PFAS im Trinkwasser: Herkunft, Risiken, PFAS-Deutschland-Karte
Inhaltlich geprüft durch: Martin Stein
PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen) sind eine Gruppe von Industriechemikalien, die wegen ihrer Beständigkeit auch „Ewigkeitschemikalien“ genannt werden. Ein Aufnahmeweg von PFAS ist belastetes Trinkwasser. Was sind PFAS genau und wie gelangen diese in das Trinkwasser? Welche Gesundheitsrisiken gehen von den Chemikalien aus? Wo können Sie die örtliche Trinkwasserbelastung mit PFAS einsehen und wie schützen Sie sich bestmöglich vor den Stoffen? (Stand August 2026)
Das Wichtigste in Kürze
➡️ PFAS (Ewigkeitschemikalien) sind Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen, die in der Umwelt und im menschlichen Körper kaum abgebaut werden können.
➡️ PFAS können unter anderem aus Haushaltsabwässern und industriellen Prozessen in die Umwelt und das Trinkwasser gelangen.
➡️ Zu den möglichen Gesundheitsrisiken durch PFAS zählen Fruchtbarkeitsstörungen, eine Beeinträchtigung des Immunsystems sowie die Beeinflussung der kindlichen Gehirnentwicklung.
➡️ Trink- und Mineralwasser sind in Deutschland teilweise mit PFAS belastet.
➡️ Geeignete PFAS-Filter für Trinkwasser sind unter anderem Umkehrosmose- und Ionenaustauscher-Anlagen.
Inhalt
Was sind PFAS genau?
PFAS steht als Abkürzung für Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen, bei denen die Wasserstoffatome der organischen Kohlenstoffketten vollständig (perfluoriert) oder teilweise (polyfluoriert) durch Fluoratome ersetzt wurden. PFAS kommen in der Umwelt nicht natürlich vor. Die Produktion der Chemikalien begann bereits zum Ende der 1940er Jahre. Heute existieren nach Schätzungen mehr als 10.000 verschiedene Einzelverbindungen, die zu den PFAS gerechnet werden.
Zu den häufigsten PFAS-Verbindungen zählen perfluorierte Carbon- und Sulfonsäuren. Die Substanzen können in kurzkettige (weniger als 7 perfluorierte Kohlenstoffatome) und langkettige PFAS eingeteilt werden. Kurzkettige PFAS verteilen sich in Wasser besonders schnell und sind daher für die Trinkwasserbelastung von verstärkter Bedeutung. PFAS sind sehr stabil (persistent) und werden in der Umwelt kaum abgebaut.1
In welchen Produkten sind PFAS enthalten?
PFAS werden unter anderem wegen ihrer fett-, wasser- und schmutzabweisenden Eigenschaften auch vielfach in Alltagsprodukten eingesetzt. Dazu zählen zum Beispiel:1
- Kochgeschirr (z. B. Beschichtung von Bratpfannen)
- Kleidung
- Kosmetika
- Papierprodukte wie Backpapier
Weiterhin gibt es verschiedenste weitere Anwendungsbereiche wie die Oberflächenbehandlung von Kunststoffen und Metallen sowie den Einsatz als Lösch- und Pflanzenschutzmittel.1
Wie gelangen PFAS in Umwelt und Trinkwasser?
PFAS können über verschiedenste Wege in Umwelt und Trinkwasser gelangen. Dazu zählen unter anderem industrielle Altlasten und Emissionen wie Abgase, die durch Niederschläge in Gewässer, Boden und schließlich ins Grundwasser ausgewaschen werden. Private Haushalte sind aber ebenso bedeutende Quellen von PFAS. So gelangen zum Beispiel PFAS aus Textilien wie Outdoorkleidung mit dem Abwasser über Kläranlagen in Oberflächengewässer. Dadurch kann es besonders zu einer Belastung oberflächennaher Grundwasser- bzw. Trinkwasserleiter kommen. Ausgebrachter Klärschlamm ist eine weitere mögliche PFAS-Quelle. Stark erhöhte lokale Belastungen treten mitunter durch Chemieunfälle oder den Einsatz von Löschmitteln auf.2, 3
PFAS: mögliche Gesundheitsrisiken
PFAS werden von Menschen unter anderem über belastete Lebensmittel aufgenommen. Wird Leitungs- oder Brunnenwasser mit erhöhten PFAS-Werten getrunken, kann auch dies zur Gesamtbelastung des Körpers beitragen.
PFAS reichern sich im Blut und Organen wie der Leber an. Selbst nach einem völligen Stopp der Aufnahme verbleiben die Chemikalien sehr lange im Körper. Ungeborene Kinder und Babys können PFAS über die Plazenta bzw. die Muttermilch aufnehmen. Nach einer Risikobewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit ist ein „beträchtlicher Teil der europäischen Bevölkerung“ schon über Lebensmittel PFAS-Konzentrationen ausgesetzt, welche die wöchentliche tolerierbare Aufnahmedosis übersteigen. Oft wird die Dosis sogar um das 25-fache überschritten. Zu den möglichen bzw. vermuteten Gesundheitsrisiken durch PFAS zählen unter anderem:4, 5
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Erhöhung des Cholesterinspiegels
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Beeinträchtigung des Immunsystems und der Gehirnentwicklung bei Kindern
-
Fruchtbarkeitsstörungen
-
Fettstoffwechselstörungen
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Erhöhung des Krebsrisikos
Kann man PFAS schmecken oder riechen? Gibt es eine Kennzeichnungspflicht?
PFAS können Sie weder sehen, schmecken noch riechen.6 Für Produkte, die PFAS enthalten, gibt es auch keine Kennzeichnungspflicht. Für „besonders besorgniserregende Stoffe“ bestehen nach der REACH-Verordnung (Europäische Chemikalienverordnung) lediglich Informationspflichten. Eventuell sind Produkte mit hohen PFAS-Gehalten von über 0,1 % bzw. 1 g/kg über die App „Scan4Chem“ des Umweltbundesamtes identifizierbar.7
Welche Grenzwerte gelten für PFAS im Trinkwasser?
In der neuen Fassung der deutschen Trinkwasserverordnung vom 24.06.2023 werden erstmals Grenzwerte für PFAS definiert. Die Einführung erfolgt bzw. erfolgte in zwei Stufen:
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0,1 Mikrogramm pro Liter (µg/l) als Summengrenzwert für eine Gruppe von 20 trinkwasserrelevanten PFAS-Substanzen (PFAS-20, Grenzwert seit 12.01.2026)
-
Für vier spezielle Substanzen aus der PFAS-Gruppe (PFHxS, PFOS, PFOA, PFNA) tritt ab 2028 zusätzlich ein Grenzwert von 0,02 µg/l für die Summe aus diesen Verbindungen in Kraft (PFAS-4).
Einige häufige PFAS werden von Grenzwerten nicht erfasst
Einige häufige in der Umwelt und im Trinkwasser vorkommende PFAS wie Trifluoressigsäure (TFA) und Perfluorpropansäure (PFPrA) werden von den obigen Grenzwerten nicht erfasst. Die beiden PFAS kommen teilweise als Ersatzstoffe für regulierte PFAS zum Einsatz. Trinkwasser kann demnach unter anderem hoch mit den beiden genannten PFAS belastet sein, ohne dass Grenzwerte überschritten werden und Wasserversorger eingreifen müssen (z. B. durch Wasseraufbereitung).12
Wann werden PFAS verboten?
Nach einer EU-Verordnung vom 20.09.2024 werden unter anderem ab dem 10.10.2026 PFAS in vielen Alltagsprodukten wie Textilien, Leder, Schuhwaren, Papieren und kosmetischen Mitteln verboten. Schon seit dem 10.04.2026 gilt ein Verbot für Feuerlöschschäume und Feuerlöschschaumkonzentrate (teilweise werden hier Ausnahmen gewährt).9
Wie stark ist Trinkwasser in Deutschland mit PFAS belastet?
Detaillierte, flächendeckende PFAS-Untersuchungsergebnisse für sämtliche Wasserversorger bzw. Gebiete Deutschlands konnten wir bisher nicht recherchieren. Dies liegt unter anderem daran, dass eine Untersuchungs- und Berichtspflicht für die Versorger erst ab 2026 gilt. Mit Stand August 2026 liegt allerdings ein Datensatz von 1.300 Untersuchungsergebnissen aus den Jahren 2015 bis 2024 vor, die zumindest eine grobe Einschätzung der Belastung ermöglichen: 51,5 % der Trinkwasserproben lagen unter der Bestimmungsgrenze, 4,1 % der Proben überschritten den Grenzwert PFAS-20 der Trinkwasserverordnung und bei 6,4 % wäre der zukünftige Grenzwert PFAS-4 überschritten.10
PFAS-Deutschland-Karte-Trinkwasser
Eine detaillierte deutschlandweite Karte zur Belastung des Trinkwassers bzw. Grundwassers gibt es nach unseren Recherchen bisher nicht. Allerdings konnten NDR, WDR und SZ bei einer gemeinsamen Recherche/Untersuchung mehr als 1.500 mit PFAS verschmutzte Orte in Deutschland identifizieren. In einer interaktivenPFAS Deutschland Karte (unter Zwischenüberschrift „Interaktive Karte“) werden die Ergebnisse aus Boden- und Wasseruntersuchungen farblich aufbereitet nach Höhe der Belastung dargestellt.11
Kann man PFAS aus dem Trinkwasser filtern?
Trinkwasser von PFAS zu reinigen, ist sehr aufwendig und kostenintensiv. So sind gängige Rohwasser-Aufbereitungsverfahren wie Flockung, Ozonung oder Untergrundpassage bei den Ewigkeitschemikalien nicht wirksam. Besonders bei langkettigen PFAS ist eine Aktivkohlefilterung erfolgversprechend. Spezielle Ionenaustauscher-Anlagen und Umkehrosmose eignen sich ebenso zur Entfernung von PFAS. Die Verfahren können jedoch auch spezifische Nachteile haben. So fällt bei der Umkehrosmose unter anderem relativ viel ungenutztes Abwasser zur Spülung der Membran an und das Wasser wird stark entmineralisiert.10
Wie können Sie sich vor PFAS schützen – Checkliste
Ein vollständiger Schutz vor PFAS ist aufgrund der weiten Verbreitung der Chemikalien kaum möglich. Die folgenden Hinweise und Tipps können allerdings helfen, die eigene Belastung zu reduzieren:12, 13, 14, 15
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✅Teilweise sind Produkte mit Hinweisen wie „PFAS-frei“, „PFC-frei“ oder „fluorcarbonfrei“ gekennzeichnet.
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✅Backpapier und Antihaft-Beschichtungen von Pfannen können PFAS enthalten. Ob beim Einsatz der Produkte im empfohlenen Temperaturbereich allerdings relevante Mengen von PFAS in Lebensmittel übergehen, ist jedoch umstritten. Wenn Sie ganz sicher gehen wollen, meiden Sie entsprechende Produkte.
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✅Einwegverpackungen für Lebensmittel aus Papier, Pappe und Zuckerrohr enthalten teilweise aufgrund gewünschter fett- und wasserabweisender Eigenschaften PFAS. Mehrwegverpackungen bzw. Mehrweggeschirr sind hier oft die besseren Alternativen.
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✅PFAS kommen oft in Pestiziden zum Einsatz. Bio-Lebensmittel sind daher meistens weniger belastet.
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✅Einige Imprägniermittel und Imprägniersprays enthalten PFAS und sollten daher nicht verwendet werden.
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✅PFAS kommen häufig in Outdoorkleidung vor. Umweltsiegel wie „GOTS“ oder „bluesign“ weisen auf Kleidung mit keiner oder geringerer Schadstoffbelastung hin.
👉 In unseren Artikeln zeigen wir Ihnen viele weitere Produkte, die PFAS enthalten, sowie die besten Filtertechniken, um PFAS aus dem Trinkwasser zu filtern.
Schon gewusst?
Neben Leitungswasser können PFAS auch in Mineralwasser enthalten sein. Dies zeigt eine Untersuchung des BUND aus dem Jahr 2024. Konkret wurden in drei von fünf Mineralwasserproben PFAS wie Trifluoressigsäure gefunden. Die PFAS-Konzentrationen lagen jedoch unterhalb der Grenzwerte.12
Ihr Trinkwasser auf PFAS testen
Unser umfangreiches Angebot an Trinkwassertests enthält unter anderem zwei Tests auf PFAS, die Sie neben der Testung von Leitungswasser auch zum Testen von eigenem Brunnenwasser verwenden können. Der Wassertest PFAS Basis deckt 20 PFAS bei einer Bestimmungsgrenze von 10 ng/l ab. Bei dem PFAS Test Sensitiv liegt die Bestimmungsgrenze bei nur 0,1 ng/l.
Die Probenahme für die Tests können Sie mit Hilfe der in den Testkits enthaltenen Anleitung einfach selbst vornehmen. Nach Einsendung per Post erfolgt die Testanalyse in unserem spezialisierten Partnerlabor. Das Analyseergebnis ist nach kurzer Zeit online über MyChecknatura abrufbar.
✔️ PFAS
✔️ Summenwert
✔️ PFOA, PFNA, PFOS, PFHxS
FAQs: PFAS im Trinkwasser
Zerstört Abkochen PFAS im Wasser?
Nein, PFAS werden durch Abkochen nicht zerstört. Wenn Wasser durch das Abkochen verdampft, kann die Konzentration der PFAS im verbleibenden Wasser sogar ansteigen.16
Können einfache Tischkannenfilter PFAS zurückhalten?
Nein, einfache Tischkannenfilter sind in der Regel nicht für die ausreichende Abfilterung von PFAS ausgelegt.17
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Haftungsausschluss/Empfehlung
Die in diesem Ratgeber getätigten Aussagen und Empfehlungen wurden von uns gründlich recherchiert. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität können wir jedoch nicht garantieren.
1Vgl.: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV): Per- und polyfluorierte Chemikalien (PFAS). 2024.
2Vgl.: Bayerisches Landesamt für Umwelt: Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS). 2026.
3Vgl.: BUND: PFAS: Ewigkeits-Chemikalien in Kinder-Outdoor-Kleidung. 2024.
4Vgl.: Umweltbundesamt Österreich: Fragen und Antworten zu PFAS. 2024.
5Vgl.: AOK: Wie schädlich sind die Industriechemikalien PFAS? 2023.
6Vgl.: Bergische Universität Wuppertal: PFAS – verkannt, verschwiegen und hochgiftig. 2023.
7Vgl.: Umweltbundesamt: FAQs PFAS, Was sind PFAS? 2025.
8Vgl.: Umweltbundesamt: Neue Trinkwasserverordnung sichert hohe Qualität unseres Trinkwassers. 2023.
9Vgl.: IHK Ulm: Verbot bestimmter PFAS ab April bzw. Oktober 2026. 2024.
10Vgl.: Umweltbundesamt: PFAS im Trinkwasser – Sachstand und Aspekte zur Bewertung. 2024.
11Vgl.: Tagesschau.de: Wo PFAS überall Deutschland verschmutzen. 2023.
12Vgl.: BUND: PFAS im Trinkwasser: BUND-Aktive entdecken erneut Ewigkeits-Chemikalien im Wasser. 2025.
13Vgl.: BUND: So vermeiden Sie PFAS in der Küche. 2024.
14Vgl.: Stiftung Warentest: Imprägniermittel im Test. Regen – na und? 2023.
15Vgl.: BUND: Outdoorkleidung ohne Schadstoffe. 2024.
16Vgl.: Land Oberösterreich, Direktion Umwelt und Wasserwirtschaft: PFAS im Trinkwasser. 2023.
17Vgl.: Riva Systemtechnik GmbH: Wasserfilter gegen PFAS – wie kann man PFAS aus dem Wasser filtern? 2025.