TDS steht für „Total Dissolved Solids" – also die Gesamtmenge aller gelösten Feststoffe in einer Wasserprobe.1 Es handelt sich um einen rein quantitativen Wert, welcher angibt, wie viele gelöste organische und anorganische Partikel im Wasser vorhanden sind. Der TDS-Wert gibt aber keine Auskunft darüber, um welche Stoffe es sich handelt. Zu den leitfähigen, gelösten Feststoffen im Wasser zählen unter anderem:
Mineralstoffe wie Calcium und Magnesium
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Salze wie Natriumchlorid
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Hydrogencarbonate
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geringe Mengen gelöster Metalle bzw. Schwermetalle
‣ Elektrische Leitfähigkeit: Reines Wasser leitet praktisch keinen Strom. Je mehr Ionen (Teilchen mit einer elektrischen Ladung) jedoch im Wasser gelöst sind, desto höher ist die elektrische Leitfähigkeit. TDS-Messgeräte für das Trinkwasser nutzen die Bestimmung der elektrischen Leitfähigkeit über den elektrischen Widerstand und rechnen diese in einen TDS-Wert um. Die indirekte TDS-Bestimmung über den elektrischen Leitwert ist die am häufigsten angewendete Methode. Diese liefert allerdings nur einen Näherungswert.2
‣ Gravimetrische Bestimmung: Neben TDS-Messgeräten auf Basis der elektrischen Leitfähigkeit gibt es eine zweite, präzisere Methode zur TDS-Bestimmung. Diese sogenannte gravimetrische Bestimmung kann allerdings nur im Labor durchgeführt werden. Dabei wird eine definierte Wasserprobe zunächst filtriert und anschließend eingedampft beziehungsweise getrocknet. Der verbleibende Trockenrückstand entspricht dem Gesamtgehalt der gelösten Feststoffe und damit dem tatsächlichen TDS-Wert.3
In der Praxis werden TDS-Wert und ppm-Wert häufig synonym verwendet. Dies ist jedoch nur bedingt korrekt. Hier die wichtigsten Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Begriffen:
Gemeinsamkeiten:
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TDS- und ppm-Wert geben die Konzentration gelöster Feststoffe an.
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Beide Werte erlauben keinen Aufschluss darüber, welche Substanzen (z. B. wertvolle Mineralien oder schädliche Schwermetalle) gelöst sind.
Unterschiede:
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TDS ist der Oberbegriff für die Gesamtmenge aller gelösten Feststoffe, angegeben in mg/l oder ppm.
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ppm (Parts per Million) ist die Maßeinheit: 1 ppm bedeutet, auf eine Million Moleküle von Wasser oder Gasen kommt ein Molekül gelöster bzw. enthaltener Stoff.
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Der TDS-Wert wird in der Regel nur für Flüssigkeiten, meistens Wasser verwendet.
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Angaben in ppm werden auch für Gase verwendet (z. B. bei der Messung von Gaslecks an der Heizungsanlage).
👉 Weitere Informationen zum ppm-Wert bietet unser Ratgeber „PPM-Wert von Trinkwasser einfach erklärt”.
Wird ein hoher TDS-Wert bei Trinkwasser gemessen, sorgt dies oft für Verunsicherung. So werben zum Beispiel einige Hersteller von Umkehrosmoseanlagen damit, dass ein niedriger TDS-Wert vorteilhaft für Komponenten der Wasserinstallation sei und sich positiv auf den Wassergeschmack auswirke. Allerdings kann ein hoher TDS-Wert höchst unterschiedliche Ursachen haben. So weist dieser unter anderem häufig auf einen hohen Gehalt von lebenswichtigen Mineralstoffen wie Calcium und Magnesium hin.4 Hohe TDS-Werte können aber ebenso durch Schwermetalle (z. B. Blei, Kupfer, Nickel) und andere Schadstoffe verursacht werden.
Der TDS-Wert von Wasser kann unter anderem durch die folgenden Faktoren beeinflusst werden:5
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Geologie: Fließt Wasser durch mineralhaltige Boden- oder Gesteinsschichten (z. B. kalkhaltige Gesteine) können sich aus diesen Mineralien lösen und den TDS-Wert erhöhen.
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Landwirtschaft: Nitrate aus Düngemitteln und Gülle können den Wert ansteigen lassen, wenn diese in Grund- und Oberflächengewässer gelangen.
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Altlasten/Abwasser: Ist Wasser durch industrielle Altlasten oder Abwasser verschmutzt, kann ein erhöhter TDS-Wert vorliegen.
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Leitungen/Installationskomponenten: Korrosion in alten Rohren, neue Kupferrohre, Bleileitungen oder nickelhaltige Armaturen können zu erhöhten Konzentrationen von Schwermetallen im Wasser führen. Diese erhöhen dann auch den TDS-Wert. In Stagnationswasser (Wasser, das lange in Leitungen „gestanden” hat) sind die TDS-Werte oft besonders erhöht, wenn grundsätzlich eine Freisetzung von Schwermetallen erfolgt.
Die deutsche Trinkwasserverordnung (TrinkwV) enthält keinen direkten Grenzwert für den TDS-Wert. Allerdings liegt ein Grenzwert für die elektrische Leitfähigkeit vor: 2.790 μS/cm (Mikrosiemens pro cm) bei 25 °C Wassertemperatur.6 Umgerechnet entspricht dies einem ppm-Wert von etwa 1.300 bis 1.800.
👉 Weitere Informationen zur elektrischen Leitfähigkeit erhalten Sie in unserem Ratgeber „Elektrische Leitfähigkeit im Wasser: Bedeutung, Messung & Praxis-Tipps”.
In Deutschland gibt die Trinkwasserverordnung strenge Richt- und Grenzwerte für Leitungswasser vor. Wird ein „hoher” TDS-Wert von Leitungswasser bei zentraler Wasserversorgung gemessen, deutet dies in der Regel auf einen hohen Mineralstoffgehalt bzw. hartes Wasser hin (siehe nachfolgende Tabelle). Dies schließt erhöhte TDS-Werte aufgrund von zum Beispiel Schwermetalleinträgen durch die Hausinstallation jedoch nicht aus. Die Wasserhärte können Sie bei Ihrem Wasserversorger erfragen. Meistens ist diese auch über die Webseite des Versorgers in Erfahrung zu bringen (z. B. Stichwort „Wasserhärte” oder „Wasseranalyse”). Ist bei Ihnen der TDS-Wert trotz eher weichem, mineralstoffarmem Wasser erhöht, deutet dies auf andere Ursachen für hohe TDS-Werte hin. Hier sind dann weitere Wassertests wie ein Schwermetalltest empfehlenswert.
Bei eigenem Brunnenwasser sollte hohen TDS-Werten verstärkt Beachtung geschenkt werden, da hier erhöhte Werte durch Einträge von Schadstoffen oder eine Versalzung öfter vorkommen können.
Die folgende TDS-Wert-Wasser-Tabelle gibt Ihnen einen groben Überblick zu durchschnittlichen TDS-Werten verschiedener „Wasserarten”:
| Wasserart | Spanne typischer TDS-Werte |
|---|---|
| destilliertes Wasser | 0 – 20 ppm |
| Regenwasser | 10 – 30 ppm |
| Osmosewasser | 10 – 80 ppm |
| weiches Leitungswasser | 100 – 250 ppm |
| hartes Leitungswasser | 250 – 500 ppm |
| Mineralwasser | 300 – 1.000 ppm |
Ein erhöhter TDS-Wert ist in der Regel unproblematisch, wenn:
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das Wasser klar, geruchlos und geschmacklich unauffällig ist
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die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung eingehalten werden (bei zentraler Wasserversorgung in der Regel der Fall)
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der erhöhte Wert höchstwahrscheinlich durch die Mineralstoffe Calcium und Magnesium hervorgerufen wird
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Metalle nicht von alten Hausleitungen oder ungeeigneten Installationskomponenten in das Wasser gelangen könnten
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keine neuen Rohrleitungen verlegt wurden (insbesondere neue Kupferrohre können verstärkt Kupfer an das Leitungswasser abgeben)
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eigenes Brunnenwasser regelmäßig kontrolliert wird und der Brunnen in einem technisch einwandfreiem Zustand ist
Der TDS-Wert ist nicht nur für Trinkwasser relevant. Der Wert kann auch bei der Untersuchung von Pool- und Aquarienwasser ein wichtiger Parameter sein:
TDS-Wert Pool: Poolwasser kann sich, bei ausbleibendem Wasseraustausch, mit der Zeit durch Poolchemikalien (z. B. Chlor, Brom), Körperpflegeprodukte wie Sonnencreme, Schweiß und andere Einträge kontinuierlich mit Fremdstoffen anreichern. Dies kann den TDS-Wert erhöhen. Es ist jedoch kaum möglich, einen allgemein gültigen maximalen TDS-Wert für Poolwasser anzugeben, da dieser zum Beispiel stark von dem eingesetzten Desinfektionsmittel und dem TDS-Wert des Füllwassers abhängig ist. Richtwerte bzw. „Grenzwerte” kann Ihnen hier in der Regel der Hersteller der Desinfektionsmittel nennen.
TDS-Wert Aquarium: In der Aquaristik wird der TDS-Wert ebenfalls oft zur Kontrolle der Wasserqualität eingesetzt. So bevorzugen viele tropische Süßwasserfische und Pflanzen eher weiches Wasser mit niedrigem TDS-Wert. Allerdings ist die Korrelation („Zusammenhang”) zwischen weichem Wasser und niedrigem TDS-Wert nicht immer gegeben. Ein Anstieg des TDS-Wertes im Aquarium kann zum Beispiel auf Überfütterung, Überdüngung oder zu hartes Füllwasser hinweisen.7
Die Anschaffung eines eigenen TDS-Messgeräts (Anschaffungskosten ab ca. 15 bis 20 Euro) kann unter anderem in den folgenden Situationen sinnvoll sein:
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Haushalte mit Osmoseanlage zur Aufbereitung von Trinkwasser (Kontrolle)
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Kontrolle von anderen Wasseraufbereitungsanlagen
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Aquaristik, Fischzuchtbetriebe
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Kontrolle von Poolwasser
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Kontrolle von eigenem Brunnenwasser
Liefert ein unerklärlich erhöhter TDS-Wert Hinweise auf mögliche Wasserverunreinigungen, sollten weitere Wasseruntersuchungen zur Ursachenforschung erfolgen. Wir bieten dazu unter anderem die folgenden Trinkwassertests an:
Die Probenentnahme für unsere Wassertests können Sie mit Hilfe der im Test-Set enthaltenen, leicht verständlichen Anleitung ganz einfach selbst vornehmen. Anschließend senden Sie die Wasserprobe in dem beiliegenden Versandkarton an unser spezialisiertes Partnerlabor. Nach kurzer Zeit steht das Analyseergebnis in Ihrem persönlichen Bereich von MyChecknatura zum Abruf bereit.
Welcher TDS-Wert ist bei Trinkwasser normal?
Je nach Region sind etwa 100 bis 500 ppm bei deutschem Leitungswasser normal. Härteres Wasser weist aufgrund des höheren Mineralstoffgehalts in der Regel höhere TDS-Werte auf als weiches Wasser.
Ist Trinkwasser mit hohem TDS-Wert „schlecht”?
Ein hoher TDS-Wert weist oft nur auf mehr gelöste Mineralstoffe wie Calcium und Magnesium im Wasser hin. Hohe TDS-Werte können jedoch auch durch Wasserverunreinigungen wie Schwermetalle oder Nitrat verursacht werden, die weitere Wasseranalysen erfordern.
Kann ein TDS-Messgerät Bakterien oder Medikamentenrückstände nachweisen?
Nein. TDS-Messgeräte können nur gelöste Ionen von zum Beispiel Salzen und Metallen über die elektrische Leitfähigkeit messen. Organische Verbindungen bzw. „Stoffe” wie Bakterien, Viren, Pestizide oder Medikamentenrückstände bilden meist keine Ionen und beeinflussen die Leitfähigkeit des Wassers daher kaum.8