PFAS ist die Sammelbezeichnung für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen – eine große Stoffgruppe synthetischer Chemikalien, die seit mehreren Jahrzehnten industriell hergestellt werden. Charakteristisch für diese Substanzen ist ihre besondere chemische Struktur: Kohlenstoffatome sind ganz oder teilweise mit Fluoratomen verbunden. Diese Bindung zählt zu den stabilsten in der organischen Chemie und verleiht PFAS ihre außergewöhnliche Beständigkeit in der Umwelt.1
Aufgrund dieser Eigenschaften sind PFAS thermisch stabil, wasser- und fettabweisend und widerstandsfähig gegenüber biologischem Abbau. Genau diese Stabilität der Chemikalien ist der Grund, warum PFAS in der Umwelt und im menschlichen Körper nur sehr langsam abgebaut werden. Viele Vertreter dieser Stoffgruppe werden deshalb auch als persistente Chemikalien bezeichnet.
Zur Stoffgruppe der PFAS gehören mehrere Tausend Einzelsubstanzen. Besonders bekannt sind langkettige PFAS, wie Perfluoroctansulfonsäure und Perfluoroctansäure (PFOS, PFOA). Daneben existieren die kurzkettigen PFAS, die teilweise als Ersatzstoffe eingeführt wurden, deren gesundheitliche Wirkung jedoch ebenfalls Gegenstand aktueller Daten und Studien ist. Trotz struktureller Unterschiede verbinden alle PFAS ihre hohe Persistenz und die Fähigkeit, sich in Umwelt und biologischen Systemen anzureichern.
Die gesundheitliche Bewertung von PFAS stützt sich überwiegend auf epidemiologische Studien und ergänzende experimentelle Untersuchungen.2 Diese Daten zeigen, dass PFAS im menschlichen Blut nachweisbar ist und bei einem Großteil der Menschen in niedrigen Konzentrationen vorkommt. Für mögliche gesundheitliche Wirkungen sind vorwiegend Höhe, Dauer und Art der PFAS-Belastung entscheidend.
Eine der wichtigsten Untersuchungen ist das C8 Health Project, das in den USA durchgeführt wurde. In dieser großangelegten Studie wurden zehntausende Personen untersucht, die über Jahre hinweg PFAS-belastetem Trinkwasser ausgesetzt waren. Im Rahmen der Untersuchung wurden PFAS im Blut gemessen und mit medizinischen Daten verglichen. Die Ergebnisse der Proben zeigten statistische Zusammenhänge zwischen erhöhten PFAS-Blutwerten und bestimmten gesundheitlichen Parametern, darunter Cholesterinveränderungen, Schilddrüsenerkrankungen sowie einzelne Krebserkrankungen.
Ein zentraler Aspekt der Bewertung ist die Abgrenzung von Zusammenhang und Kausalität. Auch in Studien handelt es sich um Beobachtungsdaten, die keine direkten Ursache-Wirkungs-Beziehungen belegen. Faktoren wie Lebensstil, Ernährung, genetische Disposition und weitere Umwelteinflüsse können die Ergebnisse beeinflussen. Dennoch liefern solche Studien wichtige Hinweise für die gesundheitliche Einordnung von PFAS.
In wissenschaftlichen Studien werden verschiedene Erkrankungen und gesundheitliche Veränderungen beschrieben, die mit einer erhöhten PFAS-Belastung in Zusammenhang stehen.
Gut untersucht ist der Zusammenhang zwischen PFAS und Veränderungen des Fettstoffwechsels. Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) berichtet in seiner Studie über erhöhte Cholesterinwerte im Blut bei Personen mit höheren PFAS-Konzentrationen.3 Diese Veränderungen gelten als mögliche Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, auch wenn ein direkter Krankheitsnachweis nicht immer erbracht werden kann.
Ein weiterer Fokus liegt auf dem Immunsystem. Hier zeigen Untersuchungen, dass PFAS die Immunantwort beeinflussen können. Besonders Kinder reagieren mit einer verminderten Antikörperbildung nach Impfungen. Diese Effekte betreffen nicht das Auftreten akuter Symptome, sondern eher die langfristige Funktionsfähigkeit immunologischer Prozesse.
Auch eine hormonelle Wirkung steht im Fokus der Forschung. Ist der Körper mit PFAS belastet, so können Veränderungen der Schilddrüsenfunktion auftreten, da sie in hormonabhängige Signalwege eingreifen können. Solche Effekte können sich indirekt auf den Energiehaushalt, das Wachstum und weitere physiologische Prozesse auswirken.
Ferner gibt es Hinweise auf Zusammenhänge mit bestimmten Krebserkrankungen, insbesondere im Bereich von Niere und Hoden. Die Einordnung als krebserregend erfolgt jedoch vorsichtig: Die Datenlage basiert überwiegend auf Beobachtungsstudien, und die Bewertung unterscheidet sich je nach einzelner PFAS-Substanz.
Die PFAS-Belastung des Menschen entsteht über verschiedene Aufnahmewege. Eine direkte Aufnahme erfolgt in der Regel nicht durch einen einzelnen Kontakt, sondern durch wiederholte Exposition über längere Zeiträume. Zu den relevanten Pfaden zählen vornehmlich PFAS im Trinkwasser, PFAS in Lebensmitteln und PFAS in der Umwelt. Die individuelle Belastung ergibt sich aus der Summe dieser Expositionsquellen.
► PFAS im Trinkwasser
Über das Trinkwasser können PFAS in den menschlichen Körper gelangen, wenn Grund- oder Oberflächenwasser belastet ist. In solchen Fällen tragen der tägliche Konsum und die langfristige Nutzung derselben Wasserquelle wesentlich zur gesamten PFAS-Belastung bei. Da PFAS geschmacks- und geruchsneutral sind, bleibt eine Belastung häufig unbemerkt.4
Besonders relevant ist dieser Aufnahmeweg, weil Trinkwasser regelmäßig und in vergleichsweise konstanten Mengen aufgenommen wird. Selbst niedrige Konzentrationen können daher bei langfristiger Exposition zur Anreicherung im Blut beitragen. Lesen Sie dazu auch unseren ausführlichen Artikel zum Thema PFAS im Trinkwasser
► Grenzwerte für PFAS im Trinkwasser
In der Europäischen Union wurden im Rahmen der überarbeiteten Trinkwasser-Richtlinie erstmals Grenzwerte gesetzlich geregelt. Danach darf die Summe von 20 trinkwasserrelevanten PFAS-Substanzen im Trinkwasser nicht mehr als 0,1 Mikrogramm pro Liter (µg/L) betragen. Ein zusätzlicher Grenzwert für eine kleinere Gruppe besonders kritischer PFAS-Verbindungen (u. a. PFOS, PFOA, PFNA, PFHxS) soll ab Januar 2028 in Kraft treten und liegt bei 0,02 µg/L (20 ng/L) für die Summe dieser vier Stoffe.
Diese Grenzwerte dienen als verpflichtende Obergrenzen für Wasserversorger und sollen das Risiko einer chronischen PFAS-Exposition über das Trinkwasser minimieren.
Erhöhte PFAS-Werte im Trinkwasser können durch den Einsatz von Aktivkohlefiltern reduziert werden, da Aktivkohle in der Lage ist, bestimmte PFAS-Verbindungen aus dem Wasser zu adsorbieren. Weitere Informationen zu PFAS-Wasserfiltern finden Sie hier: PFAS-Wasserfilter ► Nutzen, Trinkwasserbelastung, Filtertechnik.
Um festzustellen, ob das eigene Trinkwasser PFAS enthält, kann eine gezielte Untersuchung sinnvoll sein. Hierfür steht unter anderem ein PFAS-Test zur Verfügung, mit dem Trinkwasserproben analysiert werden können: PFAS Test Kit – Jetzt Wasser auf das Jahrhundertgift testen!
► PFAS in Lebensmitteln
Ein weiterer wichtiger Aufnahmeweg sind Lebensmittel. PFAS können über belastete Böden, Wasser oder Futtermittel in die Nahrungskette gelangen und sich dort anreichern. Besonders tierische Produkte können zur Aufnahme beitragen, da PFAS im Organismus gespeichert und entlang der Nahrungskette weitergegeben werden.
Auch pflanzliche Lebensmittel können PFAS enthalten, wenn sie in belasteten Regionen angebaut oder mit kontaminiertem Wasser bewässert wurden. Die Aufnahme erfolgt dabei schleichend und meist ohne erkennbare Symptome. Die PFAS-Belastung über Lebensmittel ist deshalb schwer einzelnen Quellen zuzuordnen und variiert je nach Herkunft, Ernährungsgewohnheiten und regionalen Umweltbedingungen.5
► PFAS in der Umwelt
Neben Trinkwasser und Lebensmitteln stellt auch die Umwelt einen relevanten Kontaktpfad dar. Welches Problem PFAS in der Umwelt darstellt, beschreibt die Studie des Helmholtz Instituts: PFAS können in Böden, Sedimenten, Staub und teilweise auch in der Luft vorkommen. In belasteten Gebieten – etwa in der Nähe ehemaliger Industrie-, Deponie- oder Übungsstandorte – kann es zu einem erhöhten Kontakt mit PFAS-haltigem Material aus der Umwelt kommen. Bekannt ist auch, dass in Feuerlöschschäumen PFAS enthalten sind und diese bei der Anwendung freigesetzt werden.
Die Aufnahme erfolgt dabei unter anderem über Einatmen von Staub, Hand-Mund-Kontakt oder indirekt über den Kontakt mit belasteten Flächen. Diese Pfade der Umwelt tragen meist weniger zur kurzfristigen Exposition bei, können jedoch über lange Zeiträume zur chronischen PFAS-Belastung beitragen.
PFAS lassen sich im Blut nachweisen und werden dort im Rahmen von Human-Biomonitoring erfasst. Dies bezeichnet ein Verfahren, welches die Messung von Umweltstoffen wie PFAS oder ihre Abbauprodukte in biologischen Proben (z. B. Blut oder Urin) erfasst, um die tatsächliche Belastung des menschlichen Körpers abzubilden und gesundheitlich einzuordnen. Ein PFAS-Bluttest misst die Konzentration einzelner Substanzen im Blutserum und gibt Hinweise auf die bisherige Belastung durch Chemikalien. Solche Tests werden teilweise auch über den Hausarzt durchgeführt; die Kosten variieren je nach Umfang der Analyse.
Ein erhöhter PFAS-Wert im Blut bedeutet jedoch nicht automatisch, dass gesundheitliche Schäden vorliegen. Vielmehr zeigt er an, dass eine Exposition stattgefunden hat. Typische PFAS-im-Blut-Symptome existieren nicht, da die Effekte mehrheitlich unspezifisch und langfristig sind.