Das Wichtigste in Kürze
➡️ Nitrat im Trinkwasser stammt ganz überwiegend aus der landwirtschaftlichen Düngung und gelangt über das Grundwasser in die Wasserversorgung.
➡️ Der gesetzliche Grenzwert für Nitrat im Trinkwasser liegt laut Trinkwasserverordnung bei 50 Milligramm pro Liter.
➡️ Für Privathaushalte eignen sich vor allem Ionenaustauscher und Umkehrosmoseanlagen, um den Nitratgehalt im Trinkwasser zu senken. Einfache Tischkannenfilter sind dafür nicht geeignet.
➡️ Beim Duschen und Waschen geht von nitrathaltigem Wasser in der Regel keine Gefahr aus.
Inhalt des Artikels
Nitrat ist eine natürlich vorkommende chemische Verbindung aus Stickstoff und Sauerstoff mit der Summenformel NO₃⁻. Es ist unter anderem ein wichtiger Pflanzennährstoff und löst sich sehr gut in Wasser.1
Geringe Nitratmengen bis zu 25 Milligramm pro Liter können in Grund- und Oberflächengewässern noch natürlichen Ursprungs sein. Höhere Nitratkonzentrationen werden dagegen fast immer durch intensive landwirtschaftliche Düngung (z. B. Gülle, übermäßige Stickstoffdüngung) verursacht. Infolge von Sickervorgängen und Auswaschungsprozessen gelangt Nitrat von Ackerflächen in Grund- und Oberflächengewässer – und somit teilweise auch in das Trinkwasser.2
Laut Trinkwasserverordnung gilt in Deutschland ein Nitratgrenzwert von 50 mg pro Liter Trinkwasser. Für Säuglinge unter 6 Monaten wird teilweise ein Grenzwert von maximal 10 mg/l für die Zubereitung von Säuglingsnahrung empfohlen.3
Die Trinkwasserversorger müssen den Nitratgrenzwert von 50 mg/l strikt einhalten. Weist das für die Trinkwasserversorgung geförderte Rohwasser einen höheren Nitratgehalt auf, muss dieses entweder aufbereitet oder mit weniger belastetem Wasser gemischt werden. Etwa 16 % der Grundwassermessstellen weisen in Deutschland Nitratkonzentrationen oberhalb des Grenzwertes auf. Betroffen sind hier vermehrt oberflächennahe Grundwasserleiter. In Regionen mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung sind die Nitratgehalte meistens tendenziell höher als in Gebieten mit geringer Nutzung.2, 4
💡 Wichtig zu wissen:
Ein erhöhtes Risiko hinsichtlich der Nitratbelastung kann sich für Betreiber privater Trinkwasserbrunnen in Gebieten mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung ergeben. Private Trinkwasserbrunnen unterliegen zwar auch der Trinkwasserverordnung. Die Betreiber sind für die vorgeschriebenen Wassertests und die Einhaltung der Verordnung jedoch selbst verantwortlich.5
Nitrat selbst ist für gesunde Erwachsene meist unbedenklich. Allerdings wird es im Körper mitunter durch Bakterien zu Nitrit umgewandelt. Dies kann unter anderem zu den folgenden Gesundheitsrisiken führen:2
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Blausucht bei Säuglingen: Eine hohe Nitrataufnahme kann bei Säuglingen die Sauerstoffaufnahme im Blut hemmen und zu einer lebensbedrohlichen Blausucht (Methämoglobinämie) führen. Ursächlich ist hierfür jedoch das aus Nitrat gebildete Nitrit.
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Nitrosamine: Aus Nitrat können sich unter bestimmten Bedingungen im menschlichen Körper Nitrosamine bilden. Einige dieser Stickstoffverbindungen zeigten in Tierversuchen eine krebserregende Wirkung.
💡 Wichtig zu wissen:
Neben der Nitrataufnahme durch Trinkwasser sollte auch die Aufnahme durch Lebensmittel berücksichtigt werden. So enthalten zum Beispiel Gemüsearten wie Kopfsalat, Spinat, Rote Bete und Radieschen relativ viel Nitrat.1
Für gesunde Erwachsene besteht bei Einhaltung des Grenzwerts von 50 mg/l keine Notwendigkeit, den Nitratgehalt von Trinkwasser durch Filter oder andere Methoden zu reduzieren. Wenn jedoch Säuglinge im Haushalt leben oder Nahrung für Babys zubereitet werden soll, kann eine Nitratreduktion möglicherweise sinnvoll sein. Allerdings sieht das Umweltbundesamt Gesundheitsrisiken für Säuglinge erst bei Trinkwasser-Nitratwerten oberhalb des Grenzwertes. Zudem ist es wahrscheinlich bei erhöhten Nitratgehalten ökonomischer, speziell für die Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignetes Wasser zu kaufen als eine teure Wasseraufbereitungsanlage zu installieren. Entsprechendes „Babywasser“ darf maximal 10 mg Nitrat pro Liter enthalten.2, 6
Ist zum Beispiel der Nitratgehalt des aus einem eigenen Brunnen geförderten Trinkwassers zu hoch, kann dieser unter anderem durch die folgenden etablierten Verfahren gesenkt werden:7
► Ionenaustausch
Ein „Nitratfilter“ auf Basis des Ionenaustauschs funktioniert nach demselben Grundprinzip wie eine klassische Enthärtungsanlage (z. B. Spülmaschine). Die Anlagen sind aber für den Austausch von Anionen (negativ geladene Teilchen) wie Nitrat konzipiert. Das im Filter enthaltene Harz tauscht die Nitrationen im Wasser gegen andere, unbedenkliche Ionen aus. Ist das Harz mit den Nitrationen „beladen“, muss dieses regelmäßig mit einer Kochsalzlösung regeneriert werden, damit die Anlage weiterhin zuverlässig arbeiten kann. Ionenaustausch-Anlagen lassen sich sowohl als kompakte Anlagen für die Küche als auch zentral am Hausanschluss einsetzen und gelten als vergleichsweise einfach und kostengünstig im Betrieb.
► Umkehrosmose
Bei der Umkehrosmose wird das Wasser unter hohem Druck durch eine feinporige Membran gepresst, die neben Nitrat auch zahlreiche weitere gelöste Stoffe zurückhält. Das Verfahren ist damit nicht nitratselektiv. Es entfernt praktisch alle Wasserinhaltsstoffe, wodurch ebenso erwünschte Mineralstoffe verloren gehen können. Dies kann dazu führen, dass entsprechend gefiltertes Wasser korrosive Eigenschaften hat und zum Beispiel Rohrleitungen schädigt. Außerdem ist stark entmineralisiertes Wasser möglicherweise gesundheitlich problematisch, da der menschliche Körper auf eine ausreichende Mineralstoffversorgung angewiesen ist. Daher kann nach der Umkehrosmose eine Remineralisierung des Wassers erforderlich sein. Weiterhin entsteht bei der Umkehrosmose oft relativ viel ungenutztes „Abwasser“. Dies ist bei hohen Wasserpreisen ein relevanter Kostenfaktor.
► Nanofiltration
Die Nanofiltration arbeitet nach einem ähnlichen Prinzip wie die Umkehrosmose. Die Poren sind bei entsprechenden Anlagen im Vergleich zur Umkehrosmose etwas größer, was einen geringeren Druck und einen energiesparenderen Einsatz ermöglicht. Zudem wird das Wasser bei der Nanofiltration oft nicht so stark entmineralisiert.
💡 Wichtig zu wissen:
Umkehrosmose und Nanofiltration eignen sich für die Trinkwasseraufbereitung vor allem dann, wenn neben Nitrat auch andere gelöste Stoffe bzw. Schadstoffe (z. B. Pestizide) aus dem Trinkwasser entfernt werden sollen.
Folgende Methoden bzw. Filtertechnologien sind zur Senkung des Nitratgehalts im Wasser ungeeignet:
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Abkochen: Das Abkochen von Wasser tötet zwar Bakterien und Keime ab, hat aber keine Reduktion des Nitratgehalts zur Folge.
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Aktivkohlefilter: Reine Aktivkohlefilter sind gut geeignet, um einige organische Schad- und Geschmacksstoffe aus dem Wasser zu entfernen. Gelöste Salze wie Nitrat können von der Aktivkohle jedoch nicht adsorbiert („angezogen“) und abgefiltert werden.8
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Tischwasserfilter: Einfache Tischwasserfilter oder Filterkannen arbeiten oft mit einer Filterkombination aus Aktivkohle und Kationenaustauscher. Letzterer dient primär der Wasserenthärtung.9 Entsprechende Filter sind in der Regel nicht in der Lage, Nitrat wirksam zurückzuhalten.
Vor der Anschaffung einer Anlage zur Nitratreduzierung von Trinkwasser sollten unter anderem die folgenden Punkte beachtet werden:
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Nitratwert prüfen: Ermitteln Sie zuerst den tatsächlichen Nitratwert Ihres Wassers. Eine Filteranlage ist in der Regel erst ab Werten über dem Grenzwert von 50 mg/l sinnvoll. Eventuell ist die Installation auch empfehlenswert, wenn Wasser für die Zubereitung von Säuglingsnahrung bei Nitratwerten nahe des Grenzwertes verwendet werden soll.
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Zertifizierung: Achten Sie darauf, dass die gewählte Anlage nach anerkannten Standards (z. B. DVGW-Prüfzeichen) zertifiziert ist. Ist dies nicht der Fall, können vom Betrieb unter anderem Gesundheitsrisiken ausgehen (z. B. durch Freisetzung von Schadstoffen).10
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Wartungsaufwand: Jedes Filtersystem erfordert eine regelmäßige Wartung. So müssen zum Beispiel Vorfilter, Membranen oder Harzpatronen regelmäßig nach Herstellervorgabe ausgetauscht werden, um eine Verkeimung des Trinkwassers zu vermeiden und eine ordnungsgemäße Funktion der Filter zu gewährleisten. Die Kosten für diese Wartungen können sich je nach Filtertechnologie und Anlage stark unterscheiden. Informieren Sie sich daher bei den Herstellern über die zu erwartenden Kosten.
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Betriebskosten: Berücksichtigen Sie neben dem Anschaffungspreis ebenso die Kosten für Strom (z. B. Pumpe bei Umkehrosmoseanlagen), Wechselfilter, Regenerationssalz (Ionenaustauscher) sowie den extra auftretenden Wasserverbrauch bei der Umkehrosmose und der Nanofiltration.
💡 Wichtig zu wissen:
Arbeiten am Trinkwassersystem wie die Installation von Anlagen zur Nitratreduzierung müssen von Fachbetrieben ausgeführt werden.11
Ob Ihr Leitungs- oder Brunnenwasser erhöhte Nitratwerte aufweist, können Sie unter anderem mit den folgenden Wassertests aus unserem Sortiment prüfen lassen:
Die Probenahme für die Wassertests können Sie mit der in den Testkits enthaltenen, leicht verständlichen Anleitung ganz einfach selbst vornehmen. Nach Einsendung der Probe per Post (Versandkarton im Testkit enthalten) erfolgt die Auswertung in unserem spezialisierten Partnerlabor. Nach kurzer Zeit ist das Testergebnis über Ihren persönlichen Bereich auf My.Checknatura abrufbar.
Ist Dusch- und Waschwasser mit hohem Nitratgehalt gefährlich?
Nein. Nitrat wird über die intakte menschliche Haut nicht in gesundheitsrelevanten Mengen aufgenommen. Die Gefahr einer Nitratbelastung besteht ausschließlich bei der oralen Aufnahme durch Trinken oder bei der Zubereitung von Speisen. Es ist daher völlig ausreichend, lediglich das als Trinkwasser und für die Nahrungszubereitung vorgesehene Wasser aufzubereiten.12
Können Pflanzen mit nitratreichem Wasser gegossen werden?
Ja. Für Zimmer- und Gartenpflanzen stellt Nitrat keinen Schadstoff, sondern in gewissen Grenzen einen wertvollen Nährstoff dar. Allerdings dürfen Pflanzen auch nicht mit Nitrat bzw. Stickstoff überdüngt werden. Dies kann unter anderem bei zusätzlicher Stickstoffdüngung der Fall sein. Werden zum Beispiel Obst und Gemüse mit nitrathaltigem Wasser gegossen, sollten diese vor dem Verzehr mit gering belastetem Wasser gewaschen werden.13
Wie oft muss ein Nitratfilter gewartet oder regeneriert werden?
Das hängt unter anderem von dem gewählten Verfahren, der gefilterten Wassermenge und der Höhe der Nitratbelastung ab. Ionenaustauscher benötigen eine regelmäßige Regeneration mit Kochsalzlösung, sobald das Austauschharz erschöpft ist. Dies kann bei hohem Wasserverbrauch schon nach ein paar Tagen der Fall sein. Die meisten Anlagen nehmen die Regeneration aber automatisch über einen Vorratsbehälter mit Regenerierlösung vor. Umkehrosmosemembranen müssen nach Herstellervorgaben und teilweise von Fachpersonal gewartet werden.