Quecksilber (chemisches Symbol: Hg) ist ein hochgiftiges Schwermetall, welches unter anderem die folgende Besonderheit aufweist: Bei normaler Raumtemperatur liegt Quecksilber aufgrund seines niedrigen Schmelzpunktes von – 38,83 °C im Gegensatz zu anderen Metallen in flüssiger Form vor. Allerdings kommt es dabei auch zu einer langsamen Verdampfung mit der Bildung giftiger Dämpfe. Das silbrig-weiß gefärbte Metall kommt in der Erdkruste in reiner und in mineralischer Form vor (Zinnober, Quecksilbersulfid).
Zu den historischen und aktuellen Anwendungsbereichen von Quecksilber zählen Amalgam-Zahnfüllung, Thermometer, Batterien, Relais, Schalter und Lampen. Außerdem wird Quecksilber bei der Goldgewinnung zur Bindung bzw. Lösung von feinem Goldstaub und bei bestimmten industriellen Produktionsprozessen eingesetzt (z. B. Herstellung von Natronlauge).1, 2
Quecksilber kann in verschiedenen Formen vorliegen, welche teilweise eine sehr unterschiedliche Giftigkeit (Toxizität) aufweisen:1, 2
-
Elementares Quecksilber: Freisetzung unter anderem aus alten zerbrochenen Quecksilber-Fieberthermometern. Gefährlich ist hier vor allem der Quecksilberdampf, der schon bei Zimmertemperatur entsteht und über die Atemwege aufgenommen wird.
-
Anorganisches Quecksilber: Hierzu zählt beispielsweise Quecksilberoxid. Anorganische Quecksilberverbindungen finden sich oft in Batterien oder werden bei chemischen Prozessen verwendet. Sie schädigen unter anderem Nieren und Nervensystem.
-
Organisches Quecksilber (Organoquecksilber): Organische Quecksilberverbindungen sind für den Menschen oft die giftigste Quecksilberform. Das am häufigsten vorkommende Organoquecksilber ist Methylquecksilber. Dieses wird durch Mikroorganismen in Gewässern gebildet und besteht aus Kohlenstoff, Wasserstoff (Methylgruppe) und Quecksilber. Methylquecksilber ist fettlöslich, wird gut über den Darm aufgenommen und reichert sich in der Nahrungskette (z. B. Raubfische) an. Die Verbindung kann weiterhin die Blut-Hirn- sowie die Plazenta-Schranke überwinden.
Unter einer Quecksilbervergiftung (Merkurialismus, Quecksilberintoxikation) versteht man eine Vergiftung mit dem Schwermetall Quecksilber. Eine Quecksilbervergiftung kann in verschiedenen Formen vorliegen:3
-
Akute Quecksilbervergiftung
-
Subakute Quecksilbervergiftung
-
Chronische Quecksilbervergiftung
Die Symptome bei einer Quecksilbervergiftung hängen stark davon ab, ob es sich um eine akute oder chronische Vergiftung handelt. Eine „Zwischenform” stellt die subakute Quecksilbervergiftung dar:3
⚠ Akute Vergiftungssymptome
Eine akute Quecksilbervergiftung kann unter anderem durch das Einatmen stark konzentrierter Quecksilberdämpfe oder die orale Aufnahme von Quecksilber erfolgen. Die zum Beispiel von einem zerbrochenen Fieberthermometer freigesetzten Dämpfe reichen für akute Vergiftungserscheinungen allerdings nicht aus. Die tödliche Dosis bei oraler Aufnahme von Quecksilber liegt etwa zwischen 25 und 50 mg Quecksilber pro kg Körpergewicht. Symptome bei einer akuten Quecksilbervergiftung treten unmittelbar oder meist innerhalb weniger Stunden auf. Zu diesen zählen etwa:3, 4
-
Reizung der Atemwege (Inhalation Dämpfe)
-
Erbrechen, Übelkeit
-
Schmerzen in der Speiseröhre
-
Kopfschmerzen
-
Schwindel
-
metallischer Geschmack im Mund, trockenes Gefühl im Mund-Rachen-Raum
-
blutige Durchfälle
-
Absterben von Nierenzellen
-
Schädigung des zentralen Nervensystems (z. B. Unruhe, Zittern, Krämpfe, Nervosität)
⚠ Subakute Vergiftungssymptome
Symptome einer subakuten Quecksilbervergiftung zeigen sich oft innerhalb weniger Tage bis Wochen nach der Exposition. Zu nennen sind hier unter anderem:3
-
verstärkte Speichelbildung
-
Entzündungen und Geschwüre der Mundschleimhaut (hauptsächliche Zahnfleisch)
-
dunkler Saum am Zahnfleisch durch Einlagerung von Quecksilber
-
Entzündungen der Haut (Ekzeme, Reizungen)
-
Nieren- und Darmschäden
⚠ Chronische Vergiftungssymptome
Von chronischen Vergiftungssymptomen spricht man in der Regel, wenn diese bei einer häufigen Exposition von relativ geringen Einzeldosen nach mindestens einem Jahr auftreten. Innerhalb des langen Zeitraums reichert sich das Quecksilber im Körper an. Einige der möglichen Symptome der chronischen Quecksilbervergiftung lassen sich nicht immer klar von der subakuten Verlaufsform abgrenzen:3, 5
-
Entzündungen und Geschwüre der Mundschleimhaut, Zahnverlust
-
neurologische Symptome (z. B. Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Mattigkeit, Reizbarkeit, Gedächtnisstörungen)
-
Persönlichkeitsveränderungen
-
Schlaflosigkeit
-
Gliederschmerzen
-
Zittern von Gliedmaßen, Schüttelbewegungen (im späteren Verlauf)
-
Reizbarkeit
-
Stottern, Sprachstörungen
-
Sehstörungen
-
Hörstörungen
-
Störungen der Bewegungskoordination, Lähmungen
-
Gewichtsverlust
-
erhöhter Blutdruck, Veränderungen des Herzrhythmus
Quecksilber kann aus verschiedenen Quellen bzw. auf verschiedene Weise in den Körper gelangen:
-
Nahrung: Einzelne Fischarten wie Schwertfisch, Buttermakrele und Thunfisch enthalten oft relativ hohe Konzentrationen von Methylquecksilber, da sich die organische Quecksilberverbindung über die Nahrungskette in den Raubfischen angereichert hat.6 Weitere Informationen hierzu haben wir in unserem Ratgeber „Wie stark sind Fische mit Quecksilber belastet? Welche Gesundheitsrisiken drohen?” zusammengestellt.
-
Trinkwasser: Trinkwasser kann in Einzelfällen mit Quecksilber belastet sein. Bei zentraler Wasserversorgung ist dies aufgrund strenger Kontrollen unwahrscheinlich. Wasser aus privaten Brunnen weist jedoch mitunter erhöhte Quecksilberkonzentrationen auf, wenn dieses zum Beispiel in der Nähe von Altlasten oder in geologisch belasteten Gebieten gefördert wird.7 Viele weitere Informationen zu obiger Thematik bietet unser Ratgeber „Quecksilber im Trinkwasser: Risiken, Grenzwert und Schutzmaßnahmen für Ihr Zuhause”.
-
Inhalation: Quecksilberdämpfe wie sie unter anderem beim Zerbrechen eines Thermometers oder beim Entfernen von Amalgamfüllungen (siehe nächster Absatz) entstehen, können über die Atemwege in den Körper gelangen.8
-
Berufliche Exposition: Ein Kontakt am Arbeitsplatz (z. B. Goldgewinnung, Zahnarztpersonal, Umgang mit quecksilberhaltigen Fungiziden und Seitbeizmitteln) mit Quecksilber kann sowohl zu akuten als auch chronischen Quecksilbervergiftungen führen. Werden die aktuell geltenden Arbeitsschutzbestimmungen umgesetzt, ist dies in Deutschland jedoch unwahrscheinlich.9 In der Vergangenheit galten jedoch teilweise weniger strenge Regeln.
Amalgam war in Deutschland ein häufig verwendetes Material für Zahnfüllungen. Die Legierung (Mischung) aus Kupfer, Zinn, Silber und Quecksilber hat einen Quecksilberanteil von ca. 50 %. Amalgam wurde bei Zahnfüllungen unter anderem wegen der folgenden Eigenschaften geschätzt: Langlebigkeit, leicht zu verarbeiten, günstiger Preis, füllt selbst kleine Spalten durch Ausdehnung. Seit Januar 2025 darf in der EU kein Amalgam mehr für Zahnfüllungen verwendet werden. Als hauptsächlicher Grund dafür wird der Umweltschutz genannt.
Über die von Amalgamfüllungen ausgehenden Risiken herrscht unter Fachleuten noch immer Uneinigkeit. Als ein wichtiges Argument für dessen Unbedenklichkeit wird die feste Bindung des Quecksilbers im Amalgam angeführt. Erhöhte Mengen von Quecksilber sollen allerdings zum Beispiel beim Entfernen alter Füllungen (Dämpfe beim Bohren) freigesetzt werden. Chronische Quecksilberbelastungen sind durch Abrieb beim Kauen und Zähneknirschen denkbar. Generell wird das Entfernen intakter alter Amalgamfüllungen nicht empfohlen. Insgesamt hält unter anderem die Bundeszahnärztekammer Amalgam nach wie vor für sicher. Diese Aussagen stützt sich auf zahlreiche Studien. Wie bei anderen Materialien für Zahnfüllungen kann es bei Amalgam allerdings in seltenen Fällen zu allergischen Reaktionen kommen.10, 11, 12
Es stehen unter anderem die folgenden Testverfahren zum Nachweis von Quecksilber im Körper zur Verfügung:3, 5
-
Bluttest: Die Quecksilberkonzentration im Blut zeigt vor allem die aktuelle Belastung an (z. B. hoher Verzehr von belastetem Fisch in letzter Zeit, Exposition durch Arbeitsunfall). Da Quecksilber schnell vom Körper eingelagert wird, ist ein Bluttest besonders bei chronischen Quecksilberbelastungen wenig aussagekräftig.
-
Urinuntersuchung: Zur Bestimmung der Belastung mit anorganischem Quecksilber im 24-Stunden-Urin. Der Urin wird dabei zweimal gesammelt und analysiert: Vor der Verabreichung von Dimercaptopropansulfonsäure (DMPS) und danach. DMPS ist ein Chelatbildner (binden/umschließen Metallionen), welcher Schwermetalle wie Quecksilber bindet. Diese werden dann mit dem Urin über die Nieren ausgeschieden. Weist der Urin nach DMPS-Gabe hohe Quecksilberwerte auf, deutet dies auf eine vorher hohe Belastung mit Quecksilber im Körpergewebe hin.
-
Amalgam-Test (Speicheltest, Kaugummitest): Für den Test werden zwei Speichelproben abgenommen: Vor dem Kauen von Kaugummi und danach. Durch die mechanische Belastung des Kauens soll sich bei vorhandenen Amalgamfüllungen verstärkt Amalgam bzw. Quecksilber lösen und in den Speichel übergehen. Der Test gilt jedoch als relativ unzuverlässig und wird in der Regel nicht empfohlen.
Die Therapie bei einer Quecksilbervergiftung ist von der Art der Vergiftung (akut oder chronisch abhängig). Es stehen hier unter anderem die folgenden Möglichkeiten zur Verfügung:3, 13
-
Akute Vergiftung: Magenspülung in Verbindung mit Aktivkohle (bei oraler Aufnahme). Teilweise Unterstützung durch Ausleitungstherapie mit den Chelatbildnern DMPS und/oder D-Penicillamin (siehe auch chronische Vergiftung).
-
Chronische Vergiftung: Vor allem bei chronischen Quecksilberbelastungen mit einer Anreicherung im Körpergewebe wird oft eine Ausleitungstherapie angewendet. Bei dieser werden zum Beispiel die bereits erwähnte Dimercaptopropansulfonsäure (DMPS) und/oder D-Penicillamin verabreicht. Diese Chelatbildner „lösen” das Quecksilber aus den Geweben, binden es und leiten es anschließend mit dem Urin aus dem Körper. Einige Vitamine und Spurenelemente wie Vitamin B1, Zink und Selen werden oft unterstützend eingesetzt. Vertiefende Informationen zur Ausleitung von Schwermetallen erhalten Sie in unserem Ratgeber „Kann man Schwermetalle ausleiten? Chelat-Therapie & andere Verfahren”.
Eine Quecksilberbelastung des Trinkwassers kann vor allem bei einer Wasserförderung aus einem eigenen Brunnen nicht ausgeschlossen werden. Mit unserem Wassertest Quecksilber können Sie Brunnen- und Leitungswasser auf Verunreinigungen mit Quecksilber prüfen lassen und so einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsvorsorge leisten.
Möchten Sie Ihr Trinkwasser auf andere Schwermetalle und Metalle wie Blei, Kupfer, Nickel und Eisen testen lassen, empfehlen wir den Wassertest Rohrleitung.
Die Probenentnahme für unsere Wassertests können Sie mit Hilfe der beiliegenden, leicht verständlichen Anleitung einfach selbst vornehmen. Anschließend senden Sie die Probe per Post in dem voradressierten Versandkarton an unser spezialisiertes Partnerlabor. Nach kurzer Zeit steht das Testergebnis für Sie im persönlichen Bereich des Online-Portals MyChecknatura zum Abruf bereit.
Was sind die Symptome einer Quecksilbervergiftung?
Zu den Symptomen einer chronischen Quecksilbervergiftung zählen Zittern, Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme und Sprachstörungen. Bei akuten Vergiftungen treten unter anderem Erbrechen, Übelkeit, blutige Durchfälle und Krämpfe auf.
Kann man Quecksilber aus dem Körper ausleiten?
Ja, mit Chelatbildnern wie Dimercaptopropansulfonsäure (DMPS) kann Quecksilber aus dem Körpergewebe mobilisiert (gelöst) und gebunden werden. Anschließend wird das Quecksilber zusammen mit dem Chelatbildner über die Nieren ausgeschieden.
Wie gefährlich sind quecksilberhaltige Amalgamfüllungen?
Für die meisten Menschen stellen quecksilberhaltige Amalgamfüllungen laut verschiedener Studien kein akutes Gesundheitsrisiko dar. Höhere Quecksilberbelastungen drohen allerdings unter anderem beim Entfernen der Füllungen. Die Gesundheitsrisiken durch Amalgamfüllungen werden jedoch noch immer kontrovers diskutiert.