Als Trinkwasser wird in Deutschland Wasser bezeichnet, das für den menschlichen Gebrauch geeignet ist – also zum Trinken, zur Nahrungsmittelzubereitung und für die Körperpflege.1 Es muss frei von Krankheitserregern und gesundheitsschädlichen Stoffen sein. In Deutschland regelt die Trinkwasserverordnung (TrinkwV), welche Qualitätsstandards für Trinkwasser eingehalten werden müssen. Die Verordnung zählt zu den strengsten weltweit und schreibt unter anderem regelmäßige Wasserkontrollen durch Wasserversorger und private Brunnenbetreiber vor.
Je nach Versorgungsgebiet wird das Rohwasser für die Trinkwasserversorgung aus verschiedenen Quellen gewonnen. Teilweise erfolgt in einem Versorgungsgebiet auch eine Mischversorgung mit zum Beispiel Grund- und Oberflächenwasser:
💧 Grundwasser
Der natürliche Filterprozess bei der Entstehung von Grundwasser führt dazu, dass Grundwasser meist eine höhere Qualität aufweist als Oberflächenwasser. Besonders tief liegende Grundwasserleiter, die sich über sehr lange Zeiträume gebildet haben, gelten oft als besonders rein. Im Gegensatz dazu kann oberflächennahes Grundwasser stärker durch Schadstoffe belastet sein, etwa durch Nitrat und Pestizide aus intensiver Landwirtschaft oder durch industrielle Altlasten und Einflüsse aus dem Bergbau. Die Grundwasserförderung über Brunnen erfolgt in der Regel innerhalb ausgewiesener Wasserschutzgebiete, um Verunreinigungen möglichst zu vermeiden. Mit entsprechender behördlicher Erlaubnis kann Grundwasser auch über private Brunnen zur eigenen Trinkwasserversorgung genutzt werden. Grundwasser deckt rund 62 % des deutschen Trinkwasserbedarfs.2
💧 Grundwasser-Anreicherung
Bei diesem Verfahren wird Grundwasser gezielt mit Oberflächenwasser ergänzt (angereichert). Das zugeführte Wasser versickert dabei meist durch verschiedene Bodenschichten, die eine erste Reinigung bewirken. Anschließend wird das angereicherte Grundwasser über Brunnen gefördert und aufbereitet.3
💧 Oberflächenwasser
Zur Gewinnung von Trinkwasser wird auch Wasser aus Seen, Flüssen und Talsperren verwendet. Dieses sogenannte Oberflächenwasser ist jedoch deutlich stärker äußeren Einflüssen wie Schadstoffeinträgen ausgesetzt als Grundwasser. Zudem treten bei Oberflächenwasser häufiger mikrobiologische Belastungen auf, etwa durch Wasservögel oder fäkale Einträge. Daher ist oft eine umfangreiche Aufbereitung des Wassers nötig. Neben der direkten Entnahme aus Flüssen oder Seen spielen Talsperren bei der Förderung von Oberflächenwasser eine wichtige Rolle. Der Anteil von Oberflächenwasser an der deutschen Trinkwasserversorgung beträgt etwa 16 %.4
💧 Uferfiltrat
Uferfiltrat entsteht, wenn Wasser aus Flüssen oder Seen in angrenzende Bodenschichten eindringt und dort „Grundwasser” bildet. Während dieses Prozesses wirkt der Boden als natürlicher Reinigungsfilter. In Bezug auf die Wasserqualität liegt Uferfiltrat zwischen Grund- und Oberflächenwasser. Uferfiltrat deckt in Deutschland ca. 8 % des Trinkwasserbedarfs.5
💧 Quellwasser
Quellwasser tritt von selbst an die Erdoberfläche aus und zeichnet sich häufig durch eine hohe Reinheit aus, wobei diese stark von den geologischen Bedingungen in der Umgebung der Quelle abhängt. Quellwasser trägt etwa 8 % zur Trinkwasserversorgung bei.6
Grundwasser ist unterhalb der Erdoberfläche vorhandenes Wasser, das durch die Versickerung von Niederschlägen entsteht. Ein geringerer Teil des Grundwassers bildet sich auch durch Einträge von Oberflächenwasser aus Flüssen und Seen. Bei seinem Weg durch Erd- und Gesteinsschichten reichert sich das Wasser auf natürliche Weise mit Mineralstoffen wie Calcium und Magnesium an. Diese haben als sogenannte „Härtebildner” einen wesentlichen Einfluss auf die Wasserhärte. Außerdem wirken die Schichten als natürlicher Wasserfilter. Der Weg von Niederschlägen bzw. Oberflächenwasser bis zur Bildung von Grundwasser und die dabei ablaufenden Filterprozesse lassen sich vereinfacht wie folgt beschreiben:7, 8, 9
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Niederschläge und Oberflächenwasser versickern durch mikrobiologisch aktive obere Bodenschichten und werden dabei teilweise auf biologische Weise gereinigt.
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In tieferen Bodenschichten filtert das Durchsickern durch Sand-, Kies- und Gesteinsschichten das Wasser weiter.
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Trifft das Wasser auf eine wasserundurchlässige Schicht (z. B. Ton), staut es sich als Grundwasser darüber. Eine Grundwasserförderung ist hier dann besonders ergiebig.
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Von Grundwasser durchflossene Gesteinsschichten mit Poren und Hohlräumen (z. B. verkarstetes Karbonatgestein) werden als Grundwasserleiter (Aquifer) bezeichnet. Grundwasser kann in Karstgrundwasserleitern Fließgeschwindigkeiten von über 100 m pro Stunde erreichen, während es in Kies und Sand oft nur 1 m pro Tag fließt.
Quellen entstehen dort, wo Grundwasser durch Druck oder die Neigung einer undurchlässigen Schicht natürlich an der Erdoberfläche austritt. Dies ist in Deutschland besonders oft in Mittelgebirgsregionen und im Voralpenland der Fall. Quellen speisen Bäche und Flüsse und sind besonders in regenarmen Phasen für den Wasserabfluss in Gewässern bedeutsam.10
Grund und Oberflächenwasser werden in der Regel nicht ohne Aufbereitung als Trinkwasser verwendet, da das Wasser verunreinigt sein kann. Verantwortlich dafür können unter anderem sein: 11, 12
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Landwirtschaft: Nitrat aus der Düngung (z. B. Gülle) und Rückstände von Pflanzenschutzmitteln können trotz Schutzmaßnahmen in Grund- und Oberflächenwasser gelangen. Zudem kann es durch die Landwirtschaft zu Einträgen von Keimen (z. B. Coli-Bakterien) und Rückständen von Tierarzneimitteln in Rohwasser zur Trinkwassergewinnung kommen.
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Industrie: Industrielle Abwässer und Altlasten können Grundwasser sowie Flüsse und Seen mit diversen Schadstoffen wie Schwermetallen belasten.
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Klärwerke: Klärwerke können Schadstoffe wie Ewigkeitschemikalien (PFAS) oft nicht aus dem Abwasser entfernen. Folglich gelangen selbst mit dem „gereinigten” Abwasser von Klärwerken häufig verschiedenste Schadstoffe in zum Beispiel Flüsse. Dazu gehören auch Rückstände von Medikamenten aus der Humanmedizin (z. B. Ibuprofen, Diclofenac).
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Hausinstallation: Die Wasserversorger garantieren die Qualität des gelieferten Wassers gemäß Trinkwasserverordnung nur bis zum Übergabepunkt am Hausanschluss. Auf den letzten Metern bis zur Entnahme kann Trinkwasser noch durch die Hausinstallation mit zum Beispiel Schwermetallen (Blei- und Kupferrohre) sowie Keimen wie Legionellen belastet werden.
Nach der Förderung über Brunnen oder der direkten Gewinnung aus Oberflächengewässern muss das sogenannte Rohwasser in der Regel aufbereitet werden, bevor es die Anforderungen der Trinkwasserverordnung erfüllt. Dazu stehen unter anderem die folgenden Aufbereitungsverfahren zur Verfügung, die je nach Qualität des Rohwassers einzeln oder in Kombination angewendet werden:13, 14, 15
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Filtration: Sand- und Kiesfilter entfernen beispielsweise Schwebstoffe aus dem Wasser.
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Enteisenung und Entmanganung: Aus Grundwasser gefördertes Rohwasser hat oft hohe Gehalte an Eisen und Mangan, welche unter anderem zu einem unangenehmen Wassergeschmack und Verfärbungen an Armaturen und Waschbecken führen. Durch eine Belüftung und anschließende Abfilterung der oxidierten Partikel werden Eisen- und Manganverbindungen aus dem Rohwasser entfernt.
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Aktivkohlefilter: Viele organische Verbindungen, Spurenstoffe und Geruchsstoffe werden durch Adsorption an Aktivkohle gebunden. Dabei spielt die überaus poröse Oberfläche der Kohle mit ihrem hohen Bindungspotential eine entscheidende Rolle. Spezielle Aktivkohle-Filteranlagen können ebenso die bereits genannten PFAS binden.
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Desinfektion: Falls nötig, kommen zugelassene Verfahren wie UV-Bestrahlung oder eine Chlorung zur Desinfektion des Rohwassers zum Einsatz. Teilweise muss das Trinkwasser auch vor erneuter Verkeimung während des Transports im Leitungssystem durch eine Chlorung geschützt werden. Welche Gefahren von Chlor im Trinkwasser ausgehen könnten, erfahren Sie hier: „Welche Gefahr geht von Chlor im Trinkwasser aus?”.
Wie bereits erwähnt, garantieren die Wasserversorger die Einhaltung der Trinkwasserverordnung nur bis zu Ihrem Hausanschluss. Durch Rohre, Boiler und Armaturen der Hausinstallation kann es danach jedoch mitunter noch zu gesundheitsgefährdenden Belastungen des Leitungswassers kommen. Als Belastungsquellen kommen hier beispielsweise alte Bleirohre, Kupferrohre, verkeimte Armaturen und Stagnationswasser in Frage.16
Ob Ihr Trinkwasser mit Schadstoffen oder Keimen belastet ist, lässt sich mit einem unserer professionellen Trinkwassertests feststellen. Dazu bieten wir unter anderem die folgenden Wassertests über unseren Onlineshop an:
Die Probenentnahme für unsere Wassertests können Sie mit Hilfe der enthaltenen, leicht verständlichen Anleitung ganz einfach selbst vornehmen. Anschließend senden Sie die Wasserprobe in dem beiliegenden Versandkarton an unser spezialisiertes Partnerlabor. Nach kurzer Zeit steht das Analyseergebnis in Ihrem persönlichen Bereich von MyChecknatura zum Abruf bereit.
Woher kommt das Leitungswasser bei mir zu Hause?
Das Wasser stammt in der Regel überwiegend aus regionalen Quellen wie Grundwasser, Uferfiltrat oder Oberflächenwasser. Teilweise versorgen aber auch Trinkwasserfernleitungen Regionen und Städte aus Talsperren oder weiter entfernt liegenden Fördergebieten. Einige Wasserversorger nutzen ebenso eine Kombination aus zum Beispiel Grund- und Oberflächenwasser zur Wasserversorgung. Genaue Informationen über die Zusammensetzung und Herkunft Ihres Wassers erhalten Sie meist direkt auf der Internetpräsenz Ihres kommunalen oder städtischen Wasserversorgers.
Wie sicher ist das Leitungswasser in Deutschland?
Deutsches Leitungswasser gehört zu den am strengsten kontrollierten Lebensmitteln weltweit. Laut dem BMG-/UBA-Trinkwasserbericht 2020 bis 2022 hielten über 99 Prozent aller Proben die gesetzlichen Grenzwerte ein.17
Was regelt die Trinkwasserverordnung?
Die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) ist das zentrale Rechtsinstrument für die Sicherstellung der Trinkwasserqualität in Deutschland. Sie legt chemische, mikrobiologische und radiologische Grenzwerte fest, regelt Pflichten der Wasserversorger und schreibt regelmäßige Wasseruntersuchungen vor. Aus privaten Brunnen gefördertes und als Trinkwasser genutztes Wasser muss übrigens auch die Anforderungen der Trinkwasserverordnung erfüllen.