Das Wichtigste in Kürze
➡️ Edelstahl-Wasserleitungen sind hygienisch unproblematisch, korrosionsbeständig und sehr langlebig (teiweise bis zu 100 Jahre).
➡️ Zertifizierungen und Prüfzeichen des DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e. V.) sollten vorhanden sein.
➡️ Edelstahlrohre sind unempfindlich bezüglich der Wasserbeschaffenheit (z. B. pH-Wert) und haben daher ein breites Einsatzspektrum. Allerdings kann es bei erhöhten Chlorid- und Chlorkonzentrationen des Wassers zu Korrosion kommen.
➡️ Edelstahl- und Kupferrohre lassen sich bei fachgerechter Installation als „Mischinstallation‟ betreiben.
Inhalt des Artikels
Wasserleitungen aus Edelstahl bestehen aus nichtrostendem, chromhaltigem Stahl. Als weitere Zusätze zum Stahl werden Titan und Nickel verwendet. Diese Legierungselemente („Zusätze‟) sorgen dafür, dass sich an der Oberfläche eine dünne, geschlossene Oxidschicht bildet, die sogenannte Passivschicht. Sie schützt Edelstahl vor Korrosion und sorgt für eine lange Lebensdauer von Edelstahlrohren.1
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In Wohngebäuden kommen Edelstahlrohre sowohl für Kalt- als auch für Warmwasserleitungen zum Einsatz.
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In gewerblichen und industriellen Anlagen werden sie dort eingesetzt, wo hohe Hygieneanforderungen gelten, etwa in der Getränke- und Lebensmittelbranche.2
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Korrosionsbeständigkeit: Dank ihrer inneren Passivschicht sind Edelstahlrohre sehr korrosionsbeständig – selbst bei aggressivem Wasser und/oder hohen Temperaturen. Eine Ausnahme bildet Wasser mit hohem Chlorid- bzw. Chlorgehalt, welches zu Korrosion in Edelstahlrohren führen kann.1
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Keine Schadstofffreisetzung: Edelstahl gibt keine oder nur sehr wenig Metallionen und keine Chemikalien an das Trinkwasser ab.3 Dies ist ein entscheidender Vorteil gegenüber Kupfer (Abgabe von Kupfer bei saurem Wasser) oder Kunststoff (z. B. mögliche Abgabe von Mikroplastik).
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Gute hygienische Eigenschaften: Die glatte Oberfläche der Chromoxidschicht bietet Keimen keinen Nährboden.3
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Langlebigkeit: Die Haltbarkeit von Edelstahlrohren für Wasserleitungen beträgt oft 70 bis 100 Jahre.12
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Druck- und Temperaturbeständigkeit: Edelstahl ist auch für Hochdrucksysteme und Temperaturen über 70 °C gut geeignet.4
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Recyclingfähigkeit: Edelstahl ist zu 100 % recycelbar und damit ökologisch nachhaltiger als Kunststoff.
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Höhere Kosten: Edelstahl ist teurer als Kupfer oder Kunststoff (Material- und Verarbeitungskosten).5
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Aufwendige Verarbeitung: Rohrverbindungen erfordern häufig Spezialwerkzeug (Pressfittings) oder Schweißnaht-Schutz (bei unsachgemäßem Schweißen können Nickel und Chrom freigesetzt werden).5
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Korrosionsrisiko Chlorid/Chlor: Manche nichtrostenden Stähle (Edelstahl) neigen bei hohen Chloridgehalten im Wasser oder bei intensiven Desinfektionsmaßnahmen mit hohen Chlorkonzentrationen zu Loch- oder Spaltkorrosion.6
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Geringe Flexibilität: Edelstahlrohre sind kaum flexibel und lassen sich daher schlechter anpassen als zum Beispiel biegsame Kunststoffrohre.
Eine der häufigsten Fragen bei Mischinstallationen (zwei oder mehr verschiedene Metalle in einer Installation) lautet, ob sich Komponenten wie Rohre aus Kupfer und Edelstahl verbinden lassen, ohne dass Korrosionsschäden drohen. Im Falle von nichtrostendem Edelstahl und Kupfer ist dies in der Regel unproblematisch, da sich die elektrochemischen Potenziale der Materialien nur geringfügig voneinander unterscheiden.6
Anders verhält es sich bei der Paarung verzinkter Stahl und Kupfer. Hier kann es zu Schäden durch elektrolytische Kontaktkorrosion kommen, wenn die Materialien in direkter Verbindung stehen. Um dieses Risiko zu minimieren, muss unter anderem die sogenannte Fließregel beachtet werden. Diese besagt, dass verzinkter Stahl (unedleres Material) in Fließrichtung immer vor dem Kupfer (edleres Material) verbaut werden muss und ein direkter Kontakt beider Werkstoffe vermieden werden sollte.6
💡 Praxistipps:
Trotz der normalerweise unproblematischen Kombination von Edelstahl und Kupfer gilt: Vor der Materialwahl sollten Erkundigungen beim örtlichen Wasserversorgungsunternehmen eingeholt werden, da lokale Wasserinhaltsstoffe die Korrosionswahrscheinlichkeit einzelner Komponenten beeinflussen können. Wer Kupfer und Edelstahl verbinden möchte, sollte zudem auf DVGW-geprüfte Übergangsverbinder des jeweiligen Rohrsystems zurückgreifen, um eine dichte und dauerhaft korrosionssichere Verbindung zu gewährleisten.Edelstahlrohre für Wasserleitungen sind vor allem dann eine gute Wahl, wenn die örtliche Wasserbeschaffenheit den Einsatz von zum Beispiel Kupferrohren einschränkt bzw. nicht möglich macht. Dies ist etwa bei einem pH-Wert unter 7,4 in Verbindung mit einem höheren TOC-Gehalt (Gehalt an organischem Kohlenstoff) der Fall. Auch überall dort, wo besonders hohe Anforderungen an Hygiene und Korrosionsbeständigkeit bestehen und die höheren Kosten eine untergeordnete Rolle spielen, kann sich Edelstahl unter anderem gegenüber Kunststoffrohren als Alternative anbieten.7, 8
Die Anforderungen an Rohre aus nichtrostenden Stählen (Edelstahl) für die Trinkwasser-Hausinstallation regelt in Deutschland das DVGW-Arbeitsblatt GW 541, das unter anderem Prüfungen und technische Mindestanforderungen an Edelstahlwasserrohre festlegt.9
► Ergänzende Normen:
DIN EN 806 und DIN 1988-200 regeln unter anderem die Werkstoffwahl, den Schutz vor Korrosion und die Kombination unterschiedlicher Metalle.6
► DVGW-Zertifizierung:
Über die DVGW-Zertifizierung wird nachgewiesen, dass ein Bauteil den einschlägigen Regelwerken entspricht und die allgemein anerkannten Regeln der Technik einhält. Für Trinkwasserleitungen aus Edelstahl bedeutet das DVGW-Prüfzeichen in Verbindung mit passenden, ebenfalls zertifizierten Rohrverbindern eine verlässliche Orientierung bei der Materialwahl für Installationsbetriebe.10
Nichtrostender Stahl enthält Chrom und häufig auch Nickel als Legierungsbestandteile. Diese Schwermetalle können bei einer erhöhten Aufnahme über das Trinkwasser Gesundheitsschäden oder Allergien (Nickelallergie) auslösen. Nach einer Prüfung des Umweltbundesamtes wird hochwertiger Edelstahl allerdings ausdrücklich als für den Trinkwasserkontakt geeignet eingestuft. Dies gilt jedoch nur, solange er sich im sogenannten Passivzustand befindet, also eine intakte Oxidschicht besitzt, welche die Freisetzung von Schwermetallen an das Wasser größtenteils verhindert.8
Nickelbelastungen von Trinkwasser, die den gesetzlichen Grenzwert von 0,02 Milligramm pro Liter überschreiten, werden in der Regel vor allem durch ältere, korrodierte Leitungen und bestimmte Armaturen verursacht und nicht durch intakte, normgerecht verlegte Edelstahlrohre.11
💡 Tipp:
Nach einer Neuinstallation von Edelstahlrohren kann es innerhalb der ersten Wochen sinnvoll sein, Stagnationswasser verstärkt ablaufen zu lassen, bevor dieses als Trinkwasser oder für die Zubereitung von Nahrung verwendet wird. Nach diesem Zeitraum hat sich die Schutzschicht innerhalb der Rohre meistens vollständig ausgebildet und es werden kaum mehr Metalle an das Wasser abgegeben. Laut dem Bundesumweltamt kann allerdings „eine anfänglich höhere Abgabe bis zur 16. Woche nach dem Einbau toleriert werden.‟8Ob Rohrleitungen oder Verbindungsstücke zum Beispiel aufgrund von ungeeigneten Materialkombinationen (Korrosion) Schwermetalle an das Leitungswasser abgeben, können Sie mit einem unserer Wassertests herausfinden. Diese eignen sich auch dazu, mögliche Wasserbelastungen durch Armaturen oder alte Bleirohre festzustellen:
Wassertest Rohrleitung (Parameter: Blei, Chrom, Eisen, Kupfer, Nickel, Zink, Aluminium)
Die Probenentnahme für unsere Wassertests können Sie mit Hilfe der beiliegenden, leicht verständlichen Anleitung einfach selbst vornehmen. Anschließend senden Sie die Probe per Post im beiliegenden Versandkarton an unser spezialisiertes Partnerlabor. Nach kurzer Zeit ist das Testergebnis für Sie über Ihren persönlichen Bereich des Portals MyChecknatura abrufbar.
Ist Edelstahl auch für Warmwasserleitungen geeignet?
Ja, nichtrostender Stahl darf grundsätzlich sowohl für Kalt- als auch für Warmwasser verwendet werden. Da höhere Temperaturen und hohe Chloridgehalte das Risiko lokaler Korrosion erhöhen können, muss die eingesetzte Stahlsorte allerdings auf die jeweiligen Betriebsbedingungen abgestimmt sein.
Muss beim Wechsel von Kupfer- auf Edelstahlrohre das ganze Leitungsnetz ausgetauscht werden?
Nein, ein kompletter Austausch ist normalerweise nicht nötig. Da sich Kupfer und nichtrostender Stahl in der Regel gut kombinieren lassen, sind Mischinstallationen zulässig. Dies gilt allerdings nur, sofern Verbindungstechnik und Übergangsstücke fachmännisch installiert wurden und für die Materialkombination geeignet sind.
Woran erkenne ich zertifizierte Edelstahlrohre für Trinkwasser?
Zertifizierte Edelstahlrohre tragen ein DVGW-Prüfzeichen, welches bestätigt, dass Rohr und passende Rohrverbinder den Anforderungen des DVGW-Regelwerks entsprechen und im Rahmen der Zertifizierung sowie einer Fremdüberwachung des Herstellers geprüft wurden.