Regenwasser zu Trinkwasser aufbereiten
Das Wichtigste in Kürze
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Regenwasser ist ohne Aufbereitung nicht als Trinkwasser geeignet.
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Eine Anlage zur Regenwasseraufbereitung kann unter anderem bei fehlender zentraler Wasserversorgung und sehr aufwendigem Brunnenbau empfehlenswert sein.
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Nach der Regenwasseraufbereitung muss das Wasser die strengen Vorgaben der Trinkwasserverordnung erfüllen.
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Um Trinkwasserqualität zu erreichen, ist in der Regel ein mehrstufiges Filtersystem mit anschließender Desinfektion nötig.
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Eine professionelle Anlage zur Regenwasseraufbereitung kostet ab ca. 8.000 Euro.
Regenwasser kann zum Beispiel in Häusern, Ferienhäusern und Hütten ohne Möglichkeit zur zentralen Wasserversorgung als alternative Trinkwasserquelle dienen. In der Regel ist Regenwasser jedoch nicht ohne Aufbereitung als Trinkwasser verwendbar. Wie lässt sich Regenwasser also aufbereiten, dass es zur sicheren Trinkwasserversorgung dienen kann? Welche Aufbereitungs- und Filtertechniken kommen für kleine Aufbereitungsanlagen in Frage? Wie hoch sind die Kosten für die Aufbereitung? Die Antworten und Weiteres zum Thema „Regenwasser filtern und aufbereiten” liefert unser Praxis-Ratgeber. (Stand März 2026)
Inhalt
Wo und wann ist die Aufbereitung von Regenwasser sinnvoll?
Die Aufbereitung von Regenwasser zu Trinkwasser ist vor allem dann sinnvoll, wenn keine Möglichkeit zum Anschluss an die zentrale Trinkwasserversorgung besteht und das Bohren eines eigenen Trinkwasserbrunnens nicht möglich oder unwirtschaftlich ist:1
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Ferienhäuser und Ferienwohnungen in abgelegenen Lagen (z. B. Bergregionen, Inseln, ländliche Einzellage)
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Häuser ohne technische Möglichkeit (z. B. Druckprobleme durch Berglage, sehr felsiger Boden) zum Anschluss an die zentrale Wasserversorgung
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Grundstücke mit sehr tiefem Grundwasserspiegel oder anderen geologischen Gegebenheiten, bei denen das Bohren eines Brunnens technisch kaum möglich ist oder sehr teuer wäre
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Regionen oder Einzelgrundstücke, in denen eine zentrale Wasserversorgung aus wirtschaftlichen Gründen nicht sinnvoll ist (z. B. großer Abstand von Grundstück zu Wasserleitung)
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Wunsch nach autarker Selbstversorgung
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ökologische Gründe
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Krisenvorsorge (Ausfall oder Kontaminierung der zentralen Wasserversorgung)
Kann man Regenwasser trinken?
Grundsätzlich ist Regenwasser zumindest theoretisch die reinste Form natürlichen Wassers, da es durch Verdunstung sozusagen destilliert wurde. Allerdings kann Regenwasser auf verschiedene Weise mit Schadstoffen, Staub und Keimen verunreinigt werden. Zu nennen sind hier unter anderem:1, 2, 3
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Atmosphärische Belastungen: Stäube, Rußpartikel und Schadstoffe wie Stickoxide (saurer Regen) und Schwermetalle, per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS, „Ewigkeitschemikalien”)
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Dachmaterialien: Abrieb von Bitumen, Teerpappe, gelöste Metalle wie Blei, Kupfer und Zink (von Dächern, Dachrinnen und Rohren), Asbestfasern von Eternit-Dächern (Risiko z. B. wenn Wäsche mit dem Wasser gewaschen wird und Fasern von trockener Wäsche in die Luft freigesetzt werden)
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Biologische Kontamination: Vogelkot (z. B. Keime wie E. coli, Salmonellen), Laub, Pollen, Insekten, Algen, Moos
Fazit: Regenwasser ist in der Regel nicht ohne Aufbereitung trinkbar!
Rechtliche Pflichten beim Betrieb einer Regenwasseraufbereitungsanlage
Wer eine Regenwasseraufbereitungsanlage für die Trinkwassergewinnung betreiben möchte, unterliegt klaren gesetzlichen Anforderungen. Zentrales Regelwerk ist die seit dem 24. Juni 2023 geltende Trinkwasserverordnung (TrinkwV 2023). Außerdem ist unter anderem die Verordnung über Allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Wasser (AVBWasserV) relevant. Aus diesen Regelwerken ergeben sich Pflichten wie:4
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Anzeigepflicht beim Gesundheitsamt: Gemäß § 11 TrinkwV muss die Errichtung der Anlage spätestens vier Wochen vor Baubeginn beim zuständigen Gesundheitsamt gemeldet werden.
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Information des Wasserversorgers: Vor der Errichtung einer Eigengewinnungsanlage muss das zuständige Wasserversorgungsunternehmen informiert werden.
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Keine Rückwirkungen: Es dürfen keine „Rückwirkungen” von der Anlage in das öffentliche Versorgungsnetz (z. B. Verschmutzung) möglich sein (§ 3 Abs. 2 AVBWasserV).
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Trennung Trink- und Brauchwasser: Es muss eine klare Trennung zwischen Trink- und Brauchwasser bestehen.
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Zugelassene Aufbereitungsverfahren: Alle eingesetzten Aufbereitungsverfahren und Desinfektionsmittel müssen auf der vom Umweltbundesamt geführten Liste gemäß § 20 TrinkwV stehen.
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Regelmäßige Wasseruntersuchungen: Das Wasser aus der Aufbereitungsanlage muss regelmäßig auf Keime und Schadstoffe untersucht werden.
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Bußgeldrisiko: Verstöße gegen die genannten Pflichten können nach dem Infektionsschutzgesetz als Ordnungswidrigkeit mit Bußgeldern bis zu 25.000 Euro geahndet werden.
Wie funktioniert die Regenwasseraufbereitung zu Trinkwasser?
Eine Regenwasseraufbereitungsanlage arbeitet in der Regel mit mehreren aufeinanderfolgenden Filter- und Aufbereitungsstufen, um Trinkwasserqualität nach den Vorgaben der Trinkwasserverordnung zu erreichen. Die Stufen bzw. Verfahren können sich je nach Bauart und Hersteller der Aufbereitungsanlage unterscheiden. Grob lassen sich diese jedoch wie folgt einteilen und beschreiben:2, 5, 6, 7
Stufe 1: Sammlung und Vorfiltration
Das Regenwasser wird von Dachflächen über Fallrohre und Rohrleitungen in eine unterirdische Trinkwasserzisterne („Tank” aus Beton oder Kunststoff) geleitet. Das Dach sollte aus Materialien wie Ziegeln, Glas oder Keramik bestehen, welche möglichst keine Schadstoffe abgeben. So können, wie bereits erwähnt, zum Beispiel Kupfer- und Zinkdächer das Regenwasser mit schädlichen Metallverbindungen belasten. Vor dem Einlauf in die Zisterne sorgen Laubfänger und mechanische Filter bereits für eine grobe Filterung des Trinkwassers.
Stufe 2: Feinfilterung
Im zweiten Schritt muss das Regenwasser fein gefiltert und von möglichst vielen Schadstoffen befreit werden. Die folgende Tabelle zeigt, welche Filtertypen und Filtersysteme dazu unter anderem verwendet werden können:
| Filtertyp | Was wird entfernt? |
|---|---|
| Sedimentation in Zisterne | Absetzen von Schwebstoffen und anderen Partikeln am Boden der Zisterne |
| Aktivkohlefilter | u. a. Gerüche, organische Verbindungen |
| Ultrafiltration (Membran) | u. a. Bakterien, Viren, kleine Partikel |
| Umkehrosmose | u. a. Schwermetalle, PFAS (teilweise), gelöste Salze, Mikroorganismen |
Wichtig zu wissen: Für eine ausreichende Wasseraufbereitung ist mindestens eine Kombination aus Ultrafiltration und Aktivkohle empfehlenswert. Die Umkehrosmose stellt nach einer gründlichen Vorreinigung des Wassers das leistungsfähigste Filtersystem zur Abscheidung von vielen gelösten Schadstoffen und Mikroorganismen dar. Allerdings hat das Prinzip der Umkehrosmose auch Nachteile wie die Generierung von größeren „Abwassermengen” und die Gefahr der Verkeimung. Weitere Informationen zur Umkehrosmose erhalten Sie in unserem Ratgeber Osmosewasser –Was bringen Umkehrosmoseanlagen wirklich?.
Stufe 3: Desinfektion
Nach der Filtration muss in der Regel noch eine Desinfektion bzw. Entkeimung des aufbereiteten Wassers erfolgen. Bewährt hat sich für private Kleinaufbereitungsanlagen eine Bestrahlung mit UV-C-Licht. Das Licht schädigt die DNA der Mikroorganismen irreversibel, sodass Bakterien, Viren und viele weitere Keime abgetötet oder inaktiviert werden. Die Entkeimung mit UV-C-Licht hat den Vorteil, dass dem Wasser keine Chemikalien wie Chlor zugesetzt werden müssen.
Als alternative Methoden zur Desinfektion kommt mitunter eine Behandlung mit Ozon und eine Chlorung in Frage.
Generelle Informationen zur Wasseraufbereitung von Brunnen- und Trinkwasser finden Sie in den folgenden Ratgebern:
Remineralisierung
Regenwasser enthält im Gegensatz zu Grundwasser oder Mineralwasser keine oder nur Spuren von lebenswichtigen Mineralstoffen wie Calcium und Magnesium. Wird Regenwasser dauerhaft und in größeren Mengen als Trinkwasser und zur Zubereitung von Speisen verwendet, sollte dieses daher möglichst remineralisiert werden. Durch die Wasseraufbereitung (z. B. durch Umkehrosmose) können dem Wasser zusätzlich Mineralstoffe entzogen werden.8
Korrosivität beachten
Damit Wasser nicht korrosiv (‚aggressiv‘) auf Rohrleitungen und andere Installationskomponenten wirkt, muss dieses unter anderem bestimmte Parameter bezüglich pH-Wert, Kalk-Kohlensäure-Gleichgewicht, Sauerstoffgehalt und elektrischer Leitfähigkeit einhalten. Nach der Aufbereitung von Regenwasser zu Trinkwasser kann eine zu hohe Korrosivität vorliegen, sodass weitere Aufbereitungsverfahren nötig sein können. Außerdem dürfen bei bestimmten Wasserparametern nur bestimmte Materialien für Rohrleitungen und andere Installationskomponenten Verwendung finden.9
Ausreichender Wasserdruck muss gewährleistet sein
Damit das Trinkwasser mit genügend Druck entnommen werden kann, ist in der Regel eine Druckerhöhungsanlage mit ausreichend dimensioniertem „Vorratsbehälter” nötig. Bei zentraler Wasserversorgung liegt der Wasserdruck innerhalb der Ortsnetze zwischen 2 und 8 bar. An der höchst gelegenen Entnahmestelle im Gebäude sollte noch ein Druck von 1 bar anliegen.10
Regelmäßige Wartung vornehmen lassen
Damit die Aufbereitungsanlage dauerhaft Wasser in Trinkwasserqualität liefern kann, ist eine regelmäßige Wartung unerlässlich. Die Wartungsintervalle werden meistens von den Herstellern der Filterkomponenten vorgegeben und sollten unbedingt beachtet werden, um zum Beispiel eine Verkeimung der Anlage oder eine verstärkte Freisetzung von Schadstoffen aus den Filtern zu verhindern. Je nach Komplexität und Wartungsvorschriften muss die Wartung von Fachpersonal durchgeführt werden.
Regenwasser filtern – Kosten-Nutzen-Analyse
Bereits einfache Systeme zur Aufbereitung von Regenwasser für die Toilettenspülung oder Gartenbewässerung kosten etwa 2.000 Euro. Professionelle Aufbereitungsanlagen zur Erreichung von Trinkwasserqualität sind ab circa 8.000 Euro erhältlich. Dazu kommen noch jährliche Wartungskosten, Stromkosten für den Betrieb von Pumpen und UV-Anlagen sowie wiederkehrende Verbrauchskosten (z. B. Filtermaterialien, Stoffe zur Remineralisierung).
In der Regel lohnt sich eine Aufbereitung von Regenwasser zu Trinkwasser daher nur, wenn die Kosten für Bohrung und Betrieb eines eigenen Brunnens noch höher wären oder es keine andere Möglichkeit zur Wasserversorgung gibt.
Wer kann Wasseraufbereitungsanlagen für Regenwasser planen und installieren?
Planung, Installation und Wartung von Wasseraufbereitungsanlagen gehören in die Hand von Profis! Zu nennen sind hier unter anderem Betriebe aus dem Bereich Anlagenbau für Wasser und Umwelttechnik, Ingenieurbüros für Wasserwirtschaft oder Umwelttechnik und eventuell auch SHK-Fachbetriebe (Sanitär-, Heizungs- und Klimainstallateure).
Regenwasseraufbereitung – Sicherheit durch regelmäßige Wasseranalysen
Schwermetalle (z. B. von Dächern und Rohrleitungen freigesetzt) und PFAS (Ewigkeitschemikalien) im Wasser lassen sich in der Regel nicht schmecken, riechen oder optisch erkennen. Dies gilt ebenso für Keime, wenn sich diese nicht indirekt durch zum Beispiel einen fauligen Wassergeruch bemerkbar machen. Ob Regenwasser nach der Aufbereitung einen ausreichenden Mineralstoffgehalt aufweist, ist bei der Verwendung als Trinkwasser ebenfalls wichtig. Deshalb sollte die Effektivität einer Wasseraufbereitungsanlage regelmäßig durch Wassertests überprüft werden. Dazu bieten wir unter anderem die folgenden Trinkwassertests an:
Die Probenentnahme für unsere Wassertests können Sie mit Hilfe der beiliegenden, leicht verständlichen Anleitung ganz einfach selbst vornehmen. Anschließend senden Sie die Wasserprobe in dem beiliegenden Versandkarton an unser spezialisiertes Partnerlabor. Nach kurzer Zeit steht das Analyseergebnis in Ihrem persönlichen Bereich von MyChecknatura zum Abruf bereit.
Wichtiger Hinweis: Bei unseren Wassertests handelt es sich um Selbsttests. Unsere Analytik richtet sich nach wissenschaftlichen Standards, auf die Sie sich verlassen können. Um die Anforderungen an gesetzlich vorgeschriebene Trinkwassertests zu erfüllen, ist jedoch in der Regel eine Probeentnahme durch einen unabhängigen und geschulten Probenehmer nötig. Auf Wunsch vermitteln wir Ihnen diesen gern: Wasseranalyse durch geschultes Personal
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FAQs – Regenwasseraufbereitung
Kann man Regenwasser ohne Aufbereitung trinken?
Regenwasser sollte ohne Aufbereitung nur im Notfall getrunken werden, da das Wasser mit Schadstoffen und Keimen belastet sein kann.
Ist abgekochtes Regenwasser trinkbar?
Abgekochtes Regenwasser ist mikrobiologisch deutlich „sicherer” als unbehandeltes Wasser. Beim Abkochen werden jedoch keine chemischen Schadstoffe aus dem Wasser entfernt.
Regenwasser ohne Strom zu Trinkwasser machen – geht das?
Eine Regenwasseraufbereitung ohne Strom ist in der Regel nur in kleinen Mengen bzw. in Notsituationen (z. B. Abkochen) möglich. So wird ohne Strom beispielsweise kein ausreichender Leitungsdruck aufgebaut und viele Filter sowie die UV-Desinfektion benötigen ebenfalls Strom. Ohne Strom kann aus Regenwasser meistens kein Trinkwasser nach den Anforderungen der Trinkwasserverordnung gewonnen werden.
Ist keine öffentliche Stromversorgung verfügbar, bieten sich allerdings eine Solaranlage mit Stromspeicher oder ein Generator (Benzin, Diesel) zum Betrieb der Aufbereitungsanlage an. Dadurch entstehen natürlich hohe zusätzliche Kosten.
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1Vgl.: Bundesbaublatt: Membranfiltration: Regenwasser als Trinkwasser nutzen. 2026.
2Vgl.: Umweltbundesamt: Tipps für nachhaltige Regenwassernutzung. 2025.
3Vgl.: BUND: Giftige Chemikalien in Regenwasser nachgewiesen. 2022.
4Vgl.: Umweltbundesamt: Gesundes Trinkwasser aus eigenen Brunnen und Quellen. 2026.
5Vgl.: DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches): PFAS und Trinkwasser. 2026.
6Vgl.: Hausjournal: Regenwasser zu Trinkwasser aufbereiten: Schritt-für-Schritt-Anleitung. 2024.
7Vgl.: DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches): Aufbereitungsverfahren für Trinkwasser. 2026.
8Vgl.: WHO: Nutrients in Drinking Water, Abschnitt: Health Risks from drinking demineralised Water (S. 148 – 158). 2005.
9Vgl.: Bayerisches Landesamt für Umwelt: Merkblatt Nr. 1.8/6, Rohrnetzmaterialien in der Trinkwasserversorgung. 2010.
10Vgl.: Berliner Mieterverein: Ausreichend Wasserdruck im Haus muss sein. 2009.