Eine Druckerhöhungsanlage ist ein technisches System, das den vorhandenen Wasserdruck in der Wasserinstallation gezielt erhöht. Die Anlage sorgt dafür, dass der gewünschte Druck auch relativ konstant gehalten wird, wenn mehrere Entnahmestellen gleichzeitig genutzt werden.
Wasserversorger liefern das Trinkwasser mit einem Mindestversorgungsdruck von etwa 2 bis 3,5 bar an die Übergabestelle des Hausanschlusses. Dieser Druck reicht unter Normalbedingungen aus, um in einem viergeschossigen Wohngebäude alle Entnahmestellen zuverlässig zu versorgen.1 In einem typischen Einfamilienhaus gelten 2,0 bar als Richtwert für die Versorgung des Erdgeschosses; für jedes weitere Stockwerk sind zusätzlich rund 0,35 bis 0,5 bar einzuplanen.2
Doch in der Praxis reicht dieser Druck mitunter nicht aus bzw. der Mindestdruck wird nicht gewährleistet. Häufige Ursachen für unzureichenden Wasserdruck im Haus sind unter anderem:
- erhöhte topografische Lage des Gebäudes (Hanglagen, Anhöhen)
- Häuser/Gebäude mit mehr als 4 Etagen
- Position am Ende einer langen Versorgungsleitung
- gleichzeitige Wasserentnahme an mehreren Zapfstellen bei unzureichendem Gesamtdruck
- Druckverluste durch verkalkte Rohrleitungen oder Armaturen
- Schwankungen im öffentlichen Versorgungsnetz zu Spitzenzeiten (morgens und abends)
- Nutzung einer Regenwasseraufbereitungsanlage
- große Gartenbewässerungssysteme
Laut der geltenden Norm DIN 1988-500 muss bei Gebäuden, die mit dem üblichen Versorgungsdruck nicht ausreichend versorgt werden können, eine Druckerhöhungsanlage (DEA) eingesetzt werden.1 Für kleine Objekte wie Ein- und Zweifamilienhäuser in topografisch ungünstiger Lage gelten dabei gegenüber größeren oder öffentlichen Gebäuden teilweise vereinfachte Anforderungen.3
Ein Manometer, das am Hauptwasserhahn im Keller oder direkt an einem Wasserhahn montiert wird, zeigt den vorhandenen Druck an. Liegt dieser dauerhaft unter 2 bar, kann der Einsatz einer Wasserdruckerhöhungsanlage eine sinnvolle Lösung sein.
Sobald über eine Entnahmestelle (z. B. Wasserhahn, Dusche) Wasser entnommen wird, registriert die Steuerung der Anlage einen möglichen Druckabfall im Leitungssystem. Die Wasser-Druck-Pumpe der Druckerhöhungsanlage schaltet sich dann automatisch ein und fördert das Wasser mit dem gewünschten Solldruck zu den Entnahmestellen. Der Druckverstärker für Wasser sorgt dabei nicht nur für mehr Wasserdruck, sondern hält den Druck auch dann relativ konstant, wenn zum Beispiel am Morgen in mehreren Badezimmern des Gebäudes gleichzeitig geduscht wird oder andere Wasserverbraucher wie eine Gartenbewässerung parallel genutzt werden. Wenn der voreingestellte, gewünschte Druck erreicht ist bzw. gehalten wird regelt das Steuerungssystem der Pumpe automatisch ab. Dies geschieht in der Regel über die Drehzahl.2
Der technische Aufbau von Druckerhöhungsanlagen kann sich je nach Einsatzgebiet, Leistungsfähigkeit und Hersteller unterscheiden. Grob lässt sich der Aufbau der Anlagen jedoch wie folgt beschreiben:2, 4, 5
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Pumpe: Wesentliche Komponente der Anlage, meist eine mehrstufige Kreiselpumpe. Teilweise werden mehrere Pumpen eingesetzt bzw. es ist mitunter eine Reservepumpe vorhanden (teilweise vorgeschrieben).
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Drucksensor/Flow-Sensor: Erkennt die Wasserentnahme bzw. den Druckabfall.
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Membran-Ausgleichsbehälter: Verhindert das ständige Anspringen der Pumpe bei Kleinstmengen (z. B. beim Händewaschen) und gleicht Druckstöße aus.
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Rückflussverhinderer: Ein Bauteil, um das Zurückfließen von Wasser in das öffentliche Netz zu verhindern.
Je nach Bedarf und örtlicher Gegebenheiten können für die Druckerhöhung unterschiedliche Systeme zum Einsatz kommen:
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‣ Einzelpumpe
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einfache Lösung
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ideal für kleinere Haushalte
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‣ Mehrpumpenanlage
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mehrere Pumpen arbeiten parallel
geeignet für größere Häuser
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‣ Hauswasserwerk
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Kombination aus Pumpe und Druckbehälter (hält Vorrat an Wasser)
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häufig auch für Gartenbewässerung genutzt (z. B. beim Betrieb eines eigenen Brunnens)6
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Für Druckerhöhungsanlagen kommen grundsätzlich zwei Anschlussarten in Frage:7
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Unmittelbarer Anschluss: Die Druckerhöhungspumpe im Haus wird direkt hinter dem Wasserzähler in die Leitung eingebaut. Dies ist nur zulässig, wenn die Pumpe die öffentliche Versorgung nicht beeinträchtigt (z. B. keine Entstehung von Unterdruck im Netz).
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Mittelbarer Anschluss: Hier wird ein druckloser Vorbehälter zwischengeschaltet. Die Pumpe saugt das Wasser aus diesem Behälter. Diese technische Lösung ist oft bei sehr großen Anlagen oder instabilem Versorgungsnetz vorgeschrieben.
Die Gesamtkosten einer Trinkwasser-Druckerhöhungsanlage setzen sich aus mehreren Positionen zusammen: Anschaffungs- und Montagekosten sowie laufende Wartungs- und Betriebskosten. Die folgende Tabelle gibt Ihnen einen groben Überblick auf Basis von ermittelten Durchschnittskosten:
| Kostenposition | Preisspanne (ca.) |
|---|---|
| Kompakte Einzel-Druckerhöhungsanlage (z. B. Einfamilienhaus) | 500 – 2.200 € |
| Montage durch Fachbetrieb (vorgeschrieben!) | 300 – 800 € |
| Gesamtkosten (Anschaffung + Montage) | 800 – 3.000 € |
| Jährliche Wartung | 80 – 200 € |
| Stromkosten pro Jahr (modernes Gerät) | 40 – 130 € |
| Laufende Kosten pro Jahr gesamt | 120 – 330 € |
Vor dem Kauf bzw. der Installation einer Trinkwasser-Druckerhöhungsanlage sollten Sie unter anderem die folgenden Punkte beachten:
- Wasserdruck messen lassen (Manometer am Haupthahn, Zielbereich: ca. 2 – 4 bar)
- Ursache des niedrigen Drucks abklären (z. B. verkalkte Leitungen, verstopfte Filter, verminderter Druck im öffentlichen Netz?)
- Anfrage beim Wasserversorgungsunternehmen: Welchen Mindestdruck liefert das Versorgungsnetz dauerhaft?
- Fachbetrieb (SHK) beauftragen, der unter anderem die Gegebenheiten, Anforderungen (z. B. nötige Fördermenge/Förderhöhe, gewünschter Druck) vor Ort bewertet und Empfehlungen abgibt
- für Wohngebäude möglichst geräuscharme Anlagen bevorzugen
- Genehmigung des Wasserversorgungsunternehmens für den geplanten Anschluss der Anlage einholen (sollte Fachbetrieb übernehmen)
- nur DVGW-zertifizierte Anlagen und Komponenten verwenden
- Aufstellort auf Frostfreiheit, Belüftung und ausreichende Raumtemperatur prüfen
- Wartungsvertrag mit dem Installateur abschließen
Die kommunalen und städtischen Wasserversorger garantieren eine einwandfreie Trinkwasserqualität nur bis zum Wasser-Übergabepunkt an Ihrem Hausanschluss. Bis zur Entnahme des Wassers fließt dieses jedoch noch durch die Hausinstallation mit Komponenten wie Rohren, Boilern, Ventilen und Armaturen. Hier kann es zum Beispiel zu Verunreinigungen mit gesundheitsgefährdenden Schwermetallen (z. B. Kupfer, Nickel, Blei) sowie Keimen wie Legionellen kommen. Die Verbreitung letzterer wird unter anderem durch Stagnationswasser („stehendes” Wasser) gefördert. Zu den „Risikofaktoren” für Stagnationswasser in Rohren gehört auch ein zu geringer Wasserdruck.
Zur Kontrolle Ihres Leitungswassers bieten wir unter anderem die folgenden Trinkwassertests an:
Möchten Sie Brunnenwasser prüfen lassen, empfehlen wir beispielsweise den Brunnenwassertest Komplett.
Die Probenentnahme für unsere Wassertests können Sie mit Hilfe der beiliegenden, leicht verständlichen Anleitung ganz einfach selbst vornehmen. Anschließend senden Sie die Wasserprobe in dem beiliegenden Versandkarton an unser spezialisiertes Partnerlabor. Nach kurzer Zeit steht das Analyseergebnis in Ihrem persönlichen Bereich von MyChecknatura zum Abruf bereit.
Wann brauche ich eine Druckerhöhungsanlage?
Wenn der Wasserdruck dauerhaft unter etwa 2 bar liegt oder zum Beispiel in oberen Etagen nur mit geringem Druck geduscht werden kann, ist die Installation einer derartigen Anlage oft sinnvoll.
Wie viel Strom verbraucht eine Druckerhöhungspumpe?
Im Durchschnitt liegen die jährlichen Stromkosten etwa zwischen 40 und 130 € (abhängig von Nutzung, Effizienz und Bauart der Anlage).
Darf ich eine Trinkwasser-Druckerhöhungsanlage selbst einbauen?
Nein. Die Installation von Druckerhöhungsanlagen darf ausschließlich von einem zugelassenen Fachbetrieb oder durch das zuständige Wasserversorgungsunternehmen selbst erfolgen (AVBWasserV § 12).8 Zudem ist vor dem Einbau eine Genehmigung des zuständigen Wasserversorgungsunternehmens einzuholen.