Bor ist ein natürlich vorkommendes Spurenelement. Chemisch gehört es zu den Halbmetallen und liegt meist in Form von Borsäure oder Boraten vor. Sein Vorkommen ist eng an geologische Prozesse gebunden. Deshalb findet man Bor in Gesteinen, Böden, Sedimenten sowie in Oberflächen- und Grundwasser.
Für das Verständnis von Bor im Trinkwasser ist hauptsächlich der natürliche Ursprung wichtig. Beim Verwittern von Gestein werden borhaltige Verbindungen freigesetzt. Diese gelangen in den Boden, werden mit dem Sickerwasser verlagert und können so ins Grundwasser übergehen. Da ein großer Teil des Trinkwassers aus Grundwasser gewonnen wird, lassen sich hier auch geringe Mengen Bor aus dem Wasserkreislauf nachweisen. Dass Bor im Trinkwasser messbar ist, bedeutet zunächst keine Belastung. In den meisten Fällen handelt es sich um einen natürlichen Bestandteil des Wassers, der erst bei erhöhten Konzentrationen gesundheitlich relevant wird.
Für Pflanzen ist Bor essenziell, etwa für das Zellwachstum und die Stabilität der Zellwände. Für den Menschen gilt Bor nach aktuellem Stand dagegen nicht als lebensnotwendig. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass es bestimmte Stoffwechselprozesse beeinflussen kann, etwa im Zusammenhang mit Mineralstoffen und dem Knochenstoffwechsel.
Bor gelangt in Folge natürlicher geologischer Prozesse ins Trinkwasser. Wenn Wasser durch borhaltige Gesteinsschichten und Böden sickert, kann es Bor aufnehmen. Auf diese Weise gelangt der Stoff ins Grundwasser und später in die Trinkwasserversorgung. Anders als viele Metalle wird Bor im Boden nur begrenzt zurückgehalten, da es meist als gelöste Borsäure vorliegt und nur schwach an Mineralien oder organische Bodensubstanz bindet. Dadurch ist Bor im Untergrund vergleichsweise mobil und kann bis ins Grundwasser gelangen. Wie hoch die Konzentration ist, hängt stark von den regionalen geologischen Verhältnissen ab.
Daneben gibt es auch anthropogene Einträge. Dazu zählen unter anderem Waschmittelrückstände, da bestimmte Borverbindungen früher oder teils noch in Reinigungsprodukten verwendet wurden. Auch die Landwirtschaft kann eine Rolle spielen, etwa durch borhaltige Düngemittel oder Einträge über belastete Stoffströme. Hinzu kommen mögliche Belastungen aus industriellen Prozessen oder Abwässern. In der Praxis sind diese menschlichen Bor-Quellen im Trinkwasser jedoch oft von geringerer Bedeutung als die natürlichen Einträge aus dem Untergrund.1
Für die Bewertung von Bor im Wasser ist diese Unterscheidung wichtig. Erst wenn erhöhte Werte gemessen werden, stellt sich die Frage, ob neben geogenen Ursachen auch zusätzliche anthropogene Einträge berücksichtigt werden müssen.2
Die Borwerte im deutschen Trinkwasser liegen in der Regel deutlich unter dem gesetzlichen Grenzwert. Gesundheitlich relevant wird Bor erst, wenn über längere Zeit erhöhte Konzentrationen aufgenommen werden.3
🔍 Wie nimmt der Körper Bor auf?
Bor gelangt hauptsächlich über die Nahrung in den Körper – zum Beispiel über Obst, Gemüse und Nüsse. Trinkwasser trägt im Vergleich dazu nur einen kleineren Anteil zur täglichen Aufnahme bei.
Selbst wenn Bor im Wasser enthalten ist, spielt es für die Gesamtaufnahme meist nur eine untergeordnete Rolle.
🔍 Welche Wirkung hat Bor im Körper?
Bor wird im Körper gut aufgenommen, aber auch schnell wieder ausgeschieden. Es reichert sich daher nicht dauerhaft an.4
Bor kann möglicherweise
- den Calcium- und Vitamin-D-Stoffwechsel beeinflussen und
- eine Rolle für den Knochenstoffwechsel
Für den Menschen gilt Bor aktuell jedoch nicht als essenzieller Nährstoff.5
🔍 Wann kann Bor gesundheitlich problematisch werden?
Ob Bor im Trinkwasser gesundheitlich relevant ist, hängt von der aufgenommenen Menge ab.
Normale Mengen:
- tägliche Aufnahme insgesamt: etwa 1–2 mg Bor pro Tag
- davon nur ein kleiner Teil über Trinkwasser
→ Diese Mengen gelten als unbedenklich.
Erhöhte Mengen:
- langfristige Aufnahme von deutlich höheren Mengen
- Orientierung: Ab etwa 10 mg pro Tag wird die empfohlene Obergrenze erreicht.
→ In diesem Bereich kann Bor gesundheitlich relevant werden.
Mögliche Auswirkungen sind:
- Beeinträchtigung der Fortpflanzung und Entwicklung,
- Magen-Darm-Beschwerden,
- Unverträglichkeitsreaktionen.
Einige Gruppen reagieren empfindlich auf erhöhte Boraufnahmen:
- Säuglinge und Kleinkinder,
- Schwangere,
- Personen mit hoher Wasseraufnahme über längere Zeit.
Gerade bei der Zubereitung von Säuglingsnahrung sollte borhaltiges Wasser vermieden werden.6
Für Bor im Trinkwasser gelten gesetzliche und fachliche Vorgaben:
- Trinkwasserverordnung (TrinkwV)7:
Grenzwert von 1 mg pro Liter
→ Basiert auf gesundheitlichen Bewertungen und soll sicherstellen, dass auch bei langfristigem Konsum keine Risiken entstehen.
- Weltgesundheitsorganisation (WHO)8:
Richtwert von etwa 0,5 bis 2,4 mg pro Liter
→ Dient als wissenschaftliche Grundlage für nationale Grenzwerte und gesundheitliche Bewertungen.
- Umweltbundesamt (UBA)9:
verfolgt das Minimierungsgebot
→ Einträge in das Trinkwasser sollen grundsätzlich so gering wie möglich gehalten werden, auch unterhalb des Grenzwertes.
Die Grenzwerte sind zum Schutz der menschlichen Gesundheit so festgelegt, dass Trinkwasser auch bei langfristiger Nutzung unbedenklich bleibt.
In der öffentlichen Trinkwasseraufbereitung wird Bor meist nicht gezielt entfernt, da die gemessenen Konzentrationen in der Regel deutlich unter dem Grenzwert liegen.
Wird dennoch ein erhöhter Bor-Wert festgestellt, kann eine gezielte Aufbereitung sinnvoll sein.
Die Entfernung von Bor im Wasser ist technisch anspruchsvoll. Bor liegt meist als ungeladene Borsäure vor und lässt sich deshalb schwerer entfernen als viele andere Stoffe.
Für die Aufbereitung der Trinkwasser-Schadstoffe kommen insbesondere folgende Verfahren infrage:
- Umkehrosmose (RO):
→ Das wichtigste Verfahren in der Praxis.
→ Entfernt Bor über spezielle Membranen, oft in mehreren Stufen.
→ Teilweise wird der pH-Wert angepasst, um die Entfernung zu verbessern.
- Ionenaustausch (borselektive Harze):
→ Bindet Bor gezielt aus dem Wasser.
→ Wird vor allem in technischen Anlagen eingesetzt.
→ Erfordert regelmäßige Regeneration der Filtermaterialien.
Einfache Haushaltsfilter (z. B. Aktivkohle) sind dafür nicht geeignet, da sie gelöste Stoffe wie Bor kaum beeinflussen.10
Bor spielt im Trinkwasser meist nur eine untergeordnete Rolle. Deutlich relevanter sind andere chemische Parameter wie Blei, Kupfer, Nickel oder Mineralstoffgehalte. Wenn Sie die Qualität Ihres Trinkwassers überprüfen möchten, nutzen Sie ganz einfach den Wassertest Chemisch: Schwermetalle + Mineralstoffe
Bor im Trinkwasser ist in den meisten Fällen ein natürlicher Bestandteil und kein Hinweis auf eine Verunreinigung. Es gelangt überwiegend über geologische Prozesse ins Grundwasser und wird dadurch in geringen Mengen im Trinkwasser nachweisbar.
Entscheidend ist nicht das Vorkommen an sich, sondern die Höhe der Aufnahme. Erst bei dauerhaft erhöhten Mengen kann Bor gesundheitlich relevant werden.11
Die bestehenden Grenzwerte der Trinkwasserverordnung bieten dabei eine verlässliche Orientierung und stellen sicher, dass Trinkwasser auch langfristig sicher genutzt werden kann.
Wird im Trinkwasser Bor in höheren Konzentrationen vermutet, so besteht jedoch Handlungsbedarf.