeutet, dass das Raufutter ebenerdig eingelagert wird. Zudem schafft diese Art der Lagerung einfachere Arbeitsbedingungen für das Ausladen von Heu und Stroh.
Deckenlastige Lagerung bedeutet, dass Heu und Stroh auf den Dachböden eines Gebäudes verbracht werden. Gerade bei wenig Nutzfläche in bergiger Landschaft bietet sich diese Art an.

Bauliche Anforderungen an Heu- und Strohlager
Neben der Anforderung an Fläche und Größe des Pferdebetriebs sind auch die baulichen Anforderungen an die Raufutterlager entscheidend für eine sichere und qualitativ gute Aufbewahrung.
Sowohl erd- als auch deckenlastige Lagerungen sollten trocken, gut belüftet, im Idealfall überdacht – keine Löcher im Dach – oder sogar komplett geschlossen sein. Gute Belüftung und Trockenheit sorgen dafür, dass sich kein Schimmel bildet und die Ballen verderben. Zudem besteht eine geringere Gefahr, dass sich die Ballen erwärmen und es zu einer Selbstentzündung kommt.
Da sich Schadnager wie Ratten und Mäuse schnell in Heu- und Strohlager einnisten, ist es empfehlenswert, diese fernzuhalten. Ein paar Stallkatzen sind hier von Nutzen. 5
Bei den Gebäuden, die zur Lagerung genutzt werden, sollte unbedingt ausgeschlossen werden, dass darin Asbest verbaut wurde. Nicht nur für Menschen ist es hochgradig schädlich, sondern auch für Pferde – nicht nur beim Einatmen, sondern auch beim Fressen.
Bei der erdlastigen Lagerung sind breite und tragfähige Zufahrten von Vorteil, um mit den landwirtschaftlichen Geräten gut daran zu kommen.
Bei der deckenlastigen Lagerung ist die Tragfähigkeit der Decke entscheidend. Ein Ballen wiegt leicht mehrere Kilos. Und je nach Ballenmenge kommen dabei mehrere Tonnen Last zusammen. Zudem sollte keine direkte Sonneneinstrahlung auf den Dachboden möglich sein, um das Raufutter nicht zu sehr zu erwärmen.5

Raufutterlager: Brandschutz ist unerlässlich
Bei dem Errichten eines Heu- und Strohlagers muss der Brandschutz unbedingt beachtet werden. Der kleinste Funken reicht und das Lager steht in Flammen. Neben mutwilliger Brandstiftung gibt es folgende Gründe für einen Brand im Raufutterlager 6:
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Technische Defekte durch veraltete Stromleitungen oder Staub auf Licht- und Wärmequellen
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Selbstentzündung (falsche Luftzirkulation und zu hohe Feuchtigkeit nach dem Einbringen von Heu und Stroh)
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Rauchen
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Blitzschlag
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Funken durch technische Arbeiten oder Hufschmiede.
Um diese Gefahren zu minimieren, bieten sich folgende Maßnahmen an:
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Allgemeines Rauchverbot
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Einwandfreier Zustand elektrischer Anlagen durch regelmäßige Überprüfung
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Schmiedeplatz in mindestens 10 m Entfernung (so lange reicht der Funkenflug)
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Heusonden zur Überwachung der Temperatur von Heu und Stroh nach Einlagerung (mindestens 14 Wochen).
Das Heu- und Strohlager befindet sich im besten Fall in genügend Abstand zu anderen Gebäuden. Breite, nach außen aufschlagbare Türen erleichtern im Fall des Falles das Löschen.

Strohlager im Stall
Das Stroh- und Heulager ist bestenfalls nicht im selben Gebäude wie der Stall und die Reithalle. Zum einen sind die Pferde im Falle eines Brandes geschützter, da es nicht im selben Gebäude brennt. Zum anderen bringt die Lagerung eine gewisse Staubbelastung mit sich, die für das Stallklima und damit auch für die Gesundheit der Pferde nicht von Vorteil ist.7

Heulagerung im Freien: Das gibt es zu beachten
Heu und Stroh im Freien zu lagern, ist nicht ideal. Es ist der Witterung, Nagern und Vögeln und damit Beschädigung oder Unbrauchbarmachung ausgesetzt. Manchmal lässt sich die Lagerung draußen durch fehlenden Platz nicht verhindern. 8
Damit nicht jeder Ballen, der draußen gelagert wird, durch die Qualitätsprüfung fällt, kann Folgendes beachtet werden 9:
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Genügend Bodenabstand herstellen, damit Nager nicht drankommen und die Ballen von unten nicht nass und verschmutzt werden.
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Planen allein schützen zwar vor Nässe, sorgen aber gern für Kondenswasser. Ein Vlies zum Abdecken bietet sich hier an.
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Regelmäßige Temperaturkontrolle, damit es nicht zu Fehlgärungen bei Silage oder Selbstentzündung des Heus kommt.
Auch der Brandschutz ist bei draußen gelagertem Raufutter essenziell. So empfiehlt es sich, dass sich das gelagerte Heu und Stroh in einem Abstand von 50 m zu Mooren, Wäldern und Heideland befindet, und im Abstand von 25 m zu anderen Gebäuden, öffentlichen Verkehrswegen und Hochspannungsleitungen. 10

Nützliche Tipps zur Lagerung von Heu und Stroh
Damit Heu und Stroh ihre hervorragende Qualität, die sie beim Einlagern im Idealfall aufweisen, behalten, gibt es ein paar Dinge, die es zu beachten gilt.
Kondenswasser ist der Auslöser für die Bildung von Schimmel und damit der Grund, Heu oder Stroh nicht mehr nutzen zu können. Kondenswasser entsteht, wenn Heu und Stroh zu dicht gestapelt oder auf dem Boden gelagert werden. Die Luft kann nicht gut zirkulieren und überschüssige Feuchtigkeit abtransportieren. Eine weniger enge Stapelung und mindestens 30 cm Bodenabstand sind hilfreich. Den Bodenabstand erreicht man gut mit Paletten und auf Steinen gelagerten, stabilen Brettern.
Heulage und Silage wird, da sie in Folie gewickelt ist, meist im Freien gelagert. Hier empfiehlt es sich, eine Sandschicht darunter aufzuhäufen, um Nager fernzuhalten. 11

Fazit: Wie lagert man Heu und Stroh am besten?
Heu- und Strohlager sind so beschaffen, dass sie die Qualität des Raufutters nicht mindern. Das bedeutet, dass sie trocken sind und für eine gute Belüftung besitzen, damit Schimmel und Fäulnis das Raufutter nicht verderben.
Der Schutz vor Nagern und Vögeln durch Katzen hilft dabei, vermeintliche Krankheitserreger fernzuhalten.
Die Lagerung von Heu und Stroh draußen ist nicht ideal, aber unter den von uns genannten Voraussetzungen möglich. Hier empfehlen wir allerdings, jeden Ballen vor Nutzung genauestens zu kontrollieren, damit keine Keime in den Pferdemagen geraten.

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Quellen:
1 Vgl.: Hoffman, Gerlinde: Pferdehaltung, Ställe und Reitanlagen. FN Verlag, 2019, S.156 ff.
2 Vgl.: Bender, Ingolf: Pferdehaltung und Fütterung, Kosmos Verlag, 2022, S. 361ff.
3 Vgl.: Richtlinien für Reiten und Fahren, Band 4, FN Verlag, 2021, S. 183 ff.
4 Vgl.: Bender, Ingolf: Pferdehaltung und Fütterung, Kosmos Verlag, 2022, S. 361ff.
5 Vgl.: Hoffman, Gerlinde: Pferdehaltung, Ställe und Reitanlagen. FN Verlag, 2019, S.156 ff.
6 Vgl.: a. a. O., S. 57 f.
7 Vgl.: a. a. O., S. 156 ff.
8 Vgl.: Bender, Ingolf: Pferdehaltung und Fütterung, Kosmos Verlag, 2022, S. 361ff.
9 Vgl.: a. a. O.
10 Vgl.: Dietbert, Arnold: Pferdewirtprüfung Bd.2 - nachhaltige Fütterung, Books on Demand, 2019, S.176.
11 Vgl.: Hoffman, Gerlinde: Pferdehaltung, Ställe und Reitanlagen. FN Verlag, 2019, S.156 ff.