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Bakterielle und virale Infektionen über die Toilette?
Inhaltlich geprüft durch: Martin Stein
Beim Spülen der Toilette entstehen sowohl feine Aerosoltröpfchen, die sich mit der Raumluft vermischen, als auch größere Tröpfchen, die auf umliegenden Oberflächen landen. Enthalten die freigesetzten Tröpfchen Krankheitserreger, die länger auf Oberflächen überleben können, kann es zu Infektionen auf der Toilette oder im Badezimmer kommen. Weitere Details zum Infektionsrisiko auf Toiletten erhalten Sie in unserem nachfolgenden Ratgeber. (Stand April 2026)
Warum Infektionsgefahr auf der Toilette?
Epidemiologische Studien deuten darauf hin, dass zum Beispiel die Übertragung des Norovirus (verursacht schwere Magen-Darm-Erkrankungen) in Passagierflugzeugen (vgl.: Probable transmission of norovirus on an airplane) und auf Schiffen (vgl.: Viral Gastroenteritis Aboard a Cruise Ship) oft über kontaminierte Toiletten erfolgt.
Bei normaler Benutzung einer Toilette durch gesunde Personen ist es unwahrscheinlich, dass diese ein größeres Gesundheitsrisiko darstellen. Dies ändert sich jedoch, wenn eine erkrankte Person einen Krankheitserreger mit ihrem Urin, ihren Fäkalien oder Erbrochenem ausscheidet.
Die Fäkalien und das Erbrochene infizierter Personen können hohe Konzentrationen von Krankheitserregern enthalten, von denen viele lange auf Oberflächen überleben. Auch können Toiletten über mehrere aufeinander folgende Spülungen hinweg weiterhin kontaminiert bleiben (vgl.: The potential spread of infection caused by aerosol contamination of surfaces after flushing a domestic toilet).
Teilweise Infektionsrisiko trotz Reinigung
Die Kombination aus Reinigung der Toilette und Desinfektion von Oberflächen ist in der Regel wirksam bei der Beseitigung von Keimen, obwohl einige Krankheitserreger, wie Noroviren offensichtlich resistent gegen diese Maßnahmen sind (vgl.: Effects of cleaning and disinfection in reducing the spread of Norovirus contamination via environmental surfaces).
Aerosole aus der Toilette
Die Toilettenspülung setzt Aerosole (feinste Wassertropfen) frei, die in Fäkalien enthaltene Krankheitserreger verbreiten. Eine Studie der University of Colorado hat mit Hilfe von Laserlicht die Reichweite der potentiell krankheitserregenden Partikel beobachtet und berechnet. Herausgefunden wurde dabei, dass die Aerosole innerhalb von 8 Sekunden nach Beginn der Spülung Höhen von bis zu 1,5 Metern erreichen (vgl.: Commercial toilets emit energetic and rapidly spreading aerosol plumes).
Die größten Tröpfchen setzen sich auf Oberflächen ab. Kleinere Tröpfchen bleiben viele Minuten lang in der Luft. Sie können zum Beispiel die Darmbakterien E. coli und C. difficile sowie Noroviren und Adenoviren übertragen.
Effektivität der Spülung
Wissenschaftler aus Houston (USA) konnten nachweisen, dass eine große Anzahl von Bakterien und Viren, die in Haushaltstoiletten eingebracht wurden, nach der Spülung in der Schüssel verbleiben. Selbst durch ständiges Spülen kann ein Großteil davon nicht entfernt werden (vgl.: Microbiological Hazards of Household Toilets: Droplet Production and the Fate of Residual Organisms).
Obwohl eine einmalige Spülung den Gehalt an Mikroorganismen im Wasser der Toilettenschüssel erheblich verringert, verbleibt eine große Anzahl von Mikroorganismen auf der Oberfläche der Toilettenschüssel und im Wasser der Schüssel. Durch weitere Spülungen können diese wieder in der Luft verbreitet werden (vgl.: The potential spread of infection caused by aerosol contamination of surfaces after flushing a domestic toilet).
Welche Viren und Bakterien können über die Toilettenschüssel verbreitet werden?
E. coli (Escherichia Coli)
Die meisten E.coli-Stämme („Arten”) sind harmlos und Bestandteil der normalen Darmflora. Einige Stämme verursachen jedoch Krankheiten, die manchmal auch einen schweren Verlauf nehmen können: Durchfall, Harnwegsinfektionen, Erkrankungen der Atemwege, Infektionen der Blutbahn.
C. difficile (Clostridium difficile)
C. difficile ist ein Bakterium, das leichten bis schweren Durchfall und Darmerkrankungen wie pseudomembranöse Kolitis (Entzündung des Dickdarms) verursachen kann. Es ist die häufigste Ursache für infektiösen Durchfall in Krankenhäusern und Langzeitpflegeeinrichtungen, da die meisten Fälle von C. difficile bei Patientinnen und Patienten auftreten, die bestimmte Antibiotika in hohen Dosen oder über einen längeren Zeitraum hinweg einnehmen.
Für gesunde Menschen stellt C. difficile kein Gesundheitsrisiko dar. Ältere Menschen und Menschen, die an anderen Krankheiten leiden oder Antibiotika einnehmen, haben ein höheres Infektionsrisiko.
Norovirus
Die häufigsten Symptome einer Norovirus-Erkrankung sind Erbrechen, Übelkeit, Durchfall, krampfartige Bauchschmerzen, leichtes Fieber und Muskelschmerzen. Die Symptome treten in der Regel 1 bis 2 Tage nach der Infektion auf. Sie können aber auch deutlich schneller auftreten – teilweise schon 12 Stunden nach der Infektion.Die Symptome dauern in der Regel 1 bis 2 Tage an. Bei ansonsten gesunden Menschen führen sie selten zu langfristigen Schäden oder ernsthaften Komplikationen. Bei einigen Personengruppen, wie älteren Menschen, Kleinkindern und Menschen mit geschwächtem Immunsystem, können die Symptome schwerer und länger anhaltend sein.
Adenovirus
Adenoviren sind eine Gruppe von Viren, die leichte bis schwere Infektionen im gesamten Körper verursachen können. Adenovirus-Infektionen betreffen am häufigsten das Atmungssystem. Diese Infektionen können ähnliche Symptome wie eine Erkältung oder Grippe hervorrufen. Die meisten Adenovirus-Infektionen verlaufen mild und erfordern lediglich eine Behandlung zur Linderung der Symptome.
Keime mit keinem oder nur geringem Ansteckungsrisiko über die Toilette
Bei den folgenden Keimen besteht auf Toiletten kein oder nur ein sehr geringes Ansteckungsrisiko:
- Ureaplasmen: Ureaplasmen sind Bakterien, die bei vielen Menschen als ganz natürlicher Bestandteil der Schleimhautflora im Urogenitaltrakt vorkommen. Bei einer geschwächten Immunabwehr können die Bakterien jedoch auch Symptome wie Schmerzen beim Wasserlassen und Entzündungen der Genitalien hervorrufen. Infektionen mit Ureaplasmen zählen zu den Geschlechtskrankheiten. Eine Übertragung von Ureaplasmen über die Toilette wurde bislang nicht beobachtet.
- Chlamydien: Zu den Chlamydien gehören verschiedene Bakterienarten innerhalb der Familie der Chlamydiacease. Chlamydien können zu verschiedensten Infektionen in unterschiedlichen Körperregionen führen. Eine Chlamydien-Infektion zählt zu den Geschlechtskrankheiten. Chlamydien werden nicht durch Toiletten übertragen.
- Feigwarzen: Feigwarzen sind durch Papillomaviren ausgelöste Hautwucherungen. Die Ansteckung mit den Viren erfolgt in der Regel über ungeschützten Geschlechtsverkehr. Eine Ansteckung mit Feigwarzen über die Toilette ist möglich aber selten.
- Tripper/Gonorrhö: Tripper (medizinischer Fachbegriff: Gonorrhö) gehört zu den häufigsten Geschlechtskrankheiten. Tripper wird durch Gonokokken-Bakterien übertragen und verursacht unter anderem Schleimhautentzündungen, Ausfluss aus Scheide und Harnröhre sowie Schmerzen im Unterbauch. Unbehandelt kann die Erkrankung zu Unfruchtbarkeit bei Frauen und Männern führen. Eine Übertragung von Tripper über die Toilette ist in der Regel nicht möglich.
Wie Sie das Risiko einer Infektion über die Toilettenspülung minimieren
- Toilettendeckel schließen: Indem Sie den Toilettendeckel vor dem Spülen schließen, verhindern Sie effektiv, dass Tröpfchen aus dem Toilettenwasser in den umgebenden Raum geschleudert werden.
- Hygienemaßnahmen: Das regelmäßige Reinigen der Toilettenschüssel entfernt die meisten hartnäckigen Keime, die vom Spülen allein nicht beseitigt werden. Das Reinigen von Oberflächen im Bad beseitigt Partikel und Keime, die sich über Spülwassertropfen verbreitet haben.
- Vorsicht bei Krankheitsfällen: Befinden sich in Ihrem Haushalt Personen mit ansteckenden Krankheiten, sollten Sie die Toilette öfter reinigen und die Oberflächen regelmäßig desinfizieren.
- Schwache Spülung: Auch die Verwendung von Toiletten mit geringerer Spülenergie reduziert das Aufstieben von Toilettenwasser und die Aerosolbildung. Bei manchen Toiletten lässt sich die Spülkraft einstellen.
Analysieren Sie Ihre Raumluft
Belastungen der Raumluft können nicht nur von Ihrer Toilette (Stichwort Aerosole) ausgehen. Es ist daher empfehlenswert, die allgemeine Qualität Ihrer Raumluft mit unseren Wohnraum-Luftanalysen zu überprüfen. Zum Beispiel werden sogenannte flüchtige organische Verbindungen (VOCs) mitunter von Einrichtungsgegenständen, Baustoffen oder sogar Spielzeugen in die Luft abgegeben. VOCs beeinflussen die Raumluftqualität oft negativ. Zu den Folgen einer Raumluftbelastung mit VOCs können Kopfschmerzen, Schwindel, Atembeschwerden und Müdigkeit gehören.
Schützen Sie sich vor Gesundheitsrisiken mit einer Luftanalyse: Sie nehmen die Probe selbst und schicken diese an unser Fachlabor. Nach einer professionellen Analyse erhalten Sie von uns einen aufschlussreichen Ergebnisbericht inklusive weiterführenden Informationen.
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Wussten Sie ..?
Auch die Verbreitung des SARS-Coronavirus durch das kontaminierte Abwassersystem eines Gebäudes wurde bereits nachgewiesen (vgl.: Outbreak of Severe Acute Respiratory Syndrome (SARS) at Amoy Gardens). Ob die Exposition allerdings ausreicht, gesunde Menschen anzustecken, ist noch nicht ausreichend geklärt.
Häufige Fragen
Wie viele Bakterien sind auf der Klobrille?
Eine Untersuchung der Universität Arizona konnte zeigen, dass sich nur etwa 50 Bakterienstämme pro Quadratzentimeter auf einer Toilettenbrille befinden. Zum Vergleich: Ein Smartphone hat im Durchschnitt etwa 10-mal mehr Bakterienstämme pro Quadratzentimeter auf dem Display und ein Schneidebrett in der Küche sogar 200-mal mehr! Die Gefahr einer Infektion durch Bakterien auf der Toilettenbrille ist daher sehr gering, selbst bei öffentlichen Toiletten.
Wie lange überleben Bakterien auf der Toilettenbrille?
Die meisten Bakterien überleben nur wenige Minuten auf der Toilettenbrille.(vgl.: Merkur, 2018: Vorsicht: Darum sollten Sie nie Toilettenpapier auf die Klobrille legen).
Wie oft muss man das Klo putzen?
Nach Dirk Reker von der Landesinnung der Gebäudedienstleister Bremen und Nordwest-Niedersachsen sollte die Toilette in Familienhaushalten mindestens alle zwei Tage geputzt werden. Auf diese Weise könne das Infektionsrisiko gesenkt werden. Eine grobe Reinigung der Toilette lässt sich mit etwas Übung bereits in unter einer Minute durchführen.
Wie sollte man auf öffentlichen Toiletten sitzen?
Das Unterlegen von Klopapier ist auf einer öffentlichen Toilette nicht notwendig. Eine Infektion ist beim bloßen Sitzen sehr unwahrscheinlich, da die Erreger auf der Toilettenbrille mit keiner Schleimhaut in Kontakt kommen. (vgl.: Öko-Test, 2025: Papier auf die Klobrille? Was wirklich schützt).
Eine viel höhere Wahrscheinlichkeit für eine Infektion besteht dagegen beim Anfassen des Wasserhahns oder der Türklinke beim Verlassen der Toilette. Das Bundesamt für Infektionsschutz empfiehlt daher, den Wasserhahn und die Türklinke nach dem Händewaschen mit einem Einmaltuch zu berühren oder den Ellenbogen zu verwenden.
Wie lange sollte man die Hände waschen?
Waschen Sie Ihre Hände mindestens 20 - 30 Sekunden oder länger bei stärkerer Verschmutzung. Wichtig ist dabei, dass die Seife gründlich verteilt wird. Werden die Hände nur unter Wasser gehalten, können nur sehr wenige Keime entfernt werden.
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Warnung/Haftungsausschluss
Die medizinischen Informationen in diesem Artikel wurden sorgfältig von uns recherchiert. Die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der genannten Informationen können wir indes nicht garantieren. Wenden Sie sich bei Beschwerden stets an einen Facharzt!