Die Abkürzung TFA steht für Trifluoressigsäure, welche auch als Trifluoracetat bezeichnet wird, wenn diese als Salz oder Ester vorliegt. Bei TFA handelt es sich um eine organische Säure, die zur Gruppe der PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) gehört. Aufgrund ihrer extrem starken Kohlenstoff-Fluor-Bindung gilt sie als sogenannte Ewigkeitschemikalie, die in der Umwelt unter natürlichen Bedingungen praktisch nicht abgebaut wird.1
Von TFA gehen aufgrund der folgenden Eigenschaften besondere Risiken für Mensch und Umwelt aus: Das TFA-Molekül ist sehr klein (kurzkettig) und damit hochmobil. So verteilt es sich unter anderem rasch über den natürlichen Wasserkreislauf. Während andere PFAS-Verbindungen häufig an Oberflächen haften und dort verweilen, bleibt TFA oft in Wasser gelöst und gelangt dadurch ungehindert durch natürliche „Bodenfilter”, die andere Schadstoffe teilweise zurückhalten können. So erreicht an der Oberfläche freigesetzte TFA mit der Zeit auch Trinkwasser-Grundwasserleiter.2 Noch stärker sind teilweise zur Trinkwassergewinnung genutzte Oberflächengewässer (z. B. Talsperren, Seen, Flüsse) durch die Chemikalie gefährdet.
Die Quellen für TFA im Wasser sind vielfältig. Anders als bei vielen anderen Industrieschadstoffen entsteht TFA häufig erst in der Atmosphäre oder im Boden als Abbauprodukt anderer Substanzen. Dazu gehören unter anderem:2, 3
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Kältemittel: Moderne Ersatzstoffe (z. B. R1234yf in Autoklimaanlagen) für ozonschädliche FCKW zerfallen in der Atmosphäre zu TFA und gelangen über den Regen in den Boden.
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Landwirtschaft: Bestimmte Pflanzenschutzmittel enthalten fluorierte Wirkstoffe, die bei ihrer Zersetzung Trifluoressigsäure freisetzen.
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Arzneimittel/Tierarzneimittel: Arznei- und Tierarzneimittel sind eine weitere Quelle für TFA. Rückstände von TFA können beispielsweise mit menschlichen Ausscheidungen auch in das Abwasser gelangen.
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Industrie: Bei verschiedensten industriellen Prozessen kann TFA unter anderem als Nebenprodukt anfallen und über Abwässer und gasförmige Emissionen in die Umwelt freigesetzt werden.
Die Auswirkungen von TFA und anderen Ewigkeitschemikalien auf die menschliche Gesundheit werden noch immer intensiv erforscht und kontrovers diskutiert. Zu den möglichen gesundheitlichen Folgen von TFA gehören unter anderem:5, 6, 7
① Leberbelastung:
In Tierversuchen zeigten sich bei hohen Dosen Veränderungen der Leberwerte und eine Zunahme des Lebergewichts.
② Entwicklungsschäden/Fruchtbarkeit:
Es gibt zumindest Hinweise darauf, dass TFA ungeborene Kinder schädigen könnte. Außerdem kann TFA vermutlich die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen. Die Chemikalie wird unter anderem vom Bundesinstitut für Risikobewertung insgesamt als „fortpflanzungsgefährdend” eingestuft.
③ Augen-, Haut- und Atemwege:
In hohen Konzentrationen kann TFA Augenschäden, Hautverätzungen und Schäden beim Einatmen verursachen.
TFA ist in der Umwelt praktisch schon überall nachweisbar. Dies gilt auch für Oberflächen- und Grundwasser. So konnte das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) zwischen 2017 und 2024 TFA in fast allen der über 1.000 untersuchten Grundwassermessstellen nachweisen. In den bisher 60 vom LfU untersuchten Fließgewässern wurden im Durchschnitt TFA-Konzentrationen zwischen 0,5 und 2 µg/l gemessen.8
Das Umweltportal Baden-Württemberg berichtet zudem, dass TFA 2019/2020 an rund 95 Prozent aller untersuchten Grundwassermessstellen (ca. 1.900) im Bundesland nachgewiesen wurde, mit besonders hohen Werten in landwirtschaftlich geprägten Gebieten.9
Auch in Trinkwasser wurde TFA bereits mehrfach nachgewiesen (z. B. Bodenseewasserversorgung, 65 Trinkwasserproben aus Niedersachsen).10, 11 Da TFA bei der Trinkwasseraufbereitung nur mit sehr großem technischen Aufwand entfernt werden kann, ist davon auszugehen, dass Trinkwasser wahrscheinlich ebenso in großem Umfang mit TFA belastet ist.
Der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz) hat 2024 in einer Untersuchung zudem TFA in Mineralwasser nachgewiesen: In mehreren bekannten Marken wurden Konzentrationen zwischen 53 und 200 Nanogramm pro Liter gemessen.12 Dies zeigt, wie weit die Ewigkeitschemikalie mittlerweile selbst in oft gut vor Verunreinigungen geschützte Mineralwasserquellen vorgedrungen ist.
Für TFA gibt es derzeit in Deutschland keinen klassischen gesetzlichen Grenzwert in der Trinkwasserverordnung. Das Umweltbundesamt nennt allerdings einen gesundheitlichen Leitwert von 60 µg/l. Ab einem Wert von 10 μg/ Liter werden „minimierende Maßnahmen” empfohlen, um einer Überschreitung des Leitwertes vorzubeugen.10 Dieser Wert wird an einigen Grundwassermessstellen bereits überschritten.8
Es gibt kaum eine Möglichkeit, sich vor der Aufnahme von TFA aus Trinkwasser zu schützen. So beseitigt zum Beispiel das Abkochen des Wassers TFA nicht. Einfache Wasserfilter und gängige Wasseraufbereitungsverfahren sind gegen die Chemikalie ebenfalls in der Regel nicht wirksam.13
Die TFA-Konzentrationen des ausgelieferten Trinkwassers werden von den Wasserversorgern in der Regel im Gegensatz zu anderen Wasserwerten (z. B. Wasserhärte, Nitrat, Schwermetalle) auch nicht kommuniziert. Dies gilt ebenso für Anbieter von Mineralwasser. Auf Nachfrage könnten Sie hier aber eventuell Auskunft erhalten.
Einen Wassertest auf TFA bieten wir bislang noch nicht an. Allerdings können Sie Ihr Trinkwasser auf andere Ewigkeitschemikalien (PFAS) testen lassen:
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Der Wassertest PFAS Basis deckt 20 PFAS bei einer Bestimmungsgrenze von 10 ng/l ab.
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Bei dem PFAS Test Sensitiv liegt die Bestimmungsgrenze bei nur 0,1 ng/l.
Die Probenahme für die Tests können Sie mit der in den Testkits enthaltenen Anleitung einfach selbst vornehmen. Nach Einsendung per Post erfolgt die Testanalyse in unserem spezialisierten Partnerlabor.
Ist TFA im Trinkwasser gefährlich?
Nach dem aktuellen Stand der Forschung gehen von den momentan im Trinkwasser gemessenen TFA-Konzentrationen keine Gesundheitsrisiken aus.
Gibt es einen gesetzlichen Grenzwert für TFA im Trinkwasser?
In Deutschland existiert kein verbindlicher TFA-Grenzwert, sondern lediglich ein gesundheitlicher Leitwert des Umweltbundesamtes von 60 µg/l.
Kann man TFA mit einfachen Kannen- oder Tischfiltern entfernen?
Herkömmliche Kannen- oder Tischfilter mit Aktivkohle sind bei TFA in der Regel weitgehend wirkungslos. Das Molekül ist unter anderem zu klein, um effektiv an der Kohle gebunden zu werden. Nur mit speziellen industriellen Verfahren oder Umkehrosmoseanlagen kann der TFA-Gehalt im Wasser deutlich reduziert werden.14