Das Wichtigste in Kürze
➡️ Kunststoffrohrsysteme für Trinkwasser bestehen meist aus den Kunststoffen PE-X, PB, PVC, PE-HD oder Verbundmaterialien (Kunststoffe und Metall).
➡️ Die Rohre müssen hygienisch unbedenklich sowie DVGW-zertifiziert sein.
➡️ Kunststoff-Stecksysteme und Pressverbindungen für Rohrleitungen ermöglichen eine schnelle, werkzeugarme Montage.
➡️ Bei erdverlegten Leitungen richtet sich die Verlegetiefe unter anderem nach der frostfreien Tiefe (grobe Faustregel: 120 cm). Verbindlich sind jedoch stets die Vorgaben des örtlichen Wasserversorgers.
Inhalt des Artikels
Kunststoffrohre in der Trinkwasserinstallation haben unter anderem die folgenden Vorteile:
✔️ Korrosionsbeständigkeit/Langlebigkeit
Im Vergleich zu traditionellen Materialien wie Kupfer oder Stahl bieten Kunststoffrohrsysteme den entscheidenden Vorteil, dass sie nicht rosten oder korrodieren. Während Metallrohre mit der Zeit durch chemische Reaktionen mit dem Wasser angegriffen werden können, bleiben Kunststoffrohre für Trinkwasser über Jahrzehnte stabil. Das verhindert nicht nur Undichtigkeiten, sondern auch die Abgabe von Schwermetallen ins Trinkwasser.1
Rohre aus Kunststoff haben bei fachgerechter Installation oft eine Haltbarkeit von über 50 Jahren.2
✔️ Geringere Kosten
Kunststoffrohre sind gegenüber Rohren aus Metall (z. B. Kupfer, Edelstahl) oft günstiger in der Anschaffung. Dies gilt besonders bei hohen Metallpreisen.3
✔️ Einfache Verarbeitung
Ein weiterer Pluspunkt ist die einfache Handhabung von Kunststoffrohrsystemen.3 Kunststoff-Stecksysteme und -Pressverbindungen ermöglichen eine schnelle und oft sogar werkzeuglose Montage. Das spart nicht nur Zeit, sondern reduziert auch die Fehleranfälligkeit während der Installation. Gerade bei Sanierungen oder in engen Räumen erweisen sich Stecksysteme aus Kunststoff als besonders praktisch.
Neben den oben genannten Vorteilen haben Kunststoffrohre in Trinkwasserinstallationen auch mögliche Nachteile:
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Migration von Stoffen: Unter Umständen können sich aus den Kunststoffen gesundheitlich bedenkliche Stoffe lösen. Sind die Rohre vom DVGW zertifiziert, ist dieses Risiko allerdings gering. Bei Rohrinnensanierungen mit Epoxidharz kann jedoch mitunter die Chemikalie Bisphenol A (BPA) in das Trinkwasser übergehen.4
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Temperaturempfindlichkeit: Einige Kunststoffrohre bzw. Kunststoffe wie PVC-U können bei hohen Temperaturen erweichen oder sich verformen und sind daher für Warmwasserleitungen nicht geeignet.5
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UV-Empfindlichkeit: Einige Kunststoffrohre sind nicht UV-beständig und dürfen daher nicht im Freien ohne Schutz verlegt werden. Bei direkter Sonneneinstrahlung können sie verspröden oder sogar brechen.5
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Mechanische Belastbarkeit: Im Vergleich zu Metallrohren sind einige Kunststoffrohre weniger druckfest und können bei starken mechanischen Belastungen (z. B. durch schwere Fahrzeuge über erdverlegten Leitungen) beschädigt werden.5
Für Kunststoffrohrsysteme in Trinkwassersystemen gelten verschiedene Normen und Richtlinien, die bei einer ordnungsgemäßen Installation beachtet werden müssen. Dazu zählen unter anderem:
► DIN EN 805
Die DIN EN 805 regelt die Anforderungen an Wasserversorgungssysteme und deren Bauteile außerhalb von Gebäuden (z. B. Zubringer- und Hauptversorgungsleitungen). Die Norm definiert unter anderem Planungsgrundsätze bei der Verlegung wie etwa die hydraulische und statische Bemessung der Rohrleitungen. Weitere wichtige Aspekte der Norm sind der Schutz vor Korrosion und Verunreinigungen sowie die Druckprüfung der Systeme.6
► DVGW-Richtlinien/Arbeitsblätter
Neben DIN-Normen spielen auch Richtlinien bzw. Arbeitsblätter des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) eine wichtige Rolle bei der Installation von Trinkwasser-Kunststoffrohren:
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Das DVGW-Arbeitsblatt W 544 regelt spezifisch die Anforderungen an Kunststoffrohre in der Trinkwasser-Installation. Hier werden unter anderem die Prüfkriterien für hygienische Eigenschaften der Materialien festgelegt. Dadurch wird sichergestellt, dass die Rohre keine Stoffe an das Wasser abgeben, welche die Gesundheit gefährden könnten.7
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Wichtig ist außerdem das DVGW-Arbeitsblatt W 270, das sich mit der Prüfung und Bewertung der Vermehrung von Mikroorganismen auf Werkstoffen für den Trinkwasserbereich beschäftigt.8
Nicht jeder Kunststoff ist für den Kontakt mit Trinkwasser geeignet. In der Praxis kommen vor allem folgende Kunststoffe bei Trinkwasserinstallationen zum Einsatz:5
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PE-X (vernetztes Polyethylen): häufig für Druckwasserleitungen (bis 10 bar) verwendet
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Polybuten (PB): ähnliche Anwendungsgebiete wie PE-X, zudem hohe UV-Beständigkeit, Flexibilität und Langzeitstabilität
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PVC-U (hartes Polyvinylchlorid): weichmacherfrei, nur für Kaltwasser bis 20 °C einsetzbar
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PVC-C (chloriertes Polyvinylchlorid): für Warm- und Kaltwasser geeignet
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PE-HD (hochdichtes Polyethylen): für Erdverlegung geeignet
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Mehrschichtverbundrohr: Mehrschichtiger Aufbau aus Kunststoff/Kunststoffen und Aluminium. Dadurch unter anderem erhöhte Formstabilität, niedrige Längenausdehnung, hohe Korrosionsbeständigkeit und wenig Fließgeräusche.
💡 Wichtig zu wissen:
Für all diese Kunststoffe, Verbundmaterialien und Verbindungsteile gilt: Nur eine gültige DVGW-Zertifizierung und/oder ein entsprechendes Prüfzeichen stellen sicher, dass die Rohre, Materialien und Teile tatsächlich für Trinkwasserinstallationen freigegeben sind. Außerdem sollte die DIN-Norm 1988 eingehalten werden.9Neben der Auswahl der Rohre entscheidet auch die Verbindungstechnik maßgeblich über Montageaufwand und Langlebigkeit der Trinkwasserinstallation. Welche Verbindungstechnik infrage kommt, hängt dabei vom jeweiligen Rohrwerkstoff ab. Es kommen unter anderem die folgenden Verbindungstechniken zum Einsatz:10
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Kunststoff-Stecksysteme: Rohr und Verbindungsstück (Fitting) werden ohne Werkzeug ineinandergesteckt, eine Dichtung im Formstück sorgt für die Abdichtung.
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Pressverbindungen: Beim Verpressen wird ein Verbindungsstück mit einer Presszange dauerhaft und formschlüssig mit dem Rohr verbunden. Um eine Kunststoff-Wasserleitung zu pressen, ist teilweise ein systemspezifisches Presswerkzeug erforderlich.
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Schweißverbindungen: Primär bei PP- und PB-Rohren gebräuchlich. Die Rohrenden werden thermisch verschmolzen und bilden so eine homogene, besonders belastbare Verbindung.
Bei der Sanierung alter Trinkwasserleitungen kommen teilweise Rohr-in-Rohr-Systeme zum Einsatz. Dabei wird ein neues Kunststoffrohr in die bestehende, meistens aus Metall bestehende, Altleitung eingezogen, sodass diese als Schutzhülle erhalten bleibt. Wände oder Böden müssen bei dieser Methode nicht großflächig geöffnet werden, was die Bauzeit und Kosten reduziert.11
Erdverlegte Trinkwasserleitungen müssen so tief liegen, dass sie nicht durch gefrierenden Boden gefährdet werden. Bundesweit einheitliche Vorgaben für die Verlegetiefe gibt es dabei nicht. Verbindlich sind dagegen die technischen Anschlussbedingungen des zuständigen Wassernetzbetreibers. Die Verlegetiefe richtet sich unter anderem nach:
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der regionalen Frosttiefe,
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der Bodenbeschaffenheit,
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den örtlichen Vorgaben des Wasserversorgers.
Als grobe Faustregel kann eine Verlegetiefe (Rohrdeckung) von 120 cm angenommen werden. Zudem müssen bestimmte Abstände zu anderen Rohrleitungen sowie Kabeln eingehalten werden.12
Ob Rohrleitungen aus Metall (z. B. Blei, Kupfer) Schwermetalle an Ihr Leitungswasser abgeben, können Sie mit einem unserer Trinkwassertests herausfinden. Einen Test auf Bisphenol A (z. B. mögliche Freisetzung nach Rohrinnensanierung) bieten wir ebenfalls an:
Wassertest Rohrleitung (Parameter: Blei, Chrom, Eisen, Kupfer, Nickel, Zink, Aluminium)
Die Probenentnahme für unsere Wassertests können Sie mit Hilfe der beiliegenden, leicht verständlichen Anleitung einfach selbst vornehmen. Anschließend senden Sie die Probe per Post im mitgelieferten Versandkarton an unser spezialisiertes Partnerlabor. Nach kurzer Zeit steht das Testergebnis für Sie über Ihren persönlichen Bereich des Online-Portals MyChecknatura zum Abruf bereit.
Sind Kunststoffrohre für Trinkwasser gesundheitlich unbedenklich?
Ja, sofern ausschließlich für Trinkwasser zugelassene Rohrsysteme verwendet und fachgerecht installiert werden.
Wann sind Rohr-in-Rohr-Systeme sinnvoll?
Rohr-in-Rohr-Systeme bieten insbesondere bei der Sanierung von verdeckt verlegten Leitungen Vorteile, da sie das Innenrohr schützen und im Vergleich zu einer Neuinstallation oft einen geringeren Installationsaufwand haben.
Können Kunststoffrohre korrodieren?
Nein, Kunststoffrohre sind korrosionsbeständig und rosten im Gegensatz zu einigen metallischen Rohrleitungen nicht. Das macht sie besonders langlebig und wartungsarm.
Sind Kunststoffrohre für Warm- und Kaltwasser geeignet?
Ja, viele moderne Kunststoffrohrsysteme sind sowohl für Kalt- als auch für Warmwasser geeignet. Es gibt jedoch auch Rohre, die nur für Kaltwasser zugelassen sind. Entscheidend ist, dass das jeweilige Rohrsystem bzw. der verwendete Kunststoff für die vorgesehenen Temperatur- und Druckbereiche zertifiziert und geprüft ist.