PFAS-Wasserfilter: Nutzen & beste Filtertechniken
Inhaltlich geprüft durch: Martin Stein
PFAS (per- und polyfluorierte Alkylverbindungen) sind Industriechemikalien, die in der Umwelt und im menschlichen Körper aufgrund ihrer sehr stabilen chemischen Struktur kaum abgebaut werden können. Deshalb tragen Sie ebenso die Bezeichnung „Ewigkeitschemikalien“. Mittlerweile ist auch Trinkwasser zumindest regional mit PFAS verunreinigt. Welche Gesundheitsrisiken gehen von belastetem Wasser aus? Können Wasserfilter PFAS aus dem Trinkwasser entfernen? Welche Filtertechniken sind empfehlenswert? Die Antworten liefert Ihnen unser Ratgeber. (Stand August 2026)
Das Wichtigste in Kürze
➡️ PFAS steht als Abkürzung für per- und polyfluorierte Alkylverbindungen.
➡️ PFAS können unter anderem möglicherweise das Immunsystem negativ beeinflussen sowie zu Fruchtbarkeits- und Fettstoffwechselstörungen führen.
➡️ Ca. 4 % der Trinkwasserproben überschreiten den Grenzwert für PFAS-20.
➡️ Aktivkohlefilterung, Umkehrosmose- und Ionenaustauscher-Anlagen sind geeignete Filtertechnologien gegen PFAS im Wasser.
➡️ Mit einem PFAS-Test können Sie Ihr Trinkwasser selbst auf die Chemikalien testen lassen.
Inhalt
Was sind PFAS?
Wie gelangen PFAS in das Trinkwasser?
Wie stark ist Trinkwasser mit PFAS belastet?
Welche Grenzwerte gelten für PFAS im Trinkwasser?
In der neuen Fassung der deutschen Trinkwasserverordnung vom 24.06.2023 werden erstmals Grenzwerte für PFAS definiert. Die Einführung erfolgte bzw. erfolgt in zwei Stufen:5
- 0,1 Mikrogramm pro Liter (µg/l) als Summengrenzwert für eine Gruppe von 20 trinkwasserrelevanten PFAS-Substanzen (PFAS-20, Grenzwert seit 12.01.2026)
- Für vier spezielle Substanzen aus der PFAS-Gruppe (PFHxS, PFOS, PFOA, PFNA) tritt ab 2028 zusätzlich ein Grenzwert von 0,02 µg/l für die Summe aus diesen Verbindungen in Kraft (PFAS-4).
PFAS: mögliche Gesundheitsrisiken
PFAS werden von Menschen hauptsächlich über belastete Lebensmittel und verunreinigtes Trinkwasser aufgenommen. Die Chemikalien reichern sich im Blut und in Organen wie Leber, Niere und Lunge an. Ungeborene Kinder und Babys können PFAS über die Plazenta bzw. die Muttermilch aufnehmen. Zu den möglichen bzw. vermuteten Gesundheitsrisiken durch PFAS zählen unter anderem:7, 8
-
Erhöhung des Cholesterinspiegels
-
Beeinträchtigung des Immunsystems und der Gehirnentwicklung bei Kindern
-
Fruchtbarkeitsstörungen
-
verringertes Geburtsgewicht
-
Fettstoffwechselstörungen
-
verminderte Wirkung von Impfungen
-
Erhöhung des Risikos für Leberkrebs und andere Tumore in Tierstudien
Wasserfilter gegen PFAS – wann kann der Einsatz sinnvoll sein?
Wasser selbst auf PFAS testen
Kann Ihr Wasserversorger noch keine Analysewerte zu PFAS liefern oder möchten Sie eigenes Brunnenwasser auf PFAS testen lassen, können wir unsere PFAS-Tests empfehlen. Der Wassertest PFAS Basis deckt 20 PFAS bei einer Bestimmungsgrenze von 10 ng/l ab. Bei dem PFAS Test Sensitiv liegt die Bestimmungsgrenze bei nur 0,1 ng/l. Neben PFAS-Tests bietet unser breites Angebot an Trinkwassertests unter anderem auch Analysen auf verschiedenste andere Schadstoffe sowie Keime.
Die Probenahme für die Tests können Sie mit der in den Testkits enthaltenen Anleitung einfach selbst vornehmen. Nach Einsendung per Post erfolgt die Testanalyse in unserem spezialisierten Partnerlabor. Das Analyseergebnis ist für Sie nach kurzer Zeit online über MyChecknatura abrufbar.
✔️ PFAS
✔️ Summenwert
✔️ PFOA, PFNA, PFOS, PFHxS
PFAS aus Wasser filtern – welche Filtertechnologien sind empfehlenswert?
Um PFAS aus dem Wasser zu filtern, kommen verschiedene Filtertechniken in Frage, die jeweils ihre spezifischen Vor- und Nachteile haben:
-
Aktivkohle: Aktivkohle weist eine stark poröse Struktur mit unzähligen kleinen Poren und einer insgesamt sehr großen Oberfläche auf. Die Kohle besitzt die Fähigkeit, unter anderem viele Chemikalien wie PFAS zu adsorbieren (anlagern, binden). Bei Aktivkohle-Wasserfiltern strömt das verunreinigte Wasser durch einen Aktivkohleblock oder ein Granulat. Filter mit Granulat sollen allerdings gegen PFAS weniger wirksam sein. Es gibt jedoch auch bei Aktivkohleblöcken teilweise Qualitätsunterschiede von Hersteller zu Hersteller. Achten Sie beim Kauf eines Wasserfilters daher darauf, dass dieser explizit zum Abfiltern von PFAS geeignet ist. Generell soll geeignete Aktivkohle besonders gegen langkettige PFAS wirksam sein, während kurzkettige PFAS teilweise nicht gut gebunden werden. Neben PFAS kann Aktivkohle auch viele andere Schadstoffe wie Pestizide und Arzneimittelrückstände aus dem Wasser filtern. Zu den Nachteilen von Aktivkohle zählen die teilweise häufigen Wechselintervalle der Filterkartusche bei starker Schadstoffbelastung. Weiterhin können die Filter bei mangelhafter Wartung bzw. versäumten Filterwechsel verkeimen.10
-
Umkehrosmose: Bei der Umkehrosmose wird Wasser durch eine sehr feine Membran gepresst, die Schadstoffe wie PFAS zurückhält. Die Filtertechnik ist gegen langkettige und kurzkettige PFAS sowie eine Vielzahl weiterer Schadstoffe und Keime wirksam. Allerdings hält die Membran ebenfalls lebenswichtige Mineralien wie Calcium und Magnesium zurück. Das Wasser kann also insgesamt zu stark entmineralisiert werden, sodass es vor der Verwendung als Trinkwasser wieder mineralisiert werden sollte.11 Weiterhin haben Umkehrosmosefilter oft einen relativ hohen Stromverbrauch und produzieren bei der Filterung viel ungenutztes Abwasser, welches meist über einen Abwasserschlauch abgeführt wird. Die Filter bzw. Membranen müssen regelmäßig gewartet bzw. ausgetauscht werden, da sonst unter anderem eine Verkeimung droht.
- Ionenaustauscher: Beim Ionenaustausch strömt das Wasser durch ein Spezialharz, an dessen Oberfläche die negativ geladenen PFAS-Ionen gegen harmlose Ionen (Teilchen mit einer elektrischen Ladung) ausgetauscht und dauerhaft gebunden werden. Im Gegensatz zu Aktivkohle können spezielle Ionenaustauscher auch kurzkettige PFAS-Verbindungen aus dem Wasser entfernen. Anders als eine Umkehrosmoseanlage produziert der Ionenaustauscher kein Abwasser. Gegen Keime, Schwermetalle oder Chlor wirken die Anlagen dagegen nicht. Das Spezialharz muss allerdings in der Regel ausgetauscht werden, wenn dieses mit PFAS gesättigt (erschöpft) ist.15
Typen von Wasserfiltern: Hauseingangsfilter, Wasserhahnfilter, Tischwasserfilter
Wasserfilter können unter anderem nach ihrem Einsatz- bzw. Montageort in verschiedene Typen eingeteilt werden:
-
Hauseingangsfilter: Hauseingangsfilter werden am Wassereintrittspunkt des Leitungswassers (meistens im Keller) an der Hauptwasserleitung montiert. So durchläuft das gesamte von der Leitung gespeiste Wasser den Filter. Hauseingangsfilter sind daher auf eine hohe Filterleistung ausgelegt, die wiederum auch hohe Kosten verursachen kann. Im Fall einer moderaten Belastung mit PFAS ist natürlich die Überlegung anzustellen, ob zum Beispiel das Wasser für Dusche, WC usw. gefiltert werden sollte. So ist die PFAS-Aufnahme über die Haut höchstwahrscheinlich eher gering.12
-
Wasserhahnfilter: Wasserhahnfilter können Sie direkt am gewünschten Entnahmepunkt (z. B. Wasserhahn in der Küche) montieren. Dies hat den Vorteil, dass im Gegensatz zum Hauseingangsfilter nicht das gesamte Wasser des Haushalts gefiltert werden muss. Deshalb arbeiten Wasserhahnfilter relativ kostensparend.
-
Tischfilter/Tischkannenfilter: Tischfilter bzw. Tischkannenfilter wie Brita®-Wasserfilter gegen PFAS sind mobile in zum Beispiel Wasserkannen integrierte Filter. Die Filterleistung derartiger Systeme ist oft begrenzt und bei nicht korrekter Wartung neigen die Filter oft schnell zum Verkeimen.13 Wegen der aufwendigen Bauart sind Umkehrosmosefilter als Tischfilter in der Regel nicht verfügbar.
Wie viel PFAS können Wasserfilter aus dem Trinkwasser entfernen?
Wie viel PFAS eine Filteranlage zurückhält, hängt vor allem von der Technik ab:16
- Spezielle Aktivkohle in professionellen Anlagen kann bis zu 100 % der PFAS zurückhalten. Einfache Anlagen erreichen diese Abscheideraten in der Regel nicht.
- Umkehrosmose-Anlagen erreichen PFAS-Entfernungsraten von mehr als 90 %.
- Ionenaustauscher erreichen ebenfalls Abscheideraten von bis zu 100 %.
Woran erkennen Sie einen geprüften PFAS-Filter?
Für Haushaltsfilter gibt es in Deutschland nach unseren Recherchen keine verpflichtende PFAS-Prüfnorm. Dennoch ist es empfehlenswert, nur möglichst unabhängig nach bewährten Standards getestete Geräte zu verwenden. Aussagekräftig sind unter anderem Prüfnachweise, die auf den folgenden Normen basieren:17, 18
- US-Norm NSF/ANSI 53 (gesundheitsrelevante Stoffe)
- US-Norm NSF/ANSI 58 (für Umkehrosmose-Systeme)
- japanische Norm JWPAS B.210
Schon gewusst?
Wer bei PFAS-Belastungen des Leitungswassers auf Mineralwasser als Trinkwasser ausweichen möchte, sollte sich genau über mögliche Schadstoffbelastungen des Wassers informieren (z. B. Anfrage beim Hersteller, Tests von Verbraucherzeitschriften und Umweltverbänden). So zeigt beispielsweise eine Untersuchung des BUND aus dem Jahr 2024, dass PFAS auch in Mineralwasser enthalten sein können. Konkret wurden in drei von fünf Mineralwasserproben PFAS wie Trifluoressigsäure gefunden. Die PFAS-Konzentrationen lagen jedoch unterhalb der Grenzwerte.14
FAQs: Wasserfilter gegen PFAS
Welche Wasserfilter helfen gegen PFAS?
PFAS können mit Aktivkohlefiltern sowie Umkehrosmose- und Ionenaustauscher-Anlagen aus Wasser entfernt werden.
Werden PFAS von Wasserfiltern zerstört?
Nein, PFAS werden durch Aktivkohlefilter, Ionenaustauscher und Umkehrosmoseanlagen nicht zerstört. Die Schadstoffe verbleiben in der Kohle oder im Harz des Austauschers. Bei der Umkehrosmose werden diese mit dem Abwasser (Spülwasser) der Anlagen in die Kanalisation eingeleitet.19
Wie viele PFAS gibt es?
Es gibt über 10.000 Einzelsubstanzen, welche den PFAS zugerechnet werden. Von diesen wurde bisher nur eine sehr geringe Anzahl auf ihre Umwelt- und Gesundheitsrisiken untersucht. Durch die PFAS-Grenzwerte werden nur einige der häufigsten PFAS abgedeckt.20
Das könnte Sie ebenfalls interessieren:
Haftungsausschluss/Empfehlung
Die in diesem Ratgeber getätigten Aussagen und Empfehlungen wurden von uns gründlich recherchiert. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität können wir jedoch nicht garantieren.
1Vgl.: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV): Per- und polyfluorierte Chemikalien (PFAS). 2024.
2Vgl.: Bayerisches Landesamt für Umwelt: Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS). 2026.
3Vgl.: Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: Outdoor-Kleidung ohne Mikroplastik und Schadstoffe. 2024.
4Vgl.: Umweltbundesamt: PFAS im Trinkwasser – Sachstand und Aspekte zur Bewertung. 2024.
5Vgl.: Umweltbundesamt: Neue Trinkwasserverordnung sichert hohe Qualität unseres Trinkwassers. 2023.
6Vgl.: Bergische Universität Wuppertal: PFAS – verkannt, verschwiegen und hochgiftig. 2023.
7Vgl.: AOK: Wie schädlich sind die Industriechemikalien PFAS? 2023.
8Vgl.: Umweltbundesamt Österreich: Fragen und Antworten zu PFAS. 2024.
9Vgl.: Umweltbundesamt: Kinder und Jugendliche haben zuviel PFAS im Blut. 2020.
10Vgl.: Verbraucherservice Bayern: Tischwasserfilter: Mehr Schaden als Nutzen? 2023.
11Vgl.: Luzerner Kantonsspital: Trink-Wasser oder Osmose-Wasser? 2022.
12Vgl.: Land Baden-Württemberg, Regierungspräsidium Karlsruhe: Gesundheit. Wie gelangen PFAS-Verbindungen in den Körper? 2026.
13Vgl.: Stiftung Warentest: Wasserfilter im Test, überflüssig bis schädlich. 2022.
14Vgl.: BUND: PFAS im Trinkwasser: BUND-Aktive entdecken erneut Ewigkeits-Chemikalien im Wasser. 2025.
15Vgl.: Schaller WTI GmbH: PFAS – Eine unsichtbare Gefahr für Mensch und Umwelt. 2026.
16Vgl.: United States Environmental Protection Agency: Reducing PFAS in Drinking Water with Treatment Technologies. 2026.
17Vgl.: United States Environmental Protection Agency: Identifying Drinking Water Filters Certified to Reduce PFAS. 2025.
18Vgl.: Brita SE: Ewigkeitschemikalien PFAS: Das solltest du wissen! 2026.
19Vgl.: Tagesschau.de: PFAS-Chemikalien aus dem Trinkwasser filtern. 2023.
20Vgl.: BUND: PFAS: Ewigkeitschemikalien sind fast überall. 2026.