Kissing Spines: Pferd mit Rückenschmerzen
Inhaltlich geprüft durch: Martin Stein
Inhalt
Wie Kissing Spines entstehen
Die Wirbelsäule des Pferdes besteht aus 50 bis 55 Wirbeln – je nachdem, wie viele Schwanzwirbel es hat. Diese Wirbel bestehen – außer dem ersten Hals- und dem letzten Schwanzwirbel – aus Wirbelkörpern und Wirbelbögen. Von den Bögen wiederum gehen jeweils 4 Wirbelfortsätze ab – oben, unten, links und rechts. Die oberen werden Dornfortsätze genannt. ¹
Die Dornfortsätze im vorderen Bereich der Wirbelsäule (Hals- und Brustwirbelsäule) sind leicht nach hinten gebogen, die im hinteren Bereich (ab ca. 14. bis 16. Brustwirbel, Lenden- und Schweifwirbel) leicht nach vorn. Die Dornfortsätze der letzten Brust- und Lendenwirbel stehen also von Natur aus etwas dichter. Genau hier entstehen auch häufig Kissing Spines. ²
Im Anfangsstadium sieht es im Röntgenbild wirklich so aus, als würden sich die Dornfortsätze im entsprechenden Bereich der Wirbelsäule leicht berühren. Wie ein leichter Kuss. Doch leider bleibt es nicht dabei, wenn die Erkrankung nicht rechtzeitig erkannt wird. Durch die Reibung entstehen entzündliche Prozesse in Muskulatur und an den Knochen. Dies hat zur Folge, dass die Dornfortsätze miteinander verwachsen, sich die Enden auflösen – ähnlich einer Arthrose – oder sich unechte Gelenke bilden. Wie es sich auch entwickelt, es ist sehr schmerzhaft fürs Pferd. ³
Kissing Spines können entstehen, wenn: ⁴
- Fehlerhaftes Reiten und falsche Ausbildung (falsche oder wenig Muskulatur)
- Muskelverspannungen oder -verletzungen
- Fehl- oder Überbelastung
- Zu schwerer und/oder unausbalancierter Reiter
- Unpassender Sattel
- Angeborene, engstehende Dornfortsätze (werden erst im 5. bis 10. Lebensjahr erkannt)
- Senkrücken (selten der Alterssenkrücken)
- Schäden an Bändern (Nacken-Rückenband)
💡 Wissenswert:
Kissing Spines entstehen bei ungerittenen wie auch bei gerittenen Pferden, bei Sport- wie bei Freizeitpferden gleichermaßen. Man beobachtet allerdings eine Häufigkeit bei englischen Vollblütern oder Vollblut-Kreuzungen (Stichwort: Rennpferde). ⁶
Kissing Spines sollten also so früh wie möglich behandelt werden, damit das Pferd möglichst mobil bleibt und keine Schmerzen hat. Dafür ist es wichtig, die ersten Symptome zu erkennen.
Kissing Spines erkennen: Symptome
Haben Pferde Kissing Spines, verursacht dies nicht nur starke Schmerzen. Meist zeigen diese sich wirklich erst, wenn die Erkrankung sehr weit fortgeschritten ist. In manchen Fällen zeigt ein Pferd sogar keine Schmerzen, wenn die Muskulatur, das Reiten und das Equipment immer stimmig sind. ⁷
Oft fangen die ersten Symptome von Kissing Spines allerdings mit dem Ausweichen beim Putzen an. Die Muskulatur im Rücken verkrampft sich, und das Pferd zieht den Rücken weg.
Weitere Symptome, die in jedem Fall ein Grund sind, den Tierarzt zu kontaktieren, können sein: ⁹
- Probleme beim Satteln, Gurten, Aufsitzen und/oder Losreiten
- Probleme in der Biegung (Pferd bewegt sich wie auf Schienen)
- Schwunglose Bewegung
- Pferd möchte nicht vorwärtsgehen (steif und klemmig)
- Kreuzgalopp
- Unarten wie Bocken, Steigen, Durchgehen oder Erstarren
- Pferd möchte nicht „über den Rücken“ oder in die Dehnungshaltung gehen
- Kopf- oder Schweifschiefhaltung
- Zähneknirschen
- Muskelschwund im betroffenen Rückenbereich
- Lahmheit oder unregelmäßige Taktfehler
Diagnose Kissing Spines: Auslöser identifizieren
Bevor es an eine bildgebende Diagnostik geht, wird der Tierarzt erst einmal ein paar andere Dinge erfragen. Besonders das Training des Pferdes steht dabei im Mittelpunkt. Wie wird es trainiert? Wie oft? Welche Probleme gibt es? ¹⁰
Nach der Provokationsprobe, also dem Abstreichen der Dornfortsätze (umstritten, da das Pferd ebenfalls bei Verspannungen darauf reagiert). Bleibt der Verdacht, dass das Pferd Kissing Spines haben könnte, nutzt der Tierarzt folgende Methoden, um die Diagnose zu bestätigen: ¹¹
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Diagnostische Anästhesie:
Lokale Betäubung der Dornfortsätze bis zur Schmerzausschaltung und besseren Beweglichkeit des Pferdes. Dies grenzt hauptsächlich den Bereich der Wirbelsäule ein, der betroffen ist.
-
Röntgen:
Hier erkennt der Fachmann, ob es unübliche knöcherne Verwachsungen oder Abbauten gibt.
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CT oder MRT:
Deutliche Veränderungen an den Wirbeln werden bei diesen bildgebenden Verfahren etwas detaillierter dargestellt und Entzündungsherde und gereizte Nerven werden besser erkannt.
-
Szintigrafie:
Besonders deutlich werden hier Entzündungsherde abgebildet und erleichtert somit die Lokalisation der schmerzenden Bereiche im Rücken.
Auch Blutwerte können bestätigend sein, da sich im Blut eine erhöhte Anzahl an Muskelenzymen befinden kann. ¹²
Bestätigt sich der Befund Kissing Spines, wird festgelegt, wie die beste Form der Therapie für das betroffene Pferd aussehen kann.
Sattel prüfen? Magnesium füttern? Was kann bei Kissing Spines helfen?
Ist die Diagnose Kissing Spines gestellt, gilt es, genau zu schauen, was das betroffene Pferd benötigt, damit es ihm besser geht. Fest steht: Diese Krankheit ist unheilbar, und die Therapie wird individuell auf das Pferd abgestimmt. ¹³
Das Wichtigste ist, dass das Pferd keine Schmerzen mehr hat. Hierfür werden Schmerzmittel und Entzündungshemmer verabreicht. In manchen Fällen werden diese sogar lokal unter Röntgen zwischen die Dornfortsätze gespritzt.
Außerdem sind Osteopathie und Physiotherapie förderlich, um Muskeln zu lockern, Blockaden zu lösen und die Durchblutung anzukurbeln. ¹⁴
Ein essenzieller Baustein in der Therapie eines Pferdes mit Kissing Spines ist das effektive Training der Rücken- und Bauchmuskulatur. Beide entlasten die betroffene Wirbelsäulenregion und können bei gestärkter Muskulatur dafür sorgen, dass das Pferd geritten werden kann. Denn nicht jedes Pferd ist gleich unreitbar.
Bei diesem Training vom Boden aus (Longe, Handarbeit) sind das Erreichen der Losgelassenheit und einer korrekten Dehnungshaltung oberstes Ziel. Diese können durch Stangenarbeit, Bergab- und Bergauflaufen sowie korrekte Seitengänge erreicht werden. ¹⁵
Neben dem Training sind möglichst viel freie Bewegung mit Artgenossen und eine artgerechte Haltung ein weiterer Baustein, um das Wohlbefinden des erkrankten Pferdes zu steigern.
Neben Medikamenten, manueller Therapie und angemessenem Training sind auch ein Blick auf den Sattel und die Hufe wichtig. Der Sattel sollte durch einen Fachmann an das Pferd so angepasst sein, dass er den Rücken nicht zusätzlich belastet und einen guten Aufbau und Erhalt der Muskulatur ermöglicht.
Die Hufbearbeitung wirkt sich auf die Rückenmuskulatur aus. Wird die Pflege der Hufe vernachlässigt und ist die Bearbeitung fehlerhaft, kann sich dies negativ auf die Stellung der Wirbel auswirken. ¹⁶
Ein letzter wichtiger Punkt in der Therapie von Kissing Spines ist qualitativ hochwertiges Raufutter wie Heu oder Heulage.
Zusätzlich ist gutes Mineralfutter für die Knochen und Muskulatur essenziell, damit diese aufgebaut werden. So sind Zink, Selen, Magnesium und Vitamin E die wichtigsten Bausteine. Allerdings ist wahlloses Zufüttern wenig sinnvoll, wenn Sie nicht genau wissen, woran es bei Ihrem Pferd fehlt. ¹⁷
Hier kann zum einen ein Bluttest beim Tierarzt Aufschluss darüber geben, was an Nährstoffen fehlt. Ein Blutbild zeigt allerdings nur den aktuellen Mineralstoffstatus am Tag der Probenentnahme. Der Test „Haarmineralanalyse: Haaranalyse für Ihr Pferd“ bildet dagegen die Versorgung über mehrere Wochen oder Monate ab. Denn die Probe kommt von dem Ort, an dem die Nährstoffe in richtiger Menge vorhanden sein sollten. Sie eignet sich daher besonders zur Erkennung eines Mangels und hilft Ihnen zu erkennen, welche Ergänzungen beim Futter wirklich notwendig sind, um Ihr Pferd ideal bei Kissing Spines zu unterstützen.
In besonders fortgeschrittenen Fällen der Krankheit, werden Pferde operiert, um ihnen die Schmerzen zu nehmen. Dabei werden die Dornfortsätze abgesetzt und unter Umständen auch Bänder durchtrennt. Nach der OP entsteht eine Delle im Rücken. Nach 6 Monaten Rekonvaleszenz sind diese Pferde wieder leicht reitbar. Diese Art der Therapie wird allerdings nur selten durchgeführt. ¹⁸
✅ Mineralstoffhaushalt prüfen
✅Schnelles Ergebnis
✅Verlässlicher Überblick
Fazit: Kissing Spines müssen kein Abschied vom Reitsport sein
Kissing Spines sind bei Pferden häufiger, als die meisten Pferdehalter denken. Es gilt wie immer: Je eher sie erkannt wird, desto besser! Auch, wenn Sie immer auf eine artgerechte Haltung achten, einen passenden Sattel haben, regelmäßige Tierarzt- und Hufbearbeitertermine wahrnehmen und das Pferd richtig trainieren, bleibt eine gewisse Restgefahr, dass das Pferd eine genetische Disposition für Kissing Spines besitzt.
Allerdings bedeutet die Diagnose von Kissing Spines nicht, dass Sie Ihr Pferd nicht wieder reiten dürfen. Mit der richtigen Behandlung und dem richtigen Aufbautraining sind die meisten erkrankten Pferde reitbar und können ein schmerzfreies Leben führen.
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Haftungsausschluss
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Quellenverzeichnis
¹ Vgl.: Cavallo: Die 100 wichtigsten Pferdekrankheiten, Müller Rüsschlikon Verlag, 1. Auflage 2023, S. 1197 ff.
² Vgl.: Lacroix, Charlotte: Kissing Spines beim Pferd - Ursachen, Symptome, Behandlung & Vorbeugung, 05.06.2026, abgerufen am 25.06.2026.
³ Vgl.: a.o.O.
⁴ Vgl.: Cavallo: Die 100 wichtigsten Pferdekrankheiten, Müller Rüsschlikon Verlag, 1. Auflage 2023, S. 1197 ff.
⁵ Vgl.: a.o.O.
⁶ Vgl.: a.o.O.
⁷ Vgl.: a.o.O.
⁸ Vgl.: a.o.O.
⁹ Vgl.: Lacroix, Charlotte: Kissing Spines beim Pferd - Ursachen, Symptome, Behandlung & Vorbeugung, 05.06.2026, abgerufen am 25.06.2026.
¹⁰ Vgl.: Cavallo: Die 100 wichtigsten Pferdekrankheiten, Müller Rüsschlikon Verlag, 1. Auflage 2023, S. 1197 ff.
¹¹ Vgl.: altano-group.de: Kissing Spines Pferd: Moderne Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten, 08.08.2025, abgerufen am 25.06.2026.
¹² Vgl.: a.o.O.
¹³ Vgl.: Cavallo: Die 100 wichtigsten Pferdekrankheiten, Müller Rüsschlikon Verlag, 1. Auflage 2023, S. 1197 ff.
¹⁴ Vgl.: altano-group.de: Kissing Spines Pferd: Moderne Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten, 08.08.2025, abgerufen am 25.06.2026.
¹⁵ Vgl.: Dr. Sitzenstock, Dr.: Kissing Spines – Wirbelsäulenkrankheit bei Pferden, 20.08.2024, abgerufen am 25.06.2026.
¹⁶ Vgl.: Lacroix, Charlotte: Kissing Spines beim Pferd - Ursachen, Symptome, Behandlung & Vorbeugung, 05.06.2026, abgerufen am 25.06.2026.
¹⁷ Vgl.: Dr. Sitzenstock, Dr.: Kissing Spines – Wirbelsäulenkrankheit bei Pferden, 20.08.2024, abgerufen am 25.06.2026.
¹⁸ Vgl.: Cavallo: Die 100 wichtigsten Pferdekrankheiten, Müller Rüsschlikon Verlag, 1. Auflage 2023, S. 1197 ff.