Aus welchem Wasserwerk kommt mein Trinkwasser? Trinkwassergewinnung, Wasseraufbereitung, lokale Wasserherkunft herausfinden
Trinkwasser ist für die allermeisten Menschen in Deutschland ein selbstverständlich zur Verfügung stehendes Gut. Doch woher kommt das Trinkwasser eigentlich und wie wird es gewonnen und aufbereitet? Wie können Sie herausfinden, in welchem Gebiet und Wasserwerk Ihr Leitungswasser gefördert wird? Die Antworten erhalten Sie hier. (Stand Januar 2026)
Inhalt
Woher kommt unser Trinkwasser? Die Grundlagen der Trinkwasserversorgung
In Deutschland werden etwa 70 Prozent des Trinkwassers aus Grund- und Quellwasser gewonnen.1 Die restlichen 30 Prozent verteilen sich auf Oberflächenwasser aus Flüssen, Seen und Talsperren, angereichertes Grundwasser und Uferfiltrat. Diese Herkunftsverteilung kann jedoch stark je nach geografischer Lage und geologischen Gegebenheiten der jeweiligen Region variieren.
Die wichtigsten Quellen für Trinkwasser in Deutschland
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Grundwasser: Grundwasser bildet sich überwiegend durch versickerndes Regenwasser, das durch Erd- und Gesteinsschichten gefiltert wird. Daher hat Grundwasser in der Regel bereits eine höhere Reinheit als Oberflächenwasser. Dies gilt besonders für Grundwasserleiter, die sich in großen Tiefen oft über Jahrtausende gebildet haben. Oberflächennahes Grundwasser kann dagegen verstärkt mit Schadstoffen wie Nitrat und Pestiziden (intensive Landwirtschaft) sowie Industrieschadstoffen belastet sein (Altlasten, Bergbau etc.).2 Die Grundwasserförderung findet meist in Wasserschutzgebieten statt, die eine Kontamination des Wassers verhindern sollen. Grundwasser kann nach entsprechender Genehmigung auch zur eigenständigen Versorgung mit Trinkwasser über einen privaten Trinkwasserbrunnen genutzt werden.
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Oberflächenwasser: Oberflächenwasser zur Trinkwassergewinnung stammt aus Seen, Flüssen und Talsperren. Das Wasser ist verstärkt Umwelteinflüssen wie Schadstoffeinträgen über die Luft und Zuflüsse ausgesetzt. Keimbelastungen durch Wasservögel oder fäkale Verunreinigungen sind bei Oberflächenwasser häufiger. Deshalb benötigt Oberflächenwasser in der Regel eine intensive Wasseraufbereitung. Oberflächenwasser wird vor allem in Gebieten mit wenig Grundwasservorkommen genutzt. Trinkwassertalsperren dienen neben der Grundversorgung in einigen Regionen auch dem Hochwasserschutz und zum Ausgleich von Versorgungs- und Nachfrageschwankungen.
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Uferfiltrat: Uferfiltrat entsteht, wenn Wasser aus Flüssen oder Seen Grundwasser in der Nähe der Gewässer bildet. Dabei wirkt der Boden als natürlicher Filter. Diese Wasserart liegt vom Reinheitsgrad etwa zwischen Grund- und Oberflächenwasser.
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Angereichertes Grundwasser: Bei der Anreicherung von Grundwasser wird Grundwasser künstlich mit Oberflächenwasser angereichert und dann zusammen mit diesem gefördert und aufbereitet. Bei der Anreicherung sickert das Oberflächenwasser in der Regel durch Bodenschichten, welche zumindest für eine grobe Reinigung des Wassers sorgen.3
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Quellwasser: Quellwasser tritt natürlich an der Erdoberfläche aus und ist oft von besonders hoher Reinheit (abhängig vom Ursprung der Quelle). Verfügbare Quellen für die Trinkwassergewinnung sind in bergigen Regionen in der Regel häufiger als im Flachland.
Wie wird Trinkwasser gewonnen und aufbereitet? Der Weg vom Rohwasser zum Trinkwasser
Die Trinkwassergewinnung ist ein mehrstufiger Prozess, der höchsten Standards unterliegen muss. Maßgeblich für die erforderlichen Schritte und zulässigen Verfahren der Trinkwasseraufbereitung ist in Deutschland die Trinkwasserverordnung (TrinkwV). Nachdem das Rohwasser aus dem Grundwasserleiter oder aus anderen Quellen entnommen wurde, durchläuft es oft verschiedene Aufbereitungsschritte. Ob und wie diese angewendet werden müssen, hängt jedoch stark von der Qualität des Rohwassers ab. Mitunter benötigt dieses auch so gut wie keine Aufbereitung. Nachfolgend erhalten Sie einen groben Überblick über die möglichen Schritte der Wasseraufbereitung und die „Trinkwasserherstellung”:4, 5
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Entnahme: Das Rohwasser wird aus Grundwasserbrunnen, Oberflächengewässern oder Quellen entnommen
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Vorfiltration: Grobe Partikel und Verunreinigungen werden unter anderem mit Rechen und Sandfiltern entfernt.
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Aufbereitung: Je nach Wasserqualität werden verschiedene Schritte bzw. Verfahren wie Belüftung, Entsäuerung, pH-Wert-Stabilisierung, Enteisenung und Entmanganisierung vorgenommen.
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Desinfektion: Um die hygienische Qualität des Trinkwassers herzustellen und diese auf dem Transport zum Verbraucher zu sichern, wird Trinkwasser teilweise zum Beispiel mit UV-Licht desinfiziert. Einige Wasserversorger setzen auch geringe Mengen Chlor zur Desinfektion ein.
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Speicherung: Oft wird Trinkwasser in großen Becken oder Hochbehältern gespeichert, um Nachfrageschwankungen auszugleichen.
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Verteilung: Transport durch das Leitungsnetz zu den Endverbrauchern mit Hilfe von Pumpen oder durch natürliches Gefälle (z. B. Hochbehälter).
Wichtig zu wissen: Der Gesamtprozess der Wasseraufbereitung kann sehr komplex sein und erfordert in der Regel an die Beschaffenheit des Rohwassers angepasste Verfahren. Genaue Informationen zur Wasseraufbereitung Ihres Leitungswassers erhalten Sie meistens von Ihrem Wasserversorger.
Aus welchem Wasserwerk kommt mein Trinkwasser? Tipps zur Ermittlung der Herkunft
Um die genaue Herkunft Ihres Trinkwassers zu ermitteln, gibt es unter anderem die folgenden Möglichkeiten:
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Kontaktieren Sie Ihren lokalen Wasserversorger: Der zuständige Versorger ist auf Ihrer Wasserrechnung vermerkt. Viele Wasserversorger haben eine telefonische Kundenhotline, deren Mitarbeiter in der Regel auch Auskünfte zur Herkunft und Aufbereitung des Wassers geben können.
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Webseite des Wasserversorgers: Die meisten Wasserversorger veröffentlichen Informationen zur Wasserförderung, Wasseraufbereitung und Wasserherkunft ebenso online. Dort stehen oft auch detaillierte Analysedaten des Trinkwassers mit Parametern wie Wasserhärte, Nitratgehalt und Messwerten für Schwermetallbelastungen zur Verfügung. Größere Wasserversorger betreiben meist mehrere Förderbrunnen oder speisen Wasser aus unterschiedlichen Quellen (z. B. Grundwasser, Oberflächenwasser) ein. Folglich kann ein Wasserversorger unterschiedliche Gebiete auch mit Wasser aus unterschiedlichen Quellen versorgen. Konkrete Angaben zur Herkunft Ihres Trinkwassers erhalten Sie daher mitunter über Online-Eingabemasken mit Adressabfrage.
Wichtig zu wissen: Viele Wasserversorger nutzen ein Verbundsystem, welches Wasser aus Brunnen und Quellen in unterschiedlichen Gebieten fördert. Bei der Wasserverteilung kann es daher zu zeitweiligen Änderungen und Abweichungen der Wasserherkunft und zur Mischung von Wasser aus verschiedenen Fördergebieten kommen.
Eine interaktive Karte mit Links zur Wasserqualität der 25 größten deutschen Städte finden Sie in unserem Ratgeber „Die Wasserqualität in deutschen Städten”.
Regionale Unterschiede bei der Trinkwasserversorgung
Obwohl generelle Aussagen zur Herkunft des Trinkwassers in bestimmten Regionen schwierig sind, bietet die folgende Übersicht doch einige grobe Anhaltspunkte und Infos:
Norddeutschland
In den Küstenregionen und übrigen Gebieten Norddeutschlands überwiegt die Grundwasserförderung zur Trinkwasserversorgung. So gewinnen beispielsweise die Stadtwerke Hamburg ihr Trinkwasser zu 100 Prozent aus Grundwasser, das in verschiedenen Wasserwerken aufbereitet wird.6
Mittelgebirgsregionen
In Gegenden mit Mittelgebirgen wie dem Harz oder der Eifel wird häufiger Talsperrenwasser in Kombination mit lokaler Grundwasserförderung genutzt. Die Talsperren liefern jedoch auch Trinkwasser an weiter entfernte Städte wie Bremen und Hildesheim (Harz-Talsperren).
Süddeutschland
Bayern und Baden-Württemberg nutzen verstärkt Quellwasser und Grundwasser aus tieferen Schichten. Die Stadtwerke München beziehen ihr Wasser beispielsweise zu einem Großteil aus Quellen des bayerischen Alpen- und Voralpenlandes.5
Warum ist die Herkunft des Trinkwassers überhaupt wichtig?
Die Herkunft des Trinkwassers hat unter anderem großen Einfluss auf die folgenden Eigenschaften bzw. Parameter:
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Mineralstoffgehalt: Wasser, dass durch mineralstoffhaltige Böden und Gesteinsschichten fließt, hat in der Regel an höheren Gehalt an Mineralstoffen wie Calcium und Magnesium als in mineralstoffarmen Schichten gefördertes Wasser.
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Wasserhärte: Je mehr der Härtebildner Calcium und Magnesium im Wasser gelöst sind, desto höher ist auch die Wasserhärte. Hartes Wasser lässt zum Beispiel Wasserkocher und Armaturen schneller verkalken und erfordert eine höhere Waschmitteldosierung. Weitere Informationen zur Wasserhärte bietet unser Ratgeber „Hartes Wasser–die Folgen von hartem Leitungswasser erklärt!”.
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Geschmack: Mineralstoffhaltiges Wasser hat oft einen als angenehmer oder erfrischender empfundenen Eigengeschmack als mineralstoffarmes Wasser. Für die Zubereitung von Kaffee und Tee ist dagegen möglichst neutral schmeckendes Wasser mit geringer Wasserhärte vorteilhaft.
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Chlor: Viele Menschen empfinden den Geruch und Geschmack gechlorten Trinkwassers als unangenehm. Ob Trinkwasser gechlort wird, hängt vom geförderten Rohwasser und der Wasseraufbereitung ab. Teilweise wird so selbst innerhalb einzelner Städte (z. B. Hamburg) gechlortes und nicht gechlortes Wasser ausgeliefert.7 Ob durch Chlor im Trinkwasser Gesundheitsrisiken drohen, erfahren Sie in unserem Ratgeber „Welche Gefahr geht von Chlor im Trinkwasser aus?”.
Warum Wasser trotz strenger Grenzwerte auf Schadstoffe und Keime testen?
Die Wasserversorger garantieren die Einhaltung der strengen Grenzwerte für Schadstoffe und Keime im Trinkwasser nur bis zum Übergabepunkt an Ihrem Hausanschluss. Auf den letzten Metern des Wassers bis zur Entnahme kann dieses mitunter noch mit Schadstoffen wie den Schwermetallen Blei und Kupfer belastet werden. Eine mögliche Quelle der gesundheitsgefährdenden Schwermetalle sind alte Bleirohre und neu verlegte Kupferrohre. Aufgrund einer zu niedrigen Temperatur im Warmwasserkreislauf und/oder auftretendem Stagnationswasser kann Ihr Leitungswasser auch mit den gefährlichen Legionellen-Bakterien belastet sein. Deshalb können aus Gründen des vorsorglichen Gesundheitsschutzes unter anderem die folgenden Wassertests sinnvoll sein:
Wassertest Rohrleitung: Test des Wassers auf verschiedenste Schwermetalle und Metalle.
Legionellentest für Leitungswasser: Einzeltest für den Parameter Legionellen
Wassertest Baby: Ein speziell auf die erhöhte Empfindlichkeit von Babys und ungeborenen Kindern gegenüber Wasserschadstoffen ausgerichteter Test.
Besonders wichtig ist die regelmäßige Kontrolle der Wasserqualität für Betreiber privater Trinkwasserbrunnen. Deshalb bieten wir auch spezielle Brunnenwasser Tests an.
Die Probenentnahme für unsere Wassertests können Sie mit Hilfe der beiliegenden, leicht verständlichen Anleitung einfach selbst vornehmen. Anschließend senden Sie die Probe per Post in dem voradressierten Versandkarton an unser spezialisiertes Partnerlabor. Nach kurzer Zeit steht das Testergebnis für Sie über Ihren persönlichen Bereich des Online-Portals MyChecknatura zum Abruf bereit.
✔️ Toxische Schwermetalle
✔️ inkl. Blei und Nickel
Woher kommt das Trinkwasser? – FAQs
Woher kommt das Leitungswasser in Deutschland?
In Deutschland wird Trinkwasser hauptsächlich aus Grundwasservorkommen gefördert. Weitere Trinkwasserquellen sind Oberflächenwasser, Uferfiltrat, angereichertes Grundwasser sowie Quellwasser.
Wie wird Trinkwasser gewonnen?
Die Rohwasserförderung von Grundwasser erfolgt durch Brunnen, die je nach Grundwasserleiter in eine Tiefe von über 400 Metern reichen können. Uferfiltrat und angereichertes Grundwasser werden in der Regel ebenfalls über Brunnen gefördert. Die Wasserentnahme aus Oberflächengewässern erfolgt über Pumpen oder durch Nutzung eines natürlichen Gefälles. Gefördertes Rohwasser wird meistens vor der Nutzung als Trinkwasser aufbereitet.
Wie finde ich heraus, wo mein Trinkwasser gewonnen wird?
Kontaktieren Sie Ihren lokalen Wasserversorger per Kundenhotline oder nutzen Sie über die Webseiten der Versorger bereitgestellte Informationen. Vielfach werden auch spezielle Online-Abfragemasken (Eingabe der genauen Adresse) zur Herkunft des Wassers mit detaillierten Analysedaten bereitgestellt.
Ändert sich die Herkunft meines Wassers manchmal?
Ja, dies ist möglich. Viele Wasserversorger nutzen ein Verbundsystem aus mehreren Wasserwerken und Fördergebieten. Aufgrund von Wartungsarbeiten und Nachfrageschwankungen kann die Zusammensetzung des Trinkwassers daher variieren.
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1Vgl.: Bundesumweltamt: Trockenheit in Deutschland – Fragen und Antworten. 2025.
2Vgl.: Bundesumweltamt: Grundwasser. 2024.
3Vgl.: Bayerisches Landesamt für Umwelt: Oberflächenwasser. 2025.
4Vgl.: Umweltbundesamt: Trinkwasser aufbereiten. 2016.
5Vgl.: Stadtwerke München: Trinkwasserversorgung einfach erklärt. 2025.
6Vgl.: Hamburg.de: Der Weg des Wassers, Wasser so alt wie Störtebeker. 2026.
7Vgl.: Hamburg.de: Unser Hamburger Wasser. 2026.