
Hygienemanagement im Pferdestall
Jeder Pferdestall, sei es noch so ein kleiner Offenstall oder der große Sportpferdestall, sollte sein eigenes Konzept für Hygiene haben. Das hat den einfachen Grund, dass Pferde recht anfällig für Krankheitserreger jeglicher Art sind1. Ihr Immunsystem ist stetig Parasiten, Viren, Bakterien und Schimmelpilzen ausgesetzt.
Eine Sterilität kann im Pferdestall nicht gewährleistet werden. Die eigenen Fäkalien, das Leben draußen, die Gesellschaft anderer Tiere wie Vögel und Nager machen dies verständlicherweise unmöglich. Zudem benötigen Pferde, wie wir Menschen, Anreize für ein aktives Immunsystem.
Stallbetreibern ist es allerdings möglich, Krankheitserreger zu minimieren und manche sogar komplett auszuschließen. In diesem Ratgeber erhalten Sie einen Überblick, was für Pferde besonders entscheidend bei der Stallhygiene ist. Zudem finden Sie Maßnahmen für eine gute Hygiene im Pferdestall.
Inhalt

Hygiene im Pferdestall: Allgemeines
Um Pferde vor ansteckenden Krankheiten zu schützen, ist es wichtig zu wissen, woran sich Pferde infizieren können. Damit wird schnell klar, wo Hygiene besonders angebracht ist. So sind neben dem direkten Kontakt zwischen Pferden folgende Überträger möglich2:
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Aerosole (feine Tröpfchen, die Keime enthalten)
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Infizierte Körperflüssigkeiten (Blut, Urin, Nasenschleim)
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Kot
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Kontaminiertes Einstreu
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Futter und Wasser sowie die Tröge, Eimer und Tränken
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Personen
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Equipment zum Ausmisten, wie Mistkarren, Mistgabeln, Schaufeln etc.
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Gegenstände, die zum Pferd gehören, wie Halfter, Putzzeug, Decken
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Schadnager wie Ratten und Mäuse
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Vögel.
Hier gilt es für Pferdehalter anzusetzen, um Pferde vor möglichen Krankheiten zu schützen. Dabei ist es nicht nur damit getan, den Pferdemist richtig zu entsorgen und das Futter optimal zu lagern, sondern auch eine regelmäßige Reinigung und Desinfektion durchzuführen und zu wissen, was man gegen Nager und Vögel tut. Zudem sollte für alle Pferde ein gemeinsames Gesundheitsmanagement mit Impfen und Entwurmen feststehen. Zu guter Letzt hilft eine Hygieneregelung für Personen, die nicht direkt zum Stall gehören.

Hygiene in der Pferdebox
Die regelmäßige Entsorgung von Pferdemist, je nach Haltung (Wechselstreu oder Matratze), hilft nicht nur der Gesundheit der Pferde durch ein gutes Stallklima, sie werden auch vor Erkrankungen wie Strahlfäule, Mauke oder einem übermäßigen Parasitenbefall geschützt. Dabei ist es essenziell, dass die Einstreu immer von guter Qualität ist und keinen Schimmel oder andere Krankheitserreger enthält.
Neben der Sauberkeit der Einstreu ist auch das Reinigen der Futter- und Wassertröge notwendig. In den Futtertrögen bleiben gelegentlich Futterreste zurück, die schimmeln können. Das Tränkwasser für Pferde sollte den Standards des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMEL) entsprechen. Es ist auch empfehlenswert, die Tränken regelmäßig zu reinigen, denn auch hier bilden sich Bakterien, die für Pferde gefährlich werden können.
Zur Hygiene der Pferdebox gehört ebenfalls das Reinigen der Gerätschaften, die zum Ausmisten, Einstreuen und Füttern genutzt werden. Mist- und Heugabeln, Schubkarren, Schaufeln, Besen und Futterschaufeln sollten dabei regelmäßig gründlich gereinigt und desinfiziert werden.3

Desinfektion Pferdestall
Die komplette Reinigung und Desinfektion der Pferdebox empfiehlt sich mindestens einmal jährlich, wenn alle Pferde auf der Weide stehen. Aber auch, wenn ein Pferd eine neue Box bezieht.4
Neben der Entfernung der kompletten Einstreu gehören auch das Entfernen aller Spinnweben sowie die Reinigung der Futtertröge und Tränken dazu. Ein Hochdruckreiniger erleichtert die Arbeit. Dabei ist es allerdings zu beachten, dass dabei keine Aerosole entstehen, die Keime durch den Stall tragen.5
Nach der mechanischen Reinigung ist es empfehlenswert, eine Desinfektion durchzuführen, damit möglichst viele Bakterien verschwinden. Dabei ist es sinnvoll, Desinfektionsmittel zu verwenden, die 90 Prozent aller Keime abtöten. Hierbei kann ein Tierarzt Hilfestellung geben, da er die aktuell wirksamsten Desinfektionsmittel und deren Dosierung kennt.6
Häufig wird Kalk zur Desinfektion genutzt. Es ist ein sehr natürliches Mittel, das durch seine alkalischen Eigenschaften Keime reduziert.7
Hinweis: Kalk entfernt nicht alle Keime, und bei dem Ausbruch einer Infektionskrankheit sollte lieber auf ein vom Tierarzt empfohlenes Desinfektionsmittel zurückgegriffen werden.
Bei der Desinfektion des Pferdestalls sollte unbedingt auf den Selbstschutz geachtet werden. Einmal-Overalls, Handschuhe und Atemschutzmasken sind hier hilfreich. Zum einen werden so keine möglichen Keime eingeatmet, zum anderen nicht durch die eigene kontaminierte Kleidung weiter getragen.8

Pferdeequipment regelmäßig reinigen
Neben den Örtlichkeiten ist es notwendig, dass auch das Equipment der Pferde regelmäßig gereinigt wird. Hier fühlen sich unterschiedliche Bakterien, Schimmel und kleine Parasiten auch wohl. Putzzeug, Decken, Halfter und auch das Lederequipment sind besonders wichtig. Ist das regelmäßig mit Wasser und Seife gereinigt, werden schon viele Keime minimiert.
Ist das Pferd krank, ist ebenfalls eine Desinfektion von sämtlichem Zubehör angebracht. Der behandelnde Tierarzt kann das richtige Desinfektionsmittel dafür empfehlen.

Hygieneproblem: Mäuse und andere Tiere im Pferdestall
Mäuse, Ratten und Vögel können ein ernsthaftes Hygieneproblem darstellen. Durch ihre Fäkalien oder Kadaver übertragen sie eine Reihe von ernsthaften Infektionskrankheiten wie die Borna’sche Krankheit, Botulismus oder die Hantavirus-Krankheit. Um dies zu verhindern, ist zum einen eine gute Futterherstellung und -lagerung essenziell. Und zum anderen können Katzen die Nager im Zaum halten.9
Die richtige Futterlagerung und -herstellung
Dass die richtige Futterlagerung bei Einstreu und Raufutter notwendig ist, damit kein Schimmel entsteht, ist das eine. Das andere ist, dass auch Nager und ihre Fäkalien sowohl im Raufutter als auch im Kraftfutter nichts zu suchen haben. Das kann auf mehrere Arten verhindert werden.
Beim Herstellen des Raufutters ist besonders darauf zu achten, nicht zu tief zu mähen. Neben der Verunreinigung von Erde können auch Nager ins Mähwerk geraten und im Raufutter versterben. Ihre Kadaver sorgen dafür, dass der Keim Clostridium Botulinum ins Raufutter gelangt und Pferde vergiftet.10
Im Raufutterlager bietet es sich an, selbst regelmäßig auf Ratten oder Mäuse zu achten und Maßnahmen gegen sie zu ergreifen. Katzen oder Fallen sind dabei am besten geeignet. Rattengift einfach zu verstreuen ist keine gute Idee, da dieses auf gar keinen Fall ins Raufutter und Einstreu gelangen darf. Auch Pferde werden dadurch vergiftet.11
Bei der Lagerung von Kraftfutter und anderen Futtermitteln bieten sich fest verschließbare Behälter an, damit Nager und auch Vögel davon nicht angelockt werden und diese durch Urin und Fäkalien verunreinigen. Urin und Kot können Krankheiten wie die Borna’sche Krankheit oder die Hantavirus-Krankheit auslösen.
Kleiner Exkurs: Borna, Botulismus und Hanta
Die für Pferde riskantesten Erkrankungen, die durch Nager und Vögel ausgelöst werden, sind die Borna’sche Krankheit, Botulismus und die Hantavirus-Krankheit. Diese verlaufen in vielen Fällen tödlich, da sie spät erkannt werden.
Die Borna’sche Krankheit wird durch ein Virus, das durch die Fäkalien von Vögeln und Mäusen übertragen wird, ausgelöst. Dabei handelt es sich um eine eitrige Entzündung des Rückenmarks, die in 90 Prozent zum Versterben des Pferdes führt oder lebenslange Verhaltensstörungen auslöst.
Botulismus wird durch den Erreger Clostridium Botulismus ausgelöst, der sich im Boden befindet oder von den Kadavern von Nagern und Vögeln abgegeben wird. Der Keim gibt ein Nervengift ab, das im schlimmsten Fall eine Atemlähmung auslöst. Heilung kann nur gewährleistet werden, wenn es zeitig erkannt wird und das Gegengift verfügbar ist.
Das Hantavirus wird durch Speichel und Fäkalien von Mäusen übertragen. Es ist selten, aber trotzdem gefährlich. Neben grippeähnlichen Auswirkungen kann es auch zu hämorrhagischem Fieber und anhaltenden Nierenschäden führen.12

Hygiene im Pferdestall: Kleine Unterstützer
Nicht alle Tiere im Pferdestall können schädlich sein. So sind die unter Naturschutz stehenden Schwalben und Fledermäuse sehr nützlich. Zum einen sind sie ein Indikator für ein gutes Stallklima. Zum anderen minimieren sie lästige Insekten.
Da sie von März bis Juli ihre Jungen aufziehen, sollte man in dieser Zeit auf die Desinfektion des Stalls verzichten. Unter ihren Nestern kann man Bretter befestigen, die den Kot auffangen. Ein Stück Pappe auf dem Brett sorgt für eine leichte Reinigung.
Auch Spinnen sind nützliche Insektenfänger. Allerdings ist es ratsam, ihre Netze regelmäßig für ein besseres Stallklima zu entfernen, wenn sie mehr Staub- als Fliegenfänger sind.13

Hygienemanagement: Ein neues Pferd zieht ein
Zieht ein neues Pferd in den Stall ein, ist es empfehlenswert, dieses für ein bis drei Wochen in eine Quarantänebox und -paddock ziehen zu lassen. Dann kann ausgeschlossen werden, dass das Pferd ansteckende Krankheiten hat, die es in die neue Herde einschleppen könnte.
Solche Quarantäneboxen sind immer empfehlenswert, wenn Pferde Infektionskrankheiten haben oder Pferde zu Besuch auf der Anlage sind (Turnier, Training etc.).
Der Mist dieser Boxen sollte mit separaten Gerätschaften und auf einem separaten Misthaufen entmistet werden, da auch von dem Mist eine Infektionsgefahr ausgeht.14

Personen tragen zur Hygiene bei
Auf einem Pferdehof gehen viele Menschen ein und aus. Fremde Personen wie Spaziergänger sollten durch Schilder darauf hingewiesen werden, dass das Betreten verboten ist. Unwissend können sie sonst Krankheiten einschleppen. Davon abgesehen, ist es aus Versicherungsgründen besser. Personen, die sich nicht mit Pferden auskennen, wissen nicht, welche Gefahren im Pferdestall lauern.
Tierärzte, Hufschmiede, Therapeuten und Trainer kommen und gehen und werden für die Pferde benötigt. Hier ist es empfehlenswert, sie auf die bestehenden Hygienevorschriften hinzuweisen. Ein separater Parkplatz ist ebenfalls von Nutzen, da auch durch Fahrzeuge Keime eingeschleppt werden können.15
Die Pferdehalter tragen maßgeblich zur Hygiene bei. Die Reinigung von Putzplätzen, das Abäppeln der Reitplätze und das zeitige Melden einer Erkrankung sind nur Beispiele für ein gemeinsames Hygienemanagement im Pferdestall. Weitere Beispiele:
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Beim Fegen das Aufwirbeln von Staub vermeiden.
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Schuhe und Kleidung wechseln, wenn man aus anderen Ställen kommt.
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Besucherzahl gering halten.
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Eigene Telefonnummer und die vom Tierarzt mitteilen.
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Termine für gemeinsamen Frühjahrsputz.

Hygiene im Pferdestall: Impfen und Entwurmen wichtig
Neben Infektionskrankheiten, die durch verschiedene Vektoren eingeschleppt werden können, ist ein gemeinsames Impf- und Entwurmungsmanagement maßgeblich, damit die Herde gemeinsam gesund bleibt.
Impfen hilft erfolgreich, Herden durch Prophylaxe gesund zu halten. Das Immunsystem wird angeregt, bestimmte Krankheitserreger zu bekämpfen. Für Pferde sind dabei Impfungen gegen Tetanus und Influenza ein Muss. Beiden Viren sind Pferde immer wieder ausgesetzt und können sie ohne Impfung schwer krank machen. Die Impfung ist also gelebter Tierschutz.16
Pferde sind zudem immer Endoparasiten ausgesetzt, die in hoher Zahl im Verdauungstrakt massive Schäden verursachen können. Um das Infektionsrisiko zu minimieren, ist es empfehlenswert, alle Pferde der Herde gleichermaßen zu entwurmen.17

Fazit: Hygienemanagement im Pferdestall
Neben dem regelmäßigen Ausmisten und Reinigen der Futtertröge und Tränke ist die Lagerung von Futter maßgeblich für eine gute Hygiene im Pferdestall. Nager und ihre Hinterlassenschaften müssen insbesondere vom Futter ferngehalten werden, da sie teils tödlich verlaufende Krankheiten bei Pferden – und übrigens auch Menschen – verursachen.
Quarantäne für neue und kranke Pferde ist essenziell, um die anderen Tiere im Bestand zu schützen. Impfungen und Entwurmen sind für die Gesundheit des gesamten Bestands unerlässlich.
Am Ende trägt jeder Pferdehalter im Stall dazu bei, dass ein gutes Hygienemanagement im Pferdestall möglich ist. Klare Regeln und ein gemeinsamer Frühjahrsputz helfen der Gesundheit aller Pferde im Stall.

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1 Vgl.: Richtlinien für Reiten und Fahren, Band 4, FN Verlag, 2021, S. 286 ff.
2 Vgl.: pferd-aktuell.de, Hygieneleitfaden Pferd, Deutsche Reiterlicher Vereinigung e. V., S.6 (abgerufen am 27.11.2024)
3 Vgl.: Richtlinien für Reiten und Fahren, Band 4, FN Verlag, 2021, S. 289 ff.
4 Vgl.: pferd-aktuell.de, Hygieneleitfaden Pferd, Deutsche Reiterlicher Vereinigung e. V., S.11 (abgerufen am 27.11.2024)
5 Vgl.: Bender, Ingolf: Pferdehaltung und Fütterung, Kosmos Verlag, 2022, S. 116 ff.
6 Vgl.: pferd-aktuell.de, Hygieneleitfaden Pferd, Deutsche Reiterlicher Vereinigung e. V., S.11 (abgerufen am 27.11.2024)
7 Vgl.: Hoffman, Gerlinde: Pferdehaltung, Ställe und Reitanlagen. FN Verlag, 2019, S.182f.
8 Vgl.: Bender, Ingolf: Pferdehaltung und Fütterung, Kosmos Verlag, 2022, S. 116 ff.
9 Vgl.: Richtlinien für Reiten und Fahren, Band 4, FN Verlag, 2021, S. 289 ff.
10 Vgl.: a. a. O., S.287
11 Vgl.: pferd-aktuell.de, Hygieneleitfaden Pferd, Deutsche Reiterlicher Vereinigung e. V., S.10 (abgerufen am 27.11.2024)
12 Vgl.: Richtlinien für Reiten und Fahren, Band 4, FN Verlag, 2021, S. 286 ff.
13 Vgl.: Hoffman, Gerlinde: Pferdehaltung, Ställe und Reitanlagen. FN Verlag, 2019, S.182f.
14 Vgl.: pferd-aktuell.de, Hygieneleitfaden Pferd, Deutsche Reiterlicher Vereinigung e. V., S.16 (abgerufen am 27.11.2024)
15 Vgl.: a. a. O., S.14
16 Vgl.: a. a. O., S.33 ff.
17 Vgl.: a. a. O., S.37 ff.