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Die Atmung des Pferdes

Der Atemtrakt des Pferdes ist etwas komplizierter und natürlich auch größer als der menschliche. So besteht er aus 

  • den oberen Atemwegen: Nüstern, Nasenlöcher, Nasenhöhlen, Nasennebenhöhlen, Nasenrachen, Kehlkopf, Luftsack 
  • und den unteren Atemwegen: Luftröhre, Lunge, Bronchien, die sich in Alveolen aufteilen. 2 

Das Pferd atmet in der Minute etwa 8 bis 16 Mal durch die Nüstern ein. Bei Anstrengung sind es sogar bis zu 100 Atemzüge/Minute. Dabei atmet es im Schnitt 6 bis 8 Liter Luft ein und wieder aus. Das Lungenvolumen eines Pferdes um die 600 kg liegt bei ca. 50 Litern. Pro Tag strömen also mindestens 70 000 Liter Luft durch die Lunge eines Pferdes. Viel Luft, die auch viele Schadstoffe mit hineinbringen kann. 3 

Wie bei uns Menschen, sind die Atemwege mit einer schützenden Schleimhaut ausgekleidet, die Fremdkörper einfängt und mittels ihres Flimmerepithels nach außen befördert. Dabei kommt es zu einer Reizung der Nervenenden, um den Schleim völlig hinauszutransportieren. Das nehmen wir als Schnauben, Niesen oder auch als Husten wahr. Das passiert besonders häufig dann, wenn eine Reizung der unteren Atemwege oder Asthma vorliegt. 3 

Erfahren Sie alles Wissenswerte zum Thema „Asthma beim Pferd“ in unserem Ratgeber „Equines Asthma: Husten beim Pferd nicht unterschätzen“. 

Die oberen Atemwege erkranken häufig im Zuge einer Erkrankung der Lungen, aber nicht immer. So ist es wichtig, zu erkennen, wenn sich eine zweite Krankheit eingeschlichen hat, oder eine primär andere Krankheit dahintersteckt, die völlig ohne Husten verläuft. 

Symptome, die neben Husten Warnsignale sind

Das Auffälligste an Erkrankungen der Atemwege ist primär eine veränderte Atmung. Das kann eine erhöhte Atemfrequenz während der Ruhe sein, also mehr als 18 Atemzüge/Minute. Die Atmung kann allerdings auch schwer, gezwungen und anstrengend wirken. Der Fachmann spricht hier von forcierter Atmung. Es sieht so aus, als müsste das Pferd mit all seiner Muskelkraft der Rippen- und Bauchmuskulatur gegen einen Widerstand atmen. Außerdem zeigen sich folgende Symptome: 4,5

  • Erhöhte Körpertemperatur (mehr als 38,5 °C) 
  • Arbeitsunlust 
  • Ruhepuls über 50 Schläge/Minute (normal: 28-40) 
  • Schüttelfrost 
  • Nasenausfluss (wässrig, schleimig, eitrig) 
  • Geschwollene Lymphknoten 
  • pfeifende oder andere ungewöhnliche Geräusche beim Atmen 

Bei all diesen Symptomen ist eine Untersuchung durch einen Tierarzt essenziell, um mit einer genauen Diagnose das Pferd vor weiteren Schäden zu bewahren. 

Krankheiten der oberen Atemwege beim Pferd

Im Folgenden haben wir für Sie einen kurzen Überblick über die häufigsten Erkrankungen von Nasenhöhle, Kehlkopf, Rachen und Luftsack. All diese Krankheiten benötigen eine klinische Diagnostik durch einen Tierarzt oder eine Klinik mittels einer Endoskopie. Ebenfalls erfolgt durch die Experten eine entsprechende Therapie. 6 

Nasenschleimhautentzündung (Rhinitis) 

Pferde mit einer Entzündung der Nasenschleimhäute haben meist auch eine Primärerkrankung wie Druse (hoch ansteckende Infektion mit Streptococcus Equi), Influenza oder eine Bronchitis. Besonders häufig hört sich die Atmung der Pferde mit einer Rhinitis schnaubend, schniefend und schnarchend an. 

Die Behandlung richtet sich zum einen nach der Primärerkrankung, zum anderen soll sich die Rhinitis nicht chronifizieren. Das heißt: Eine Spülung und Antibiose für die Schleimhäute erfolgen. 7 

Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) 

Auch hier gibt es eine Primärerkrankung. Besonders häufig sind: 

  • Chronische Rhinitis 
  • Druse 
  • Tumore 
  • Verletzungen 
  • Zahnerkrankungen. 

Zu erkennen ist die Sinusitis an Fieber, Fressunlust und einseitig dickflüssigem oder sogar eitrigem Nasenausfluss. Die Pferde lassen sich ungern am Kopf anfassen, da Backen oder Stirn schmerzen. Manchmal ist auch der Tränenkanal oder die Bindehaut auf der betroffenen Seite entzündet.  

Auch hier werden die Primärerkrankung behandelt, sowie eine Spülung und Antibiose durchgeführt. 

Kehlkopfschwellung (Larynxödem) 

Zwischen Nasenrachen und Luftröhre sitzt der Larynx mit den Stimmbändern. Er schützt die unteren Atemwege vor dem Eindringen von Speisen und sorgt für die „Stimme“ des Pferdes. Die Schwellung des Kehlkopfes ist ein Notfall, denn das Pferd bekommt durch eine gehemmte Atmung nicht ausreichend Sauerstoff und droht zu ersticken. Typische Anzeichen sind: 

  • Schnorchelnde und schnarchende Atemgeräusche 
  • Ängstlicher Ausdruck in den Augen 
  • Weit geöffnete Nüstern 
  • Hals ganz gerade gestreckt 
  • Schleimhäute werden weiß oder bläulich 
  • Pferd kollabiert. 

Bei einer schleichenden Kehlkopfschwellung sind ein Tumor oder ein chronisches Herzleiden der Auslöser. Bei der akuten Form sind Nesselfieber oder eine allergische Reaktion Verursacher. Hier sind ein zügiger Luftröhrenschnitt durch einen Fachmann und eine medikamentöse Behandlung die lebensrettenden Auslöser. 9

Damit Sie eine Allergie bei Ihrem Pferd schnell erkennen, lesen Sie alles Wichtige dazu in unserem Ratgeber „Allergie: Pferd reagiert empfindlich auf seine Umwelt“. 

Kehlkopfpfeifen 

Pferde mit Kehlkopfpfeifen sind weniger belastbar und schwitzen deutlich schneller. Das typische Pfeifen ist im Schritt oft nicht zu hören, wird im Trab und Galopp aber deutlich hörbar und laut. Das Geräusch entsteht dadurch, dass sich die Stimmbänder beim Atmen nicht entspannen können. Dies hängt mit einer Nervenlähmung der Kehlkopfmuskulatur zusammen. Mit dem 5. oder 6. Lebensjahr kann diese spontan linksseitig auftreten. Den Grund dafür kennt die Wissenschaft bisher nicht. Zudem kann diese Form der Lähmung durch eine chronische Kehlkopfentzündung, Druse oder eine Vergiftung entstehen. 

Beseitigen lässt sich das Kehlkopfpfeifen nur durch eine OP mit der Entfernung des Stimmbandes. Dies birgt allerdings das Risiko einer Schluckstörung, weshalb sich viele Pferdehalter dagegen entscheiden, wenn das Pferd keine akute Atemnot durch die Lähmung hat. 10 

Luftsackerkankungen 

Der Luftsack bei Pferden ist noch ein kleines Mysterium. Sie befinden sich links und rechts unterhalb der Ohrtrompeten. Sie fassen beide jeweils ca. 500 ml Luft. 

Die typischen Krankheiten sind 

  • Luftsackentzündung 
  • Lufsackmykose 
  • Luftsackmeteorismus (Aufblähung). 

Bei der Mykose bleiben Schimmelpilzsporen, häufig aus dem Futter, im Luftsack hängen und vermehren sich dort. Nasenbluten ist dafür typisch. 

Bei der Entzündung und der Aufblähung gehen Erkrankungen wie Druse mit einher. Die Pferde haben dabei Schmerzen beim Schlucken und fressen daher weniger. Zudem läuft Wasser beim Trinken zurück über die Nüstern heraus. Zähflüssiger, gelber Eiter läuft beim Absenken des Kopfes schubweise aus den Nüstern. Neben der Behandlung der Primärerkrankung werden die Luftsäcke gespült und lokal wirkende Desinfektion und Medikamente eingebracht. 11 

Das können Sie tun: Pferd kontrollieren und schützen

Vor einer Infektion des Atemapparates des Pferdes kann außer der Influenza-Impfung nur wenig schützen. Vor einer genetischen Disposition erst recht nichts. Aber vor Staub und Schimmel können Sie Ihr Pferd mit einer artgerechten Haltung und einer gewissen Stallhygiene schützen. Hat Ihr Pferd schon chronische Atemwegserkrankungen, ist diese Hygiene noch wichtiger als vorher.

Wenn Sie wissen wollen, wie eine richtige Stallhygiene aussieht, dann erfahren Sie dies in unserem Ratgeber „Stallhygiene Pferd: Das gibt es zu beachten“. 

Im Folgenden haben wir eine kleine Checkliste mit dem, was Sie zur Atemwegsgesundheit Ihres Pferdes beitragen können. 12,13

  • Pferd hat genug freie Bewegung an der frischen Luft mit Artgenossen, im Idealfall 24 Stunden. 
  • Alle Pferde sind beim Misten nicht im Stall (kein Einatmen von Staub und Ammoniak). 
  • Futter und Einstreu haben wenig bis keinen Staub und eine angemessene Qualität (Nährstoffe und schimmelfrei). 
  • Pferd draußen putzen (Staubreduktion) 
  • Pferde mit Allergien und Asthma: Heu tauchen (15 bis 30 Minuten) oder bedampfen, alternativ Heulage füttern, wenn kein Kotwasser entsteht; staubfreies Einstreu wie Holzspäne oder Leinstroh verwenden. 
  • Stall gut belüftet, ohne Zugluft 
  • Kräuterfütterung ist umstritten, da sich die Fachleute noch unsicher sind, ob die ätherischen Öle mehr reizen als helfen. Empfohlen werden: Eukalyptus, Pfefferminze, Thymian, Fenchel und Spitzwegerich. 
  • Abwehrkräfte und Schleimhäute stärken mit einer nährstoffreichen Fütterung: Vitamin A, C, E, Selen und Omega-3-Fettsäuren sind besonders wichtig. 

Nicht selten haben Pferde, die zu Atemwegserkrankungen neigen, einen Mangel an Nährstoffen im Körper. Mineralfutter mit entsprechenden Vitaminen und Mineralien zu füttern, ist allerdings nur sinnvoll, wenn Sie genau wissen, woran Bedarf herrscht. Hier kann zum einen ein Bluttest beim Tierarzt Aufschluss darüber geben, was an Nährstoffen fehlt. Ein Blutbild zeigt allerdings nur den aktuellen Mineralstoffstatus am Tag der Probenentnahme. Der Test „Haarmineralanalyse: Haaranalyse für Ihr Pferd“ bildet dagegen die Versorgung über mehrere Wochen oder Monate ab. Denn die Probe kommt von dem Ort, an dem die Nährstoffe in richtiger Menge vorhanden sein sollten. Sie eignet sich daher besonders zur Erkennung eines Mangels und hilft Ihnen zu erkennen, welche Ergänzungen beim Futter wirklich notwendig sind, um vorbeugend oder nach einer Erkrankung der Atemwege ideal zu unterstützen.

Fazit: Pferde benötigen viel frische Luft

Auch, wenn das Krankheitsspektrum der Atemwege groß scheint, so gibt es immer Faktoren, die Sie als Pferdehalter selbst in der Hand haben. So ist die pferdegerechte Haltung mit viel frischer Luft und freier Bewegung das A und O für gesunde Atemwege. 

Zudem ist es immer sinnvoll, Ihren Tierarzt um Rat zu fragen, wenn Ihnen etwas seltsam bei der Atmung Ihres Pferdes auffällt. Je schneller der Fachmann eingreifen kann, desto schneller wird eine Krankheit aufgehalten und kann weniger Schaden anrichten. Mit unserer kleinen Checkliste können Sie zudem jeden Tag selbst überprüfen, ob Sie für Ihr Pferd Ihren Beitrag für ein gesundes Pferdeleben erbracht haben. 

Quellen: 

1 Vgl.: josera.de: Atemwegserkrankungen beim Pferd: Das solltest du wissen!abgerufen am 17.06.2026. 

2 Vgl.: Kowasch, Nadine: Atemwege des Pferdes27.11.2025, abgerufen am 17.06.2026. 

3 Vgl.: Dr.med.vet. Dülffer-Schneitzer: Pferde Gesundheitsbuch, FN Verlag, 5. Auflage 2024, S. 232 ff. 

4 Vgl.: a.o.O. 

5 Vgl.: josera.de: Atemwegserkrankungen beim Pferd: Das solltest du wissen!abgerufen am 17.06.2026. 

6 Vgl.: Dr.med.vet. Dülffer-Schneitzer: Pferde Gesundheitsbuch, FN Verlag, 5. Auflage 2024, S. 232 ff. 

7 Vgl.: a.o.O. 

8 Vgl.: Kowasch, Nadine: Atemwege des Pferdes27.11.2025, abgerufen am 17.06.2026. 

9 Vgl.: Dr.med.vet. Dülffer-Schneitzer: Pferde Gesundheitsbuch, FN Verlag, 5. Auflage 2024, S. 232 ff. 

10 Vgl.: a.o.O. 

11 Vgl.: a.o.O. 

12 Vgl.: Kowasch, Nadine: Atemwege des Pferdes27.11.2025, abgerufen am 17.06.2026. 

13 Vgl.: Dr.med.vet. Dülffer-Schneitzer: Pferde Gesundheitsbuch, FN Verlag, 5. Auflage 2024, S. 232 ff.