PFAS im Meeresschaum
Weißer Schaum am Strand wirkt zunächst harmlos. Jedoch können PFAS im Meeresschaum hohe Konzentrationen erreichen. Eine gesundheitliche Gefährdung ergibt sich daraus nicht automatisch – eine sachliche Bewertung ist dennoch erforderlich.
Die Einordnung von PFAS im Meeresschaum basiert auf umweltchemischen Erkenntnissen zur Anreicherung bestimmter Stoffe im Meeresschaum. Dabei ist zu unterscheiden zwischen dem offenen Meerwasser und dem sichtbaren Schaum am Strand. Ob ein Kontakt gesundheitlich relevant sein kann, hängt von mehreren Faktoren ab – insbesondere von der gemessenen Konzentration sowie von Dauer und Intensität der Exposition. (Stand März 2026)
Inhalt
Was ist Meeresschaum – und wie entsteht er?
Meeresschaum ist ein natürlich auftretendes Phänomen, das vor allem bei starkem Wind und Wellengang zu beobachten ist. Er entsteht, wenn organische Substanzen im Wasser durch mechanische Bewegung aufgeschäumt werden. Dabei spielen Algenreste, Planktonbestandteile sowie gelöste Proteine eine zentrale Rolle.
Diese Stoffe wirken als natürliche Tenside. Sie stabilisieren Luftblasen, die durch Wellenbewegung ins Wasser eingetragen werden. An der Oberfläche sammeln sich diese Blasen und bilden sichtbaren Schaum. Besonders nach Algenblüten kann sich verstärkt Algenschaum an Stränden ablagern.1
Sowohl an der Nordsee als auch an der Ostsee tritt dieses Phänomen regelmäßig auf. Unterschiede ergeben sich aus den jeweiligen hydrographischen Bedingungen. Die Nordsee ist stärker durch Gezeiten und offenen Wasseraustausch geprägt, während die Ostsee ein vergleichsweise abgeschlossenes Brackwassersystem darstellt. Dennoch kann sich sowohl an der Nord- als auch Ostsee unter geeigneten Bedingungen Schaum großflächig bilden.
Grundsätzlich ist Meeresschaum zunächst kein Hinweis auf eine Schadstoffbelastung. Er ist Teil natürlicher biogeochemischer Prozesse im Küstenbereich. Umweltrelevant wird es dann, wenn sich neben organischem Material auch persistente Chemikalien im Schaum anreichern.
PFAS im Meeresschaum: Ist Schaum am Strand giftig?
PFAS im Meeresschaum können deutlich höhere Konzentrationen aufweisen als das umgebende Meerwasser. Daraus ergibt sich jedoch nicht automatisch eine gesundheitliche Gefährdung.
Im physikalischen Prozess der Schaumbildung können sich anthropogene Chemikalien anreichern. Hierzu zählen per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS), die aufgrund ihrer oberflächenaktiven Eigenschaften bevorzugt an der Grenzfläche zwischen Wasser und Luft auftreten.
Der belastete Meerschaum kann im Vergleich zum offenen Meerwasser deutlich höhere Konzentrationen an PFAS aufweisen. Dieses Phänomen beruht auf der physikochemischen Eigenschaft der Stoffgruppe, sich an Partikel- und Luft-Wasser-Grenzflächen anzulagern. Der sichtbare Schaum am Strand stellt somit nicht lediglich eine Ansammlung organischer Substanzen dar, sondern kann auch Umweltchemikalien enthalten.
Die Frage, ob Schaum am Strand giftig ist, lässt sich daher nicht pauschal beantworten. Ein kurzfristiger Kontakt gilt in der Regel nicht als akutes Gesundheitsrisiko. Relevanter ist eine wiederholte oder intensive Exposition, insbesondere wenn PFAS-belasteter Schaum verschluckt oder eingeatmet wird.1 (Stand: März 2026)
Warum reichern sich PFAS im Meeresschaum an?
Die Anreicherung von PFAS im Meeresschaum beruht auf den physikochemischen Eigenschaften dieser Stoffgruppe. Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen besitzen sowohl wasserabweisende als auch wasseranziehende Molekülanteile. Diese Struktur verleiht ihnen ausgeprägte oberflächenaktive Eigenschaften.2
An Grenzflächen – insbesondere zwischen Wasser und Luft – können sich PFAS bevorzugt anlagern. Genau an dieser Grenzfläche entstehen beim Brechen von Wellen unzählige Luftblasen. Beim Aufsteigen und Platzen dieser Blasen werden Stoffe, die sich an der Oberfläche angereichert haben, in konzentrierter Form in den entstehenden Schaum überführt.
Studien zeigen, dass PFAS im Meeresschaum im Vergleich zum umgebenden Meerwasser teils um ein Vielfaches höhere Konzentrationen erreichen können. Dieses Phänomen ist kein Hinweis auf eine neue Eintragsquelle, sondern ein Ausdruck der physikalischen Konzentration an der Wasser-Luft-Grenzfläche. Der sichtbare Schaum fungiert gewissermaßen als Sammelzone für oberflächenaktive Stoffe.
Ferner kann beim Zerplatzen der Schaumblasen sogenanntes Sea-Spray-Aerosol entstehen. Dabei werden feinste Partikel in die Luft abgegeben, die ebenfalls PFAS enthalten können. Dieser Mechanismus wird in der Umweltforschung als möglicher Transportpfad entlang von Küstenregionen untersucht.3
Die erhöhte Konzentration an PFAS im Schaum bedeutet daher nicht zwangsläufig eine hohe Belastung des gesamten Meeres. Vielmehr handelt es sich um eine lokal begrenzte Anreicherung, die sich aus den chemischen Eigenschaften der PFAS ergibt.
PFAS-belasteter Meeresschaum an der deutschen Nordsee und Ostsee
An der deutschen Nordsee und Ostsee wurden in einzelnen Küstenabschnitten erhöhte Konzentrationen an PFAS im Meeresschaum gemessen. Umweltorganisationen wie Greenpeace4 veröffentlichten PFAS-Proben unter anderem von Stränden auf Sylt und in Kühlungsborn, bei denen im Schaum höhere Werte an PFAS festgestellt wurden als im angrenzenden Meerwasser. Diese Ergebnisse beziehen sich auf konkrete Standorte und Zeitpunkte und stellen keine flächendeckende Bewertung der gesamten Küsten dar. Vergleichbare PFAS-Proben wurden auch an Küsten in Dänemark veröffentlicht, was zeigt, dass das Thema nicht auf deutsche Strände beschränkt ist.
Zwischen Meerwasser und Schaum ist dabei klar zu unterscheiden. Während PFAS im offenen Wasser in vergleichsweise niedrigen Konzentrationen vorkommen kann, wirkt der sichtbare Schaum als temporäre Konzentrationszone. Daraus lässt sich übrigens keine unmittelbare Aussage über die generelle Wasserqualität der Ostsee oder der Nordsee ableiten.
Die behördliche Badegewässerbewertung in Deutschland erfolgt auf Grundlage der EU-Badegewässerrichtlinie. Zuständig für die Überwachung der Grenzwerte an der Nordsee sind beispielsweise die jeweiligen Gesundheitsämter sowie das Landesamt in Schleswig-Holstein.5 Die Ergebnisse werden auf Landesebene und durch den Bund koordiniert und veröffentlicht. Sie konzentrieren sich vor allem auf mikrobiologische hygienische Parameter, insbesondere auf das Vorkommen von Escherichia coli und intestinalen Enterokokken. Diese Indikatorbakterien dienen dazu, fäkale Verunreinigungen und damit verbundene Infektionsrisiken für Badende zu beurteilen. Chemische Industriechemikalien wie PFAS sind bislang kein regulärer Bestandteil dieser routinemäßigen Einstufung. Eine als gut oder ausgezeichnet bewertete Wasserqualität bedeutet daher in erster Linie ein geringes mikrobiologisches Risiko für die Gesundheit – nicht zwingend die Abwesenheit einzelner Umweltchemikalien im Meeresschaum.
Kontakt mit Meeresschaum vermeiden? – Vorsorglicher Umgang an Nord- und Ostsee
Der Natur an Nord- oder Ostseestränden gänzlich aus dem Weg zu gehen, ist aufgrund von schädlichen PFAS im Meeresschaum nach aktuellem Kenntnisstand nicht erforderlich. Es reicht vermutlich aus,sichtbaren, stark ausgeprägten Schaum vorsorglich nicht direkt zu berühren.
Belasteter Meeresschaum tritt vorwiegend bei windigem Wetter und starkem Wellengang auf. Besonders dichte, weißlich-braune Schaumbänder am Strand entstehen durch die Ansammlung organischer Stoffe und können gleichzeitig Umweltchemikalien enthalten. Wenn Untersuchungen hohe PFAS-Konzentrationen im Meeresschaum zeigen, wird häufig empfohlen, den unmittelbaren Kontakt zu begrenzen.
Ein vorsorglicher Umgang bei Verdacht bedeutet insbesondere:
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sichtbaren Schaum nicht gezielt anfassen
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Kinder nicht im Schaum spielen lassen
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Schaum nicht verschlucken
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Hunde nicht darin toben oder daraus trinken lassen
Diese Hinweise beruhen auf dem Vorsorgeprinzip und der Tatsache, dass PFAS belasteter Meeresschaum lokal höhere Konzentrationen aufweisen kann als das umgebende Meerwasser.
Die allgemeine Wasserqualität der Ostsee und Nordsee wird indes nicht ausschlaggebend durch PFAS bestimmt, weshalb das Baden im Meerwasser von den zuständigen Behörden weiterhin als unproblematisch bewertet wird, sofern keine gesonderten Warnhinweise bestehen.
Schon gewusst?
Ein bewusster, informierter Umgang mit sichtbarem Schaum am Strand trägt dazu bei, mögliche Expositionen zu reduzieren, ohne die Nutzung und den Kontakt mit den Küstenregionen grundsätzlich einzuschränken.
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1 Vgl.: Environmental Research (Elsevier): Study on PFAS enrichment in sea foam and coastal waters, 2024, zuletzt gesehen am 01.03.2026.
2 Vgl.: Royal Society of Chemistry (RSC): Sea spray aerosols as a transport pathway for PFAS, RSC Publishing, 2025, zuletzt gesehen am 01.03.2026.
3 Vgl.: American Chemical Society (ACS): Sea foam could contain more “forever chemicals” than water below, Environmental Science & Technology, 2025, zuletzt gesehen am 01.03.2026.
4 Vgl.: Greenpeace Deutschland: PFAS im Meeresschaum – Umweltproblem mit Ewigkeitswert, Hamburg, zuletzt gesehen am 01.03.2026.
5 Vgl.: Ministerium für Justiz und Gesundheit des Landes Schleswig-Holstein: PFAS im Zusammenhang mit Badegewässern, Kiel, zuletzt gesehen am 01.03.2026.