Die Trübung von Wasser kann unter anderem in Nephelometric Turbidity Units, kurz NTU, gemessen werden. Der englische Begriff „Turbidity” bedeutet auf Deutsch „Trübung". Nephelometric steht für ein nephelometrisches (optisches) Messverfahren. Als Trübung bezeichnet man die Verminderung der Lichtdurchlässigkeit einer Flüssigkeit durch darin enthaltene, suspendierte (schwebende) Partikel. Diese Partikel können anorganische Metalloxide (z. B. Eisen, Mangan) oder organische Partikel wie Algen, Huminstoffe oder Mikroorganismen sein.1 Die Einheit NTU wird vor allem in den USA verwendet und beschreibt, wie stark Partikel im Wasser eingestrahltes Licht streuen.
In Europa und Deutschland ist neben NTU unter anderem die Einheit FNU (Formazine Nephelometric Units) gemäß ISO-Norm 7027 sowie die deutsche Bezeichnung TE/F (Trübungseinheit/Formazin) gebräuchlich. Bei Formazine bzw. Formazin handelt es sich um eine zur Standardisierung der Messungen verwendete Flüssigkeit, welche in der Regel für Trübungsmessungen verwendet wird. Ist dies der Fall, können beispielsweise die Einheiten NTU, FNU und TE/F gleichgesetzt werden.2
Die Trübungsmessung (fachsprachlich auch als Turbidimetrie oder Nephelometrie bezeichnet) erfolgt heute in der Regel ausschließlich mit optoelektronischen Messgeräten. Dabei sendet ein Messgerät einen Lichtstrahl durch eine Wasserprobe. Die Trübung kann dann auf zwei unterschiedliche Weisen gemessen werden:3
① Streuung:
Ein sogenanntes Nephelometer (Trübungsmessgerät) bestimmt die Intensität des entstehenden Streulichts. Dieses wird in der Regel im Winkel von 90° zum einfallenden Strahl gemessen. Je mehr Partikel im Wasser vorhanden sind, desto stärker wird das Licht gestreut und desto höher ist auch der gemessene NTU-Wert. Die Methode wird nach der Norm ISO 7027 für niedrige Trübungswerte kleiner 400 NTU empfohlen.
② Durchlicht:
Mit einem speziellen Messgerät wird die Lichtabschwächung aufgrund der Trübung der Flüssigkeit ermittelt. Die Messung erfolgt dabei mittels einer Lichtquelle und eines Detektors. Die Trübung wird bei dieser Methode in der Einheit FAU (Formazin Attenuation Unit) angegeben. Die Messung erfolgt hier in der bereits erwähnten Standardisierungs-Flüssigkeit Formazin. Nach der ISO 7027 wird die Durchlicht-Methode für hohe Trübungen größer 40 FAU empfohlen.
Moderne NTU-Wasser-Messgeräte (Nephelometer) sind sowohl als stationäre Laborgeräte als auch als tragbare Geräte für den mobilen Einsatz erhältlich. Die Geräte können Trübungswerte meistens bis zu 0,01 NTU zuverlässig erfassen. Die Kalibrierung der Messgeräte erfolgt in der Regel mithilfe von Formazin-Lösungen.3
In Deutschland ist die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) in ihrer aktuellen Fassung vom 24. Juni 2023 die maßgebliche Rechtsgrundlage für die Sicherung der Trinkwasserqualität. Die Trübung zählt innerhalb der Verordnung zu den sogenannten Indikatorparametern, also zu jenen Parametern, die nicht immer unmittelbar gesundheitsrelevant sind, aber wichtige Hinweise auf technische Probleme oder Verunreinigungen liefern können.
Für Trinkwasser gilt ein Grenzwert von maximal 1,0 NTU, der am Ausgang des Wasserwerks gemessen wird. Darüber hinaus legt Anlage 5 der TrinkwV 2023 für den Betriebsparameter Trübung im Filtrat noch schärfere Werte fest: Bei 95 Prozent aller Proben darf die Trübung 0,3 NTU nicht überschreiten, und in keiner einzelnen Probe darf der Wert von 1,0 NTU überschritten werden.4
Die folgende Tabelle zeigt einige grobe Orientierungswerte für NTU im Trinkwasser und deren Bewertung bzw. Bedeutung:3, 5
| NTU-Bereich | Bewertung/Bedeutung |
|---|---|
| unter 0,0016 NTU | sehr klares Wasser, NTU-Wert optisch nicht mehr messbar |
| bis 1,0 NTU | „sicheres Trinkwasser” laut WHO-Empfehlung, gesetzlicher Grenzwert (Indikatorparameter) nach TrinkwV 2023 |
| über 1,0 NTU | Grenzwertüberschreitung; Ursachenprüfung und ggf. Maßnahmen erforderlich. |
Ein erhöhter NTU-Wert geht nicht automatisch mit einer direkten Gesundheitsgefahr einher. Allerdings sind erhöhte Werte unter anderem aus den folgenden Gründen oft ein „Warnsignal”, dem Beachtung geschenkt werden sollte:6, 7
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Indirekte Gesundheitsgefahr durch Keimanlagerung: „Trübungspartikel” im Wasser können als Träger für Mikroorganismen und Keime dienen. Krankheitserreger wie Bakterien oder Protozoen lagern sich an solche Partikel an und werden so teilweise auch vor Desinfektionsmaßnahmen während der Trinkwasseraufbereitung geschützt. Dadurch kann eine zuverlässige Desinfektion des Trinkwassers erheblich beeinträchtigt werden.
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Hinweis auf mikrobielle Verunreinigungen: Eine erhöhte Trübung kann auf erhöhte Konzentrationen von gesundheitsgefährdenden Mikroorganismen im Trinkwasser hinweisen. So dienen Schwebepartikel einigen Keimen als Nährboden. Außerdem können Keime wie Coli-Bakterien mit zum Beispiel Fäkalien in das Trinkwasser geraten, welche wiederum eine erhöhte Trübung des Wassers verursachen.
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Hinweis auf schädliche Substanzen: Trübes Wasser kann unter anderem auch durch verschiedenste Chemikalien verursacht werden, die je nach Konzentration eine erhebliche Gesundheitsgefahr darstellen können. Außerdem binden einige Partikel wie bestimmte Tonminerale sowie Huminstoffe Schwermetalle. Unter bestimmten Bedingungen können diese im Wasser wieder freigesetzt werden.
Bei zentraler Trinkwasserversorgung treten Trübungen häufig durch folgende Ursachen auf:8
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Gelöste Luft im Wasser, die zu weißlicher, milchiger Trübung führen kann. Diese „Erscheinung” verschwindet meistens nach kurzer Zeit von selbst und hat keine gesundheitliche Relevanz.
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Eisen- und Manganpartikel, die durch Druckschwankungen, Korrosion in Rohren und Boilern (Hausinstallation), Rohrbrüche oder Spülarbeiten aus Leitungen gelöst werden und für braune oder rostfarbene Trübungen sorgen.
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Unwetter oder Hochwasser können mitunter verschiedenste Schwebstoffe in das Wassernetz gelangen lassen.
Bei der Förderung von eigenem Brunnenwasser kommen weitere Ursachen für Trübungen in Frage:8
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Eindringen von Erde oder Sedimenten durch undichte Brunnenabdichtungen.
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Huminstoffe aus der Zersetzung organischer Materialien wie Blätter oder Wurzeln, die sich in verschmutzten oder undichten Brunnen ansammeln können.
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Erhöhter Gehalt von Eisen und Mangan im Brunnenwasser.
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Eintrag von Fäkalien durch Oberflächenwasser oder Starkregenereignisse.
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Tote Tiere im Brunnen (besondere Gesundheitsgefahr – sofortige Brunnenreinigung nötig!).
Bei trübem Wasser können die folgenden Maßnahmen und Tipps sinnvoll sein:
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Wasser nicht als Trinkwasser, für die Nahrungszubereitung oder für die Körperpflege verwenden! Trübes Wasser kann außerdem Wäsche, Waschbecken, Armaturen etc. verfärben und Geräte wie Wasch- und Espressomaschinen schädigen.
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Beim Wasserversorger nachfragen, ob zum Beispiel Wartungs- oder Spülarbeiten durchgeführt werden. Oft werden diese auch im Internetauftritt kommuniziert.
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Nachbarn fragen, ob ebenfalls eine Trübung vorliegt. Wenn ja, liegt die Ursache wahrscheinlich im Verantwortungsbereich des Wasserversorgers.
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Wasser 2 – 5 Minuten ablaufen lassen und prüfen, ob die Trübung verschwindet.
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Kalt- und Warmwasser getrennt laufen lassen, um Ursache für Trübung einzugrenzen.
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Ist nur eine Entnahmestelle betroffen? Dies vereinfacht die Ursachensuche.
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Bei Brunnen: Förderpumpe, Filter, Rohrleitungen, Zustand des Brunnens etc. prüfen.
Neben mobilen Messgeräten kann die Bestimmung der Trübung auch durch einen professionellen Wassertest im Labor erfolgen. Dies hat den Vorteil, dass Sie kein Messgerät kaufen oder mieten müssen. Die Wassertrübung ist ein Parameter unserer beiden folgenden Brunnenwassertests:
Die Probenahme für die Tests können Sie mit der in den Testkits enthaltenen Anleitung einfach selbst vornehmen. Nach Einsendung per Post erfolgt die Testanalyse in unserem spezialisierten Partnerlabor.
Ist trübes Leitungswasser gefährlich für die Gesundheit?
Nicht zwangsläufig. Ist die Trübung zum Beispiel weiß/milchig und verschwindet nach kurzer Zeit wird diese in der Regel nur durch harmlose Luftblasen verursacht. Hat die Trübung eine andere Färbung und bleibt länger erhalten, kann diese durch verschiedenste Partikel und Mikroorganismen verursacht werden, von denen auch Gesundheitsgefahren ausgehen können.
Welcher NTU-Wert ist bei Trinkwasser erlaubt?
Laut der deutschen Trinkwasserverordnung darf der Grenzwert von 1,0 NTU am Ausgang des Wasserwerks nicht überschritten werden.
Wie kann ich den NTU-Wert meines Wassers messen?
Zur Trübungsmessung von Wasser werden Nephelometer (Trübungsmessgeräte) eingesetzt, die Licht durch die Wasserprobe senden und das gestreute Licht im 90°-Winkel messen. Tragbare Geräte nach ISO 7027 sind für Eigenkontrollen geeignet und im Fachhandel erhältlich. Für rechtssichere oder medizinisch relevante Bewertungen muss die Analyse jedoch in der Regel durch ein akkreditiertes Labor und einen geschulten Probenehmer erfolgen.