Mangan kommt natürlicherweise in Böden, Gesteinen und Gewässern vor und gelangt daher auch in geringen Mengen ins Trinkwasser. In niedrigen Konzentrationen ist das Spurenelement für den Menschen nicht gefährlich – Erhöhte Werte können jedoch problematisch werden, insbesondere für Säuglinge und Kleinkinder. Anders als bei Lebensmitteln, bei denen Mangan physiologisch benötigt wird, steht es im Trinkwasser vorrangig im Fokus hinsichtlich einer möglichen Überexposition. In toxikologischen Bewertungen wird deshalb nicht der Bedarf, sondern die Aufnahmemenge pro Körpergewicht betrachtet.1
Für Erwachsene gelten übliche Trinkwasser Konzentrationen als unbedenklich. Bei empfindlichen Gruppen (Säuglinge, Schwangerschaft) wird die Situation strenger beurteilt, da das Gehirn sich noch entwickelt und die Blut-Gehirn-Schranke durchlässiger ist. Studien und Leitlinien verweisen hier auf mögliche neurologische Effekte bei überhöhten Aufnahmemengen, während technische Probleme wie schwarze Ablagerungen oder metallischer Geschmack unabhängig von gesundheitlichen Risiken auftreten können.
Ob Mangan im Trinkwasser gefährlich ist, hängt daher von drei Faktoren ab:
① Konzentration im Trinkwasser
② Konsumierende Person (Säuglinge/Erwachsene)
③ Aufnahmemenge über die Zeit
In Deutschland legt die Trinkwasserverordnung einen Grenzwert für Mangan fest, während die Weltgesundheitsorganisation WHO zusätzlich toxikologische Richtlinien für höhere Expositionen vorgibt. Insgesamt wird Mangan selten wegen Unterversorgung, sondern überwiegend wegen Überexposition, technischer Ablagerungen und neurologischer Vorsorge bewertet.
Mangan kommt natürlicherweise in Boden- und Gesteinsschichten vor und kann über Grund- und Oberflächenwasser in die Trinkwasserversorgung gelangen. Die geologischen Verhältnisse bestimmen dabei wesentlich, wie viel Mangan aus dem Untergrund gelöst wird. Besonders reduzierende (sauerstoffarme) Grundwässer können höhere Konzentrationen aufweisen, während in sauerstoffreichen Systemen lösliche Mangan(II)-Verbindungen durch Oxidation zu schwerlöslichen Manganoxiden reagieren, welche sich als Feststoffe ablagern.
Ob und wie viel Mangan letztlich im Trinkwasser ankommt, hängt nicht nur von der Geologie ab, sondern auch von:
- Wasseraufbereitung (z. B. Oxidation/Filtration)
- Mischwässern (Oberflächen-/Grundwasser)
- Leitungssystem und Hausinstallation
- Aufenthaltszeiten im Netz
Während Mangan in Lebensmitteln primär eine ernährungsphysiologische Rolle spielt, wird es im Trinkwasser in einem technisch-gesundheitlichen Kontext bewertet. Technisch relevant sind etwa Beläge in Leitungen, Verfärbungen, Trübungen oder Geschmacksveränderungen, die auch bei gesundheitlich unbedenklichen Konzentrationen auftreten können.
Gesundheitlich wird Mangan im Trinkwasser vordergründig im Hinblick auf eine mögliche Überexposition bewertet. Im Unterschied zur Ernährung, bei der Mangan ein essentielles Spurenelement ist, deckt Trinkwasser keinen physiologischen Bedarf und wird toxikologisch vorsorglicher beurteilt. Die WHO nennt für den menschlichen Bedarf eine Größenordnung von 30–50 µg/kg Körpergewicht, die üblicherweise über Lebensmittel gedeckt wird.
Internationale Leitlinien (u. a. WHO und Health Canada)2 verweisen vorrangig auf neurotoxikologische Effekte bei erhöhten Aufnahmemengen, da Mangan in hohen Konzentrationen das zentrale Nervensystem beeinflussen kann. Säuglinge und Kleinkinder gelten als besonders empfindlich, weil ihre Blut-Gehirn-Schranke noch nicht vollständig ausgereift ist und sie im Verhältnis zum Körpergewicht mehr Wasser aufnehmen. Wasser mit > 0,2 mg/l Mangan ist für die Zubereitung von Säuglingsnahrung nicht geeignet.
Für Erwachsene gelten die im Trinkwasser üblicherweise gemessenen Mengen als unkritisch. Die Trinkwasserverordnung führt Mangan als Parameter mit einem Grenzwert von 0,05 mg/l.
Wird der Grenzwert von 0,05 mg/l überschritten, sollte zunächst geklärt werden, ob die Ursache im Versorgungssystem oder in der Hausinstallation liegt. Eine erneute Analyse – idealerweise nach kurzem Spülen der Leitung – hilft, vorübergehende Effekte auszuschließen.
Für Säuglinge und Kleinkinder gilt besondere Vorsicht: Bei erhöhten Werten sollte Leitungswasser nicht zur Zubereitung von Säuglingsnahrung verwendet werden, da sie empfindlicher auf Mangan reagieren.
Kurzfristige Maßnahmen:
- Spülen, bis Stagnationswasser abgelaufen ist (d. h. das Wasser gleichmäßig kühl fließt)
- Warmwasser vermeiden
- bei Bedarf abgefülltes Wasser nutzen
Mittelfristige Maßnahmen:
- mögliche Ablagerungen in der Hausinstallation klären
- beim Versorger nach Netzproblemen oder Spülungen fragen
- Filter- und Oxidationsverfahren (z. B. Mangan- oder Kombifilter) prüfen
Bleibt der Wert dauerhaft erhöht oder bestehen Unsicherheiten, empfiehlt sich eine Laboranalyse und ggf. fachliche Beratung zur Aufbereitung.
Wie kann ich eine Wasserprobe im Labor beauftragen?
Verweise
1 Vgl.: World Health Organization (WHO): Guidelines for Drinking-water Quality – Manganese. Geneva 2022. zuletzt gesehen am 22.01.2026
2 Vgl.: Health Canada: Guidelines for Canadian Drinking Water Quality – Manganese. Ottawa 2023. zuletzt gesehen am 22.01.2026
3 Vgl.: United States Environmental Protection Agency (EPA): Drinking Water Regulations and Contaminants – Manganese. Washington, D.C. 2023. zuletzt gesehen am 22.01.2026
4 Vgl.: Kölle, Wolfgang: Wasseranalysen – richtig beurteilt. Wiley-VCH, Weinheim 2010. zuletzt gesehen am 22.01.2026