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Was sind Kalziumsilikatplatten?

Bei Kalziumsilikatplatten (auch als Klimaplatten oder Kalziumsilikat-Dämmplatten bezeichnet) handelt es sich um einen rein mineralischen Baustoff, der aus Siliziumdioxid, Kalziumoxid, Wasserglas (wasserlösliche Alkalisilikate) und Cellulosefasern unter hohem Dampfdruck hergestellt wird. Durch diesen Herstellungsprozess entsteht eine offenporige, kristalline Materialstruktur, welche den Platten charakteristische Eigenschaften verleiht.1

Unter welchen Bedingungen entsteht Schimmel in Innenräumen?

Schimmel kann immer dann entstehen, wenn über längere Zeit ausreichend Feuchtigkeit vorhanden ist. Außerdem muss „Schimmelnahrung” in Form organischer Stoffe wie Zellulose (einige Tapeten, Holz), Leder, Baumwolle etc. vorhanden sein. Schmutzanhaftungen mit organischen Bestandteilen (oft im Hausstaub vorhanden) reichen vielen Schimmelpilzen ebenfalls als Nahrungsgrundlage. Ein wesentlicher Risikofaktor für Schimmelbildung ist eine erhöhte Luftfeuchtigkeit von über 60 %, welche an kühlen Flächen zu Kondenswasserbildung führen kann. Schimmel tritt unter anderem bevorzugt an den folgenden Stellen auf:2

  • Außenwände in schlecht gedämmten Altbauten

  • Raumecken

  • Bereiche hinter großen Möbeln (mangelnde Luftzirkulation)

  • Fensteranschlüsse und Fensterlaibungen, wenn diese mangelhaft gedämmt sind

  • Kellerwände

  • Badezimmerdecken

Wie wirken Kalziumsilikatplatten gegen Schimmel?

Die schimmelvorbeugende Wirkung von Kalziumsilikatplatten beruht auf mehreren Eigenschaften:3, 4, 5

  • Feuchtigkeitsregulation: Dank ihrer kapillaren Struktur können Kalziumsilikatplatten Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft aufnehmen und bei trockenerer Luft wieder abgeben. Dies hilft, die relative Luftfeuchtigkeit in einem Raum stabil zu halten – ein entscheidender Faktor, um Schimmelbildung zu verhindern.

  • Alkalischer pH-Wert: Der hohe pH-Wert (meist zwischen 10 und 12) der Platten schafft eine Umgebung, in der Schimmelpilze kaum überleben können. Schimmelsporen (feine „Samen” des Schimmels) benötigen in der Regel einen neutralen bis sauren pH-Bereich, um zu keimen und zu wachsen.

  • Diffusionsoffenheit: Die Platten sind wasserdampfdurchlässig, was bedeutet, dass sie Feuchtigkeit aus Wänden oder Decken nach außen abgeben können. So kann schimmelfördernde Kondenswasserbildung an zum Beispiel mit den Platten verkleideten Wänden verhindert werden.

Vorteile von Kalziumsilikatplatten

Kalziumsilikatplatten haben unter anderem die folgenden Vorteile:5, 6, 7

✔️ Effektive Schimmelprävention

Die Fähigkeit zur Regulation der Luftfeuchtigkeit, das Vermögen, Feuchtigkeit von Wänden an die Oberfläche zu leiten sowie ihr hoher pH-Wert machen Kalziumsilikatplatten zu wirksamen „Anti-Schimmel-Platten”.

✔️ Gesundheitliche Unbedenklichkeit

Im Gegensatz zu einigen chemischen Schimmelbekämpfungsmitteln sind Kalziumsilikatplatten nicht gesundheitsschädlich. Sie enthalten in der Regel keine gesundheitlich bedenklichen Stoffe wie Formaldehyd oder Lösemittel und sind daher auch für Allergiker und Menschen mit empfindlichen Atemwegen geeignet.

💡 Wichtig zu wissen: Bei der Verarbeitung von Kalziumsilikatplatten (z. B. beim Sägen) kann silikathaltiger, alkalischer Staub freigesetzt werden, welcher gesundheitsschädlich ist. Daher sollte bei entsprechenden Arbeiten ein Atemschutz (FFP-3) und eine dicht abschließende Schutzbrille (Staub kann Augen reizen) getragen werden.

✔️ Langlebigkeit, Druckstabilität

Kalziumsilikatplatten sind druckstabil und alterungsbeständig. Sie verformen sich nicht, rosten nicht und sind resistent gegen Schädlinge wie Insekten oder Nagetiere. Zudem sind sie brandhemmend (Brandschutzklasse A1 oder A2) und tragen damit zur Sicherheit im Gebäude bei.

✔️ Einfache Verarbeitung

Die Platten lassen sich mit Standardwerkzeugen wie Sägen oder Cuttern (dünne Platten) zuschneiden und können mit speziellen Klebern oder Dübeln an Wänden und Decken befestigt werden.

Nachteile von Kalziumsilikatplatten

Trotz ihrer vielen Vorteile gibt es auch einige Nachteile von Kalziumsilikatplatten, die bei der Sanierungs- bzw. Montageplanung berücksichtigt werden sollten:4, 6, 8

❌ Begrenzte Dämmwirkung

Obwohl Kalziumsilikatplatten eine gewisse Wärmedämmung bieten, ist ihre Dämmleistung im Vergleich zu klassischen Dämmstoffen wie Mineralwolle oder Polystyrol eher gering. Die Wärmeleitfähigkeit (λ-Wert) liegt bei etwa 0,055 bis 0,07 W/(m·K). Für eine effektive Kalziumsilikatplatten-Dämmung sind daher oft dickere Platten oder eine Kombination mit anderen Dämmmaterialien notwendig.

❌ Hohe Materialkosten

Kalziumsilikatplatten sind im Vergleich zu herkömmlichen Gipskartonplatten oder anderen Baustoffen teurer. Die Preise liegen je nach Dicke und Hersteller zwischen 30 und 110 Euro pro Quadratmeter. Hinzu kommen Kosten für Kleber, Armierungsgewebe und gegebenenfalls Farbanstriche.

❌ Gewichtsbelastung

Die Platten sind relativ schwer – je nach Dicke wiegen sie zwischen 6 und 15 kg pro Quadratmeter. Dies kann bei der Montage an Decken oder leichten Trennwänden zu statischen Problemen führen. Eine fachgerechte Befestigung ist daher unerlässlich.

Einsatzbereiche: Wo lohnen sich Kalziumsilikatplatten?

Kalziumsilikatplatten eignen sich unter anderem besonders für folgende Bereiche:3, 4, 9

  • Innendämmung: Als Kalziumsilikatplatten-Innendämmung werden die Platten häufig in Altbauten eingesetzt, wo eine Außendämmung nicht möglich ist. Sie helfen, Wärmebrücken an Außenwänden zu reduzieren und die Wandtemperatur zu erhöhen. Dies kann eine schimmelfördernde Kondenswasserbildung oft verhindern.

  • Feuchträume: In Bädern, Kellern oder Waschküchen tragen Kalziumsilikatplatten dazu bei, die Luftfeuchtigkeit zu regulieren und Schimmelbildung zu verhindern.

  • Fensterlaibungen: Hier bilden sich oft Kondenswasser und Schimmel, da die Oberflächentemperatur der Laibungen niedriger ist als in anderen Raumbereichen. Kalziumsilikatplatten in Fensterlaibungen können diesen Problemen entgegenwirken.

Praxistipps: richtige Montage von Kalziumsilikatplatten

Bei der Montage von Kalziumsilikatplatten sollten unter anderem folgende Punkte beachtet werden:4, 7, 10, 11, 12

Atemschutz und Schutzbrille tragen

Wie bereits erwähnt, kann bei der Verarbeitung von Kalziumsilikatplatten gesundheitsschädlicher silikathaltiger Staub freigesetzt werden. Daher sollte bei der Montage ein FFP3-Atemschutz getragen werden. Außerdem wirkt der alkalische Staub reizend auf die Augen. Daher ist eine dicht abschließende Schutzbrille empfehlenswert. Außerdem sollte möglichst staubarm gearbeitet werden (z. B. Verwendung von Sägen mit Absaugung).

Vorbereitung der Untergründe

  • Der Untergrund muss trocken, sauber und tragfähig sein.

  • Schimmelbefall muss vor der Montage fachgerecht entfernt werden.

  • Risse und Unebenheiten sollten ausgeglichen werden, um eine ebene Fläche für die Platten zu schaffen.

Montage

  • Die Platten werden mit einem speziellen Kleber oder mechanisch mit Schrauben und Dübeln befestigt.

  • Zwischen den Platten sollten keine Lücken und zwischen Wänden und Platten keine Hohlräume entstehen. Sonst könnte es an den Stellen zu Kondenswasserbildung kommen.

Oberflächenbehandlung

  • Kalziumsilikatplatten sollten vor einer weiteren Oberflächenbehandlung mit einer speziellen, diffusionsoffenen Haftgrundierung versehen werden.

  • Die Platten können nach der Haftgrundierung unter anderem mit diffusionsoffenen Silikatfarben oder -putzen beschichtet werden, um die diffusionsoffenen Eigenschaften zu erhalten.

  • Herkömmliche Dispersionsfarben oder nicht diffusionsoffene Tapeten sollten vermieden werden, da sie die Feuchtigkeitsregulation behindern.

Lüftung und Raumklima

Auch bei vorhandenen Kalziumsilikatplatten ist unter anderem regelmäßiges Lüften notwendig, um die Luftfeuchtigkeit in Innenräumen nicht zu weit ansteigen zu lassen und insgesamt das Raumklima zu verbessern.

Ein Hygrometer kann helfen, die relative Luftfeuchtigkeit (ideal: 40 – 60 %) zu kontrollieren. Noch praktischer ist ein Thermo-Hygrometer zur gleichzeitigen Messung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit mit einem integrierten Schimmelalarm.

👉 Weitere Informationen zum idealen Raumklima erhalten Sie in unserem Ratgeber „Welches Raumklima ist optimal? Luftfeuchtigkeit, Temperatur, Wirkungen auf die Gesundheit, Maßnahmen und Tipps zur Verbesserung”.

👉 Wie Sie richtig heizen und lüften, um Schimmel zu vermeiden, erfahren Sie hier: „Richtig heizen und lüften – weniger Kosten und Schimmel!”.

Mögliche Alternativen zu Kalziumsilikatplatten

Wer nach einer Alternative zu Kalziumsilikatplatten sucht, kann unter anderem auf die folgenden Platten zurückgreifen. Allerdings weisen diese nicht immer alle Anti-Schimmel-Eigenschaften von Kalziumsilikatplatten auf:

  • Mineralschaumplatten: Diese Platten bestehen aus Kalk, Zement und Quarzsand und sind wie Kalziumsilikat diffusionsoffen sowie kapillaraktiv. Da sie ebenfalls einen hohen, alkalischen pH-Wert aufweisen, hemmen die Platten auf natürliche Weise Schimmelbefall. Ein großer Vorteil gegenüber Kalziumsilikatplatten ist ihre deutlich bessere Wärmedämmwirkung bei gleichzeitig geringerem Eigengewicht. Allerdings ist das Material mechanisch relativ empfindlich.13

  • Holzweichfaserplatten: Dieser ökologische Dämmstoff aus nachwachsenden Holzfasern besitzt die Eigenschaft, bis zu 15 % seines Eigengewichts an Feuchtigkeit aufzunehmen und kontrolliert wieder abgeben zu können. Im Gegensatz zu Kalziumsilikatplatten bieten Holzfaserweichplatten eine spürbar bessere Wärmedämmung. Eine Anti-Schimmel-Wirkung durch Alkalität ist jedoch nicht vorhanden. Da es sich bei Holz um ein organisches Material handelt („Schimmelnahrung”), besteht bei dauerhafter Durchfeuchtung sogar ein erhöhtes Schimmelrisiko. Deshalb ist der Einbau in schimmelgefährdeten Bereichen nicht zu empfehlen.14

  • Perlit-Dämmplatten: Diese Platten werden aus aufgeblähtem, vulkanischem Glas (Blähperlit) unter Zusatz von Bindemitteln wie Zellulose gepresst. Perlit-Dämmplatten sind kapillaraktiv sowie diffusionsoffen. Aufgrund ihrer mineralischen Grundsubstanz sind die Platten außerdem resistent gegen Schimmelpilze. Im Vergleich zu Kalziumsilikatplatten sind Perlit-Dämmplatten deutlich leichter und weisen bessere Wärmeisolationseigenschaften auf. Nachteilig sind unter anderem die relativ hohen Anschaffungskosten.15

Vor der Montage von Kalziumsilikatplatten: Schimmelbefall im Labor analysieren lassen

Bevor Sie zum Beispiel Kalziumsilikatplatten montieren oder Schimmelsanierungsarbeiten durchführen, sollte mit einem Schimmeltest geklärt werden, ob überhaupt ein Schimmelbefall vorliegt. So kann Schimmel beispielsweise mit mineralischen Salzausblühungen verwechselt werden.

Wir bieten unter anderem die folgenden Schimmeltests an:

  • Schimmeltest Abklatsch: Ideal, um verdächtige Stellen auf Oberflächen zu testen, bevor der Untergrund für die Plattenmontage vorbereitet wird.

  • Schimmeltest Raumluft: Analysiert Schimmelpilzsporen in der Raumluft und deckt auf, ob sich zum Beispiel hinter Verkleidungen oder in unzugänglichen Ecken versteckter Schimmel befindet.

  • PCR-Test holzzersetzende Pilze: Sinnvoll, wenn sich Schimmel auf Fachwerk, Dach- oder Deckenbalken, hölzernen Stützpfeilern etc. zeigt. Es könnte sich dabei unter anderem um den Echten Hausschwamm handeln, welcher die Statik von Holzkonstruktionen ernsthaft bedrohen kann.

Die Probenahme für unsere Schimmeltests lässt sich dank der beigefügten, leicht verständlichen Anleitung ohne Vorkenntnisse einfach selbst durchführen. Anschließend schicken Sie die Probe im mitgelieferten Versandkarton an unser Partnerlabor. Das detaillierte Analyseergebnis kann dann in der Regel bereits nach kurzer Zeit online eingesehen werden.

Da bei den obigen Schimmeltests (je nach Testverfahren) die genauen Schimmelpilzgattungen oder sogar konkrete Arten bestimmt werden, erhalten Sie eine fundierte Grundlage, um gesundheitliche Risiken durch einen eventuellen Schimmelbefall einzuschätzen. Außerdem sind so teilweise gezieltere Sanierungs- und Präventionsmaßnahmen möglich.

FAQs: Kalziumsilikatplatten

Helfen Kalziumsilikatplatten wirklich gegen Schimmel?

Ja. Kalziumsilikatplatten können die Oberflächentemperatur von Wänden erhöhen, Feuchtigkeit puffern und Schimmelwachstum durch einen hohen pH-Wert hemmen. Priorität sollte allerdings immer die Beseitigung der eigentlichen Schimmelursachen (z. B. zu hohe Luftfeuchtigkeit, Wasserschäden) haben.

Können Kalziumsilikatplatten auf feuchte Wände geklebt werden?

Nein. Feuchte Wände durch Baumängel, Wasserschäden etc. sollten vor der Montage der Platten gründlich abtrocknen. Schimmelbefall muss ebenfalls vorher beseitigt werden. Kalziumsilikatplatten dienen eher als präventive Maßnahme gegen Schimmel und können keine großflächig und tief durchfeuchteten Wände „trocknen”.

Welche Nachteile haben Kalziumsilikatplatten?

Zu den wichtigsten Nachteilen der Platten gehören relativ hohe Anschaffungskosten, die begrenzte Dämmwirkung und ein relativ hohes Gewicht.