Chloride sind die Salze der Salzsäure (Chlorwasserstoffsäure, HCl) und kommen in der Natur vor allem als Natriumchlorid (Kochsalz) und Magnesiumchlorid vor.
Chlorid kann auf zwei verschiedenen Wegen in Grund- sowie Brunnenwasser und somit auch in das Rohwasser für Trinkwasser gelangen:
Geogene Vorkommen von Chlorid
- Natriumchlorid und Magnesiumchlorid aus Salzlagerstätten
- Chlorid in Solen und Meerwasser
- Thermalwasser (Tiefengrundwasser) aus salzhaltigen Gesteinen
Anthropogene Einträge von Chlorid
- Salzbergbau und Salzaufbereitung führen oft zu chloridhaltigen Abfällen bzw. Abwässern, welche zu einer Wasserverunreinigung führen können.
- Haushaltsabwässer enthalten erhöhte Mengen an Chlorid.
- Winterliche Straßensalzung erhöht die Chloridwerte im Boden und Grundwasser.
- Der Einsatz chloridhaltiger Düngemittel trägt ebenfalls zu Chlorideinträgen bei.1,2
Chlorid ist ein für den Menschen essentieller (lebensnotwendiger) Mineralstoff, der täglich über die Nahrung in Mengen von 3 bis 12 g aufgenommen wird. Durch den menschlichen Stoffwechsel wird das aufgenommene Chlorid wieder ausgeschieden.
Dies allein führt zu einem Anstieg der Chloridkonzentration im Abwasser um 39 bis 58 mg/l. Daher gilt Chlorid als Indikator für die Belastung von häuslichem Abwasser.
👉Chlorid spielt eine wichtige Rolle für die Aufrechterhaltung des osmotischen Drucks und des Wasser-, Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalts.
👉Chlorid ist weiterhin als Salzsäure (HCl) Bestandteil des Magensafts, welcher der Verdauung und Abwehr von Krankheitserregern dient.
👉Die Zufuhr von Chlorid über die Nahrung erfolgt hauptsächlich zusammen mit Natrium als Natriumchlorid (NaCl, Speisesalz). Bei der Mehrheit der deutschen Bevölkerung ist die Speisesalzzufuhr zu hoch.
👉Toxische Wirkungen von Chlorid selbst sind nicht bekannt. Nach Zufuhr von hoch dosiertem Kaliumchlorid als Speisesalzersatz oder Nahrungsergänzungsmittel sind Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System beschrieben worden, wobei der Einfluss von Chlorid zur Entstehung dieser Symptome unklar ist.
👉Geringe Überschreitungen des Grenzwertes stellen in der Regel kein Gesundheitsrisiko für Verbraucher dar. Für die Zubereitung von Speisen und Getränken für Säuglinge und Kleinkinder sollte jedoch Trinkwasser verwendet werden, das den Grenzwert einhält. Andernfalls sollte auf abgepacktes, entsprechend gekennzeichnetes Wasser zurückgegriffen werden.
👉 In höherer Konzentration beeinträchtigt Chlorid den Wassergeschmack und das Trinkwasser kann korrosiv wirken.3,4,5
Eine Erhöhung des Chloridgehalts im Wasser begünstigt elektrochemische Prozesse und damit grundsätzlich auch Korrosionsprozesse an metallischen Materialien.
Außerdem geht Chlorid keine Wechselwirkung mit Metallen ein, die zur Bildung schützender Deckschichten führen. Chlorid ist daher ein wichtiger Parameter bei der Beurteilung der Wahrscheinlichkeit von Korrosionsschäden.
Um Chlorid im Wasser zu bestimmen, sind folgende Analyseverfahren möglich:
Elektrische Leitfähigkeit
Hohe Salz- bzw. Chloridkonzentrationen im Wasser lassen sich durch die Messung der elektrischen Leitfähigkeit nachweisen. Die Methode eignet sich besonders für kontinuierliche Überwachungen und Felduntersuchungen. Sie ist beispielsweise nützlich, um möglichen Meerwassereinfluss in küstennahen Brunnen zu erkennen. Weitere Informationen zur elektrischen Leitfähigkeit finden Sie in unserem Ratgeber 👉 „Elektrische Leitfähigkeit im Wasser: Bedeutung, Messung & Praxis-Tipps”.
Spektrophotometrischer Nachweis
Bei Umsetzung von Chloridlösungen mit Quecksilberthiocyanat entsteht Quecksilber(I)-chlorid. Das dabei freigesetzte Thiocyanat bildet mit Eisen(III)-Ionen rotes Eisen(III)-thiocyanat. Die entstandene Rotfärbung wird photometrisch bestimmt.
Die Menge des Farbstoffes wird bestimmt, indem mit einem Spektrophotometer gemessen wird, wie viel Licht der Farbstoff bei einer bestimmten charakteristischen Wellenlänge (525 nm für Chlorid) absorbiert. Die Absorptionsmessung gibt Rückschluss auf die Konzentration von Chlorid in der Probe.7
Ionenchromatograph
Es handelt sich um ein Trennverfahren, mit dem geladene Moleküle in einem Stoffgemisch erkannt und gemessen werden können. Bei der Ionenchromatographie wird eine mobile Phase (Flüssigkeit zum Transport der Probe durch die Trennsäule) durch das System gepumpt. Die zu analysierende Probe wird in das System injiziert und gelangt in die Trennsäule oder Ionenaustauschersäule, die aus Materialien wie Quarzglas, Epoxidharzen oder Polyetheretherketon besteht. Ein Detektor identifiziert die Inhaltsstoffe der Probe und misst ihre Mengen.
Mit dem Ionenchromatographen werden Anionen (negativ geladenes „Teilchen” bzw. Ion) wie z. B. Nitrit, Nitrat, Sulfat und Chlorid-Ionen bestimmt.
Wie kann ich eine Wasserprobe im Labor beauftragen?
Haftungsausschluss/Empfehlung
Die in diesem Ratgeber getätigten Aussagen und Empfehlungen wurden von uns gründlich recherchiert. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität können wir jedoch nicht garantieren.
Verweise
1Vgl.: NLWKN: Parameterblatt Natriumchlorid. Aurich 2017.
Online verfügbar unter: https://www.nlwkn.niedersachsen.de/download/122924/Natriumchlorid_im_Grundwasser_Ostfrieslands_-_Daten_2000_bis_2016_NLWKN_2017_.pdf (Abgerufen am 18.05.2026).
2Vgl.: Walter Kölle: Wasseranalysen – richtig beurteilt. Grundlagen, Parameter, Wassertypen, Inhaltsstoffe. 3., überarbeitete Auflage. Wiley-VCH, Weinheim 2010.
3Vgl.: Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU): Grundwasserbeschaffenheit.
Online verfügbar unter: https://www.lfu.bayern.de/wasser/grundwasserbeschaffenheit/index.htm (Abgerufen am 12.02.2025).
4Vgl.: Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz: Natrium.
Online verfügbar unter: https://www.umwelt.niedersachsen.de/startseite/themen/wasser/grundwasser/grundwasserbericht_niedersachsen/grundwasserbeschaffenheit/guteparameter/grundprogramm_des_nlwkn/natrium/Natrium-137604.html (Abgerufen am 18.05.2026).
5Vgl.: Walter Kölle: Wasseranalysen – richtig beurteilt. Grundlagen, Parameter, Wassertypen, Inhaltsstoffe. 3., überarbeitete Auflage. Wiley-VCH, Weinheim 2010.
6Vgl.: Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU): Grundwasserbeschaffenheit.
Online verfügbar unter: https://www.lfu.bayern.de/wasser/grundwasserbeschaffenheit/index.htm (Abgerufen am 12.02.2025).
7Vgl.: Chemie.de: Atomspektroskopie. Online verfügbar unter: https://www.chemie.de/lexikon/Atomspektroskopie.html (Abgerufen am 18.05.2026).